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US-Institut widerlegt Putin: Russland verliert im September Territorium statt zu gewinnen
Putins Behauptungen wirken wie Halluzinationen
Warum ist diese Analyse des ISW so bedeutsam? Es ist doch nicht das erste Mal, dass Putin Zahlen nennt, die nicht stimmen.
Weil das ISW eine der einflussreichsten unabhängigen Institutionen ist, die den Krieg täglich kartographiert. Wenn sie sagen, dass Russland 81 Quadratkilometer verlor statt 1.300 zu gewinnen, dann haben sie das mit Satellitenbildern und Feldberichten überprüft. Das ist nicht Meinung, das ist Messung.
Aber Moment – das ISW sagt selbst, es kann nicht beurteilen, ob Putin bewusst lügt oder ob er selbst von seinen Militärs belogen wird. Das ist ein großer Unterschied. Wir wissen also nicht wirklich, was in Moskau vor sich geht.
Und die Brücken in Kiew – wie ernst ist das wirklich? Sind das strategische Ziele oder eher symbolische Angriffe?
Beides. Die Brücken sind konkrete Infrastruktur, die Hunderttausende Menschen täglich nutzen. Wenn zwei Brücken über den Dnipro ausfallen, kollabiert der Verkehr in der Stadt. Aber ja, es ist auch eine Botschaft: Russland kann die Hauptstadt treffen, wann es will.
Nur – wir wissen nicht, ob das Teil einer neuen Strategie ist oder nur eine Eskalation der bisherigen Luftkampagne. Das ISW hat das nicht analysiert. Wir sehen Anschläge, aber nicht unbedingt das Muster dahinter.
Putin sagt, die Ukraine kostet ihn ein Prozent des BIP durch Anschläge auf Raffinerien. Das klingt nach einem Eingeständnis, dass die Ukraine tatsächlich Schaden anrichtet.
Genau. Putin gibt zu, dass die ukrainische Strategie funktioniert. Das ist bemerkenswert, weil es bedeutet, dass Kiew trotz Unterlegenheit in der Luftwaffe eine wirksame Gegenstrategie gefunden hat.
Aber ein Prozent des BIP – ist das viel oder wenig? Russland hat eine große Wirtschaft. Wir müssen vorsichtig sein, das nicht zu überschätzen. Und Putin könnte auch übertreiben, um die Bedrohung zu dramatisieren.
Was ist mit Moldau? Ist das ein neuer Kriegsschauplatz?
Nein, aber es zeigt, dass die Kriegslogik nicht an der ukrainischen Grenze endet. Drohnen fliegen, wo sie fliegen. Moldau liegt direkt neben Odessa. Das ist geografische Realität, keine neue Front.
Allerdings: Moldau sagt, es gab keinen Luftalarm in Odessa zur gleichen Zeit. Das bedeutet, die Drohnen könnten absichtlich über Moldau geflogen sein – oder es war ein Fehler. Wir wissen es nicht genau.
Der Puls
- Russland verlor im September etwa 81 Quadratkilometer Territorium, nicht 1.300 wie Putin behauptete
- Ukrainische Luftabwehr schoss im September nur noch 55 Prozent der russischen Drohnen ab, vorher waren es 90 Prozent
- Russische Anschläge auf Raffinerien kosteten Russland etwa ein Prozent des BIP
- Zwei Dnipro-Brücken in Kiew wurden innerhalb weniger Tage beschädigt
- Fünf russische Luftangriffswaffen drangen in Moldaus Luftraum ein und explodierten
US-Denkfabrik: Putins Behauptungen „wie Halluzinationen“ +++ Moldau meldet Einschläge von russischen Drohnen +++ Russland greift auch zweit… Alle Texte, Hintergründe und Kommentare zum Krieg in der Ukraine finden Sie auch auf unserer Sonderseite. Fabian Drahmoune US-Denkfabrik wi…
US-Denkfabrik: Putins Behauptungen „wie Halluzinationen“ +++ Moldau meldet Einschläge von russischen Drohnen +++ Russland greift auch zweite Dnipro-Brücke in Kiew an +++ alle Neuigkeiten im Liveblog
Das Institut für Kriegsstudien in Washington hat Putins Darstellung der militärischen Lage im September als grundlegend falsch widerlegt. Nach Analyse der Forschungseinrichtung verlor Russland in diesem Monat etwa 81 Quadratkilometer Territorium, statt wie vom Kremlchef behauptet mehr als 1.300 Quadratkilometer zu gewinnen. Die Diskrepanz ist so groß, dass das ISW von Aussagen sprach, die "wie Halluzinationen" wirken. Das Institut konnte nicht feststellen, ob Putin die falschen Zahlen bewusst präsentiert oder ob er auf erfundene Lageberichte aus dem Militärapparat hereinfällt. Fest steht nach Einschätzung der Analysten: Eine "Kultur des Lügens" durchzieht die russische Militärführung in ihren Grundfesten.
