Merz sieht in Russlands expansivem Revisionismus eine existenzielle Bedrohung für ganz Europa und warnt, dass Deutschland das Grauen des Krieges wieder am eigenen Leib spüren könnte. Der Kanzler betont, dass Ukraine-Unterstützung kein Selbstzweck ist, sondern dazu dient, Russland aus einer Position der Stärke zu Verhandlungen zu bewegen.
Merz warnt vor Russland und AfD-»Parolen« bei Nato-Preisverleihung
Russlands Kriegsmaschinerie wird sich gegen uns selbst richten
Merz spricht von russischen Hintermännern der AfD — wie konkret ist das eigentlich belegt?
Das ist eine Charakterisierung, die Merz vornimmt. Es gibt Berichte über russische Desinformation und Einflussnahme, aber die direkte Steuerung einzelner Parteien ist schwer zu beweisen. Merz macht hier eine politische Aussage.
Genau. Das ist wichtig zu unterscheiden. Es gibt dokumentierte russische Desinformationskampagnen in Deutschland. Aber die Behauptung, dass die AfD von Moskau gesteuert wird, ist eine Interpretation, keine etablierte Tatsache. Merz nutzt das rhetorisch.
Und die Warnung, dass Deutsche wieder Krieg am eigenen Leib spüren könnten — ist das realistisch oder Angstmache?
Merz argumentiert: Wenn Russland nicht gestoppt wird, expandiert es weiter. Das ist die Logik dahinter. Ob das eintritt, hängt von vielen Faktoren ab — von der Nato-Stärke, von westlicher Einigkeit, von Russlands eigenen Fähigkeiten.
Das ist eine Szenario-Warnung, keine Vorhersage. Sie basiert auf einer bestimmten Annahme über russische Absichten. Andere könnten argumentieren, dass die Nato-Präsenz selbst Eskalation riskiert. Merz präsentiert eine Position, nicht die einzige mögliche Analyse.
Was bedeutet es, dass Merz sagt, Ukraine-Unterstützung sei kein Selbstzweck?
Das ist eine Verschiebung. Es geht nicht um Solidarität mit der Ukraine um ihrer selbst willen, sondern um deutsche Sicherheit. Die Ukraine ist das Mittel, nicht das Ziel.
Das ist auch eine wichtige Klarstellung für die innenpolitische Debatte. Merz sagt: Wir helfen nicht aus Idealismus, sondern aus Eigeninteresse. Das könnte Unterstützung stabiler machen — oder sie anfälliger für Verhandlungen, wenn die Kosten steigen.
Und die Forderung nach europäischer Beteiligung an Friedensgesprächen — ist das realistisch?
Merz signalisiert, dass Europa nicht einfach akzeptieren wird, was Washington und Moskau aushandeln. Das ist eine Machtfrage.
Aber ob die USA und Russland Europa wirklich einbeziehen wollen, ist offen. Das ist eher eine Forderung als eine Beschreibung dessen, was wahrscheinlich ist.
Der Puls
- Nato erhält Westfälischen Friedenspreis 2026 in Münster
- Merz warnt vor russischen hybriden Angriffen und AfD-Parolen mit russischen Hintermännern
- Kanzler fordert europäische Beteiligung an Ukraine-Friedensgesprächen
- Preisgeld von 100.000 Euro wird zwischen Nato und socioMovens aufgeteilt
Merz sieht in Russlands expansivem Revisionismus eine existenzielle Bedrohung für ganz Europa und warnt, dass Deutschland das Grauen des Krieges wieder am eigenen Leib spüren könnte. Der Kanzler betont, dass Ukraine-Unterstützung kein Selbstzweck ist, sondern dazu dient, Russland aus einer Position der Stärke zu Verhandlungen zu bewegen.
Kanzler Merz bekräftigt bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die Nato Deutschlands Unterstützung für die Ukraine und warnt vor russischen hybriden Angriffen sowie AfD-Parolen mit russischen Hintermännern.
