Ukrainische Seedrohnen trafen Öltanker vor Sotschi; Rohöl brennt auf dem Schwarzen Meer, 23-köpfige indische Besatzung gerettet. Ukraine attackierte Moskauer Region mit etwa 650 Drohnen; Russland meldet zwei Tote und Schäden an Infrastruktur und Lagerhallen.
Ukrainischer Drohnenangriff entzündet Öltanker im Schwarzen Meer
Rohöl brennt offen auf dem Schwarzen Meer
Was bedeutet es, dass die Ukraine jetzt Öltanker im Schwarzen Meer angreift? Das ist doch eine Eskalation, oder?
Die Ukraine zielt auf Russlands Energiesektor, um die Kriegskasse zu treffen. Wenn Russland kein Öl exportieren kann, verliert es Einnahmen, die es für den Krieg braucht. Das ist eine logische Strategie.
Aber wir sollten vorsichtig sein: Wir wissen, dass der Tanker getroffen wurde und brannte. Aber die genaue Menge des Öls, das ins Meer gelangt ist, die Umweltfolgen – das wird nicht detailliert berichtet. Wir haben nur russische Angaben.
Und wie viele Drohnen hat die Ukraine wirklich auf Moskau geschickt? 650 klingt nach einer enormen Zahl.
Das ist die Zahl, die der Moskauer Bürgermeister genannt hat. Wenn sie stimmt, zeigt sie, dass die Ukraine in der Lage ist, massive Angriffe über große Entfernungen durchzuführen.
Genau – das ist Sobjanins Behauptung. Aber wir haben keine unabhängige Bestätigung. Und er sagt auch, dass die meisten abgeschossen wurden. Das ist schwer zu überprüfen. Was wir wissen: Es gab Tote und Sachschäden. Das ist verifiziert.
Warum greift Russland jetzt Brücken über den Dnipro an? Das ist doch eine neue Taktik?
Brücken sind kritische Infrastruktur. Wenn Russland sie zerstört, kann die Ukraine Truppen und Versorgung nicht mehr so leicht bewegen. Es ist eine klassische Kriegsstrategie.
Richtig. Aber die Berichte sagen nicht, wie erfolgreich diese Angriffe sind. Wurden die Brücken zerstört oder nur beschädigt? Das macht einen großen Unterschied. Wir wissen nur, dass fünf Menschen verletzt wurden.
Selenskyj spricht von Verhandlungen im Oktober. Glaubt er wirklich, dass das funktioniert?
Er hofft, dass die USA einen Rahmen schaffen können. Aber er sagt auch klar: Russland muss bereit sein. Das ist ein wichtiger Punkt – er macht nicht nur Hoffnungen, sondern nennt auch die Bedingung.
Das ist eine diplomatische Aussage. Aber ob die USA wirklich ein Dreiertreffen organisieren können, ist offen. Und ob Russland überhaupt verhandeln will – das ist die eigentliche Frage. Wadephuls Warnung deutet darauf hin, dass Russland eher auf Expansion aus ist als auf Verhandlungen.
Il Polso
- Ukrainische Seedrohnen trafen Öltanker vor Sotschi; 23-köpfige indische Besatzung gerettet
- Ukraine griff Moskauer Region mit etwa 650 Drohnen an; zwei Zivilisten getötet
- Frachter vor bulgarischer Küste nach Drohnenangriff gesunken
- Drei Menschen in Saporischschja bei Busangriff getötet
- Selenskyj hofft auf Verhandlungen im Oktober; Wadephul warnt vor Putins Restaurationsplänen
Ukrainische Seedrohnen trafen Öltanker vor Sotschi; Rohöl brennt auf dem Schwarzen Meer, 23-köpfige indische Besatzung gerettet. Ukraine attackierte Moskauer Region mit etwa 650 Drohnen; Russland meldet zwei Tote und Schäden an Infrastruktur und Lagerhallen.
Ukraine führt massive Drohnenangriffe auf russische Ziele durch, darunter Öltanker im Schwarzen Meer und Infrastruktur in der Moskauer Region. Russland meldet Luftabwehrerfolge, bestätigt aber Opfer und Sachschäden.
In der Nacht zum Dienstag hat sich der Krieg zwischen der Ukraine und Russland in mehreren Schauplätzen gleichzeitig verschärft. Ein unter liberianischer Flagge fahrender Öltanker wurde nach russischen Angaben von ukrainischen Seedrohnen vor der Küste Südrusslands getroffen und geriet in Brand. Das Feuer war so heftig, dass Einsatzkräfte es nicht löschen konnten. Rohöl brannte offen auf dem Schwarzen Meer unweit des beliebten Urlaubsortes Sotschi, einer Stadt mit 500.000 Einwohnern. Videos und Fotos zeigten orange lodernde Flammen auf dem Wasser und eine dichte schwarze Rauchsäule, die aufstieg. Der Bürgermeister kündigte an, dass der Zugang zur Küste und zu den Stränden eingeschränkt werden würde. Die 23-köpfige Besatzung, allesamt indische Staatsbürger, konnte gerettet werden.
