Christa Pike liegt nach fehlgeschlagener Hinrichtung im Koma und wird künstlich beatmet; ihre Anwälte sprechen von Folter. Gefängnischef Frank Strada tritt zurück; Gouverneur Lee setzt alle künftigen Hinrichtungen aus und ordnet unabhängige Untersuchung an.
Tennessees Gefängnischef tritt nach gescheiterter Hinrichtung zurück
Sie erhielt die beiden Dosen und überlebte
Was genau ist bei dieser Hinrichtung schiefgelaufen?
Das ist noch nicht vollständig geklärt. Pike erhielt die beiden vorgesehenen Dosen Pentobarbital, aber sie starb nicht. Sie liegt seitdem im Koma und wird künstlich beatmet.
Aber wir wissen nicht, warum das Mittel nicht wirkte? Ob es ein Dosierungsfehler war, ein Verabreichungsfehler, oder etwas anderes?
Genau. Das ist der Grund, warum der Gouverneur eine unabhängige Untersuchung angeordnet hat. Strada behauptet, das Protokoll sei eingehalten worden.
Und deshalb tritt er jetzt zurück?
Das ist interessant – er sagt, sein Rücktritt diene den "besten Interessen" Tennessees während der Untersuchung. Es ist unklar, ob er unter Druck stand oder ob es eine freiwillige Entscheidung war.
Der Gouverneur sagt, er "schätze" Stradas Bereitschaft. Das klingt diplomatisch. Wurde Strada tatsächlich zum Rücktritt aufgefordert, oder bot er ihn an?
Das wird nicht explizit gesagt. Aber die Tatsache, dass alle künftigen Hinrichtungen ausgesetzt wurden und eine unabhängige Untersuchung läuft, deutet darauf hin, dass etwas Grundlegendes überprüft werden muss.
Wie lange war Pike im Gefängnis?
Über 30 Jahre. Sie war 18, als sie verurteilt wurde, und ist jetzt 50.
Ihre Anwälte sprechen von Folter. Das ist eine starke Aussage. Meinen sie die fehlgeschlagene Hinrichtung selbst, oder gibt es noch andere Faktoren?
Sie beziehen sich auf die fehlgeschlagene Hinrichtung – dass Pike bewusstlos wurde, aber nicht starb, während das Gift in ihrem Körper wirkte. Das ist das, was sie als Folter bezeichnen.
Il Polso
- Christa Pike, 50 Jahre alt, liegt nach gescheiterter Hinrichtung im Koma und wird künstlich beatmet
- Frank Strada, Chef der Gefängnisbehörde Tennessee, tritt zurück
- Gouverneur Bill Lee setzt alle künftigen Hinrichtungen aus und ordnet unabhängige Untersuchung an
- Pike war 1996 wegen Mordes an 19-jähriger Colleen Slemmer verurteilt worden; sie war damals 18 Jahre alt
Christa Pike liegt nach fehlgeschlagener Hinrichtung im Koma und wird künstlich beatmet; ihre Anwälte sprechen von Folter. Gefängnischef Frank Strada tritt zurück; Gouverneur Lee setzt alle künftigen Hinrichtungen aus und ordnet unabhängige Untersuchung an.
Nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike durch Giftspritze tritt Tennessees Gefängnisbehördenchef Frank Strada zurück. Die 50-Jährige liegt im Koma; der Gouverneur ordnete eine unabhängige Untersuchung an.
Christa Pike liegt in einem Krankenhaus in Nashville an ein Beatmungsgerät angeschlossen, bewusstlos seit dem Mittwochabend, als Tennessee versuchte, sie durch Giftspritze hinzurichten. Die 50-Jährige erhielt nach Angaben der Behörden die beiden im Protokoll vorgesehenen Dosen Pentobarbital – und überlebte. Ihre Anwälte sprechen von Folter. Das Krankenhauspersonal arbeitet daran, das verabreichte Gift aus ihrem Körper zu entfernen und ihr Leben zu retten.
Dieser gescheiterte Hinrichtungsversuch hat unmittelbare Konsequenzen in der Verwaltung gezogen. Frank Strada, der umstrittene Chef der Gefängnisbehörde von Tennessee, kündigte seinen Rücktritt an. Gouverneur Bill Lee gab die Entscheidung am Samstag bekannt. Lee erklärte, er schätze Stradas Bereitschaft, "die Interessen der Menschen in Tennessee an erste Stelle zu setzen". Strada wird noch in diesem Monat aus dem Amt scheiden; ein Nachfolger wurde bislang nicht benannt.
Strada selbst betonte in einer schriftlichen Stellungnahme, sein Rücktritt liege "im besten Interesse" des Bundesstaates, während eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls beginne. Gleichzeitig verteidigte er die Arbeit seiner Behörde und erklärte, dass sie das Hinrichtungsprotokoll eingehalten habe. Er signalisierte Kooperationsbereitschaft mit den Ermittlern und sagte, er wolle "alles tun, was ich kann, um genau herauszufinden, was geschehen ist".
Governör Lee hat alle künftigen Hinrichtungen in Tennessee ausgesetzt und eine unabhängige Untersuchung des gescheiterten Verfahrens angeordnet. Pike befindet sich seit der fehlgeschlagenen Hinrichtung in kritischem Zustand und wird künstlich beatmet.
Pike war 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie war zur Tatzeit selbst erst 18 Jahre alt. In den vergangenen Jahren haben ihre Anwälte verstärkt ihre schwere Kindheit, ihre psychischen Erkrankungen und ihre Entwicklung während der mehr als drei Jahrzehnte in Haft hervorgehoben. Nun liegt sie im Koma, und die Frage nach Verantwortung und Verfahrensfehlern steht im Raum.
Citazioni salienti
Ich möchte alles tun, was ich kann, um genau herauszufinden, was geschehen ist— Frank Strada, Gefängnisbehördenchef Tennessee
Ich weiß es zu schätzen, dass er in diesem schwierigen Moment bereit ist, die Interessen der Menschen in Tennessee an erste Stelle zu setzen— Gouverneur Bill Lee