In einer Zeit, in der weibliche Wut oft als Schwäche oder Störung gedeutet wird, entwirft Mareike Fallwickl in »Haltet euch fest« eine andere Lesart: Wut als legitime Antwort auf Ungerechtigkeit, als Fundament von Gemeinschaft. Der Roman begleitet eine Gruppe von Frauen, die sich im Österreich der Gegenwart zusammenfinden – nicht um Forderungen zu stellen, sondern um sich gegenseitig das Recht einzuräumen, zu fühlen, was sie fühlen. Fallwickl stellt damit eine der beständigsten Fragen der Literatur neu: Was wird aus Menschen, die aufhören, sich zu entschuldigen?
Mareike Fallwickls Roman: Was der »Angry Female Club« lernt
Wut als Werkzeug für Veränderung, nicht als Makel
Worum geht es in diesem Roman wirklich? Ist es ein Buch über Feminismus?
Es ist ein Buch über das, was passiert, wenn Frauen aufhören, ihre Wut zu verstecken. Der »Angry Female Club« ist nicht politisch organisiert – es ist eher eine Erkenntnis, die mehrere Frauen gleichzeitig haben.
Aber wie konkret ist das? Gibt es tatsächliche Szenen, in denen diese Frauen zusammenkommen und etwas tun, oder ist es mehr philosophisch?
Es gibt konkrete Szenen, alltägliche Momente. Gespräche zwischen Freundinnen, Entscheidungen, die sie treffen. Der Roman zeigt, wie Empowerment aussieht, wenn es nicht dramatisch inszeniert ist.
Was lernen diese Frauen konkret? Gibt es einen Bogen?
Sie lernen, dass ihre Grenzen genauso wichtig sind wie ihre Großzügigkeit. Sie lernen, dass Solidarität nicht bedeutet, alles für andere zu opfern.
Aber der Spiegel-Text sagt nicht viel über die tatsächliche Handlung aus. Wir wissen nicht, welche Konflikte diese Frauen haben, welche Entscheidungen sie treffen müssen. Das ist ein Problem für die Bewertung des Romans.
Das stimmt. Der Text ist eher eine Beschreibung der Themen als eine Zusammenfassung der Geschichte. Aber das sagt auch etwas über den Roman aus – dass er nicht auf Handlung abzielt, sondern auf innere Prozesse.
Ist das gut oder schlecht?
Das hängt davon ab, was man von einem Roman erwartet. Wenn man Spannung und Konflikt erwartet, könnte es enttäuschend sein. Wenn man an innerer Entwicklung interessiert ist, könnte es genau das richtige sein.
Und Fallwickl – ist sie eine etablierte Autorin? Gibt es Kontext dafür, wie dieser Roman in ihr Werk passt?
Das wissen wir aus diesem Text nicht. Das ist eine Lücke in der Berichterstattung.
O Pulso
- Die Frauen des »Angry Female Club« brechen mit der stillen Erwartung, ihre Wut zu verbergen – und entdecken darin eine unerwartete Form von Freiheit.
- Gesellschaftliche Normen und persönliche Grenzen kollidieren im Alltag der Protagonistinnen: in Gesprächen, in kleinen Gesten des Widerstands, in Momenten, in denen sie sich selbst nicht länger zensieren.
- Solidarität zeigt sich hier nicht als harmonische Einigkeit, sondern als unbequeme Bereitschaft, füreinander einzustehen – auch wenn es wehtut.
- Am Ende des Romans sind die Frauen nicht geheilt oder befreit, sondern noch immer im Prozess – was Fallwickl als radikale Aussage über Empowerment als dauerhafte Praxis begreift.
In einer Zeit, in der weibliche Wut oft als Schwäche oder Störung gedeutet wird, entwirft Mareike Fallwickl in »Haltet euch fest« eine andere Lesart: Wut als legitime Antwort auf Ungerechtigkeit, als Fundament von Gemeinschaft. Der Roman begleitet eine Gruppe von Frauen, die sich im Österreich der Gegenwart zusammenfinden – nicht um Forderungen zu stellen, sondern um sich gegenseitig das Recht einzuräumen, zu fühlen, was sie fühlen. Fallwickl stellt damit eine der beständigsten Fragen der Literatur neu: Was wird aus Menschen, die aufhören, sich zu entschuldigen?
