Seit 1989 verkörpert Ulrike Folkerts die Kommissarin Lena Odenthal – eine der beständigsten Figuren im deutschen Fernsehkrimi. Die aktuelle Folge »Explosive Mischung« nimmt sich gesellschaftlich drängender Themen wie Misogynie und Femizid an, verliert sich dabei jedoch in einer Überladung klischeehafter Männerfiguren, die mehr Lärm als Erkenntnis erzeugt. Der Spiegel sieht darin ein Symptom einer Serie im Wandel: zwischen langjähriger Tradition und dem Versuch, in der Gegenwart anzukommen.
»Tatort«-Kritik: »Explosive Mischung« mit Folkerts – Krawall statt Spannung
Bisschen Krawall, viel Klischee – nicht so explosiv, wie er tut
Warum ist diese Folge denn so schlecht gelaufen? Es klingt, als hätte der Regisseur gute Absichten gehabt.
Das ist das Tückische daran. Eigler wollte offenbar etwas über Misogynie und toxische Männlichkeit sagen. Aber statt das zu vertiefen, hat er einfach immer mehr problematische Männer in die Episode gepackt – als würde die Menge das Thema ersetzen.
Moment – wie viele Verdächtige sind das denn konkret? Der Text sagt, es gibt Kleinkriminelle, einen Frauenmörder, und irgendwie auch noch andere. Das klingt nach einer Geschichte, die sich selbst im Weg steht.
Genau. Es ist nicht klar, wer eigentlich die Hauptfiguren sind und wer nur Staffage. Das macht die ganze Spannung kaputt.
Und Folkerts? Sie spielt die Rolle ja seit 1989. Kann sie das noch tragen?
Das ist nicht das Problem. Folkerts ist eine Veteranin, und die Episode zeigt, dass die Serie sie mit jüngeren Kolleginnen umgibt – das könnte funktionieren. Aber diese Episode nutzt das nicht.
Wir wissen aber nicht, wie gut Folkerts in dieser Folge tatsächlich ist. Die Kritik konzentriert sich auf die Handlung, nicht auf die Schauspielleistung. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Die nächste Folge behandelt ein »Ghosting«-Szenario. Klingt das besser?
Auf dem Papier könnte es interessant sein – ein zeitgenössisches Thema, eine klare Verdächtige. Aber nach dieser Folge bin ich skeptisch.
Wir sollten vorsichtig sein. Wir wissen noch nicht, wie »Im Nebel« ist. Das ist nur eine Ankündigung.
El Pulso
- Ein gesprengter Bankautomat, ein Toter und ein Femizid bilden den Ausgangspunkt – doch die Folge versinkt in einer Parade toxischer Männerfiguren statt in echter Spannung.
- Kleinkriminelle spazieren ungehindert ins Polizeirevier, ein Frauenmörder lauert auf seine nächste Gelegenheit – die Szenarien wirken konstruiert und verlieren jede Glaubwürdigkeit.
- Themen wie die Manosphere und Femizid werden angerissen, aber nicht durchdrungen; was als gesellschaftliche Auseinandersetzung gemeint war, bleibt an der Oberfläche des Krawalls.
- Der Spiegel vergibt drei von zehn Punkten – ein hartes Urteil für eine Serie, die mit dem Tod von Andreas Hoppe und einem neu zusammengestellten Ermittlerteam ohnehin in einer Phase des Umbruchs steckt.
- Die nächste Folge »Im Nebel« ist bereits abgedreht und verspricht mit einem Ghosting-Mordverdacht einen zeitgemäßeren Blick auf moderne Beziehungsdynamiken.
Seit 1989 verkörpert Ulrike Folkerts die Kommissarin Lena Odenthal – eine der beständigsten Figuren im deutschen Fernsehkrimi. Die aktuelle Folge »Explosive Mischung« nimmt sich gesellschaftlich drängender Themen wie Misogynie und Femizid an, verliert sich dabei jedoch in einer Überladung klischeehafter Männerfiguren, die mehr Lärm als Erkenntnis erzeugt. Der Spiegel sieht darin ein Symptom einer Serie im Wandel: zwischen langjähriger Tradition und dem Versuch, in der Gegenwart anzukommen.
Ein Bankautomat explodiert, ein Mensch stirbt – und das Ludwigshafener Revier steht vor einem Fall, der eigentlich Zündstoff für echte Spannung hätte bieten können. Doch »Explosive Mischung«, die aktuelle »Tatort«-Folge mit Ulrike Folkerts, bleibt weit hinter diesem Versprechen zurück.
Die Episode versammelt eine Vielzahl verdächtiger Männerfiguren: Kleinkriminelle, die sich nachts ungestört im unbewachten Polizeirevier tummeln und begeistert ihre eigenen Fahndungsfotos bestaunen; ein Femizid-Täter, der im Revier auf seine nächste Gelegenheit wartet. Regisseur Martin Eigler greift einen Handlungsstrang aus seiner eigenen Odenthal-Episode von 2024 wieder auf und siedelt die Geschichte in Spielotheken und Shishabars an – einem Milieu, das Misogynie und die Manosphere thematisieren soll, dabei aber in Klischees und absurden Zuspitzungen versinkt. Der Spiegel vergab drei von zehn Punkten.
