Prien fordert Debatte über Integration nach Gewalt bei Jugendprotesten

Es geht nicht um die Passfrage
Prien will Ursachen der Gewalt klären und betont, Staatsangehörigkeit sei dabei nicht entscheidend.
Mark

Worum geht es Prien im Kern?

Mimi

Sie trennt zwei Dinge: die überwiegend friedlichen Proteste und die Gewalt danach. Über die Ursachen der Gewalt will sie reden, auch über Integration, aber ausdrücklich ohne Ressentiments.

Mark

Und Dobrindt und Pistorius?

Mimi

Dobrindt sprach von "migrantischen Chaoten". Pistorius lehnte den Begriff ab und fragte, ob damit auch Deutsche in dritter Generation gemeint seien.

Luke

Wichtig: Wer die Gewalttäter waren, belegt der Artikel nicht. Prien sagt, sie stammten "wohl" auch aus migrantischen Milieus. Das ist eine Vermutung, keine Feststellung.

Mark

Also keine Zahlen zu Festnahmen oder Herkunft?

Luke

Nein. Auch nicht, in wie vielen Städten es Gewalt gab, nur "mehrere".

Mimi

Prien sagt selbst, der Streit um Begriffe gehe am Kern vorbei. Ihr sei wichtiger, den friedlich Demonstrierenden zuzuhören.

Mark

Was fordern die denn?

Mimi

Bessere Bildung, bezahlbares Leben, Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und kein Zurück zur Wehrpflicht. Prien teilt nicht alles, etwa beim Wehrdienst.

Luke

Ihre Charakterisierung der Generation als pragmatisch statt wütend ist ihre Einschätzung, keine belegte Erhebung.

  • Nach friedlichen Gen-Z-Demonstrationen eskalieren Ausschreitungen in mehreren Städten und hinterlassen Empörung.
  • Innenminister Dobrindt spricht von 'migrantischen Chaoten', und Verteidigungsminister Pistorius weist den Begriff entschieden zurück.
  • Prien will die Ursachen der Gewalt untersuchen, betont aber, dass es nicht um Staatsangehörigkeit oder Ressentiments gehe.
  • Die Debatte verlagert sich nun auf Rentenreform und Wehrdienst, und offen bleibt, ob sie sachlich geführt wird.

Nach den Jugendprotesten der Generation Z, die in mehreren deutschen Städten für bessere Bildung, bezahlbares Leben und soziale Gerechtigkeit auf die Straße gingen, ist die friedliche Stimmung vielerorts in Gewalt gekippt. Bildungsministerin Karin Prien verurteilt die Ausschreitungen scharf und lenkt den Blick auf die Frage, warum junge Menschen sich nicht mehr gehört fühlen. Zugleich bricht in der Bundesregierung ein Streit darüber aus, wie man die Täter benennen darf, ohne ganze Bevölkerungsgruppen zu stigmatisieren. Es ist ein Moment, in dem sich zeigt, wie schwer es einer Gesellschaft fällt, über Generationen- und Integrationsfragen zugleich zu sprechen.

Am Morgen nach den Jugendprotesten sitzt Bundesbildungsministerin Karin Prien im Deutschlandfunk und spricht über das Wochenende. Die Demonstrationen seien weitgehend friedlich verlaufen, sagt sie, doch danach habe es Gewaltexzesse gegeben, von linksradikalen Gruppen, aber auch von anderen, die wohl aus migrantischen Milieus stammten. Prien verurteilt die Gewalt deutlich.

Dem Aufruf der Initiative 'Gen Z regelt' waren Menschen in mehreren Städten gefolgt. Sie forderten bessere Bildung, ein bezahlbares Leben, mehr Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit, lehnten aber eine Rückkehr zur Wehrpflicht ab.

Prien fordert eine Diskussion über Integrationsprobleme, ohne Ressentiments zu schüren. Entscheidend sei nicht der Pass, sondern die Frage, warum Menschen in der Gesellschaft nicht angekommen seien. Innenminister Dobrindt hatte von migrantischen Chaoten gesprochen, Verteidigungsminister Pistorius widersprach dem Begriff. Prien hält den Streit über die Bezeichnung für einen Nebenschauplatz.

