Trump rudert bei Diesel-Drohung zurück – G7 gibt Reserven frei

Die Drohung war nie ernst gemeint – doch Europa hatte sie ernst genommen
Trump erklärt seinen wiederholten Exportstopp-Drohungen nachträglich als nicht ernst gemeint, nachdem die G7 reagiert hatte.
Mark

Warum hat Trump die Drohung überhaupt gemacht, wenn er sie nicht ernst meinte?

Mimi

Das ist die zentrale Frage. Die Drohung war real genug, dass europäische Regierungen sie ernst nahmen und darauf reagierten. Ob Trump sie als Verhandlungstaktik nutzte oder die Situation sich einfach geklärt hat – das wird nicht ganz klar.

Luke

Genau. Wir wissen, dass er die Drohung mehrfach wiederholte, bis zum Donnerstag vor dieser Erklärung. Dann sagt er plötzlich, es sei nie ernst gemeint gewesen. Das ist eine Interpretation seiner Worte, nicht eine Erklärung dafür, warum er sie überhaupt gemacht hat.

Mark

Hat die Drohung also funktioniert? Hätte die G7 die Reserven freigegeben, ohne dass Trump gedroht hätte?

Mimi

Das lässt sich nicht beweisen. Aber die Quelle sagt explizit, dass die G7 "auch auf Druck der USA" reagierte. Die Drohung war Teil des Drucks.

Luke

Wichtig ist: Die 32 IEA-Mitgliedstaaten hatten bereits im März 400 Millionen Fass freigegeben – die größte Freigabe in der Geschichte der IEA. Diese neue Entscheidung ist eine zusätzliche Maßnahme. Ob sie ohne Trumps Drohung gekommen wäre, wissen wir nicht.

Mark

Wird das die Preise wirklich senken?

Mimi

Die unmittelbare Reaktion war positiv – Ölpreise fielen um bis zu fünf Prozent. Aber die Quelle zeigt auch, dass die Versorgungslage weiterhin angespannt ist. Raffinerien sind beschädigt, russische Produktion ist ausgefallen, Russland hat selbst einen Exportstopp verhängt.

Luke

Macron sagte selbst, dass die Preise auch wegen Spekulationen gestiegen sind – wegen der Gerüchte über das US-Exportverbot. Wenn die Gerüchte verschwinden, sinken die Preise vielleicht, unabhängig davon, ob die freigegebenen Reserven tatsächlich den Markt erreichen.

Mark

Wie viel von den freigegebenen Reserven kommt tatsächlich auf den Markt?

Mimi

Das ist eine offene Frage. Bei der März-Freigabe von 400 Millionen Fass ist etwa ein Drittel noch nicht auf den Markt gekommen, sagt IEA-Chef Fatih Birol.

Luke

Das ist ein wichtiger Punkt. Die Ankündigung einer Freigabe und die tatsächliche Verfügbarkeit sind zwei verschiedene Dinge. Wir wissen nicht, wie schnell diese 100 Millionen Fass tatsächlich verfügbar sein werden.

  • G7 gibt bis zu 100 Millionen Fass Rohöl und Diesel frei
  • Trump hatte Exportstopp mehrfach gedroht, erklärt dies nun als nicht ernst gemeint
  • Etwa 50 Prozent der EU-Dieselimporte kommen aus den USA
  • Dieselpreis in der EU erreichte Rekordwert von 2,24 Euro pro Liter
  • Ölpreise fielen unmittelbar um bis zu fünf Prozent nach G7-Entscheidung

G7 gibt bis zu 100 Millionen Fass Rohöl und Diesel frei, um Kraftstoffpreise zu senken und Versorgungssicherheit zu stabilisieren. Trump hatte wiederholt mit Exportstopp gedroht, erklärt dies nun als nicht ernst gemeint; europäische Regierungen hatten Drohungen ernst genommen.

Die G7-Staaten einigen sich auf Freigabe von bis zu 100 Millionen Fass Öl und Diesel aus strategischen Reserven. Trump erklärt nachträglich, seine Drohung eines US-Exportstopps sei nicht ernst gemeint gewesen.

Donald Trump hatte es wiederholt gesagt: Wenn die G7 ihre Diesel-Reserven nicht freigeben würde, würde er amerikanische Diesel-Exporte sperren. Am Freitag in Washington erklärte der 80-Jährige dann, dass er das nie ernst gemeint habe. Ein solches Verbot habe niemals wirklich zur Debatte gestanden, sagte er vor Reportern. Er werde es auch nicht verhängen. Die USA hätten sehr gute Beziehungen zu Europa.