Die Kritik trifft eine Serie im Umbruch. Folkerts, seit 1989 im Amt, ist heute die dienstälteste Kommissarinnendarstellerin im »Tatort«. Ihr langjähriger Ermittlungspartner Andreas Hoppe, der von 1996 bis 2018 Mario Kopper spielte, starb im August. An seiner Stelle stehen nun die jüngere Kommissarin Stern (Lisa Bitter) sowie zwei Nachwuchskräfte – darunter der in dieser Folge besonders unglücklich agierende Assistent Nico Langenkamp, der dennoch in der nächsten Episode dabei sein wird.
Diese trägt den Titel »Im Nebel« und ist bereits abgedreht: Eine junge Frau steht im Verdacht, ihren Ex-Freund getötet zu haben – nachdem dieser sie zuvor »geghosted« hatte. Ein Fall, der zeigt, wie das Revier versucht, mit der Zeit zu gehen – und wie die jüngeren Kolleginnen Odenthal über die Begriffe und Sitten moderner Beziehungswelten auf dem Laufenden halten.
Ein Bankautomat fliegt in die Luft. Ein Mensch stirbt. Das hätte die Grundlage für einen spannenden Kriminalfall sein können – stattdessen präsentiert die aktuelle »Tatort«-Folge »Explosive Mischung« eine überladene Ansammlung von Männerfiguren, die alle irgendwie verdächtig wirken und alle irgendwie problematisch sind.
Die Episode beginnt damit, dass Kleinkriminelle nachts in das Polizeirevier eindringen – unbewacht, wie es scheint – und sich begeistert von Fahndungsfotos ihrer selbst betrachten. »Hier hängen wir alle!«, ruft einer von ihnen aus. Diese jungen Männer gehören zu den Verdächtigen bei den Ermittlungen zum Sprengstoffanschlag. Doch damit nicht genug: Auch ein gewalttätiger Mann, der gerade seine Frau getötet hat, sitzt im Revier herum und wartet auf die Gelegenheit, Kommissarin Lena Odenthal zu ermorden. Die Szene wirkt weniger wie eine Kriminalgeschichte und mehr wie eine Parade von Männerfiguren, die alle in irgendeiner Form toxisch oder gefährlich sind.
Regisseur und Autor Martin Eigler, der normalerweise solide Krimis abliefert, hatte bereits 2024 eine Odenthal-Episode inszeniert und greift nun einen Handlungsstrang daraus wieder auf. Die Geschichte spielt in Spielotheken und Shishabars, in einem künstlich überreizten Milieu, das Themen wie Misogynie, die Manosphere und Femizid anreißen soll. Doch statt diese Themen zu vertiefen, verliert sich der Film in einer hanebüchenen Zuspitzung. Die männlichen Antihelden verfallen in absurde Exitstrategien, die weniger überzeugend wirken als vielmehr konstruiert. Das Ergebnis ist weniger explosiv, als der Titel verspricht – stattdessen wirkt die Episode wie eine Ansammlung von Klischees, die mehr Krawall als echte Spannung erzeugt.
Der Spiegel vergab für diese Folge drei von zehn Punkten. Die Kritik trifft eine Serie, die sich in einer Phase der Umstrukturierung befindet. Ulrike Folkerts, die seit 1989 die Kommissarin Odenthal spielt, ist inzwischen die dienstälteste Kommissarinnendarstellerin im »Tatort«. Ihr langjähriger Partner Andreas Hoppe, der von 1996 bis 2018 den Kommissar Mario Kopper verkörperte, starb im August. Nun wird Odenthal von der jüngeren Kommissarin Stern verstärkt, gespielt von Lisa Bitter, sowie von zwei Nachwuchskräften: der Ermittlerin Mara Hermann und dem Assistenten Nico Langenkamp. Letzterer stellte sich in der aktuellen Folge besonders ungeschickt an – wird aber trotzdem in der nächsten Episode dabei sein.
Diese nächste Folge trägt den Titel »Im Nebel« und ist bereits abgedreht. Sie behandelt einen neuen Fall: Eine junge Frau gerät in Verdacht, ihren Ex-Freund getötet zu haben, nachdem dieser sie »geghosted« hatte. Es ist ein Szenario, das zeigt, wie das Ludwigshafener Revier seine Ermittlungen an die Gegenwart anpasst – mit jungen Kolleginnen und Kollegen, die Kommissarin Odenthal über die Sitten und Begriffe der modernen Dating-Kultur auf dem Laufenden halten können.
Citas Notables
Hier hängen wir alle!— Ein Kleinkrimineller in der Episode, beim Betrachten von Fahndungsfotos
Bisschen Krawall, viel Klischee: Dieser ›Tatort‹ über labile Lederjäckchenträger ist nicht so explosiv, wie er tut.— Der Spiegel-Schnellcheck