Donald Trump hat die US-Behörden angeordnet, statt "Künstliche Intelligenz" künftig den Begriff "Superintelligenz" zu nutzen. Warum der US-… Was ist nur los mit Donald Trump und seinem Bedürfnis, alles Mögliche neu zu benennen? Erst wurde der Golf von Mexiko zum Golf von Amerika…
"Superintelligenz" statt KI: Trumps neue Sprachregelung
Es ist schlicht Marketing, wenn man von Superintelligenz spricht
Warum kümmert sich Trump überhaupt darum, wie wir eine Technologie nennen? Das scheint doch ziemlich oberflächlich zu sein.
Es geht nicht um Oberflächlichkeit. Sprache prägt, wie wir über Dinge denken. Wenn du etwas "Superintelligenz" nennst, statt "künstliche Intelligenz", änderst du die emotionale und psychologische Reaktion der Menschen darauf.
Aber wir sollten hier präzise sein: Die aktuelle KI ist definitiv nicht superintelligent. Das ist ein wissenschaftlicher Fakt, den die meisten Experten bestätigen. Trump benennt etwas um, das noch gar nicht existiert.
Also ist das mehr ein Marketing-Schachzug als eine echte Umbenennung?
Genau. Die US-Tech-Unternehmen haben Interesse daran, ihre Systeme als führend und überlegen darzustellen, besonders weil China aufgeholt hat. Eine neue, imposantere Bezeichnung hilft ihnen dabei.
Aber hier ist das Paradoxe: Domingos warnt, dass die Umbenennung zu "Superintelligenz" tatsächlich mehr Angst schürt. Wenn Menschen hören, dass es um "Superintelligenz" geht, denken sie sofort an Kontrollverlust und Jobverluste.
Also könnte Trumps Umbenennung das Gegenteil von dem bewirken, was er will?
Möglicherweise. Die Umfragen zeigen bereits, dass fast neun von zehn Amerikanern besorgt sind. Eine neue, beängstigendere Bezeichnung könnte diese Besorgnis noch verstärken.
Und wir sollten auch beachten: Das ist eine Durchführungsverordnung für US-Behörden. Das bedeutet nicht, dass die Tech-Industrie, China oder der Rest der Welt das übernimmt. Die Wissenschaft wird weiterhin von "KI" sprechen.
Also wird diese Umbenennung wahrscheinlich nicht funktionieren?
Nicht global, nein. Aber innerhalb der US-Regierung und vielleicht bei einigen Tech-Unternehmen könnte sie sich durchsetzen – zumindest vorübergehend.
El Pulso
- Trump unterzeichnete eine Durchführungsverordnung, die US-Behörden anweist, "Superintelligenz" statt "künstliche Intelligenz" zu verwenden
- 65 Prozent der Trump-Anhänger stimmten in einer dreitägigen Umfrage für den Begriff "Superintelligenz"
- Fast neun von zehn Amerikanern sind eher besorgt als begeistert, dass KI die menschliche Intelligenz überflügeln könnte
- Der Begriff "künstliche Intelligenz" wurde 1956 am Dartmouth College geprägt und hat sich über 70 Jahre durchgesetzt
Donald Trump hat die US-Behörden angeordnet, statt "Künstliche Intelligenz" künftig den Begriff "Superintelligenz" zu nutzen. Warum der US-… Was ist nur los mit Donald Trump und seinem Bedürfnis, alles Mögliche neu zu benennen? Erst wurde der Golf von Mexiko zum Golf von Amerika…
Donald Trump hat die US-Behörden angeordnet, statt "Künstliche Intelligenz" künftig den Begriff "Superintelligenz" zu nutzen. Warum der US-Präsident KI für unpassend hält und was Tech-Experten dazu sagen.
Donald Trump hat in der ersten Septemberwoche eine ungewöhnliche Kampagne gestartet: Er erklärte auf seiner Plattform Truth Social, dass der Begriff "künstliche Intelligenz" ungenau und irreführend sei. Stattdessen schlug er Alternativen vor – "überlegene", "extreme" oder "höchste" Intelligenz. Nach einer dreitägigen Abstimmung unter seinen Anhängern, bei der 65 Prozent für "Superintelligenz" stimmten, kündigte Trump vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen an, dass US-Bundesbehörden diese neue Bezeichnung künftig verwenden würden. Am Dienstag unterzeichnete er eine Durchführungsverordnung, die alle US-Behörden und Agenturen anweist, den Begriff "Superintelligenz" zu nutzen.
Dies ist nicht Trumps erste Umbenennung. Der Golf von Mexiko wurde in offiziellen US-Dokumenten zum Golf von Amerika erklärt, der Ontariosee soll zum Amerikasee werden. Doch während diese geografischen Änderungen zumindest symbolische Macht über Landmassen beanspruchen, zielt die Umbenennung von KI auf etwas Grundlegenderes: die Deutungshoheit über die Technologie, die das kommende Jahrzehnt prägen wird.
