In Bosnien und Herzegowina haben nationalistische Kräfte bei den jüngsten Wahlen einen deutlichen Sieg errungen — ein Ergebnis, das weniger eine Überraschung als eine Bestätigung tief verwurzelter Spaltungen ist. Milorad Dodik, trotz gerichtlicher Absetzung eine dominierende Figur, könnte durch eine mögliche Begnadigung des neuen Staatspräsidiums politisch rehabilitiert werden. In einem Land, das seit Jahrzehnten zwischen ethnischen Identitäten und europäischen Ambitionen pendelt, signalisiert diese Wahl, dass der Weg zur Einheit und zur EU-Mitgliedschaft noch weiter in die Ferne rückt.
Nationalistische Kräfte dominieren Wahlen in Bosnien und Herzegowina
Unsere politischen Positionen bleiben fest und werden nicht geändert.
Was bedeutet es konkret, dass nationalistische Kräfte diese Wahlen dominiert haben? Geht es um eine Verschiebung oder um Kontinuität?
Es ist eher Kontinuität mit neuer Legitimation. Dodik war schon die dominierende Figur, wurde aber 2025 aus seinem Amt entfernt. Jetzt hat er ein Mandat, um seine Politik fortzusetzen — und die Chance, wieder in ein Amt zu kommen.
Aber die Begnadigung ist nicht garantiert, oder? Das ist eine Vermutung von Beobachtern, nicht etwas, das bereits beschlossen wurde.
Richtig. Es ist eine plausible Vermutung, weil zwei der drei neuen Präsidiumsmitglieder aus nationalistischen Parteien kommen. Aber ob sie es tatsächlich tun, ist offen.
Und was ist mit dem bosniakischen Vertreter, Becirovic? Kann er das verhindern?
Das ist die Frage. Er ist der Moderate in diesem Trio. Aber ein einzelnes Mitglied des Präsidiums kann eine Begnadigung wahrscheinlich nicht allein blockieren.
Wir wissen nicht, wie die Abstimmungsregeln im Präsidium funktionieren. Das sollte man erwähnen.
Die Wahlbeteiligung von 40 Prozent ist bemerkenswert niedrig. Was sagt das über die Stimmung im Land?
Es deutet auf Frustration hin. Die Menschen sehen, dass sich nichts ändert, egal wie sie wählen. Und wenn die Kandidaten alle ähnliche Positionen vertreten, warum sollte man gehen?
Davidovic sagt, es könnte auch an den neuen Wahltechnologien liegen. Das ist spekulativ. Wir wissen nicht, wie viel Einfluss das hatte.
Und die EU? Wie wirkt sich das auf Bosniens Weg nach Europa aus?
Mit nationalistischen Kräften, die Spaltung statt Einheit wollen, wird es schwer. Die EU verlangt Reformen und Stabilität. Das wird schwieriger zu erreichen sein.
Aber auch das ist eine Projektion. Wir sehen die Wahlergebnisse, aber nicht, wie die neue Regierung tatsächlich handeln wird.
O Pulso
- Dodiks SNSD triumphiert unter serbischen Wählern auf allen Ebenen und sichert sich mit Koalitionspartnern eine Zweidrittelmehrheit im Parlament der Republika Srpska.
- Das neue Staatspräsidium wird von zwei nationalistischen Mitgliedern dominiert, die die Macht hätten, Dodik zu begnadigen und ihm den Weg zurück in politische Ämter zu ebnen.
- Die Wahlbeteiligung sank auf erschreckend niedrige 40 Prozent — ein Zeichen wachsender Entfremdung der Bürger von einem politischen System, das kaum Reformwillen zeigt.
- Der einzige nicht-nationalistische Stimme im Staatspräsidium, Denis Becirovic, steht vor einer strukturellen Minderheitenposition in einem Gremium, das über die Zukunft des Landes entscheidet.
- Bosniens EU-Beitrittsperspektive verblasst weiter, während nationalistische Rhetorik und Blockadepolitik das institutionelle Leben des Landes bestimmen.
In Bosnien und Herzegowina haben nationalistische Kräfte bei den jüngsten Wahlen einen deutlichen Sieg errungen — ein Ergebnis, das weniger eine Überraschung als eine Bestätigung tief verwurzelter Spaltungen ist. Milorad Dodik, trotz gerichtlicher Absetzung eine dominierende Figur, könnte durch eine mögliche Begnadigung des neuen Staatspräsidiums politisch rehabilitiert werden. In einem Land, das seit Jahrzehnten zwischen ethnischen Identitäten und europäischen Ambitionen pendelt, signalisiert diese Wahl, dass der Weg zur Einheit und zur EU-Mitgliedschaft noch weiter in die Ferne rückt.
Die Wahlen in Bosnien und Herzegowina haben ein vertrautes, aber beunruhigendes Bild gezeichnet: Nationalisten behalten die Oberhand, moderate Stimmen verlieren an Gewicht. Milorad Dodik, dessen Partei SNSD unter serbischen Wählern auf allen Ebenen gewann, feierte ein unerwartet starkes Ergebnis und bedankte sich in seiner Siegesrede ausdrücklich bei Wladimir Putin und Donald Trump — dessen Regierung 2025 überraschend Sanktionen gegen ihn aufgehoben hatte. Obwohl Dodik 2025 per Gerichtsentscheid aus seinem Amt entfernt worden war, weil er die Abspaltung der Republika Srpska angestrebt hatte, hält er an dieser politischen Linie fest.
