Russlands neue Strahldrohnen: Warum die Ukraine sie kaum abwehren kann

Zwei Menschen wurden bei einem Drohnenanschlag auf die Nordbrücke in Kiew verletzt; permanenter Luftalarm und Verkehrskollaps beeinträchtigen den Alltag der Bevölkerung.
Russische Drohnen operieren nahezu ungestört über Kiew
Videos zeigen, wie russische Drohnen Brückeneinschläge aus der Luft dokumentieren – ein Zeichen der Luftüberlegenheit.
Mark

Warum sind diese neuen Düsendrohnen so viel schwerer abzuwehren als die älteren Modelle?

Mimi

Es geht nicht nur um die Geschwindigkeit von 600 Kilometern pro Stunde. Das Entscheidende ist, dass sie in fünf Kilometern Höhe fliegen und dann steil hinabstürzen. Mobile Feuergruppen mit Maschinengewehren können sie dort oben gar nicht erreichen.

Luke

Aber die Ukraine hatte doch Erfolg mit den älteren Drohnen – 95 Prozent Abfangrate. Was hat sich technisch so fundamental geändert?

Mimi

Die neuen Drohnen haben KI-gesteuerte Zielerfassung und Nachtsichtkameras. Sie werden von Piloten in Russland aus gesteuert, über Relaisstationen. Selbst wenn die Funkverbindung unterbrochen wird, finden sie ihr Ziel.

Mark

Das klingt, als würde Russland die Ukraine systematisch aushungern – nicht militärisch, sondern wirtschaftlich und psychologisch.

Mimi

Genau das ist es. Die Anschläge auf Brücken, Kraftwerke, Supermärkte – das ist keine Militärstrategie, das ist Demoralisierung. Putin hat im September verfügt, dass es keine Einschränkungen mehr gibt.

Luke

Aber wie sicher ist diese Information? Selenskyj berief sich auf nachrichtendienstliche Erkenntnisse – das ist eine Quelle, keine Bestätigung.

Mimi

Das ist fair. Aber die Fakten sprechen für sich: Täglich über einhundert Drohnen, zwei Drittel davon mit Strahltriebwerken. Das ist messbar.

Mark

Und die ukrainische Antwort?

Mimi

Sie entwickeln günstigere Abfangdrohnen, setzen F-16-Kampfflugzeuge ein. Aber die Ressourcen sind begrenzt. Etwa die Hälfte der F-16-Flotte ist gerade in Reparatur.

Luke

Wie lange kann die Ukraine das durchhalten, wenn Russland 3000 dieser Drohnen monatlich produzieren kann?

Mimi

Das ist die zentrale Frage. Und ehrlich gesagt: Das weiß niemand genau.

  • Geran-5 Drohnen fliegen 600 km/h schnell in 5 km Höhe
  • Ukraine fängt nur 60 Prozent der Strahldrohnen ab, aber 95 Prozent der älteren Propellerdrohnen
  • Russland produziert etwa 3000 schnelle Drohnen monatlich
  • Anschläge auf Dnipro-Brücken in Kiew; Südbrücke über 1 km lang, U-Bahn unterbrochen
  • Zwei Menschen bei Anschlag auf Nordbrücke verletzt

Russische Drohnen mit Strahlantrieb fliegen bis zu 600 km/h schnell und operieren in 5 km Höhe, was sie für mobile Abwehrsysteme unerreichbar macht. Anschläge auf Dnipro-Brücken in Kiew verursachen Verkehrschaos und Unterbrechungen der U-Bahn; Russland zielt auf Infrastruktur und Zivilbevölkerung.

Russland setzt vermehrt auf schnelle Düsendrohnen vom Typ Geran-4 und Geran-5, die Ukraine kann nur etwa 60 Prozent abwehren. Die gezielten Angriffe auf Brücken in Kiew führen zu Verkehrskollaps und Demoralisierung der Bevölkerung.

Moskau hat seine Luftkampagne gegen die Ukraine in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Täglich feuert Russland über einhundert Drohnen ab, und zwei Drittel davon sind inzwischen mit Strahltriebwerken ausgestattet – eine technologische Eskalation, die Kiews Abwehrsysteme an ihre Grenzen treibt. Die neuesten Modelle, Geran-4 und Geran-5 genannt, fliegen mit bis zu 600 Kilometern pro Stunde und operieren in einer Höhe von etwa fünf Kilometern, bevor sie steil auf ihre Ziele hinabstürzen. Gegen diese Geschwindigkeit und Flughöhe sind die mobilen Feuergruppen, die bislang gegen langsamere Propellerdrohnen erfolgreich waren, machtlos.

