Trump kündigt russische Diesel-Lieferungen an – Kiew protestiert scharf

Eine Abschwächung der Sanktionen ist ein Zeichen der offensichtlichen Schwäche
Selenskyj warnt, dass Trumps Diesel-Deal Russland ermutigt, die Ukraine weniger ernst zu nehmen.
Mark

Warum ist Trump so daran interessiert, russischen Diesel zu kaufen? Das klingt politisch riskant.

Mimi

Die Dieselpreise sind seit Februar um 70 Prozent gestiegen. Das trifft jeden, der Auto fährt oder Waren transportiert. Trump steht innenpolitisch unter Druck wegen dieser hohen Spritpreise.

Luke

Aber 300.000 Tonnen decken nur 14 Stunden des US-Verbrauchs. Das ist mathematisch fast nichts. Warum sollte das den Preis um fünf Prozent senken?

Mimi

Das ist der Punkt – es ist eher ein psychologisches Signal. Der Markt reagiert auf die Ankündigung, nicht auf die tatsächliche Menge.

Mark

Und Selenskyj sagt, das ist eine Investition in den Krieg gegen die Ukraine?

Mimi

Genau. Russland finanziert seinen Krieg mit Öleinnahmen. Wenn Trump diese Einnahmen zulässt, verlängert das den Konflikt aus Kiews Perspektive.

Luke

Aber Trump hatte gerade ein Gesetz unterzeichnet, das russische Exporte begrenzen sollte. Das ist eine komplette Umkehrung.

Mark

Warum würde Trump das tun, wenn es die Ukraine schwächt?

Mimi

Weil die Wähler niedrigere Benzinpreise wollen. Das ist innenpolitisch wichtiger als außenpolitische Konsistenz.

Luke

Und die Ukraine wurde nicht mal informiert, bevor die Verhandler in Miami über Frieden sprachen. Das ist das Vertrauensproblem.

Mark

Also: Trump braucht niedrigere Preise, Putin bekommt Einnahmen, und die Ukraine sitzt am Verhandlungstisch ohne alle Informationen?

Mimi

So sieht es aus.

  • Trump kündigt Lieferung von über 300.000 Tonnen russischem Diesel an, später bis zu 3 Millionen Tonnen möglich
  • 300.000 Tonnen entsprechen etwa 14 Stunden des täglichen US-Dieselverbrauchs
  • Diesel-Futures sanken um knapp 5 Prozent auf 1,23 Dollar pro Liter nach der Ankündigung
  • Selenskyj kritisiert mangelnde Transparenz: Trumps Gesandte verhandelten parallel über Frieden, ohne die Ukraine zu informieren
  • Trump hatte im September ein Gesetz unterzeichnet, das russische Öl- und Gas-Exporte begrenzen sollte

Trump verkündet Vereinbarung mit Putin über schrittweise Lieferung von über 300.000 Tonnen Diesel, später bis zu 3 Millionen Tonnen möglich. Selenskyj wirft Trump vor, Russland zu unterstützen und den Krieg zu verlängern; kritisiert mangelnde Transparenz gegenüber Ukraine-Verhandlern.

Trump kündigt Deal mit Putin an: Russland liefert zunächst 300.000 Tonnen Diesel für USA und Weltmarkt. Kiew kritisiert dies als Investition in den Krieg und Zeichen von Schwäche.

Donald Trump steht unter Druck. Die Benzinpreise in Amerika sind gestiegen, und die Wähler merken es an der Zapfsäule. Am Freitag kündigte der Präsident eine Lösung an: einen Deal mit Wladimir Putin, der Hunderttausende Tonnen russischen Diesel auf den amerikanischen und den Weltmarkt bringen soll. Sofort sollten mehr als 300.000 Tonnen fließen. Im November würde eine weitere halbe Million Tonnen folgen, dann eine Million Tonnen danach. Langfristig, so Trump, könnte Russland bis zu drei Millionen Tonnen liefern – abhängig vom Zustand seiner Raffinerien, wie er vorsichtig hinzufügte, ohne konkrete Zeiträume zu nennen.

