In einer Zeit, in der Kriege die Grenzen zwischen Ferne und Nähe auflösen, ist Friedrich Merz mit einem Sonderzug nach Kyjiw gereist – ein Besuch, der Risiko und Entschlossenheit in einem trägt. Deutschland sagt der Ukraine 1,35 Milliarden Euro zu, darunter Abfangdrohnen und weitreichende Waffen, und sendet damit ein Signal, das über den Moment hinausweist: Wer Aggression ungestraft lässt, lädt sie ein. Merz stellt sich in eine lange Reihe von Staatsführern, die erkannt haben, dass Solidarität bisweilen den Weg ins Gefährliche erfordert.
Merz überraschend in Kyjiw: Bundeskanzler sagt Ukraine Milliarden an Waffenhilfe zu
Russland verstehe nur die Sprache der Stärke
Warum ist diese Reise so gefährlich? Kyjiw ist doch nicht unmittelbar an der Front.
Das stimmt, aber die Sicherheitslage hat sich massiv verschlechtert. Drohnenangriffe nehmen zu, auch in der Hauptstadt. Russland warnte sogar kurz vor Merz' Ankunft vor Luftschlägen. Ein Bundeskanzler ist ein hochrangiges Ziel.
Aber Russland warnt ja immer vor Angriffen. Das ist auch Propaganda. Die Frage ist: Wie wahrscheinlich war ein tatsächlicher Anschlag?
Und was genau verspricht Merz der Ukraine?
Tausende Abfangdrohnen, weitreichende Waffen für Angriffe auf russische Nachschublinien, und 1,35 Milliarden Euro insgesamt – eine Milliarde für Waffen, 350 Millionen für Kraftwerke.
Das sind große Zahlen. Aber sind das neue Mittel oder bereits bewilligte Haushaltsmittel, die jetzt freigegeben werden?
Die eine Milliarde kommt aus bereits bewilligten Mitteln. Das ist ein wichtiger Unterschied – es ist nicht völlig neu, sondern eine Beschleunigung.
Merz sagt, Russland verstehe nur die Sprache der Stärke. Glaubt er wirklich, dass mehr Waffen zu Verhandlungen führen?
Das ist seine Strategie: Militärischer Druck soll Russland an den Verhandlungstisch bringen. Diplomatie allein funktioniere nicht, sagt er.
Aber sein Außenminister hat gerade mit Lawrow geredet, und das war ein Desaster. Lawrow war abschätzig. Das ist kein Zeichen, dass Druck funktioniert – das ist ein Zeichen, dass Moskau nicht verhandeln will.
Was ist das größere Risiko für Merz – die physische Gefahr oder die politische?
Wahrscheinlich die politische. In Deutschland lehnen immer mehr Menschen Waffenlieferungen ab. Populisten von links bis rechts profitieren davon. Diese Reise ist ein Bekenntnis, das Merz teuer zu stehen kommen könnte.
Und das ist das Unbekannte: Wie lange hält die deutsche Öffentlichkeit das durch? Das ist die eigentliche Frage.
El Pulso
- Russland warnte kurz vor Merz' Ankunft ausdrücklich vor Aufenthalten in Kyjiw – die Drohkulisse machte diesen Besuch zum riskantesten eines deutschen Bundeskanzlers im Kriegsgebiet seit 2022.
- Deutschland gibt Tausende Abfangdrohnen und weitreichende Waffen frei, mit denen die Ukraine russische Nachschublinien hinter der Front angreifen kann.
- 1,35 Milliarden Euro – eine Milliarde für Waffen, 350 Millionen für zerstörte Kraftwerke – unterstreichen, dass Berlin den fünften Kriegswinter der Ukraine nicht tatenlos hinnehmen will.
- Das Treffen zwischen Außenminister Wadephul und Lawrow in New York verlief ergebnislos; Merz wertet dies als Beweis, dass Moskau Diplomatie nur als Schwäche liest.
- In Deutschland wächst der innenpolitische Widerstand gegen weitere Hilfe – Populisten beider Ränder nutzen die Kriegsmüdigkeit, und die Belastbarkeit der Regierungskoalition bleibt ungewiss.
In einer Zeit, in der Kriege die Grenzen zwischen Ferne und Nähe auflösen, ist Friedrich Merz mit einem Sonderzug nach Kyjiw gereist – ein Besuch, der Risiko und Entschlossenheit in einem trägt. Deutschland sagt der Ukraine 1,35 Milliarden Euro zu, darunter Abfangdrohnen und weitreichende Waffen, und sendet damit ein Signal, das über den Moment hinausweist: Wer Aggression ungestraft lässt, lädt sie ein. Merz stellt sich in eine lange Reihe von Staatsführern, die erkannt haben, dass Solidarität bisweilen den Weg ins Gefährliche erfordert.
Friedrich Merz ist per Sonderzug in Kyjiw eingetroffen – ein Besuch unter erhöhtem Risiko, denn das russische Außenministerium hatte kurz zuvor ausländische Besucher gewarnt, die ukrainische Hauptstadt zu verlassen. Drohnenangriffe häufen sich, auch auf Personenzüge. Dennoch reiste Merz, begleitet von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus Rüstung und Energie.
