Schweitzer fordert Kompromiss bei »Rente mit 63«

Kommissionsvorschläge sind Kommissionsvorschläge sind Kommissionsvorschläge.
Schweitzer lehnt ab, die Rentenkommissions-Empfehlungen als automatisch bindend zu behandeln.
Mark

Warum ist die Rente mit 63 überhaupt so umstritten? Es geht doch um eine relativ kleine Gruppe von Menschen, die 45 Jahre eingezahlt haben.

Mimi

Weil es um zwei verschiedene Fragen geht. Die eine ist fiskalisch: Kann sich der Staat das leisten? Die andere ist politisch: Wer hat das Sagen — Experten oder gewählte Politiker? Schweitzer beantwortet die zweite Frage klar: die Politiker.

Luke

Aber wir sollten präzise sein. Die Rentenkommission hat 33 Vorschläge gemacht, nicht nur einen. Wir wissen nicht, welche anderen Vorschläge noch verhandelt werden oder ob Schweitzer auch bei denen »Kompromisse« sucht. Das ist offen.

Mark

Und die ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten — warum lehnen die die Abschaffung ab? Das überrascht mich.

Mimi

In Ostdeutschland gibt es viele Menschen, die früh in den Beruf eingestiegen sind und 45 Jahre Beitragsjahre zusammenbringen. Für sie ist die Rente mit 63 eine echte Möglichkeit. Das ist ein regionaler Unterschied.

Luke

Das ist eine Vermutung. Die Quelle sagt nur, dass sie sich »gegen die Pläne gestellt« haben. Warum genau, wird nicht erklärt. Wir sollten das nicht erfinden.

Mark

Bas hat die Kommissionsvorschläge als »Gesamtkunstwerk« bezeichnet. Das klingt, als hätte sie dahinter gestanden. Jetzt wird neu verhandelt. Hat sie das nicht gewusst?

Mimi

Sie hat es gewusst. Sie und Merz haben versprochen, alles umzusetzen. Aber das war offenbar ein Versprechen, das nicht hielt. Schweitzer ist jetzt der Neue und kann sagen: Moment, wir müssen das nochmal überprüfen.

Luke

Bas ist am Montag zurückgetreten, heißt es in der Quelle. Das wird erwähnt, aber nicht erklärt. War das wegen der Rentenreform? Wir wissen es nicht. Das sollten wir nicht verbinden, was nicht verbunden ist.

  • Nur wenige Monate nach dem Versprechen, alle 33 Rentenkommissions-Vorschläge vollständig umzusetzen, bricht der neue Arbeitsminister öffentlich mit dieser Zusage.
  • Die Empfehlung zur Abschaffung der Rente mit 63 trifft auf Widerstand aus der SPD — und überraschend auch von drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten.
  • Schweitzer beruft sich auf den Koalitionsvertrag, der die Beibehaltung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren ausdrücklich vorsieht.
  • Mit dem Satz »Kommissionsvorschläge sind Kommissionsvorschläge sind Kommissionsvorschläge« erteilt er dem Anspruch von Expertengremien auf das letzte Wort eine klare Absage.
  • Die Rentenreform-Dynamik verschiebt sich: Welche weiteren Kommissionsvorschläge noch zur Verhandlung stehen, bleibt offen.

Kaum im Amt, stellt der neue Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer eine der zentralen Weichenstellungen der Rentenreform in Frage. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, von einer Expertenkommission zur Abschaffung empfohlen, soll nach seinem Willen erhalten bleiben — gestützt auf den Koalitionsvertrag und den Widerstand aus den eigenen wie aus unerwarteten Reihen. Es ist eine stille Erinnerung daran, dass in einer parlamentarischen Demokratie Kommissionen beraten, aber Parlamente entscheiden.

Alexander Schweitzer ist seit Mittwoch Bundesarbeitsminister — und hat sofort eine der heikelsten Baustellen der Koalition geerbt: die Rentenreform. Seine Vorgängerin Bärbel Bas hatte die 33 Vorschläge der Rentenkommission als »Gesamtkunstwerk« gefeiert und gemeinsam mit Kanzler Friedrich Merz versprochen, sie vollständig umzusetzen. Schweitzer sieht das anders.