Zur gleichen Zeit griff die Ukraine die russische Hauptstadt an. Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin steuerten mehr als 650 ukrainische Drohnen auf Moskau zu. Die meisten seien abgeschossen worden, schrieb er auf Telegram. Doch der Angriff forderte Opfer: Ein 71 Jahre alter Mann wurde aus den Trümmern eines Hauses geborgen und starb. Ein 20 Jahre alter Mann aus einem nahegelegenen Dorf kam ebenfalls ums Leben. Neun weitere Menschen wurden verletzt. Ein Lagerhaus geriet in Brand. In Domodedowo südlich von Moskaus, wo sich der drittgrößte Flughafen des Landes befindet, fiel in einigen Dörfern der Strom aus. Nach Augenzeugenberichten hatte die Ukraine eine Ölförderanlage etwa 40 Kilometer von Moskau entfernt ins Visier genommen. Die Ukraine zielt systematisch auf Anlagen der russischen Ölindustrie, um Moskaus Kriegskasse zu treffen und den für das Land wichtigen Energieexport zu unterbrechen.
In Kiew selbst kam es zu neuen Angriffen. Das Portal The Kyiv Independent berichtete von einem massiven Raketen- und Drohnenangriff in den frühen Morgenstunden. Reporter zählten mindestens zehn bis zwölf Explosionen in der Innenstadt. Bürgermeister Vitali Klitschko meldete Angriffe auf Gebäude im Bezirk Obolonskyj, die nicht zu Wohnzwecken genutzt werden. Im Bezirk Podilskyj wurden Lagerhallen getroffen. Journalisten berichteten von Flammen und Rauch, doch über das Ausmaß der Schäden war zunächst nichts bekannt.
Auch in anderen Teilen der Ukraine gab es Angriffe. In der südöstlichen Region Saporischschja griff Russland gezielt eine Brücke über den Dnipro an. Fünf Menschen wurden verletzt, darunter zwei Mitarbeiter des Roten Kreuzes, die auf dem Weg zu ihrem Einsatz waren. Russland setzt dabei zunehmend düsenbetriebene Drohnen ein, die für die ukrainische Luftverteidigung deutlich schwerer abzuwehren sind als die propellerbetriebenen Drohnen, auf die Russland bisher hauptsächlich setzte. In einem russisch besetzten Teil der Region Saporischschja wurde ein Bus angegriffen. Drei Menschen starben, darunter der Busfahrer. Drei weitere wurden verletzt.
Russland wirft der Ukraine vor, das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja angegriffen zu haben. Nach Angaben des Chefs des russischen Atomkonzerns Rosatom, Alexej Lichatschow, wurde ein Fahrer getötet, der Lebensmittel für die Mitarbeiter lieferte. Ziele seien ein Laborgebäude und eine Anlage zur Verarbeitung radioaktiver Abfälle gewesen. Eine Gefahr für die nukleare Sicherheit bestehe jedoch nicht. Die externe Stromversorgung war bereits am Samstag durch ukrainischen Beschuss beschädigt worden. Das Kraftwerk wird derzeit über Notstromdieselgeneratoren versorgt.
In einem anderen Vorfall im Schwarzen Meer sank nach einem Drohnenangriff ein unter der Flagge Togos fahrender Frachter vor der bulgarischen Küste. Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew sagte, zwei Schiffe seien etwa 112 Kilometer vor der östlichen Küstenstadt Bjala getroffen worden. Die Besatzung eines Getreidefrachters konnte gerettet werden, doch das andere Schiff sank. Wer für den Angriff verantwortlich war, blieb zunächst unklar. Radew sagte, die Drohnen seien entweder russisch oder ukrainisch. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beschuldigte Russland des Angriffs. Eine russische Stellungnahme lag nicht vor.
Trotz der Eskalation hofft Selenskyj auf Diplomatie. In seiner abendlichen Videoansprache sagte er, er gehe davon aus, dass die USA im Oktober ein Dreiertreffen organisieren könnten. Das ukrainische Verhandlungsteam stehe bereit. "Diese Bereitschaft muss nun auch von Russland kommen", sagte er. Die Diplomatie müsse in Russland zur Priorität werden. "Bislang konzentrieren sie sich ausschließlich auf Angriffe auf die Ukraine und auf destabilisierende Aktivitäten in Europa."
Bundesaußenminister Johann Wadephul warnte unterdessen vor Putins langfristigen Plänen. Wadephul sagte, Russland habe vor dem Krieg ein gutes Auskommen mit der Ukraine gehabt und niemand habe Russland bedroht. "Und deswegen müssen wir doch davon ausgehen, dass Russland weitergehende Pläne hat." Putin habe den Zusammenbruch der Sowjetunion als größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet. "Wenn das die größte Katastrophe war, dann möchte er die wahrscheinlich reparieren." Dazu gehörten die Ukraine, Georgien, Moldau und das Baltikum. "Das sind jetzt EU- und NATO-Mitglieder und damit sind wir dann selbst auch betroffen als Alliierte."
Citazioni salienti
Rohöl brennt offen auf dem Wasser des Schwarzen Meeres— Russisches Verkehrsministerium
Russland hat weitergehende Pläne, die über die Ukraine hinausgehen – Putin möchte den Zusammenbruch der Sowjetunion wahrscheinlich reparieren— Bundesaußenminister Johann Wadephul
Diese Bereitschaft muss nun auch von Russland kommen. Die Diplomatie müsse in Russland zur Priorität werden— Präsident Wolodymyr Selenskyj