Rechnungshof warnt: Rentenreformen könnten fast 46 Prozent der Steuereinnahmen aufzehren

Der Haushalt wird nicht noch weiter zu einseitig beansprucht
Der Rechnungshof warnt die Regierung, bei Änderungen am Reformpaket die Haushaltsfolgen nicht zu ignorieren.
Mark

Was genau warnt der Rechnungshof denn? Dass die Rente zu teuer wird, oder dass die Reformen falsch sind?

Mimi

Beides, aber auf unterschiedliche Weise. Die Rente wird ohnehin teuer — das ist demografisch unvermeidlich. Aber der Rechnungshof sagt: Wenn wir die geplanten Reformen so umsetzen, wie sie jetzt vorgesehen sind, wird der Haushalt völlig aus dem Gleichgewicht geraten.

Luke

Moment — die 46 Prozent, die werden nur erreicht, wenn alle geplanten Reformen kommen, richtig? Ohne Reform wären es 36,7 Prozent. Das ist ein großer Unterschied.

Mimi

Genau. Die 46 Prozent sind das Szenario mit allen geplanten Reformpaketen. Das zeigt, wie teuer diese Reformen sind.

Mark

Und was ist das größte Kostenrisiko?

Mimi

Die Rentenniveaugarantie. Sie soll durch eine neue Kapitalrente finanziert werden, aber wenn die Kapitalrente nicht wie geplant läuft oder niedrige Renditen bringt, springt der Haushalt ein.

Luke

Das ist aber eine Annahme über die Zukunft. Niemand weiß, wie hoch die Renditen sein werden. Der Rechnungshof warnt vor einem Risiko, das vielleicht nie eintritt.

Mimi

Stimmt, aber genau darum geht es dem Rechnungshof — er will, dass die Regierung dieses Risiko einkalkuliert und nicht so tut, als wäre es nicht da.

Mark

Wie viel kostet denn das erste Rentenpaket, das bereits beschlossen ist?

Mimi

210 Milliarden Euro bis 2040. Das ist schon im Haushalt eingeplant, aber es zeigt, wie schnell die Kosten wachsen.

Luke

Und die 127 Milliarden Euro für 2026 — sind das nur die Rentenzahlungen, oder auch die Verwaltung und andere Dinge?

Mimi

Das ist die gesamte Leistung der Rentenversicherung, also ja, auch Verwaltung und Rehabilitation. Aber der Löwenanteil sind die Rentenzahlungen selbst.

Mark

Was sollte die Regierung jetzt tun?

Mimi

Der Rechnungshof sagt: Transparent machen, welche Reformen wie viel kosten, und nicht einfach einzelne Elemente abschwächen, ohne die Folgen zu bedenken.

  • Ohne Reform: 36,7 Prozent der Steuereinnahmen für Rente bis 2040; mit geplanten Reformen: fast 46 Prozent
  • Erstes Rentenpaket der Koalition kostet bis 2040 insgesamt 210 Milliarden Euro
  • Derzeit fließt etwa ein Viertel aller Bundesausgaben in die Rentenversicherung (2026: 127,4 Milliarden Euro)
  • Rentenniveaugarantie ist an Kapitalrente gekoppelt — Verzögerungen oder niedrige Renditen könnten zusätzliche Haushaltsbelastung verursachen

Ohne Reform: 36,7 Prozent der Steuereinnahmen für Rente bis 2040. Mit geplanten Reformen könnte die Quote auf fast 46 Prozent steigen. Das erste Rentenpaket der Koalition kostet den Haushalt bis 2040 insgesamt 210 Milliarden Euro. Derzeit fließt bereits ein Viertel aller Bundesausgaben in die Rentenversicherung.

Der Bundesrechnungshof warnt, dass Rentenreformen bis 2040 fast 46 Prozent der Steuereinnahmen verbrauchen könnten. Der Haushalt werde dadurch zu einseitig beansprucht.

