Flüsse in Moldau sind ausgetrocknet, der Dnister-Fluss zeigt tote Fische und Algenmassen statt Wasser. Moldauer zahlen europäische Energiepreise bei zwei- bis dreimal niedrigerem Einkommen, was zur Verschuldung von Haushalten führen könnte.
Moldau kämpft mit Dürre und Energiekrise – Opposition nutzt Not für pro-russische Signale
Moldauer zahlen europäische Preise bei zwei- bis dreimal niedrigerem Einkommen
Warum ist die Situation in Moldau gerade jetzt so kritisch? Es gibt doch überall Dürren und Energieprobleme.
Weil zwei Krisen zusammenkommen: Die Flüsse trocknen aus, und gleichzeitig sind die Energiepreise explodiert. Das Land kann sich das nicht leisten.
Aber wie sehr ist das wirklich eine Dürre und wie sehr ist das eine Folge des Krieges? Die Quelle sagt, der Krieg zwischen Iran und USA hat die Preise hochgetrieben, aber ist das wirklich der Hauptgrund?
Das ist eine gute Frage. Der Energieexperte nennt den Krieg als einen Grund, aber das Kernproblem ist strukturell: Moldauer verdienen viel weniger als Europäer, zahlen aber die gleichen Preise.
Und die Opposition nutzt das aus?
Ja, aber auf eine Art, die technisch unmöglich ist. Sie fordern Gas von Russland, obwohl Gazprom gar nicht liefern kann.
Woher wissen wir, dass Gazprom nicht liefern kann? Das sagt der Energieexperte, aber ist das überprüft?
Die Turk-Stream-Pipeline ist die einzige Route, und Gazprom hat die Kapazität vollständig für Serbien, Ungarn und die Slowakei gebucht. Das ist eine faktische Aussage über die Verträge.
Also ist die Opposition einfach nur unehrlich?
Der Experte nennt es "Schaufenster-Politik". Sie wissen wahrscheinlich, dass es nicht funktioniert, aber sie nutzen die Angst der Menschen.
Und Präsidentin Sandu? Ist sie wirklich die bessere Alternative, oder ist das auch nur ein Versprechen?
Sie setzt auf EU-Hilfe statt auf russisches Gas. Moldau ist EU-Beitrittskandidat. Das ist eine echte strategische Wahl, nicht nur Rhetorik.
Aber funktioniert das schnell genug für den Winter?
Das ist die offene Frage. Tofilat sagt, Moldau braucht EU-Gelder für den Winter. Ob die kommen, ist noch nicht klar.
Il Polso
- Der Dnister-Fluss ist ausgetrocknet, mit toten Fischen und Algenmassen statt Wasser
- Moldauer zahlen europäische Energiepreise bei zwei- bis dreimal niedrigerem Einkommen
- Das Parlament rief einen 60-tägigen Energienotstand aus
- Gazprom kann Moldau nicht mit Gas versorgen, weil die Turk-Stream-Pipeline vollständig für andere Länder gebucht ist
- 46 Oppositionspolitiker wollen Präsidentin Sandu des Amtes entheben, haben aber keine Mehrheit
Flüsse in Moldau sind ausgetrocknet, der Dnister-Fluss zeigt tote Fische und Algenmassen statt Wasser. Moldauer zahlen europäische Energiepreise bei zwei- bis dreimal niedrigerem Einkommen, was zur Verschuldung von Haushalten führen könnte.
Die Republik Moldau leidet unter Dürre und Energienotstand. Während Flüsse austrocknen und die Regierung Energierationierung plant, nutzt die pro-russische Opposition die Krise politisch aus.
Wo normalerweise Wasser fließt, liegen jetzt nur noch Steine. Der Dnister-Fluss in der Republik Moldau ist so weit zurückgegangen, dass seine Ufer seit Wochen trocken sind. Zwischen Algenmassen und ausgetrockneten Wasserpflanzen liegen tote Fische. Das Bild stammt aus einem Bericht des moldauischen Nachrichtenmediums Newsmaker und zeigt die Realität einer Region, die unter einer schweren Dürre leidet. Umweltminister Gheorghe Hadjder spricht von einer "kritischen Situation auf regionaler Ebene an allen Flüssen", nicht nur am Dnister, sondern auch an der Donau und dem Pruth. Der Dnister entspringt in der Ukraine und ist für die Wasserversorgung der Hauptstadt Chisinau entscheidend, wie die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa dokumentiert hat.