Die Zusagen sind konkret: Deutschland stellt Tausende Abfangdrohnen bereit, die speziell gegen russische Kampfdrohnen eingesetzt werden können, sowie weitreichende Waffen für Angriffe auf Nachschublinien hinter der Front. Eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln fließt in diese Waffenhilfe, weitere 350 Millionen Euro sind für die Reparatur zerstörter Kraftwerke vorgesehen – insgesamt 1,35 Milliarden Euro. Merz erklärte, die Ukraine stehe vor ihrem fünften Kriegswinter, und Deutschland werde nicht wegschauen.
Hinter dem Besuch steht eine klare strategische Logik: Werde Russland nicht gestoppt, richte sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen Deutschland selbst. Diese Einschätzung gewinnt an Gewicht angesichts des gescheiterten Gesprächs zwischen Außenminister Wadephul und Lawrow in New York – Moskau habe nichts Neues gebracht, so Lawrow selbst. Für Merz ist das ein Beleg: Russland verstehe nur die Sprache der Stärke.
Doch die Unterstützung hat innenpolitische Grenzen. In Deutschland wächst der Widerstand gegen Waffenlieferungen und Finanzhilfen, und Populisten von links bis rechts schüren diese Stimmung. Mit seiner Reise nach Kyjiw hat Merz vorerst ein unmissverständliches Zeichen gesetzt – wie lange es trägt, bleibt offen.
Friedrich Merz ist mit einem Sonderzug in Kyjiw eingetroffen – eine Reise, die das Risiko trägt, das gefährlichste Besuch eines deutschen Bundeskanzlers im Kriegsgebiet seit der russischen Invasion im Februar 2022 zu sein. Die Sicherheitslage in der Ukraine hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verschärft. Drohnenangriffe häufen sich, auch in der Hauptstadt und auf Personenzüge. Nur wenige Stunden vor Merz' Ankunft warnte das russische Außenministerium ausländische Besucher und Diplomaten, Kyjiw zu verlassen und sich von militärischen Objekten und Regierungsgebäuden fernzuhalten. Moskau begründete dies mit geplanten Luftschlägen als Reaktion auf ukrainische Aktionen.
Merz reiste nicht allein. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche begleitete ihn, zusammen mit zehn Unternehmern aus der Rüstungs- und Energiebranche. Der Besuch war ein Solidaritätsakt mit konkreten Zusagen: Deutschland wird Tausende Abfangdrohnen zur baldigen Auslieferung freigeben – Waffen, die speziell gegen die schnellen, düsengetriebenen russischen Kampfdrohnen eingesetzt werden können. Darüber hinaus sollen weitreichende Waffen bereitgestellt werden, mit denen ukrainische Streitkräfte Nachschublinien hinter der russischen Front angreifen können.
Die finanzielle Dimension ist erheblich. Eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln werden für diese Waffenhilfe freigegeben. Zusätzlich stellt Deutschland 350 Millionen Euro für Reparatur und Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke bereit – insgesamt 1,35 Milliarden Euro. Bei seiner Ankunft erklärte Merz, er sei nach Kyjiw gereist, weil die Ukraine in den kommenden Wochen all unsere Unterstützung brauche. Für die Menschen dort beginne bald der fünfte Kriegswinter. Russland bombardiere Städte, Wohnhäuser und Heizkraftwerke. Doch die Ukrainer ließen sich durch Russlands Terror nicht unterkriegen, sagte er.
Merz' Botschaft an Präsident Selenskyj war unmissverständlich: Auf deutsche Hilfe könne sich die Ukraine weiterhin verlassen. Dahinter steht eine strategische Einschätzung, die Merz deutlich machte: Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen Deutschland selbst. Dies ist nicht bloß eine Warnung vor einem fernen Szenario, sondern eine Begründung für die gegenwärtige Unterstützung.
Merz setzt dabei auf militärischen Druck statt auf Diplomatie. Außenminister Johann Wadephul hatte wenige Tage zuvor erstmals seit Jahren wieder Kontakt mit Moskau aufgenommen und sich mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow in New York getroffen. Das Ergebnis war ernüchternd. Lawrow äußerte sich anschließend abschätzig über das Gespräch und sagte, es habe nichts Neues gebracht. Merz wertete dies als Beleg dafür, dass diplomatische Bemühungen in Moskau auf taube Ohren stoßen. Russland verstehe nur die Sprache der Stärke, sagte er. Eintracht und Stärke seien auch heute noch die Erfolgsbedingungen für Verhandlungen mit Moskau.
Diese Position steht unter Druck. In Deutschland lehnen immer mehr Menschen Waffenlieferungen und finanzielle Unterstützung für die Ukraine ab. Populisten von links bis rechts nutzen diese Stimmung für ihre Zwecke. Wie lange die Bundesregierung unter diesem Druck standhält, bleibt eine offene Frage – doch mit dieser Reise und diesen Zusagen hat Merz zunächst ein klares Zeichen gesetzt.
Citas Notables
Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns— Friedrich Merz bei seiner Ankunft in Kyjiw
Russland verstehe nur die Sprache der Stärke und müsse auf diesem Weg an den Verhandlungstisch gebracht werden— Friedrich Merz zur Begründung seiner Strategie