Besonders beim umstrittensten Punkt — der Abschaffung der sogenannten Rente mit 63, also der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren — will der SPD-Politiker nicht mitziehen. Er verweist auf den Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD, in dem die Beibehaltung dieser Regelung ausdrücklich vereinbart worden sei. Kommissionsvorschläge, die davon abweichen, seien deshalb nicht automatisch bindend. »Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingen wird«, sagte er der »Rheinpfalz« und kündigte einen »guten Kompromiss« an.

Der Widerstand gegen die Abschaffung kommt dabei aus mehreren Richtungen. Neben Vorbehalten in der SPD haben sich auch die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze, Michael Kretschmer und Mario Voigt gegen den Kommissionsvorschlag gestellt — ein Signal, dass die Rentenkommission keineswegs die gesamte Koalition hinter sich hat.

Auf Bas' Charakterisierung der Reformvorschläge als »Gesamtkunstwerk« reagierte Schweitzer mit bemerkenswerter Nüchternheit: »Kommissionsvorschläge sind Kommissionsvorschläge sind Kommissionsvorschläge.« Politische Debatten auf ihrer Grundlage seien nicht nur erlaubt, sondern notwendig — die Entscheidungen fielen in der Regierung und im Bundestag, »so gehört sich das in einer parlamentarischen Demokratie«. Welche weiteren Empfehlungen der Kommission noch zur Disposition stehen, ist damit eine offene Frage.

Alexander Schweitzer ist seit Mittwoch Bundesarbeitsminister. Seine erste große Aufgabe ist eine Frage, die seine Vorgängerin Bärbel Bas als »Gesamtkunstwerk« gefeiert hatte: die Rentenreform. Doch Schweitzer sieht das anders. Er will neu verhandeln — konkret über die sogenannte Rente mit 63, jene abschlagsfreie Frührente, die Menschen nach 45 Beitragsjahren in Anspruch nehmen können.

Im Juni hatte die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission 33 Reformvorschläge vorgelegt. Einer davon war radikal: die Abschaffung der Rente mit 63. Kanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bas hatten damals versprochen, alle Vorschläge vollständig umzusetzen. Doch jetzt, nur wenige Monate später, zeigt sich: Diese Zusage war nicht so fest, wie sie klang.

Schweitzer, SPD-Politiker, argumentiert mit dem Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD. Darin, sagt er, hätten sich Schwarz-Rot ausdrücklich darauf geeinigt, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren grundsätzlich beizubehalten. Die Kommissionsvorschläge, die davon abweichen, seien deshalb nicht automatisch bindend. »Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingen wird«, sagte er der »Rheinpfalz« und sprach von einem »guten Kompromiss«, den man finden müsse.

Der Widerstand gegen die Abschaffung kommt aus mehreren Ecken. In der SPD gibt es schon länger Vorbehalte gegen den Plan. Überraschender ist der Widerstand von rechts: Die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer aus Sachsen und Mario Voigt aus Thüringen haben sich ebenfalls gegen die Abschaffung gestellt. Schweitzer hebt diesen Punkt hervor — es ist ein Signal, dass die Rentenkommission nicht die ganze Koalition hinter sich hat.

Als Schweitzer auf Bas' Charakterisierung der Rentenvorschläge als »Gesamtkunstwerk« angesprochen wird, antwortet er mit einer bemerkenswerten Nüchternheit. »Kommissionsvorschläge sind Kommissionsvorschläge sind Kommissionsvorschläge«, sagt er. Das klingt nach einer Absage an die Idee, dass Expertenkommissionen das letzte Wort haben. Auf ihrer Grundlage »dürfen und müssen politische Debatten stattfinden«, betont der Minister. Die Entscheidungen würden in der Regierung und im Bundestag gefällt — »so gehört sich das in einer parlamentarischen Demokratie«.

Damit signalisiert Schweitzer eine Verschiebung in der Rentenreform-Dynamik. Nicht die Kommission bestimmt, was kommt. Die Politik tut es. Und die Politik, zumindest in diesem Fall, scheint weniger bereit zu sein, die Rente mit 63 zu opfern, als Merz und Bas noch vor wenigen Monaten ankündigt hatten. Welche anderen Kommissionsvorschläge noch verhandelt werden, ist offen.

Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingen wird
— Alexander Schweitzer zur Rheinpfalz über einen Kompromiss bei der Rente mit 63
Die Entscheidungen werden in der Regierung und im Bundestag gefällt, so gehört sich das in einer parlamentarischen Demokratie
— Alexander Schweitzer zur Rolle von Kommissionsvorschlägen
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