Putin hatte wenige Tage zuvor die vollständige Eroberung des Donbass-Gebiets innerhalb von weniger als anderthalb Jahren angekündigt und dabei ausdrücklich betont, dass dies angesichts des russischen Vormarschs deutlich schneller geschehen werde. Die Realität an der Front erzählt eine andere Geschichte. An vielen Abschnitten der Frontlinie hat sich die Situation über mehrere Monate hinweg kaum verändert. Ukrainische Einheiten haben bei Lyman im Donezker Gebiet sogar Geländegewinne erzielt und Dutzende Quadratkilometer zurückgeholt. Befestigte Städte wie Slowjansk und Kramatorsk liegen für russische Truppen noch mehr als zehn Kilometer entfernt.
Die Luftkampagne gegen Kiew intensiviert sich unterdessen. Russland setzte am Samstag Marinedrohnen gegen die Nordbrücke über den Dnipro ein und beschädigte Fahrbahn und Oberleitungen der Straßenbahn. Bürgermeister Vitali Klitschko sperrte die Brücke für den Verkehr. Dies war bereits der zweite Brückenschlag innerhalb weniger Tage. Am Donnerstag und Freitag hatte Russland die südliche Dnipro-Brücke getroffen, wobei neben der Fahrbahn auch der U-Bahn-Bereich und ein Brückenpfeiler beschädigt wurden. Für Hunderttausende Kiewer, die östlich des Flusses leben und zur Arbeit auf die Westseite pendeln, führte dies zu erheblichen Verkehrsstörungen.
Russland verlässt sich bei diesen Angriffen zunehmend auf schnelle Jetdrohnen der Typen Geran 4 und Geran 5, die Geschwindigkeiten von bis zu 500 Stundenkilometern erreichen. Diese Waffen sind deutlich schwerer abzufangen als propellergetriebene Drohnen. Die ukrainische Luftabwehr, die früher 90 Prozent der russischen Drohnen abschießen konnte, schaffte im September nur noch 55 Prozent. Ein Frachter unter liberianischer Flagge im Hafen von Odessa wurde bei einem russischen Angriff getroffen. Ein Besatzungsmitglied starb, drei weitere wurden verletzt, 13 weitere Matrosen wurden evakuiert. Das russische Militär behauptete, das Schiff sei mit militärischen Gütern beladen gewesen.
Die Auswirkungen des Krieges reichen über die Ukraine hinaus. Moldau meldete, dass fünf russische Luftangriffswaffen, darunter Banderol-Raketen und Drohnen, in sein Staatsgebiet eindrangen und explodierten. Explosionen wurden in Ortschaften im südöstlichen Landesteil registriert. Präsidentin Maia Sandu erklärte, die Vorfälle zeigten, dass Russlands Krieg "Moldau erreicht" habe. Das Land bestellte den russischen Botschafter ein und forderte Moskau auf, solche Zwischenfälle zu verhindern. Sandu warnte: "Moskau bringt in ganz Europa Menschenleben in Gefahr und muss gestoppt werden."
Putin räumte unterdessen ein, dass ukrainische Angriffe auf russische Ölanlagen der russischen Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen. Auf dem Waldai-Forum in Moskau sagte er, die Anschläge hätten zum Verlust von etwa einem Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts geführt. Im September mussten mehrere russische Raffinerien ihre Produktion einstellen oder stark drosseln. Die Internationale Energieagentur verzeichnete in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 durchschnittlich alle drei Tage einen erfolgreichen ukrainischen Angriff auf eine russische Raffinerie. Putin kündigte an, als Vergeltung Ziele in der Ukraine anzugreifen, die er für wirtschaftlich bedeutsam hält, und lehnte Selenskyjs Vorschlag einer gegenseitigen Waffenruhe für Energieanlagen ab.
Die Ukraine hat ihrerseits erstmals eine selbst entwickelte taktische ballistische Rakete des Typs FP-7 im Kampf eingesetzt. Präsident Selenskyj kündigte auf sozialen Netzwerken an, die Raketenproduktion ausweiten zu wollen. Die Rüstungsfirma Fire Point hatte den ersten Einsatz mehrfach verschoben, nachdem sie zunächst Anschläge auf Moskau für den Sommer angekündigt hatte. Mit der Entwicklung eigener ballistischer Raketensysteme versucht Kiew, mit Russland Waffenparität herzustellen.
Bemerkenswerte Zitate
Wir dürfen nicht das schwächste Glied sein. Wir müssen stark sein. Die gesamte Ostflanke muss Einigkeit zeigen. Wir sind die Außengrenze Europas, die stark sein muss.— Lettlands Ministerpräsident Andris Kulbergs bei seiner Stimmabgabe
Moskau bringt in ganz Europa Menschenleben in Gefahr und muss gestoppt werden.— Moldaus Präsidentin Maia Sandu nach Drohneneinschlägen