Rheinmetall startet Serienproduktion von Weltraum-Satelliten

Präzise Aufnahmen auch wenn die Nacht hereinbricht
SAR-Satelliten liefern Bilder von Truppenbewegungen unabhängig von Tageszeit und Wetterlage.
Mark

Warum ist es für die Bundeswehr so wichtig, exklusiven Zugriff auf diese Satelliten zu haben?

Mimi

SAR-Satelliten können Truppenbewegungen und schwere Ausrüstung auch nachts und bei schlechtem Wetter erkennen. Das ist für die Luftverteidigung und die Lageerfassung entscheidend.

Luke

Aber 35 ICEYE-Satelliten sind bereits im All und werden von der Bundeswehr und der Ukraine gekauft. Was ändert sich durch den exklusiven Zugriff konkret?

Mimi

Mit dem Vertrag sichert sich Deutschland eine zuverlässige Versorgung mit neuen Satelliten — etwa 50 pro Jahr aus Neuss. Das ist eine Kontinuität, die für Verteidigungsplanung wichtig ist.

Mark

Und warum startet Rheinmetall dieses Geschäft gerade jetzt?

Mimi

Der Ukraine-Krieg hat gezeigt, dass solche Technologien kriegsentscheidend sein können. NATO-Länder investieren massiv in Rüstung. Rheinmetall will sich als Komplettanbieter positionieren.

Luke

Die Aktie fällt trotzdem. Ist das Geschäft weniger profitabel als erwartet, oder ist es einfach eine Marktkorrektur nach dem Rüstungsboom von 2022?

Mimi

Das ist unklar. Der Markt hat Rüstungsaktien nach dem Krieg neu bewertet, dann wieder teilweise korrigiert. Ob die Satelliten-Sparte profitabel wird, werden wir erst in Jahren sehen.

Mark

Wer sind die Konkurrenten?

Mimi

Airbus Defence and Space und OHB. OHB baut bereits seit 2007 SAR-Satelliten.

Luke

Also ist Rheinmetall hier nicht der Pionier, sondern ein Newcomer mit großem Kapital und staatlicher Unterstützung.

Mimi

Genau. Aber mit 60 Prozent Anteil am Gemeinschaftsunternehmen und einem 1,7-Milliarden-Euro-Vertrag mit der Bundeswehr hat Rheinmetall eine starke Position.

  • Rheinmetall und ICEYE produzieren jährlich etwa 50 SAR-Satelliten in Neuss
  • Bundeswehr-Vertrag: 1,7 Milliarden Euro für exklusiven Zugriff
  • Erster Neusser Satellit startet Anfang 2027 mit SpaceX-Rakete
  • Rheinmetall hält 60 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen
  • Satelliten wiegen etwa 220 Kilogramm, sind 3,3 Meter lang

Rheinmetall und der finnische Partner ICEYE werden jährlich etwa 50 SAR-Satelliten in Neuss produzieren, die präzise Aufnahmen auch bei Nacht und schlechtem Wetter ermöglichen. Die Bundeswehr erhält exklusiven Zugriff auf die neuen Satelliten durch einen mehrjährigen Vertrag im Volumen von 1,7 Milliarden Euro mit Erweiterungsoption.

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat die Serienproduktion von SAR-Satelliten in Neuss gestartet und sicherte sich einen 1,7-Milliarden-Euro-Vertrag mit der Bundeswehr für exklusiven Zugriff auf die Technologie.

Rheinmetall hat diese Woche die Serienproduktion von Weltraum-Satelliten in Neuss aufgenommen und damit ein neues Kapitel in seiner Unternehmensgeschichte aufgeschlagen. Der Rüstungskonzern wird gemeinsam mit dem finnischen Unternehmen ICEYE dort jährlich etwa 50 SAR-Satelliten fertigen. Rheinmetall hält 60 Prozent an diesem Gemeinschaftsunternehmen. SAR steht für "Synthetic Aperture Radar" — eine Technologie, die präzise Aufnahmen von Truppenbewegungen und Stellungen liefert, auch wenn die Nacht hereinbricht oder das Wetter schlecht ist. Bei der Verarbeitung der Bilddaten kommt künstliche Intelligenz zum Einsatz.

Die Bundeswehr hat sich bereits einen exklusiven Zugriff auf einen Teil der neuen Satelliten gesichert. Der mehrjährige Vertrag zwischen der Bundeswehr und dem Rheinmetall-ICEYE-Gemeinschaftsunternehmen hat ein Volumen von 1,7 Milliarden Euro und enthält eine Erweiterungsoption. Damit sichert sich Deutschland Zugang zu einer Technologie, die Militärexperten heute für unverzichtbar halten. Juliana Süß von der Stiftung Wissenschaft und Politik betont, dass moderne Armeen ihre Gegner konstant und genau im Blick haben müssen, um Truppenbewegungen und schweres Gerät schnell zu erfassen. Die Bundeswehr habe bislang nur auf wenige SAR-Satelliten Zugriff gehabt — dieser Vertrag stelle daher einen Fortschritt für die deutsche Verteidigungsfähigkeit dar.

Die Satelliten selbst sind kompakte Geräte: 3,3 Meter lang, 0,8 Meter breit und etwa 220 Kilogramm schwer. Der erste in Neuss gefertigte Satellit soll Anfang 2027 mit einer Trägerrakete von SpaceX in die Umlaufbahn gebracht werden. ICEYE hat bereits 35 SAR-Satelliten im All, deren Aufnahmen sowohl von der Bundeswehr als auch von der ukrainischen Armee gekauft werden. Rheinmetall-Chef Armin Papperger kommentierte den Produktionsstart: Das Unternehmen könne nicht nur innovative Weltraumtechnologie bereitstellen, sondern diese auch industriell in Deutschland skalieren.

Dieser Schritt ist Teil einer breiteren Strategie. Rheinmetall konkurriert in diesem neuen Geschäftsbereich vor allem mit Airbus Defence and Space und OHB, dem Bremer Raumfahrtunternehmen, das bereits 2007 seinen ersten SAR-Satelliten ins All brachte. Der DAX-Konzern verfolgt das Ziel, sich im Rüstungsbereich möglichst breit aufzustellen und damit den Bedarf von NATO-Armeen weitgehend abzudecken. Neben klassischen Produkten wie Artillerie, Panzern und Munition umfasst die Produktpalette inzwischen auch Schiffe, Flugzeugteile und Drohnen. Das Unternehmen ist zahlreiche europäische Kooperationen eingegangen.

Am Kapitalmarkt konnte die Rheinmetall-Aktie von dieser Expansion zuletzt nicht profitieren. Seit Mitte Januar hat der DAX-Titel über die Hälfte seines Wertes verloren. Seit Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 waren Rüstungsaktien an der Börse grundlegend neu bewertet worden — doch ein Teil dieser Neubewertung wurde seither wieder korrigiert. Heute ist die Rheinmetall-Aktie der schwächste Titel im DAX, während der Gesamtmarkt zulegt. Der DAX gewinnt bis zum frühen Nachmittag 0,7 Prozent auf 25.436 Punkte, getrieben vor allem durch die anhaltende KI-Rally.

Der erfolgreiche Produktionsanlauf in Neuss zeigt, dass wir nicht nur innovative Weltraumtechnologie bereitstellen, sondern diese auch industriell in Deutschland skalieren können.
— Armin Papperger, Rheinmetall-Chef
In einem gläsernen Gefechtsfeld muss man den Gegner möglichst konstant und genau im Blick haben, um Truppenbewegungen und schweres Gerät schnell zu erfahren.
— Juliana Süß, Stiftung Wissenschaft und Politik
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