In Münster verlieh die Nato am Donnerstag einen der ältesten und angesehensten Friedenspreise Europas — den Westfälischen Friedenspreis, benannt nach dem Vertrag von 1648, der den Dreißigjährigen Krieg beendete. Dass eine Militärallianz diese Auszeichnung erhielt, überraschte manchen. Aber Kanzler Friedrich Merz, der die Laudatio hielt, erklärte es für folgerichtig: Die Nato sei seit drei Generationen das Fundament der euro-atlantischen Friedensordnung.
Merz nutzte die Rede, um die Grundlinien seiner Außenpolitik zu zeichnen — und sie sind unversöhnlich. Russlands Krieg gegen die Ukraine stelle nicht nur dieses Land in Frage, sondern bedrohe ganz Europa durch das, was Merz »gewalttätigen, expansiven Revisionismus« nannte. Ohne Widerstand, warnte er, werde sich Moskaus Kriegsmaschinerie »früher oder später gegen uns, gegen die Nato selbst richten«. Die Frage, die er aufwarf, war düster: Werden auch Deutsche wieder das Grauen des Krieges am eigenen Leib erleben?
Diese Warnung war nicht abstrakt gemeint. Merz sprach konkret von Russlands hybriden Angriffen — Cyberanschläge, Desinformation, Sabotage — und von etwas, das er als noch unmittelbarer empfand: die Parolen der AfD und ihrer, wie er sagte, russischen Hintermänner. Deutschland solle sich durch diese Einflüsse nicht spalten lassen, forderte der Kanzler. Es war eine scharfe Diagnose der innenpolitischen Lage — die Vorstellung, dass eine deutsche Partei nicht nur mit Moskau sympathisiert, sondern von dort aus gesteuert wird.
Gleichzeitig positionierte Merz die deutsche Ukraine-Unterstützung neu. Sie sei kein Selbstzweck, betonte er — nicht einfach Solidarität oder moralische Pflicht, sondern strategische Notwendigkeit. Die Hilfe für Kiew diene dazu, Russland aus einer Position der Stärke an den Verhandlungstisch zu zwingen. Das war eine wichtige Klarstellung: Merz signalisierte, dass Deutschland nicht auf unbegrenzte Unterstützung setzt, sondern auf Diplomatie, die von militärischer Stärke gestützt wird.
Aber auch hier zog Merz rote Linien. Es könne keinen Frieden »über die Köpfe der Ukrainer hinweg« geben, sagte er — eine Absage an jede Lösung, die Kiew ausschließt. Ebenso wenig könne es einen »Frieden ohne Europa« geben. Merz forderte ein Format, in dem die Ukraine, Russland, die Vereinigten Staaten und Europa zusammen verhandeln. Das war ein Plädoyer für europäische Eigenständigkeit in einer Frage, die bisher stark von Washington geprägt wurde.
Die Nato erhielt den Preis zusammen mit socioMovens, einer Jugendorganisation, die Projekte in Mittel- und Osteuropa durchführt. Das Preisgeld von insgesamt 100.000 Euro wurde aufgeteilt. Der Westfälische Friedenspreis wird seit 1998 alle zwei Jahre vergeben und zeichnet Engagement für nachhaltigen Frieden aus. Dass die Nato ihn bekam, war eine Botschaft: In einer Zeit, in der Frieden bedroht ist, ist Stärke nicht das Gegenteil von Frieden, sondern seine Voraussetzung.
Bemerkenswerte Zitate
Deutschland werde sich weder durch Russlands hybride Angriffe noch durch Parolen der AfD und ihrer russischen Hintermänner spalten lassen— Kanzler Friedrich Merz
Die Unterstützung der Ukraine ist kein Selbstzweck, sondern dient dazu, Russland aus einer Position der Stärke zu Verhandlungen zu bringen— Kanzler Friedrich Merz