Die Tech-Branche und die Wissenschaft haben die neue Bezeichnung jedoch nicht übernommen. Pedro Domingos, emeritierter Professor für Informatik und Ingenieurwissenschaften an der University of Washington, erklärt der Deutschen Welle, dass "KI in den meisten Fällen keine Superintelligenz, sondern lediglich eine andere Intelligenz" ist. "KI macht andere Dinge als die Menschen – sie als Superintelligenz zu bezeichnen ist also irreführend." Der Begriff "künstliche Intelligenz" wurde 1956 von Computerwissenschaftlern und Mathematikern während eines Sommerkurses am Dartmouth College geprägt. "Künstlich" bedeutete damals schlicht "von Menschen gemacht", im Gegensatz zur natürlichen menschlichen Intelligenz. Zwar gab es schon damals Kritiker – der KI-Pionier Arthur Samuel fand, der Begriff lasse einen an "etwas Unechtes" denken – doch über siebzig Jahre hinweg hat sich die Bezeichnung weltweit durchgesetzt.
Experten warnen, dass eine Umbenennung zu "Superintelligenz" bestehende Ängste eher verstärken als beruhigen wird. Domingos weist darauf hin, dass die neue Bezeichnung Befürchtungen schürt: "'Oh, es handelt sich um Superintelligenz und die wird uns Menschen überflüssig machen, sich gegen uns wenden, unsere Jobs wegnehmen.' Wenn du die Gegenbewegung gegen KI maximieren willst, dann nenne sie Überlegene Intelligenz." Die Sorgen sind bereits weit verbreitet. Eine Anfang September von Public First für Politico durchgeführte Studie zeigte, dass etwa die Hälfte der Befragten in sechs Ländern – USA, Kanada, Frankreich, Spanien, Deutschland und Großbritannien – für eine Pause bei der KI-Entwicklung eintritt, um das Risiko einer existenziellen Bedrohung zu verringern. Eine CNN-Umfrage der SSRS ergab, dass fast neun von zehn Amerikanern eher besorgt als begeistert sind, dass KI die menschliche Intelligenz überflügeln könnte. Diese Besorgnis hat auch den US-Kongress erreicht: Senator Bernie Sanders und andere haben einen Gesetzesentwurf für ein "dauerhaftes Verbot der Entwicklung künstlicher Superintelligenz" eingebracht, die vom Menschen nicht kontrolliert werden kann.
Für große US-amerikanische KI-Entwickler könnte Trumps Umbenennung allerdings strategisch vorteilhaft sein. Anthropic und OpenAI haben ihre geplanten Börsengänge verschoben – teilweise wegen jüngster Vorfälle, bei denen KI-Modelle in Computersysteme eingedrungen sind oder Aufgaben ausgeführt haben, die sie nicht ausführen sollten. Während chinesische Modelle den Qualitätsrückstand mit deutlich weniger Rechenleistung aufholen, könnte eine Umbenennung, die den Eindruck verstärkt, dass US-Entwickler führend sind, ihnen gelegen kommen. Laut Goldman Sachs werden die KI-Ausgaben bald eine Billion US-Dollar übersteigen. "Es ist ganz im Interesse der US-Entwickler, von Super-, Hyper-, überlegener oder sonstiger Intelligenz zu sprechen, weil es ihre Fähigkeiten hervorhebt. Es ist schlicht Marketing", sagt Domingos.
Doch "Superintelligenz" bleibt ein bewegliches Ziel. Aktuelle KI-Modelle führen viele Aufgaben bereits eigenständig aus, doch echte Superintelligenz würde Systeme erfordern, die sich selbst verbessern – ein Prozess, den Forscher als rekursive Selbstverbesserung bezeichnen. Elon Musk hat vorhergesagt, dass dies bis Ende 2026 oder 2027 möglich sein könnte, OpenAI geht von einem Jahr länger aus. Doch selbst dann würden die Systeme nicht vollständig rekursiv sein. Der deutsche Informatiker Jürgen Schmidhuber argumentiert, dass für echte rekursive Selbstverbesserung nicht nur Software, sondern auch Hardware erforderlich ist, die sich selbst verbessert – was bedeuten würde, dass Tech-Unternehmen Chips, humanoide Roboter und vollautomatisierte Fabriken bauen müssten. Bis Maschinen sich ohne jede menschliche Beteiligung selbst verbessern können, werden vermutlich noch Jahrzehnte vergehen.
Ob sich "Superintelligenz" durchsetzt, hängt letztlich von Politik und Wissenschaft ab. Obwohl Trump behauptet, dass dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping der Begriff gefallen habe, gibt es keine Anzeichen dafür, dass China "KI" aufgibt. Und unter Wissenschaftlern und KI-Forschern, die überwiegend liberal eingestellt sind, könnte die Umbenennung sogar Widerstand hervorrufen. "Angesichts der politischen Ausrichtung der meisten Menschen im Bereich KI ist es wahrscheinlicher, dass sie genau im Gegenteil sagen, 'Zur Hölle mit dir. Jetzt sprechen wir erst recht von künstlicher Intelligenz'" meint Domingos.
Citas Notables
KI ist in den meisten Fällen keine Superintelligenz, sondern lediglich eine andere Intelligenz. KI macht andere Dinge als die Menschen – sie als Superintelligenz zu bezeichnen ist also irreführend.— Pedro Domingos, emeritierter Professor für Informatik an der University of Washington
Wenn du die Gegenbewegung gegen KI maximieren willst, dann nenne sie Überlegene Intelligenz.— Pedro Domingos