Doch die europäischen Regierungen hatten Trumps Drohungen sehr ernst genommen. Noch am 22. September hatte er sich für einen Exportstopp ausgesprochen, am Donnerstag zuvor hatte er erklärt, die USA erwögen ihn weiterhin. Der Grund für die Sorge war konkret: Etwa die Hälfte der Diesel-Importe der Europäischen Union kommt aus den USA. Ein amerikanischer Exportstopp hätte die Versorgung insbesondere in der EU massiv treffen können.

Die G7-Staaten einigten sich daraufhin auf die Freigabe von bis zu 100 Millionen Fass Rohöl und Diesel aus ihren strategischen Reserven. Die Entscheidung fiel bei einer Videokonferenz unter dem Vorsitz von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, an der auch Kanzler Friedrich Merz teilnahm. Die Freigabe soll sofort beginnen und sich über vier Monate erstrecken, mit einer vorgezogenen umfangreichen Dieselfreigabe innerhalb der ersten 20 Tage. Zur G7 gehören neben den USA Frankreich, Deutschland, Italien, Großbritannien, Kanada und Japan.

Der Hintergrund für die Preiskrise ist der Iran-Krieg, den die USA und Israel begonnen haben. Die Kraftstoffpreise sind dadurch stark gestiegen und sind für Trump und seine Republikaner vor den wichtigen Zwischenwahlen im November zu einem politischen Problem geworden – besonders in den ländlich geprägten US-Bundesstaaten, wo Diesel für Landwirtschaft, Lkw-Verkehr und verarbeitendes Gewerbe von großer Bedeutung ist. In der EU erreichte der Dieselpreis an den Tankstellen zuletzt im Wochendurchschnitt 2,24 Euro je Liter, einen Rekordwert.

Die Wirkung der G7-Entscheidung war unmittelbar. Der Ölpreis in den USA fiel zeitweise um bis zu fünf Prozent, der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent sank vorübergehend wieder unter 100 Dollar. Macron hoffte, dass die Maßnahmen zu einem Rückgang der Preise auf den Weltmärkten führen würden. Er betonte aber auch, dass die Preise durch Spekulationen gestiegen seien, insbesondere wegen der Gerüchte über ein US-Exportverbot – also genau wegen der Drohungen, die Trump nun als nicht ernst gemeint darstellte.

Die deutsche Bundesregierung wertete die Einigung als "wichtiges Zeichen für die Handlungsfähigkeit und Geschlossenheit der G7". Die Freigabe sei ein "substanzieller Impuls, um die Versorgungslage und das Marktgeschehen zu stabilisieren", hieß es aus Regierungskreisen in Berlin. Die Freigabe der Erdölprodukte soll über die Internationale Energieagentur erfolgen. Die G7 schlossen auch nicht aus, weitere Mengen freizugeben. Deutschlands Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte, die G7 hielten "ihre Energieflüsse untereinander offen, koordinieren Raffineriekapazitäten und erhöhen die Auslastung, wo das möglich ist". Die G7 verpflichteten sich zudem, untereinander keine Exportbeschränkungen für Energie und Energieprodukte zu verhängen.

Doch die Versorgungslage bleibt angespannt. Zwar nähern sich die Rohölexporte aus dem Nahen und Mittleren Osten wieder dem Niveau vor dem Iran-Krieg, doch beschädigte Raffinerien schränken die Produktion von Treibstoffen ein. Im Zuge des Ukraine-Kriegs wurden auch russische Produktionsstätten beschädigt und sind ausgefallen, was zusätzliche Auswirkungen auf das globale Kraftstoffangebot hat. Ein von Russland verhängter Diesel-Exportstopp trägt ebenfalls zum Druck auf den Weltmarkt bei. Nach Angaben von IEA-Chef Fatih Birol ist etwa ein Drittel der 400 Millionen Fass, die die 32 IEA-Mitgliedstaaten bereits im März freigegeben hatten – die größte Freigabe in der mehr als 50-jährigen Geschichte der Internationalen Energieagentur – noch nicht auf den Markt gekommen.

Ein solches Verbot habe niemals wirklich zur Debatte gestanden
— Donald Trump
Die Freigabe sei ein substanzieller Impuls, um die Versorgungslage und das Marktgeschehen zu stabilisieren
— Deutsche Bundesregierung
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