Wichtiger sei, den jungen Menschen zuzuhören. Wut sei in Deutschland nicht das vorherrschende Motiv, eher pragmatischer Blick auf die eigene Zukunft. Prien will Ältere dazu bringen, Besitzstände zugunsten Jüngerer abzubauen, etwa bei der Rentenreform, und Wehrdienstfragen offen diskutieren. Ob die Debatte sachlich bleibt, zeigt sich nun.

Am Morgen nach den Jugendprotesten sitzt Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) im Deutschlandfunk und spricht über das, was am Wochenende in mehreren deutschen Städten geschehen ist. Die Demonstrationen selbst seien "weitestgehend friedlich" verlaufen. Danach aber habe es Gewaltexzesse gegeben, so Prien: von linksradikalen Gruppen, aber auch von anderen, die wohl aus migrantischen Milieus stammten.

Dem Aufruf der Initiative "Gen Z regelt" waren in mehreren Städten Menschen gefolgt. Die Teilnehmenden forderten bessere Bildung, ein bezahlbares Leben, mehr Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit. Eine Rückkehr zur Wehrpflicht lehnten sie ab. Zur Generation Z zählen üblicherweise die Geburtsjahrgänge 1995 bis 2010. Gewalt gab es meist im Anschluss an die Kundgebungen. Prien verurteilte sie deutlich. Dem RBB sagte sie, Gewaltexzesse gingen "natürlich überhaupt nicht".

Prien forderte eine Diskussion über Integrationsprobleme. Es gehe nicht darum, Ressentiments zu schüren, das wäre auch politisch falsch, sagte sie. Man müsse aber untersuchen, warum Menschen zu Gewalt griffen. Stammten sie aus migrantischen Milieus, müsse das Sorgen bereiten, und dann müsse man auf die Ursachen schauen. Die Staatsangehörigkeit sei dabei nicht entscheidend. Es gehe nicht um die Passfrage, sondern darum, warum Menschen in der Gesellschaft nicht angekommen seien und was getan werden könne, damit das künftig besser gelinge.

Die Äußerungen fallen in eine Auseinandersetzung innerhalb der Bundesregierung. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte gesagt, friedliche Demonstrationen seien gegen Abend von gewaltbereiten linken Gruppen und "migrantischen Chaoten" gekapert worden. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) distanzierte sich von dieser Wortwahl. Er fragte, was migrantische Gruppen überhaupt seien: Menschen, die in dritter Generation in Deutschland lebten und deutsche Staatsangehörige seien? Wo höre man auf zu differenzieren? Das führe in die falsche Richtung. Prien meinte, der Streit über die Bezeichnung der Täter gehe ein Stück weit am Kern der Debatte vorbei.

Wichtiger sei, den jungen Menschen zuzuhören, die friedlich demonstriert hätten. Anders als bei Protesten in Frankreich sei Wut in Deutschland nicht das vorherrschende Motiv. Es handele sich um eine Generation, die vergleichsweise pragmatisch auf die Verhältnisse und die eigene Zukunft blicke. Dennoch gebe es Dinge, über die man sich als junger Mensch heute Sorgen machen müsse.

Prien forderte, die Interessen Jüngerer in politischen Entscheidungen stärker zu berücksichtigen. Dafür müssten Ältere bereit sein, auf Ansprüche zu verzichten. Besitzstände zugunsten der nächsten Generation abzubauen, sei "kein ganz leichter Vorgang in einem demokratischen System". Babyboomer und heutige Rentner sollten an einigen Stellen zurückstecken, als Beispiel nannte sie die anstehende Rentenreform.

Sie unterstütze aber nicht alle Forderungen der Demonstrierenden. Bei Wehrdienst und Gesellschaftsdienst habe sie eine andere Haltung. Auch diese Themen müssten offen diskutiert werden, denn die jungen Leute hätten ein Recht darauf, dass man sich den Fragen stelle. Ziel sei eine Politik, die die Interessen der Jungen wie der Alten besser im Blick habe. Ob die Debatte sachlich bleibt, zeigt sich nun an Rentenreform und Wehrdienst.

Hier geht es ja nicht darum, Ressentiments zu schüren, das wäre auch politisch falsch.
— Karin Prien, Bundesbildungsministerin (CDU)
Ich glaube, das führt in die falsche Richtung.
— Boris Pistorius, Verteidigungsminister (SPD)
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