Nationalisten behaupten Macht in Bosnien und Herzegowina

Dank des neuen Umfelds sind wir politische Gewinner
Milorad Dodik würdigt Trumps Wahlsieg und die Aufhebung von Sanktionen gegen ihn.
Mark

Warum ist dieses Wahlergebnis für den Balkan so bedeutsam?

Mimi

Weil es zeigt, dass nationalistische Parteien trotz aller internationalen Bemühungen um Stabilität weiterhin die Oberhand haben. Dodik war vom Amt enthoben worden, aber seine Partei ist stärker geworden.

Luke

Aber wir sollten unterscheiden: Dodik persönlich wurde enthoben, die SNSD als Partei ist gewachsen. Das sind zwei verschiedene Dinge.

Mark

Was bedeutet Dodiks Dankbarkeit gegenüber Trump konkret?

Mimi

Die Trump-Regierung hat Sanktionen gegen ihn aufgehoben, die unter der Biden-Regierung verhängt worden waren. Das gibt ihm politischen Raum und signalisiert, dass die USA unter Trump weniger Druck auf separatistische Tendenzen ausüben.

Luke

Das ist wichtig, aber wir wissen nicht, wie lange das anhält oder welche anderen Faktoren bei Trumps Entscheidung eine Rolle spielten.

Mark

Wie funktioniert dieses dreiköpfige Präsidium überhaupt?

Mimi

Es ist ein Kompromiss aus dem Dayton-Abkommen. Jede der drei Bevölkerungsgruppen muss vertreten sein, um sicherzustellen, dass keine Gruppe die andere dominiert.

Luke

Das klingt gut in der Theorie, aber die Praxis zeigt, dass es zu Blockaden führt. Und wenn alle drei Positionen von Nationalisten besetzt sind, funktioniert das System noch schlechter.

Mark

Wie lange werden die Koalitionsverhandlungen dauern?

Mimi

Das ist schwer zu sagen. Die Quelle sagt, dass sie sich in der Regel über Monate hinziehen. Dieses Mal könnte es länger dauern, weil die Ergebnisse wenig Rückschlüsse auf eine klare Regierungsmehrheit zulassen.

Luke

Das ist eine Schätzung, keine Vorhersage. Wir wissen noch nicht, wie die Parteien verhandeln werden.

  • Nationalistische Parteien gewinnen bei Wahlen in Bosnien und Herzegowina
  • Dodiks SNSD erreicht 39 Prozent in der Republika Srpska (2022: 35 Prozent)
  • Trump-Regierung hob Sanktionen gegen Dodik auf
  • Bürgerkrieg 1992–1995 forderte etwa 100.000 Tote und über 2 Millionen Vertriebene
  • Dayton-Abkommen von 1995 schuf das komplexe dreiköpfige Präsidium

Nationalistische Parteien gewinnen bei Parlamentswahlen und Präsidentschaftswahlen in Bosnien und Herzegowina deutlich an Einfluss. Milorad Dodiks SNSD-Partei festigt ihre Macht in der Republika Srpska mit 39 Prozent der Stimmen und arbeitet weiterhin auf Abspaltung hin.

Bei Wahlen in Bosnien und Herzegowina behaupten nationalistische Parteien ihre Dominanz. Der abgesetzte serbische Führer Milorad Dodik sieht sich als Gewinner und dankt Donald Trump für aufgehobene Sanktionen.

Am Sonntag wählten die Bürger von Bosnien und Herzegowina ein neues Parlament, zwei Regionalparlamente und ein dreiköpfiges Staatspräsidium. Das Ergebnis war eindeutig: nationalistische Parteien behaupteten ihre Dominanz in einem Land, das immer noch unter den Spannungen zwischen seinen drei Bevölkerungsgruppen leidet.

Die Verfassungsstruktur des Staates ist bewusst komplex. Das Staatspräsidium muss immer aus einem Kroaten, einem bosnischen Muslim und einem Serben bestehen. Bei dieser Wahl kehrten der Bosniake Denis Becirovic und die Serbin Zeljka Cvijanovic in ihre Positionen zurück. Neu hinzu kam die Kroatin Darijana Filipovic von der nationalistischen HDZ BiH, die deutlich mehr Stimmen erhielt als ihr sozialdemokratischer Konkurrent Slaven Kovacevic. Cvijanovic, die der nationalistischen SNSD angehört, gewann klar gegen ihren gemäßigt nationalistischen Herausforderer Marinko Bozovic. Im Rennen um den bosniakischen Sitz setzte sich Becirovic von der SDP BiH knapp gegen Bakir Izetbegovic von der muslimisch-nationalistischen SDA durch.

Die eigentliche Machtverschiebung vollzog sich in der Republika Srpska, dem serbischen Landesteil. Dort festigte Milorad Dodiks SNSD ihre Kontrolle deutlich. Sein Kandidat Savo Minic gewann die Präsidentschaftswahl klar. Im Regionalparlament erreichte die SNSD 39 Prozent der Stimmen, ein Anstieg gegenüber knapp 35 Prozent im Jahr 2022. Dodik selbst war jahrelang Präsident der Republika Srpska, bis ihn ein Gericht in Sarajevo 2025 wegen separatistischer Aktivitäten des Amtes enthob. Als Parteichef arbeitet er jedoch weiterhin darauf hin, den serbischen Landesteil von Bosnien und Herzegowina abzuspalten.

In seiner Siegesrede in Banja Luka würdigte Dodik ausdrücklich US-Präsident Donald Trump. "Wenn es nicht Donald Trumps großartigen Sieg gegeben hätte, wären wir heute wahrscheinlich politische Leichen", sagte er und dankte auch dem russischen Präsidenten Wladimir Putin als seinem engen Verbündeten. "Doch jetzt, dank des neuen Umfelds, sind wir politische Gewinner." Die Trump-Regierung hatte im vergangenen Jahr Sanktionen gegen Dodik und mehrere Personen aus seinem Umfeld aufgehoben.

Das politische System Bosnien und Herzegowinas entstand aus dem Dayton-Abkommen von 1995, das den Bürgerkrieg beendete. Dieser Krieg von 1992 bis 1995 forderte etwa 100.000 Tote und vertrieb mehr als zwei Millionen Menschen. Bis heute wird der Staat von den Gegensätzen zwischen den drei Bevölkerungsgruppen geprägt: etwa die Hälfte sind mehrheitlich muslimische Bosniaken, ein Drittel sind orthodoxe Serben, und 15 Prozent sind katholische Kroaten. Das resultierende Regierungssystem ist wenig funktionsfähig und führt regelmäßig zu Blockaden.

Bei den Parlamentswahlen für den Gesamtstaat lassen sich noch keine klaren Schlüsse auf die künftige Regierung ziehen. Koalitionsverhandlungen ziehen sich in der Regel über Monate hin. Seit Ende 2022 ist das Balkanland Kandidat für eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union, doch die Wahlergebnisse deuten darauf hin, dass nationalistische Kräfte weiterhin das Tempo bestimmen werden.

Wenn es nicht Donald Trumps großartigen Sieg gegeben hätte, wären wir heute wahrscheinlich politische Leichen. Doch jetzt, dank des neuen Umfelds, sind wir politische Gewinner.
— Milorad Dodik in seiner Siegesrede in Banja Luka
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