Zu der Dürre kommt eine Energiekrise hinzu, die das Land in existenzielle Schwierigkeiten bringt. Moldau ist fast vollständig auf Energieimporte angewiesen. In den letzten Monaten sind die Preise für Gas und Strom dramatisch gestiegen, teilweise wegen des Krieges zwischen dem Iran und den USA, erklärt Sergiu Tofilat, Energieexperte beim moldauischen Thinktank WatchDog. Das eigentliche Problem liegt in einer einfachen Rechnung: Moldauer zahlen für ihre Energie ungefähr das Gleiche wie europäische Verbraucher, aber ihr Einkommen ist zwei- bis dreimal niedriger. Die Regierung fürchtet, dass die hohen Rechnungen Haushalte in Schulden treiben könnten. Präsidentin Maia Sandu warnte vor wenigen Tagen vor bevorstehenden Versorgungsengpässen.
Das Parlament in Chisinau reagierte mit einer drastischen Maßnahme: Es rief einen 60-tägigen Energienotstand aus. Diese Entscheidung fiel mit großer Mehrheit und gibt der Regierung die Befugnis, Energie und Wasser zu rationieren und zu verteilen. Doch die Krise wird nicht nur als technisches Problem behandelt, sondern auch als politische Waffe eingesetzt. Pro-russische Oppositionspolitiker nutzen die Not der Bevölkerung, um für eine Annäherung an Russland zu werben. Sie schlagen vor, Präsident Wladimir Putin "ganz freundlich" zu bitten, Gas zu liefern. Das ist allerdings eine Forderung, die auf falschen Voraussetzungen beruht.
Der russische Energiekonzern Gazprom kann Moldau gar nicht mit Gas versorgen, erklärt Tofilat. Es gibt nur noch eine Pipeline, die Moldau mit Gas erreicht: die Turk-Stream-Pipeline über die Türkei. Gazprom hat die Kapazität dieser Pipeline vollständig gebucht, um seine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Serbien, Ungarn und der Slowakei zu erfüllen. Es gibt also gar keinen freien Platz für moldauisches Gas. Die Opposition weiß das, nutzt die Verzweiflung der Menschen aber trotzdem für ihre politischen Ziele.
Tofilat nennt das "Schaufenster-Politik", die nur Aktivität simulieren soll. "Tatsächlich versuchen die pro-russische Opposition und die russische Propaganda, die Unzufriedenheit der Menschen über die hohen Preise auszunutzen und die Schuld dafür der Regierung zuzuschieben." Die Opposition hat 46 Abgeordnete mobilisiert, die Präsidentin Sandu des Amtes entheben wollen. Ihnen fehlt aber die nötige Unterstützung aus den Regierungsfraktionen, weshalb dieser Versuch scheitern wird.
Sandu wies die Vorwürfe zurück und berief sich auf das Vertrauen von 930.000 Bürgern, die sie gewählt haben. Sie wird ihr Mandat fortsetzen und dabei weiter auf die Europäische Union setzen. Moldau ist seit zwei Jahren EU-Beitrittskandidat, und weitere Gespräche über den Beitritt finden statt. Der Energieexperte Tofilat fordert, dass die Bevölkerung finanzielle Unterstützung erhält. Für den kommenden Winter ist Moldau auf Gelder aus der EU angewiesen. Während die Opposition mit leeren Versprechungen aus Moskau spielt, hofft die Regierung auf konkrete Hilfe aus Brüssel.
Citazioni salienti
Das Einkommen der moldauischen Verbraucher ist zwei- bis dreimal niedriger als in Europa – das ist das Kernproblem— Sergiu Tofilat, Energieexperte beim moldauischen Thinktank WatchDog
Die pro-russische Opposition und die russische Propaganda versuchen, die Unzufriedenheit der Menschen über hohe Preise auszunutzen und die Schuld der Regierung zuzuschieben— Sergiu Tofilat, WatchDog