Tillis bereut Hegseth-Stimme: »Größter Fehler meiner Karriere«

Wenn man Trump in allem widerspricht, verliert man jeden Einfluss.
Tillis beschreibt die Lähmung innerhalb der Republikanischen Partei, die Kritik am Präsidenten verhindert.
Mark

Warum bereut Tillis seine Stimme für Hegseth ausgerechnet jetzt, Jahre später?

Mimi

Das Buch ist sein Weg, sich von der Angst zu befreien, die ihn während seiner Zeit im Senat gelähmt hat. Er tritt nicht mehr an – das gibt ihm einen Raum, den andere nicht haben.

Luke

Aber wir sollten fragen: Bereut er die Stimme selbst, oder bereut er, dass die Konsequenzen sichtbar wurden? Das Buch ist eine Abrechnung, aber auch eine Selbstschutzmaßnahme.

Mark

Er sagt, dass 30 weitere Republikaner private Vorbehalte gegen Trump haben. Wie sicher ist diese Zahl?

Mimi

Tillis nennt sie selbst – »mindestens 30«. Das ist seine Beobachtung aus dem Senat, nicht eine Umfrage. Es ist glaubwürdig, dass es Dissidenten gibt, aber die genaue Zahl können wir nicht überprüfen.

Luke

Genau. Und das ist der Kern des Problems, das Tillis beschreibt: Diese 30 Menschen sprechen nicht öffentlich. Wir hören von ihnen nur durch Tillis' Bericht über private Gespräche.

Mark

Was bedeutet seine Warnung vor einem »Blutbad« bei den Zwischenwahlen konkret?

Mimi

Er sieht die Partei in einer Krise – zu viel Gehorsam gegenüber Trump, zu wenig eigenständiges Denken. Das schwächt sie nach seiner Ansicht.

Luke

Aber Tillis ist selbst Teil dieser Partei und dieser Dynamik. Seine Kritik ist wichtig, aber sie kommt von jemandem, der lange mitgemacht hat, bevor er sich distanzierte.

Mark

Ist sein Buch ein Wendepunkt für die Republikaner?

Mimi

Es könnte ein Signal sein, dass andere folgen. Aber Tillis' Mut ist leicht, weil er nicht mehr kandidiert. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Luke

Und das ist auch das Risiko: Wenn nur diejenigen sprechen, die gehen, bleibt die Partei strukturell unverändert.

  • Tillis bezeichnet seine Zustimmung zu Pete Hegseth als Verteidigungsminister als den größten Fehler seiner politischen Laufbahn – eine Stimme, die das Zünglein an der Waage war.
  • Auch Robert F. Kennedy Jr. als Gesundheitsminister hätte er nach eigener Aussage stoppen sollen – die Reue zieht sich durch mehrere Schlüsselentscheidungen seiner Amtszeit.
  • Hinter den Kulissen, so Tillis, zweifeln mindestens 30 republikanische Kollegen an Trump – doch Karrierefurcht hält sie davon ab, diesen Zweifel öffentlich zu äußern.
  • Tillis beschreibt eine Partei im Würgegriff der Angst: Wer widerspricht, verliert Einfluss; wer schweigt, verliert die Integrität.
  • Für die Zwischenwahlen im November prophezeit er seiner Partei ein 'Blutbad' – und tritt selbst nicht mehr an, was ihm die Freiheit gibt, das auszusprechen, was andere nicht wagen.

In einem politischen System, das Loyalität über Überzeugung stellt, wählt ein scheidender Senator den Weg der Offenheit. Thom Tillis aus North Carolina benennt in einem neuen Buch die Kosten des Schweigens – für sich selbst, für seine Partei und für das Land – und stellt damit eine seltene Frage in den Raum: Was bleibt von einem Gewissen, das zu lange verstummt ist?

Thom Tillis, republikanischer Senator aus North Carolina, hat in einem neuen Buch mit dem programmatischen Titel »How to Lose Friends and Antagonize Presidents« eine ungewöhnliche politische Abrechnung vorgelegt. Im Mittelpunkt steht seine Stimme für Pete Hegseth als Verteidigungsminister – eine Entscheidung, die er heute als »den größten Fehler meiner Karriere« bezeichnet. Ohne Tillis wäre Hegseths Bestätigung im Senat gescheitert; erst die Stimme von Vizepräsident JD Vance brach das Patt.

Doch die Reue reicht weiter. Tillis schreibt, er hätte auch Robert F. Kennedy Jr. als Gesundheitsminister verhindern sollen, und äußert sich kritisch über weitere Trump-Nominierte wie Tulsi Gabbard, Kristi Noem und Howard Lutnick. Das Buch zeichnet das Bild eines Senators, der zu spät erkannte, wie weit er mitgegangen war.

