Nach einer Wahlniederlage, die viele Republikaner dem andauernden Krieg mit dem Iran zuschreiben, stellt sich Vizepräsident J. D. Vance auf eine eigene Linie, ohne seinen Präsidenten offen zu nennen. Man kann darin den alten Vorgang sehen, dass Gefolgschaft sich in Berechnung verwandelt, sobald eine Bewegung ihre Kraft verliert. Vance ringt dabei um das, was vom Programm der Bewegung über den Tag hinaus Bestand haben soll, und hofft auf die Präsidentschaftswahl 2028. Ob diese Abkehr trägt oder die Partei weiter spaltet, zeigt sich erst in den Entscheidungen des neuen Kongresses.
Vance rechnet ab: Ein Traum für Teheran
Der Krieg war der Schuldige, die übrigen Säulen des Programms nahm er aus.
Was ist an Vance' Äußerung eigentlich neu? Dass er den Krieg ablehnt, war doch bekannt.
Neu ist die Offenheit. Vorher gab es Andeutungen, jetzt schreibt er, alle wüssten, dass der Krieg die Wahl gekostet hat. Und das einen halben Tag nach der Niederlage.
Wichtig ist, was hier Befund ist und was Deutung. Der Wortlaut des Vance-Zitats ist belegt. Dass er damit 2028 im Blick hat, ist die Interpretation der FAZ, und der Text ist ein Kommentar.
Und was lässt er aus?
Zölle und das Vorgehen der ICE. Beides trug nach dieser Darstellung ebenfalls zur Niederlage bei, kommt bei ihm aber nicht vor. Genau diese Politik will er retten.
Wobei das Gewicht der einzelnen Ursachen offen bleibt. Der Text nennt keine Zahlen, die zeigen, wie stark der Krieg, die Zölle oder ICE gewirkt haben.
Wie hat Trump reagiert?
Er gab Vance lustlos recht und verteidigte zugleich den Krieg. Hegseth lobte er für „gute Arbeit“, obwohl viele Republikaner seinen Rücktritt wollen.
Dass Teheran sich über dieses Bild freut, ist ebenfalls eine Einschätzung. Ebenso die Prognose, der neue Kongress werde die Zusatzmittel nicht bewilligen. Entschieden ist das nicht.
Also bleibt offen, wie es weitergeht.
Ja. Man sollte auf die Abstimmung über die Kriegsmittel und auf Hegseths Zukunft achten.
Le Pouls
- Nach der Zwischenwahl richtet sich der Vizepräsident öffentlich gegen den Irankrieg seines Präsidenten und lässt die Partei aufhorchen.
- Trump antwortet lustlos, verteidigt den Krieg und stützt zugleich Verteidigungsminister Hegseth, dessen Position unter Druck steht.
- Im Lager wächst der Wunsch nach personellen Konsequenzen, während der Autoritätsverlust des Präsidenten sichtbar wird.
- Der neue Kongress dürfte Zusatzmittel für den Krieg verweigern, was Teherans Verhandlungsposition stärkt und Washingtons Spielraum verengt.
Nach einer Wahlniederlage, die viele Republikaner dem andauernden Krieg mit dem Iran zuschreiben, stellt sich Vizepräsident J. D. Vance auf eine eigene Linie, ohne seinen Präsidenten offen zu nennen. Man kann darin den alten Vorgang sehen, dass Gefolgschaft sich in Berechnung verwandelt, sobald eine Bewegung ihre Kraft verliert. Vance ringt dabei um das, was vom Programm der Bewegung über den Tag hinaus Bestand haben soll, und hofft auf die Präsidentschaftswahl 2028. Ob diese Abkehr trägt oder die Partei weiter spaltet, zeigt sich erst in den Entscheidungen des neuen Kongresses.
Einen halben Tag nach der Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen 2026 meldete sich Vizepräsident J. D. Vance zu Wort, und seine Worte ließen sich kaum anders lesen als ein Bruch mit Donald Trump. Alle wüssten, schrieb er, dass die Partei wegen des Irankriegs verloren habe.
