Orthodoxer Bischof in Hildesheim: Für Dialog statt Nationalismus

Niemand dürfe sich in ein Ghetto zurückziehen und abschotten
Der Bischof warnt vor Isolation und betont die Notwendigkeit von Offenheit und Dialog für die orthodoxe Gemeinschaft in Deutschland.
Mark

Warum ist die Eröffnung dieses Klosters in Hildesheim überhaupt eine Geschichte? Es ist eine Kirche, die renoviert wurde.

Mimi

Weil sie zeigt, wie sich das Christentum in Deutschland verändert. Vor 120 Jahren war es ein evangelisches Frauenheim. Jetzt ist es ein serbisch-orthodoxes Kloster. Das ist nicht nur Architektur — das ist Migration, Integration, religiöse Vielfalt, die real wird.

Luke

Aber wie viele Menschen nutzen es wirklich? Der Bischof sagt bis zu eine Million serbisch-orthodoxe Gläubige in Deutschland. Andere Schätzungen sagen 400.000 bis 500.000. Das ist eine riesige Spanne. Und die Gemeinde vor Ort hat nur 400 Familien.

Mark

Der Bischof scheint sehr bewusst zu sein, dass seine Kirche fragmentiert ist — verschiedene nationale Gemeinschaften, jede in ihrer eigenen Ecke.

Mimi

Genau. Er sagt, das sei "sehr gefährlich". Deshalb will er einen gemeinsamen orthodoxen Kirchentag. Er sieht das Kloster als Ort der Begegnung, nicht nur für Serben, sondern für alle orthodoxen Gläubigen.

Luke

Aber wer finanziert das? Der Bischof sagt, die Kirche bekam keine öffentlichen Gelder. Ein einzelner Unternehmer zahlte den größten Teil. Das ist großzügig, aber es bedeutet auch, dass die Kirche von privater Wohltätigkeit abhängig ist.

Mark

Und dieser Unternehmer — er ist selbst ein Kind von Gastarbeitern. Das ist eine bemerkenswerte Kontinuität.

Mimi

Ja. Er besuchte als Kind mit seiner Mutter diese Kirche. Jetzt bezahlt er ihre Restaurierung. Das erzählt eine Geschichte über Erfolg, über Verwurzelung, über das Gefühl, einen Ort zu schulden.

Luke

Der Bischof spricht viel über Dialog und Integration. Aber wie konkret ist das? Er sagt, die Geistlichen sollen Deutsch sprechen — jetzt sprechen es mehr. Das ist messbar. Aber "Dialog über Konfessionsgrenzen hinweg" — was bedeutet das praktisch?

Mark

Und der Krieg in der Ukraine — der Bischof nennt ihn eine "Schande". Das ist eine klare Position für einen Kirchenführer, der Gläubige aus Russland und der Ukraine hat.

Mimi

Es ist auch eine Position, die Risiken birgt. Er sagt, die Menschen, die den Krieg führen, denken nicht über das Christentum nach. Das ist eine Kritik an Macht und Nationalismus, nicht an einer bestimmten Nation. Aber in einer gespannten Zeit kann das missverstanden werden.

  • Serbisch-orthodoxes Kloster in Hildesheim-Himmelsthür eröffnet
  • Bischof Grigorije Duric leitet die serbisch-orthodoxe Kirche für ganz Deutschland
  • Bis zu eine Million serbisch-orthodoxe Gläubige in Deutschland (andere Schätzungen: 400.000–500.000)
  • Ein Unternehmer, Sohn einer Gastarbeiterfamilie, finanzierte die Renovierung
  • Bischof plant gemeinsamen orthodoxen Kirchentag zur Überwindung von Nationalismus

Ein serbisch-orthodoxes Kloster wird in Hildesheim eröffnet, das als geistliches Zentrum und Begegnungsstätte für bis zu einer Million orthodoxe Gläubige in Deutschland dienen soll. Bischof Grigorije Duric betont die Bedeutung des Dialogs über Konfessionsgrenzen hinweg und kritisiert den Krieg zwischen orthodoxen Christen in der Ukraine als 'Schande'.

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche eröffnet ein renoviertes Kloster in Hildesheim-Himmelsthür. Bischof Grigorije Duric sieht darin einen Ort der Begegnung und des interreligiösen Dialogs für die orthodoxe Gemeinde in Deutschland.

In Hildesheim-Himmelsthür, südlich von Hannover, nimmt ein serbisch-orthodoxes Kloster Gestalt an. Die Handwerker sind noch nicht ganz fertig — Anstreicher arbeiten an den Wänden, Frauen bügeln Vorhänge, Kirchenbänke werden in den Gottesraum getragen. Aber der Weihrauch zieht bereits durch die Räume des Klosters der Entschlafung der Allheiligsten Gottesgebärerin, vermischt sich mit dem Geruch frischer Farbe. Es ist ein Moment zwischen Baustelle und Heiligtum, zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Das Gebäude selbst erzählt eine deutsche Geschichte. Vor gut 120 Jahren als neugotische Anstaltskirche eines evangelischen Frauenheims errichtet, stand es leer, nachdem die Diakonischen Werke in den 1970er Jahren in einen anderen Stadtteil umzogen und 1977 der letzte evangelische Gottesdienst hier stattfand. Die Serbisch-Orthodoxe Kirche für Mitteleuropa kaufte das Gebäude und die angrenzenden Liegenschaften und machte sich an die aufwendige Restaurierung — mit viel ehrenamtlicher Arbeit, mit Spenden, mit einer Vision. Bischof Grigorije Duric, 58 Jahre alt und Metropolit der serbisch-orthodoxen Christen in ganz Deutschland, spricht von einem geistlichen Zentrum, von mönchischem Leben, von einem Ort der Begegnung mit Klosterladen und Café. Für die rund 400 Familien der Gemeinde zwischen Braunschweig und Goslar ist dies ein Ankommen.

