Merz in Kyjiw: Milliardenhilfe trotz russischer Drohnenanschläge

Mindestens ein Todesopfer und mehrere verletzte Zivilisten durch russische Luftangriffe in verschiedenen Regionen der Ukraine am Sonntag.
Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie gegen uns
Merz warnt bei seiner Ankunft in Kyjiw vor den Folgen einer militärischen Niederlage der Ukraine für Deutschland selbst.
Mark

Warum ist diese Reise so gefährlich gewesen? Andere Politiker sind doch auch nach Kyjiw gereist.

Mimi

Merz ist der erste deutsche Kanzler, der das tut, seit die Invasion begann. Und Russland hatte vorher explizit gewarnt. Das ist eine andere Kategorie von Risiko.

Luke

Aber wie gefährlich war es wirklich? Die Drohne hat die Brücke getroffen, nicht den Zug oder das Gebäude, in dem Merz war. Das könnte Zufall sein.

Mark

Was bedeutet die Ankündigung der Langstreckenraketen konkret?

Mimi

Deutschland und die Ukraine werden zusammen Waffen mit über 1000 Kilometer Reichweite entwickeln und bauen. Das erlaubt Angriffen auf russische Ziele weit hinter der Front.

Luke

Das ist eine massive Eskalation. Aber die Quelle sagt nicht, wann das beginnt oder wie konkret die Pläne sind. "Geplant" ist nicht dasselbe wie "wird gebaut".

Mark

Merz sagt, dass ein nicht gestopptes Russland sich gegen Deutschland richtet. Glaubt er das wirklich, oder ist das Rhetorik?

Mimi

Das ist schwer zu trennen. Aber die Tatsache, dass er das sagt, während er unter Drohnenfeuer in Kyjiw steht, gibt der Aussage Gewicht.

Luke

Die Quelle gibt uns nicht, was Merz privat denkt. Wir wissen nur, was er öffentlich gesagt hat. Das ist wichtig zu unterscheiden.

Mark

Wie viel Geld ist eine Milliarde Euro wirklich für die Ukraine?

Mimi

Es ist erheblich. Aber es ist aus bereits bewilligten Mitteln. Das ist nicht neues Geld, das Deutschland zusätzlich ausgibt.

Luke

Genau. Das sollte klar sein. Und die 350 Millionen für Kraftwerke sind zusätzlich, aber auch das ist nicht unbegrenzt.

  • Bundeskanzler Merz reist unangekündigt nach Kyjiw, begleitet von Wirtschaftsministerin Reiche und zehn Unternehmern
  • Kurz nach Ankunft wird die Nordbrücke durch russischen Drohnenanschlag beschädigt
  • Deutschland sichert über eine Milliarde Euro Militär- und Infrastrukturhilfe zu
  • Geplante gemeinsame Produktion von Langstreckenraketen mit über 1000 km Reichweite
  • Mindestens ein Todesopfer und mehrere Verletzte durch russische Luftangriffe am Sonntag in verschiedenen Regionen

Merz betont, dass ein nicht gestopptes Russland sich früher oder später gegen Deutschland richtet, und fordert Putin auf, den Krieg zu beenden. Deutschland plant die gemeinsame Produktion von Abfangdrohnen und Langstreckenraketen mit über 1000 km Reichweite zur Bekämpfung russischer Ziele.

Bundeskanzler Merz reist unangekündigt nach Kyjiw und sichert der Ukraine über eine Milliarde Euro Militär- und Infrastrukturhilfe zu. Kurz nach seiner Ankunft wird die Nordbrücke durch einen russischen Drohnenanschlag beschädigt.

Friedrich Merz kam mit dem Zug nach Kyjiw, und wenige Stunden später schlug eine russische Drohne die Nordbrücke der Stadt. Es war ein Moment, das die Spannung dieser Reise verdichtete: Der deutsche Bundeskanzler war unangekündigt in die ukrainische Hauptstadt gereist, um Unterstützung zuzusagen, während Russland nicht nur drohte, sondern handelte.

Merz war nicht allein gekommen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche begleitete ihn, zusammen mit zehn Unternehmern aus der Rüstungs- und Energiebranche. Das war eine bewusste Botschaft: Deutschland würde nicht nur Geld sprechen lassen, sondern auch Geschäftsbeziehungen aufbauen. Bei seiner Ankunft war Merz unmissverständlich. "Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns", sagte er. Es war nicht die Rhetorik eines Politikers, der Abstand hält. Es war eine Ansage.

Das Timing war provokativ, und das wusste Berlin. Das russische Außenministerium hatte vorher gewarnt: Ausländische Besucher sollten Kyjiw verlassen, sich von militärischen Objekten und Regierungsgebäuden fernhalten. Moskau signalisierte damit, dass die Ankunft eines deutschen Kanzlers als Ziel verstanden werden könnte. Trotzdem kam Merz. Es war wohl die gefährlichste Reise eines deutschen Kanzlers ins Kriegsgebiet seit Beginn der Invasion im Februar 2022. In den vergangenen Monaten hatte Russland seine Angriffe auf Kyjiw deutlich verstärkt, besonders mit schnellen Jet-Drohnen, die schwer abzuwehren sind.

Als die Nordbrücke getroffen wurde, reagierte Merz nicht mit Rückzug, sondern mit einer direkten Ansprache an Putin. "Herr Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf", sagte er. Er sprach von "täglichen Kriegsverbrechen" durch Russland und forderte ein Ende der "barbarischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung". Es war eine Rede, die unter Beschuss gehalten wurde.

Die materielle Zusage war erheblich. Deutschland würde über eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln freigeben. Weitere 350 Millionen Euro waren für Reparatur und Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke vorgesehen. Das war nicht symbolisch gemeint. Der fünfte Kriegswinter stand bevor, und Russland bombardierte systematisch Städte, Wohnhäuser und Heizanlagen. Die Ukraine brauchte Strom und Wärme, nicht nur Waffen.

Aber die Waffen waren auch Teil des Pakets. Berlin kündigte an, dass Tausende Abfangdrohnen bald ausgeliefert würden, speziell entwickelt, um die schnellen russischen Kampfdrohnen mit Düsenantrieb zu bekämpfen. Noch ambitionierter war die Ankündigung einer gemeinsamen Entwicklung und Produktion von Langstreckenraketen mit einer Reichweite von über 1000 Kilometern. Diese könnten russische Nachschublinien hinter der Front angreifen. Es war eine Eskalation der deutschen Unterstützung, die vorher undenkbar gewesen wäre.

Berlin betonte, dass diese Zusammenarbeit auch Deutschland selbst nutzte. Geld und Technologie würden zurückfließen. Es war eine pragmatische Formulierung für etwas Grundsätzlicheres: Deutschland definierte seine Sicherheit neu. Merz sagte es so: "Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen." Es war ein Versprechen, das unter Drohnenfeuer gegeben wurde. Am selben Sonntag gab es Luftalarm in anderen Regionen der Ukraine. Mindestens ein Mensch starb, mehrere wurden verletzt. Die Reise des Kanzlers war nicht nur ein politisches Signal. Sie fand in einer Realität statt, in der Krieg bedeutete, dass Brücken zerstört wurden, während man sprach.

Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns
— Bundeskanzler Friedrich Merz bei seiner Ankunft in Kyjiw
Herr Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf. Wir sind bereit zu Gesprächen, aber diese barbarischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung der Ukraine müssen aufhören
— Bundeskanzler Merz als Reaktion auf den Drohnenanschlag auf die Nordbrücke
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