Schwache Prognose lässt Intel-Aktie um fast 20 Prozent einbrechen

Bei einer Explosion in einer Intel-Fabrik in Israel starben zwei Menschen.
Der Ausblick, nicht die Zahlen, ließ Intels Aktie fast 20 Prozent fallen
Intels Umsatz übertraf die Erwartungen, doch die Prognose für das Schlussquartal lag klar unter den Hoffnungen.
Mark

Intels Zahlen waren doch besser als erwartet. Warum dann fast 20 Prozent Minus?

Mimi

Weil der Ausblick zählt. Für das Schlussquartal peilt Intel 15 bis 16 Milliarden Dollar an, Analysten hatten mehr als 17 Milliarden erhofft. Die Aktie stand zuvor bei über 92 Dollar, da war viel eingepreist.

Luke

Wichtig: Die knapp 20 Prozent sind nachbörslich. Wo die Aktie am Freitag im regulären Handel schließt, ist offen.

Mark

Und der Grund für die Schwäche?

Mimi

Der PC-Markt. Gartner meldet für das dritte Quartal einen weltweiten Absatzrückgang von über 22 Prozent, verbunden mit steigenden Speicherchippreisen. Finanzvorstand Zinsner rechnet mit Schwäche bis mindestens Mitte 2027.

Luke

Das ist Zinsners Erwartung, keine Gewissheit. Und der Zusammenhang mit den Speicherpreisen wird im Bericht nur knapp benannt.

Mark

Was bedeutet die Staatsbeteiligung?

Mimi

Die USA halten seit August vergangenen Jahres zehn Prozent. Trump reklamierte die Kursgewinne für sich, 30 Milliarden Dollar in 90 Tagen.

Luke

Das ist Trumps eigene Angabe. Wie sich der Kurssturz auf den Anteil auswirkt, steht im Bericht nicht.

Mark

Und Amazon?

Mimi

Gemischt, aber AWS wuchs um 39 Prozent. Jassy erwartet für 2027 und 2028 jeweils über 40 Prozent.

Luke

Das sind Ziele des Vorstandschefs, keine Ergebnisse. Der negative Cashflow zeigt, wie teuer dieser Ausbau mit 220 Milliarden Dollar ist.

  • Intel verliert im nachbörslichen Handel fast 20 Prozent, nachdem der Ausblick für das Schlussquartal deutlich unter den Erwartungen liegt.
  • Der Einbruch trifft einen Konzern, der sich gerade erst von einem Kurs unter 20 Dollar auf über 92 Dollar hochgearbeitet hatte.
  • Die Schwäche des PC-Marktes, getrieben von teureren Speicherchips und einem Absatzrückgang von über 22 Prozent, drückt auf das Kerngeschäft.
  • AWS setzt mit Wachstumszielen von über 40 Prozent und dem geplanten Verkauf eigener KI-Chips ein starkes Gegengewicht, doch Amazons Gesamtzahlen bleiben gemischt.

Am Ende eines Herbsttags, als die Märkte in New York schon geschlossen hatten, zeigte sich erneut, wie schnell ein einzelner Ausblick den Wert eines Konzerns neu bemessen kann. Intel, das nach Jahren des Niedergangs mit staatlicher Beteiligung und dem Rückenwind der KI-Rechenzentren ein beachtliches Comeback erlebt hatte, muss nun erfahren, dass Hoffnung an den Börsen teuer bezahlt wird, wenn sie nicht erfüllt wird. Zugleich offenbart der Blick auf Amazon eine Spaltung im Technologiesektor: Während die Cloud-Sparte mit kühnen Wachstumszielen glänzt, schwächeln Handel und Werbung. Es ist die alte Erzählung von Wandel und Erwartung, die sich gerade in den Bilanzen der großen Digitalkonzerne neu schreibt.

Am Donnerstagabend legte Intel seine Quartalszahlen vor, und kaum waren sie veröffentlicht, stürzte die Aktie im nachbörslichen Handel um fast 20 Prozent ab. Nicht das abgelaufene Quartal war der Auslöser, sondern der Blick nach vorn: Für das Schlussquartal rechnet der Konzern mit 15 bis 16 Milliarden Dollar, Analysten hatten auf mehr als 17 Milliarden gehofft.

Für Intel ist das ein bitterer Rückschlag. Die Aktie hatte sich zuletzt von unter 20 Dollar im August auf über 92 Dollar erholt, nachdem die US-Regierung zehn Prozent der Anteile übernommen hatte. Das Wachstum im Geschäft mit Chips für Rechenzentren, das um 78 Prozent zulegte, trägt inzwischen viel. Doch der PC-Markt schwächelt dramatisch, weil Speicherchips teurer geworden sind, und Finanzvorstand David Zinsner rechnet damit, dass die Flaute bis mindestens Mitte 2027 anhält. Eine Explosion in einer israelischen Fabrik, bei der zwei Menschen starben, verschärfte die Lage zusätzlich.

Auch Amazon blieb hinter den Erwartungen zurück, und die Aktie verlor mehr als sechs Prozent. Im Handel und in der Werbung verlangsamte sich das Wachstum deutlich. Umso mehr stach Amazon Web Services hervor: ein Umsatzplus von 39 Prozent und Wachstumsziele von über 40 Prozent für die kommenden zwei Jahre. Zudem plant Amazon, eigene KI-Chips ab Ende nächsten Jahres extern zu verkaufen, ähnlich wie Google es bereits tut.