Der Kreml bestätigte die Vereinbarung prompt. In einer schriftlichen Erklärung Putins hieß es, Russland sei bereit, Erdöl und Erdölprodukte auf amerikanische und weltweite Märkte zu liefern. Das werde sich positiv auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken. Das US-Finanzministerium stellte eine temporäre Lizenz aus, die den Verkauf, die Lieferung und den Import von russischem Diesel bis zum 7. April 2027 genehmigt – eine Umgehung der bestehenden Sanktionen gegen Moskau.

In Kiew reagierte Präsident Wolodymyr Selenskyj mit Zorn. Er schrieb auf Telegram, dass die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, eine Investition in den Krieg gegen die Ukraine sei – einen Krieg, den man beenden müsse, nicht verlängern. Moskau werde mit weiterem Terror und Gemeinheiten danken. In einem Interview mit dem US-Nachrichtenportal Axios verschärfte Selenskyj seine Kritik: Die Vereinbarung sei weder fair noch ehrlich. Besonders verärgert zeigte er sich darüber, dass Trumps Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner parallel in Miami mit ukrainischen Unterhändlern über ein mögliches Ende des Krieges verhandelten – ohne die Ukraine über das geplante Diesel-Abkommen zu informieren.

Selenskyj erneuerte Kiews Bereitschaft, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, wenn Russland im Gegenzug die Attacken auf ukrainische Energieanlagen beendete. Die USA, so argumentierte er, hätten die Kraft, einen solchen Kompromiss zu erreichen. Eine Abschwächung der Russland-Sanktionen sei hingegen ein Zeichen der offensichtlichen Schwäche – Russland werde die USA noch weniger ernst nehmen.

Die Ankündigung wirkt wie eine Kehrtwende. Erst im September hatte Trump ein vom Kongress verabschiedetes Gesetz unterzeichnet, das ihm weitreichende Befugnisse für neue Sanktionen gegen Russland gab. Das Gesetz zielte darauf ab, die russischen Öl- und Gas-Exporte stärker einzudämmen – genau jene Exporte, mit denen Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine finanziert. Trumps neuer Schritt geht in die entgegengesetzte Richtung.

Experten bezweifeln jedoch, dass die Lieferungen zu einem nachhaltigen Preisrückgang führen werden. Der Ölanalyst Rory Johnston schrieb auf X, dass die Menge unbedeutend sei. Russland exportiere normalerweise weitaus mehr Diesel, wenn seine Raffinerien nicht angegriffen würden. Die sofort zugesagten 300.000 Tonnen entsprechen etwa 2,25 Millionen Barrel Diesel – während die USA täglich rund 1,5 Millionen Barrel exportieren. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA liegt der tägliche Dieselverbrauch in den USA bei durchschnittlich etwa 3,77 Millionen Barrel, was etwa 500.000 Tonnen entspricht. Die 300.000 Tonnen würden rechnerisch den US-Verbrauch für gut 14 Stunden decken. Jim Mitchell vom Beratungsunternehmen Wood Mackenzie sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass es sich eindeutig nicht um eine Lösung handele, sondern um eine weitere Quelle zur Unterstützung eines angespannten Marktes.

Dennoch reagierten die Märkte. Die US-Terminkontrakte für Diesel gaben nach Bekanntwerden der Einigung um knapp fünf Prozent auf 1,23 Dollar pro Liter nach. Die Dieselpreise, die als maßgeblicher Treiber der Inflation gelten, sind seit dem Beginn des von den USA und Israel geführten Krieges gegen den Iran am 28. Februar um 70 Prozent gestiegen. Die Konflikte in Iran und in der Ukraine haben weltweit zu einem Engpass bei der Kraftstoffversorgung geführt. Ob Trumps Deal diesen Engpass wirklich lindern wird, bleibt offen.

Die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg gegen die Ukraine, den man beenden und nicht verlängern muss
— Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident
Ich kann gar nicht genug betonen, wie unbedeutend das ist
— Rory Johnston, Ölanalyst
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