Die Auswirkungen dieser neuen Drohnen zeigen sich täglich im Stadtbild Kiews. Am Samstag traf eine Angriffsdrohne die Nordbrücke über den Dnipro und verletzte zwei Menschen; das Oberleitungsnetz wurde beschädigt, mehrere Fahrspuren mussten gesperrt werden. Bereits am Donnerstag und Freitag hatten russische Drohnen die südliche Brücke getroffen – ein massives Bauwerk, das sich über mehr als einen Kilometer erstreckt und neben dem Autoverkehr auch eine U-Bahn-Linie trägt. Die Einschläge beschädigten die Schrägseile der Konstruktion so schwer, dass die Brücke für den Verkehr gesperrt werden musste. Zwar können diese Bauwerke durch solche Anschläge vermutlich nicht vollständig zerstört werden, doch die Beschädigungen führen zu massiven Verkehrsunterbrechungen. Am Freitag überquerten zahlreiche Menschen die Brücken zu Fuß, lokale Medien sprachen von einem Verkehrskollaps.

Die Strategie dahinter ist klar: Russland zielt nicht nur auf militärische Ziele, sondern auch auf die Zivilbevölkerung und ihre Infrastruktur. Täglich werden Lagerhäuser, Tankstellen, Supermärkte, Datenzentren und Kraftwerke getroffen. Der permanente Luftalarm zwingt Einkaufszentren, während der Öffnungszeiten stundenlang zu schließen. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte der Financial Times, dass Wladimir Putin im September verfügt habe, die Luftkampagne ohne Einschränkungen fortzusetzen – eine Direktive, die auf nachrichtendienstlichen Erkenntnissen basiert. Das Ziel ist offensichtlich: wirtschaftlicher Schaden und psychologische Demoralisierung.

Die neuen Drohnen unterscheiden sich fundamental von ihren Vorgängern. Die Geran-5 sieht eher wie ein Marschflugkörper aus als wie eine Drohne und ist mit Nachtsichtkameras sowie automatisierter Zielerfassung durch künstliche Intelligenz ausgestattet. Selbst wenn Störsender die Funkverbindung unterbrechen, findet die Drohne ihr Ziel. Die Steuerung erfolgt von Piloten in Russland aus, die über sogenannte Mesh-Modems Bildsignale empfangen – möglich gemacht durch Relaisstationen, die Russland nahe der ukrainischen Grenze und in Belarus aufgestellt hat. Beunruhigend für Kiew ist, dass russische Telegramkanäle Videos verbreiteten, die zeigen, wie andere russische Drohnen die Einschläge auf die Südbrücke aus der Luft dokumentierten. Dies deutet darauf hin, dass russische Drohnen inzwischen nahezu ungestört über der ukrainischen Hauptstadt operieren können. Der Innovationsberater des ukrainischen Präsidenten vermutete sogar, dass Repeater in Kiew selbst versteckt sein könnten, die den Drohnen präzise Zielanflüge ermöglichen.

Die ukrainische Luftverteidigung steht vor einem neuen Problem. Bei den älteren Propellerdrohnen hatte die Ukraine große Fortschritte gemacht und fängt inzwischen etwa 95 Prozent ab. Bei den neuen Strahldrohnen liegt die Abfangrate jedoch nur bei knapp 60 Prozent. Die hohe Flughöhe macht mobile Systeme wirkungslos; Kiew bleibt nur die Möglichkeit, teure bodengestützte Luftverteidigungssysteme einzusetzen oder Kampfflugzeuge einzusetzen. F-16, Mirage und MiG-29 sind in diesen Tagen während der Angriffe über Kiew und den Vororten zu hören. Selenskyj bestätigte, dass sich die amerikanischen F-16 bei der Abwehr bewährt haben, doch etwa die Hälfte der Flugzeugflotte ist derzeit wegen Reparaturen nicht einsatzfähig.

Ukrainische Ingenieure arbeiten fieberhaft an günstigeren Lösungen. Selenskyj sagte der Financial Times, dass fünf verschiedene Modelle von Abfangdrohnen getestet werden. Eines davon habe sich bereits bewährt; bis Ende Oktober könnten etwa 400 Exemplare produziert werden. Das Hauptproblem sind die Strahltriebwerke, die überwiegend importiert werden müssen. Hinzu kommt ein finanzieller Engpass – der Ukraine fehlt es bereits jetzt an Geld für die Verteidigung. Ukrainische Schätzungen zufolge kann Russland etwa 3000 schnelle Drohnen mit Strahlantrieb monatlich produzieren. Die Asymmetrie ist deutlich: Moskau eskaliert, während Kiew mit begrenzten Mitteln versucht, nachzurüsten.

Putin habe im September verfügt, dass es bei der Luftkampagne keine Einschränkungen mehr gebe
— Präsident Wolodymyr Selenskyj gegenüber der Financial Times, basierend auf nachrichtendienstlichen Erkenntnissen
Die amerikanischen F-16 haben sich bei der Abwehr der neuen Drohnen als effektiv erwiesen, doch etwa die Hälfte der Flugzeugflotte ist derzeit reparaturbedingt nicht einsatzfähig
— Präsident Selenskyj
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