Besonders aufschlussreich ist Tillis' Beschreibung des Schweigens innerhalb seiner Partei. Mindestens 30 Republikaner, so berichtet er, äußerten privat erhebliche Zweifel an Trump – doch vor Kameras sprächen alle freundlich. Die Angst vor dem Ende der eigenen Karriere halte eine ganze Fraktion in Schach. Tillis selbst geriet ins Visier des Präsidenten, als er sich gegen Trumps Steuerreform stellte, und schreibt, sein erster Gedanke sei gewesen: »Ich bin erledigt.«

Nun, da er nicht mehr kandidiert, zieht er eine klare Linie: Die Partei müsse aufwachen und Trump häufiger die Stirn bieten. Für die Zwischenwahlen im November erwartet er ein »Blutbad«. Ob seine Worte Wirkung zeigen, bleibt offen – doch das Buch legt nahe, dass hinter der republikanischen Einheitsfront weit mehr Risse verborgen sind, als die Öffentlichkeit bislang ahnte.

Thom Tillis, der republikanische Senator aus North Carolina, hat sich in einem neuen Buch zu einer Entscheidung geäußert, die ihn nach eigenem Bekunden nie hätte treffen sollen. Er bereut seine Stimme für Pete Hegseth als Verteidigungsminister unter Donald Trump – eine Unterstützung, die er nun als »den größten Fehler meiner Karriere« bezeichnet. Die Ironie liegt darin, dass Hegseth ohne Tillis' Stimme möglicherweise gar nicht ins Amt gekommen wäre. Im Senat herrschte Pattsituation, und erst die Stimme von Vizepräsident JD Vance brach das Patt zugunsten des ehemaligen Militärs.

Doch Hegseth ist nicht der einzige Nominierte, über den Tillis nun öffentlich Reue äußert. Zur Wahl von Robert F. Kennedy Jr. als Gesundheitsminister schreibt der Senator deutlich: »Ich hätte ihn stoppen sollen.« Auch zu anderen Trump-Nominerten – der früheren Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard, der ehemaligen Heimatschutzministerin Kristi Noem und Handelsminister Howard Lutnick – äußert sich Tillis der Berichterstattung zufolge kritisch. Das Buch trägt den programmatischen Titel »How to Lose Friends and Antagonize Presidents«, was auf Deutsch »Wie man Freunde verliert und Präsidenten gegen sich aufbringt« bedeutet und diese Woche vorgestellt wird.

Tillis geht in seinen Ausführungen über einzelne Personalentscheidungen hinaus. Er berichtet, dass er mindestens 30 weitere Republikaner kenne, die privat erhebliche Vorbehalte gegen Trump äußern würden – doch vor laufenden Kameras sprächen alle freundlich über den Präsidenten. Der Senator beschreibt ein System der Angst, in dem Parteifreunde ihre echten Überzeugungen verbergen, weil sie fürchten, dass öffentlicher Widerspruch das Ende ihrer politischen Karriere bedeuten könnte. »Wenn man Trump in allem widerspricht, verliert man jeden Einfluss«, schreibt Tillis über die Dynamik innerhalb der Partei.

Diese Furcht vor Konsequenzen ist für Tillis selbst nicht abstrakt. Im vergangenen Jahr geriet er ins Visier des Präsidenten, als er sich öffentlich gegen Trumps Steuerreform, das sogenannte »Big Beautiful Bill«, stellte. In seinem Buch offenbart Tillis, welcher Gedanke ihn damals durchfuhr: »Ich bin erledigt.« Doch statt zu schweigen, hat der Senator nun beschlossen, dass ein Punkt erreicht ist, an dem Stille nicht mehr vertretbar ist. Er schreibt, dass seine Partei »aufwachen« müsse und sich Trump häufiger entgegenstellen sollte.

Tillis prognostiziert seiner Partei für die Zwischenwahlen im November ein »Blutbad«. Selbst wird er nicht mehr antreten. Seine Botschaft an die Republikaner ist eindeutig: Die Dinge seien viel zu weit gegangen, und die Kosten des bedingungslosen Gehorsams gegenüber Trump seien höher als die vermeintlichen Vorteile. Ob andere Senatoren seiner Partei dieser Einschätzung folgen werden, bleibt offen – doch Tillis' Buch deutet darauf hin, dass hinter verschlossenen Türen mehr Zweifel herrscht, als die öffentliche Einheit vermuten lässt.

Ich hätte ihn stoppen sollen
— Thom Tillis über Robert F. Kennedy Jr. als Gesundheitsminister
Es gibt Republikaner, die bereit waren, den anfänglichen Forderungen des Trump-Teams nachzugeben, egal, wie lächerlich diese auch waren, weil sie glaubten, dass ein Nichtnachgeben das Ende ihrer politischen Karriere bedeuten würde.
— Thom Tillis in seinem Buch
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