Besondere Aufmerksamkeit gilt nun dem dreiköpfigen Staatspräsidium: Zelka Cvijanovic von der SNSD und Darijana Filipovic von der kroatisch-nationalistischen HDZ könnten gemeinsam Dodik begnadigen und ihm so die Rückkehr in politische Ämter ermöglichen. Filipovic sprach am Wahlabend noch nicht offen darüber, betonte jedoch, dass das bosniakische Volk keine Überstimmung und die damit verbundenen Spannungen wolle. Als einziger nicht-nationalistischer Vertreter im Präsidium bleibt Denis Becirovic von der Sozialdemokratischen Partei — er sprach von einem freiheitsliebenden, antifaschistischen Bosnien, doch seine Stimme steht strukturell allein.
Auffällig ist die Wahlbeteiligung von nur rund 40 Prozent. Der Politologe Milos Davidovic sieht darin nicht nur technische Ursachen, sondern ein tieferes Symptom: Das politische Angebot sei so schwach wie nie zuvor, und viele Bürger nähmen Wahlen nicht mehr als zentrales demokratisches Instrument wahr. Mit dieser Konstellation sind grundlegende Reformen kaum zu erwarten — und Bosniens Weg in die Europäische Union wird damit noch länger.
Die Wahlen in Bosnien und Herzegowina haben ein klares Bild hinterlassen: nationalistische Kräfte werden das Land in den kommenden Jahren prägen. Nach Auszählung fast aller Stimmen zeichnet sich ab, dass moderate Stimmen in den Institutionen des Landes an Gewicht verlieren werden.
Milorad Dodik, der Nationalist, dessen Partei SNSD unter serbischen Wählern auf allen Ebenen triumphierte, sprach von einem unerwartet hohen Ergebnis. Mit seinen Koalitionspartnern wird die SNSD über eine Zweidrittelmehrheit im Parlament der Republika Srpska verfügen. Dodik, der 2025 per Gerichtsentscheid aus seinem Amt als Präsident des Landesteils entfernt worden war — weil er die Abspaltung der Republika Srpska vom Gesamtstaat angestrebt hatte — signalisierte, dass er an dieser Linie festhalten wird. In seiner Siegesrede bedankte er sich ausdrücklich bei Russlands Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump, dessen Regierung 2025 überraschend Sanktionen gegen Dodik aufgehoben hatte.
Das Interessante liegt nun in der Zusammensetzung des dreiköpfigen Staatspräsidiums. Zelka Cvijanovic von Dodiks SNSD wird das serbische Mitglied sein. Darijana Filipovic von der kroatisch-nationalistischen HDZ wird die kroatische Position einnehmen. Politische Beobachter hatten vor der Wahl gemutmaßt, dass diese beiden Dodik begnadigen könnten — was ihm erlauben würde, wieder politische Ämter zu besetzen. Dodik darf derzeit keine solchen Positionen innehaben, aber das Staatspräsidium hat die Befugnis, ihn zu begnadigen. Am Wahlabend selbst sprach Filipovic davon noch nicht, bedankte sich stattdessen bei bosniakischen Wählern für ihren Sieg und betonte, dass das bosniakische Volk keine Überstimmung und die dadurch entstehenden Spannungen wolle.
Das bosniakische Mitglied des Staatspräsidiums wird Denis Becirovic von der multiethnischen Sozialdemokratischen Partei sein — der einzige der drei, der nicht aus einer nationalistischen Partei kommt. Er sprach nach seiner Wahl von einem freiheitsliebenden, antifaschistischen Bosnien und Herzegowina. Doch auf Bundesebene wurde die bosniakische SDA Wahlsiegerin, eine Partei, die wie die SNSD für Spaltung statt Einheit steht. Die SNSD wurde zweitstärkste Kraft.
Was auffällt, ist die extrem niedrige Wahlbeteiligung von nur etwa 40 Prozent. Der Politologe Milos Davidovic führt das teilweise auf neue Wahltechnologien zurück, die Stimmenfälschungen verhindern sollen. Aber er sieht auch ein tieferes Problem: Das politische Angebot der Kandidaten sei so schlecht wie nie zuvor. Das habe dazu geführt, dass Bürger Wahlen nicht mehr als zentralen Bestandteil einer Demokratie wahrnehmen.
Mit dieser Konstellation dürften sich die Machtverhältnisse nicht wesentlich ändern. Reformen bleiben eine Herausforderung. Der Weg Bosniens und Herzegowinas in die Europäische Union wird damit noch länger.
Citações Notáveis
Das bosniakische Volk hat gezeigt, dass es keine Überstimmung und die dadurch verursachten Spannungen will.— Darijana Filipovic, kroatisches Mitglied des Staatspräsidiums
Das freiheitsliebende, antifaschistische und bürgerliche Bosnien und Herzegowina lebt.— Denis Becirovic, bosniakisches Mitglied des Staatspräsidiums