Der Bundesrechnungshof hat ein Gutachten vorgelegt, das die finanzielle Tragfähigkeit der geplanten Rentenreformen in Frage stellt. Die Warnung ist deutlich: Sollten die von der Bundesregierung angekündigten Reformpakete wie geplant umgesetzt werden, könnte die Rentenversicherung bis zum Jahr 2040 fast 46 Prozent aller Steuereinnahmen des Bundes aufzehren. Derzeit liegt dieser Anteil bei etwa 29 Prozent. Ohne jede Reform würde die Quote bis 2040 auf 36,7 Prozent anwachsen — ein erheblicher Anstieg, der allein zeigt, wie stark der demografische Druck auf das Rentensystem wirkt.

Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Belastung für den Staatshaushalt. Im Bundeshaushalt 2026 sind bereits 127,4 Milliarden Euro für die gesetzliche Rentenversicherung vorgesehen, im Entwurf für 2027 sogar 132 Milliarden Euro. Das entspricht etwa einem Viertel aller Bundesausgaben. Mit anderen Worten: Von jedem Euro, den der Staat ausgibt, fließt bereits heute ein Viertel in die Rentenkasse. Die Rechnungsprüfer sehen darin ein strukturelles Problem, das sich durch die geplanten Reformen weiter verschärfen würde.

Ein besonderes Risiko erkennt der Rechnungshof in der sogenannten Rentenniveaugarantie, die Neurentner dauerhaft schützen soll. Die Finanzierung dieser Garantie ist an die Einführung einer neuen Kapitalrente gekoppelt, die längerfristig Renditen erwirtschaften soll. Doch hier liegt die Schwachstelle: Sollte sich die Einführung dieser Kapitalrente verzögern oder sollten die Renditen niedriger ausfallen als erhofft, müsste der Bundeshaushalt die Lücke füllen. Das ist ein offenes Kostenrisiko, das die Rechnungsprüfer explizit benennen.

Bereits das erste Rentenpaket der Koalition, das Ende 2025 beschlossen wurde, wird teuer. Der Rechnungshof beziffert die Folgekosten dieses Pakets bis 2040 auf insgesamt 210 Milliarden Euro. Dieses Paket erhöhte die sogenannten Mütterrenten und schaltete den demografischen Faktor in der Rentenformel bis 2031 aus — beides Maßnahmen, die die Rentner unmittelbar entlasten, aber den Haushalt belasten.

Die Warnung des Rechnungshofs richtet sich auch an die politische Entscheidungsfindung. Die Prüfer mahnen, dass die geplante große Rentenreform nicht ohne Blick auf ihre Kostenfolgen verwässert werden darf. Falls einzelne Belastungen aus dem Reformpaket zurückgenommen werden, müsse darauf geachtet werden, dass der Bundeshaushalt nicht noch weiter zu einseitig in Anspruch genommen wird. Konkret heißt das: Wenn die Bundesregierung unter politischem Druck einzelne Reformelemente abschwächt, muss sie die Haushaltsfolgen dieser Abschwächung transparent machen und berücksichtigen.

Der Rechnungshof kritisiert auch, dass die Vorschläge der Alterssicherungskommission möglicherweise verändert werden könnten, ohne dass die negativen Auswirkungen auf den Bundeshaushalt ausreichend berücksichtigt werden. Das ist eine implizite Warnung vor Kompromissen, die zwar politisch attraktiv wirken, aber die Finanzierungslücke nur vergrößern würden. Die zentrale Botschaft lautet: Die Rentenreform ist notwendig, aber sie muss mit offenen Augen für ihre Haushaltsfolgen gestaltet werden, sonst wird der Staat in eine Sackgasse manövriert, in der die Rentenausgaben alle anderen Ausgaben verdrängen.

Werden einige Belastungen zurückgenommen, ist das Augenmerk darauf zu richten, dass der Bundeshaushalt nicht noch weiter zu einseitig in Anspruch genommen wird
— Bundesrechnungshof
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