Am Donnerstagabend, nach Börsenschluss in New York, legte Intel seine Quartalszahlen vor, und binnen Minuten verlor die Aktie im nachbörslichen Handel fast 20 Prozent. Der Auslöser war nicht das dritte Quartal selbst, sondern der Ausblick auf das vierte. Die Amazon-Aktie gab im selben Handel um mehr als sechs Prozent nach. Schon am Tag zuvor hatte der Google-Mutterkonzern Alphabet die Erwartungen verfehlt; sein Kurs fiel am Donnerstag um zwölf Prozent, was rund eine halbe Billion Dollar an Börsenwert kostete.

Für Intel ist der Einbruch ein herber Rückschlag. Der Konzern hatte nach einigen schwierigen Jahren zuletzt ein Comeback an der Börse erlebt: Vor der Zahlenvorlage stand die Aktie bei mehr als 92 Dollar, im August vergangenen Jahres kostete sie noch weniger als 20 Dollar. Damals stieg die amerikanische Regierung ein und übernahm zehn Prozent der Anteile, im Gegenzug für finanzielle Hilfe beim Bau von Chipanlagen. Präsident Donald Trump hatte zuvor erheblichen Druck auf das Unternehmen ausgeübt. Ende April schrieb er auf Truth Social, er sei „sehr stolz“, für die USA binnen 90 Tagen 30 Milliarden Dollar mit Intel-Aktien verdient zu haben.

Auch das Geschäft hatte sich erholt, vor allem dank steigender Nachfrage nach Chips für Rechenzentren und den Ausbau der KI-Infrastruktur. Im Markt für KI-Grafikprozessoren, den Nvidia dominiert, bleibt Intel abgeschlagen. Doch klassische Prozessoren werden in KI-Rechenzentren wichtiger. Dieses Geschäft wuchs im abgelaufenen Quartal um 78 Prozent. Die Sparte mit PC-Chips dagegen verlor fünf Prozent Umsatz. Intel leidet unter einer dramatischen Schwäche des gesamten PC-Marktes, die mit steigenden Preisen für Speicherchips zusammenhängt. Laut Gartner sank der weltweite PC-Absatz im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um mehr als 22 Prozent. Finanzvorstand David Zinsner rechnet damit, dass die Flaute mindestens bis Ende des ersten Halbjahres 2027 anhält. Hinzu kam eine Produktionsunterbrechung nach einer Explosion in einer Fabrik in Israel, bei der zwei Menschen starben.

Die Quartalszahlen selbst waren sogar etwas besser als erwartet. Der Umsatz stieg um 21 Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar und lag leicht über den Analystenprognosen. Der Nettogewinn sank um 18 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar, doch das Ergebnis je Aktie übertraf die Erwartungen. Enttäuschend war der Ausblick: Für das Schlussquartal erwartet Intel 15,0 bis 16,0 Milliarden Dollar, ein Wachstum von fünf bis zwölf Prozent. Analysten hatten auf mehr als 17 Milliarden gehofft. Asa Hiken von Emarketer sagte, der Bericht zeige, wie schwer es Intel falle, aus der jüngsten Wende eine „nachhaltige Erholung“ zu machen.

Auch Amazons Zahlen nannte Emarketer-Analystin Sky Canaves „erstaunlich gemischt“. Der Umsatz wuchs im dritten Quartal um 12 Prozent auf 201,9 Milliarden Dollar, leicht unter den Erwartungen. Der Nettogewinn fiel um zwei Prozent auf 20,7 Milliarden Dollar, und auch der Gewinn je Aktie verfehlte die Prognosen. Im Onlinehandel und im Werbegeschäft schwächte sich das Wachstum gegenüber dem Vorquartal erheblich ab.

Besser als erwartet schnitt die Cloud-Sparte Amazon Web Services ab, die der Markt besonders genau beobachtet. Ihr Umsatz stieg um 39 Prozent auf 46,0 Milliarden Dollar, und sie steuerte mehr als 60 Prozent zum Betriebsergebnis bei. Vorstandschef Andy Jassy sagte für 2027 und 2028 ein Umsatzplus von jeweils mehr als 40 Prozent voraus; in fünf bis zehn Jahren könne AWS jährlich eine Billion Dollar umsetzen. Amazon hatte im vergangenen Jahr Walmart als umsatzstärkstes US-Unternehmen abgelöst.

AWS führt den Cloud-Markt vor Microsoft und Google an, alle drei entwickeln eigene KI-Chips, zunächst für den Eigenbedarf, auch um unabhängiger von Nvidia zu werden. Google verkauft seine Chips seit Kurzem an externe Kunden; Jassy kündigte an, Amazon wolle das ab Ende nächsten Jahres ebenfalls tun. Amazon wies im Quartal einen negativen Cashflow aus, wie zuvor Alphabet und Meta, wegen der hohen KI-Investitionen. In diesem Jahr will Amazon insgesamt 220 Milliarden Dollar investieren.

Der Quartalsbericht unterstreiche die Herausforderungen, aus der Wende eine nachhaltige Erholung zu machen.
— Asa Hiken, Emarketer
Für 2027 und 2028 erwartet AWS ein Umsatzplus von jeweils mehr als 40 Prozent.
— Andy Jassy, Amazon-Vorstandschef
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