Dass Vance diesen Krieg ablehnt, war schon länger bekannt. Neu ist, dass er es nun ausdrücklich sagt, statt nur anzudeuten. Die Frankfurter Allgemeine deutet das als Versuch eines Präsidentschaftsaspiranten, aus der MAGA-Bewegung zu retten, was ihm wichtig ist: vor allem die Zollpolitik und die harte Migrationspolitik. Dass Zölle und das Vorgehen der Einwanderungspolizei ICE ebenfalls zur Niederlage beigetragen haben könnten, verschwieg er.
Trump reagierte schwach. Er gab seinem Vize widerwillig recht und verteidigte zugleich den Krieg sowie Verteidigungsminister Hegseth, dessen Rückhalt im Lager bröckelt. Der Autoritätsverlust des Präsidenten ist damit offenkundig.
Auch außenpolitisch hat dies Folgen. Der neue Kongress wird die geforderten Zusatzmittel für den Krieg voraussichtlich nicht bewilligen. Teheran könnte sich kaum ein günstigeres Bild wünschen: bessere Verhandlungsposition für den Iran, schlechtere Optionen für Trump. Offen bleibt, ob der Kongress tatsächlich blockiert und ob Hegseth im Amt bleibt.
Einen halben Tag nach dem Debakel der Republikaner bei den Zwischenwahlen 2026 meldete sich Vizepräsident J. D. Vance zu Wort, und zwar so, dass es sich kaum anders lesen ließ als ein Bruch mit seinem Präsidenten. „Alle wissen“, schrieb er, dass die Republikaner die Wahl wegen des Krieges verloren hätten. Gemeint ist der Irankrieg, den Donald Trump führt.
Dass Vance diesen Krieg ablehnt, ist für Beobachter keine Neuigkeit. Er hat immer wieder Wege gefunden, die Öffentlichkeit das wissen zu lassen. Neu ist die Offenheit: Bisher blieb es bei Andeutungen, nun fiel er seinem Präsidenten ausdrücklich in den Rücken. Zugleich lässt sich seine Äußerung als Selbstauskunft lesen. Wenn Vance von den „Angekotzten“ sprach, die es immer gewusst hätten, meinte er vor allem sich selbst.
Die FAZ deutet das als Versuch eines Präsidentschaftsaspiranten, aus der MAGA-Bewegung das zu retten, was in seinen Augen rettenswert ist. Dazu zählt er vor allem die protektionistische Handelspolitik und die harte Migrationspolitik. Unerwähnt blieb in seiner Wortmeldung, dass auch die Folgen der Zölle und das rabiate Vorgehen der Einwanderungspolizei ICE zur Wahlniederlage beigetragen haben. Der Krieg war für Vance der Schuldige, die übrigen Säulen des Programms nahm er aus. Treue zu Trump kenne er nicht mehr, so die Einschätzung des Kommentars, nur noch ein Datum: die Präsidentenwahl 2028.
Trumps Antwort verstärkte den Eindruck der Schwäche eher, als dass sie ihn zerstreute. Der Präsident gab seinem Vize lustlos recht, verteidigte aber gleichzeitig den Krieg. Auch sein Bekenntnis zu Pete Hegseth, der im Pentagon „gute Arbeit“ mache, dürfte nach Einschätzung der Zeitung kaum Ruhe ins republikanische Lager bringen. Viele dort wollen den Skalp des „Kriegsministers“.
Der Autoritätsverfall des Präsidenten, so der Befund, liegt offen zutage. Das hat auch eine außenpolitische Seite. Das iranische Regime könnte sich kaum ein günstigeres Bild wünschen: Der Vizepräsident will nur noch „raus“ aus dem Krieg, der Verteidigungsminister ist angezählt, und der neue Kongress wird Trump die geforderten Zusatzmittel für den Krieg voraussichtlich nicht bewilligen.
Daraus folgt ein einfaches Verhältnis: Teherans Verhandlungsposition wird besser, Trumps Optionen werden schlechter. Zu beobachten ist nun, ob der Kongress die Zusatzmittel tatsächlich verweigert und ob Hegseth im Amt bleibt.
Citations marquantes
Alle wissen, dass die Republikaner die Wahl wegen des Krieges verloren haben.— J. D. Vance, sinngemäß
Hegseth mache im Pentagon gute Arbeit.— Donald Trump, sinngemäß