Die Zahlen sind umstritten. Der Bischof gibt an, dass bis zu eine Million serbisch-orthodoxe Gläubige in Deutschland leben. Andere Schätzungen nennen 400.000 bis 500.000 Personen. Bundesweit gibt es 52 Orte für Gottesdienste. Insgesamt leben nach Schätzungen rund 4,5 Millionen orthodoxe Christen in Deutschland — Bulgaren, Rumänen, Griechen, Russen, Ukrainer, Serben. Es gibt diverse Klöster, meist mit nur einer Handvoll Mönche oder Nonnen, die die Liturgie pflegen und als spirituelle Gesprächspartner dienen. Viele haben Verbindungen zu den Athos-Klöstern in Griechenland.

Grigorije betont, dass Himmelsthür ein pan-orthodoxer Ort sein soll, offen für orthodoxe Gläubige aller Kirchen. "Wir haben hier Gläubige aus Serbien und Griechenland, aus Bulgarien und Rumänien, auch aus der Ukraine und Russland", sagt er. Und es sei ihm wichtig, dass deutsche Nachbarn und Freunde einbezogen seien. Niemand dürfe sich in ein Ghetto zurückziehen. Das wäre "sehr gefährlich". Als er auf den Krieg in der Ukraine zu sprechen kommt, wird seine Stimme schärfer. "Eine Schande. Das ist eine Schande." Ein Krieg zwischen orthodoxen Christen, geführt von Menschen, die nur an Geld und Macht denken, nie über das Christentum nachdenken. Für Christen, sagt er, bleibe der andere immer ein Bruder oder eine Schwester.

"Ich bin aus Bosnien, aus Sarajevo. Und ich bin Europäer", sagt Grigorije über sich selbst. 1967 unweit von Sarajevo geboren, kam er 2018 als Bischof nach Deutschland. Er hofft, dass Serbien eines Tages den Weg in die Europäische Union findet. Aber Europäer seien die Serben mit ihrer Geschichte auf jeden Fall. In den Gemeinden betont er immer wieder, wie wichtig Dialog ist — das Gespräch auch über Konfessionsgrenzen hinweg. "Die Möglichkeit zum Dialog ist etwas, das Gott uns geschenkt hat." Der Dialog ermöglicht es den Menschen, einander kennenzulernen und voneinander zu lernen.

Die serbischen Christen in Deutschland sind längst nicht mehr die Gastarbeiter-Generation der 1960er Jahre. Viele sind hier aufgewachsen, haben deutsche Schulen besucht, studiert, sprechen Deutsch als Muttersprache. "Es sind Deutsche mit serbischen Wurzeln", sagt der Bischof. "Ihre erste Sprache ist Deutsch, für ihre Kinder ist es auch die Lebensweise und Kultur. Sie sind Deutsche. Aber sie möchten nie sagen, dass sie ihre serbischen Wurzeln ablehnen." Zur festlichen Einweihung erwartet die Gemeinde auch Bischöfe der katholischen und evangelischen Kirche.

Die Finanzierung der umfassenden Renovierung kam nicht von öffentlicher Hand — weder von der Stadt, noch vom Land Niedersachsen, noch vom Bund. Die serbisch-orthodoxe Gemeinde spendete, das sei ihre Aufgabe. Aber der größte Teil kam von einem einzelnen Mann: ein Gastarbeiter-Kind, in Hildesheim geboren, heute erfolgreicher Unternehmer in Berlin. "Er sagte: Einst habe ich mit meiner Mutter diese Kirche besucht. Ich werde alle Arbeiten, alle Reparaturen bezahlen", berichtet der Bischof. Eine Steintafel im Eingangsbereich würdigt den "großen Einsatz und die opferbereite Liebe" des Stifters.

Grigorije legt Wert darauf, dass die Geistlichen seiner Kirche in Deutschland die deutsche Sprache gut beherrschen. Als er 2018 kam, sprach nur jeder zehnte Geistliche gut Deutsch. Mittlerweile ist es jeder zweite, Tendenz steigend. Er verweist auf die Möglichkeit, an der Universität München orthodoxe Theologie zu studieren. Und er denkt weiter: Er möchte die anderen orthodoxen Bischöfe in Deutschland für einen gemeinsamen orthodoxen Kirchentag gewinnen. Das könnte dazu beitragen, "uns langsam und deutlich in dieser Welt zu integrieren". Das Problem der orthodoxen Kirchen in Deutschland sei noch der Nationalismus der einzelnen Gemeinschaften. "Aber wir müssen hier mehr und mehr eine orthodoxe Kirche sein. Dabei könnte ein gemeinsamer Kirchentag, bei dem wir uns gemeinsam präsentieren, ein Schritt sein."

Eine Schande. Das ist eine Schande.
— Bischof Grigorije Duric über den Krieg in der Ukraine
Es sind Deutsche mit serbischen Wurzeln. Ihre erste Sprache ist Deutsch, für ihre Kinder ist es auch die Lebensweise und Kultur. Sie sind Deutsche. Aber sie möchten nie sagen, dass sie ihre serbischen Wurzeln ablehnen.
— Bischof Grigorije Duric über die serbischen Christen in Deutschland
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