Mareike Fallwickls »Haltet euch fest« erzählt von einer Gruppe von Frauen, die sich nicht aus Planung, sondern aus geteilter Erkenntnis zusammenfinden: Wut, wenn man sie zulässt, kann ein Werkzeug sein. Der »Angry Female Club« ist kein Manifest – er ist eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig erlaubt, wütend zu sein, auf Männer, auf Systeme, auf sich selbst.
Die Protagonistinnen sind keine klassischen Heldinnen. Sie sind widersprüchlich, manchmal unbequem, und sie lernen in alltäglichen Szenen – in Gesprächen, in kleinen Akten des Widerstands –, ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, ohne sich dafür zu schämen. Fallwickl inszeniert diesen Prozess nicht dramatisch, sondern mit ruhiger Genauigkeit.
Solidarität bedeutet in diesem Roman nicht Einigkeit. Sie entsteht in der Bereitschaft, füreinander einzustehen, auch wenn es unbequem ist. Die Frauen lernen, dass ihre Fehler und Widersprüche nicht Makel sind, sondern Teil ihrer Menschlichkeit. Selbstbestimmung wiederum erscheint nicht als eindeutiger Weg, sondern als Frage, die jede anders beantwortet – und über die der Roman nicht urteilt.
Was »Haltet euch fest« von vielen Empowerment-Romanen unterscheidet, ist seine Weigerung, Erlösung anzubieten. Die Frauen sind am Ende noch immer im Prozess, noch immer lernend. Fallwickl schlägt damit vor, Empowerment nicht als Ziel zu verstehen, sondern als kontinuierliche Praxis – und schafft damit einen Raum, in dem zentrale Fragen über weibliche Wut, Solidarität und Selbstbestimmung gestellt werden können, ohne Schuldgefühle.
Mareike Fallwickls Roman »Haltet euch fest« dreht sich um eine Gruppe von Frauen, die sich zum »Angry Female Club« zusammenfinden – ein Zusammenschluss, der nicht aus organisierter Planung entsteht, sondern aus einer gemeinsamen Erkenntnis heraus: dass Wut, richtig kanalisiert, ein Werkzeug für Veränderung sein kann. Der Roman untersucht, wie weibliche Solidarität entsteht, wenn Frauen aufhören, ihre Gefühle zu zensieren, und stattdessen beginnen, sie als Quelle der Kraft zu verstehen.
Die Protagonistinnen des Romans bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Grenzen. Sie sind nicht die klassischen Heldinnen der Literatur – sie sind wütend, widersprüchlich, manchmal unbequem. Der Roman folgt ihnen durch Momente, in denen sie lernen müssen, ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, ohne sich schuldig zu fühlen. Diese innere Arbeit ist nicht dramatisch inszeniert, sondern in alltäglichen Szenen verankert: in Gesprächen zwischen Freundinnen, in Momenten der Selbsterkenntnis, in kleinen Akten des Widerstands gegen Normen, die ihnen aufgezwungen wurden.
Fallwickl schreibt über Empowerment nicht als Slogan, sondern als Prozess. Der »Angry Female Club« ist kein Manifest und keine Bewegung mit Forderungskatalog. Es ist eine Gemeinschaft von Frauen, die sich gegenseitig erlauben, wütend zu sein – auf Männer, auf Systeme, auf sich selbst – und die in dieser Erlaubnis etwas Befreiendes finden. Der Roman fragt implizit: Was passiert, wenn Frauen aufhören, ihre Wut als Makel zu sehen, und sie stattdessen als legitime Reaktion auf Ungerechtigkeit anerkennen?
Die Frage nach weiblicher Solidarität zieht sich durch das gesamte Werk. Fallwickl zeigt, dass Solidarität nicht bedeutet, dass alle Frauen einer Meinung sind oder dass sie sich bedingungslos unterstützen. Solidarität entsteht vielmehr in der Bereitschaft, füreinander einzustehen, auch wenn es unbequem ist. Die Frauen im Roman lernen, dass sie nicht perfekt sein müssen, um wertvoll zu sein – dass ihre Fehler, ihre Widersprüche, ihre Grenzen Teil ihrer Menschlichkeit sind.
Der Roman wirft auch Fragen über Selbstbestimmung auf. Was bedeutet es, sein eigenes Leben zu gestalten, wenn man in einer Gesellschaft aufgewachsen ist, die einem sagt, wie man sein sollte? Fallwickls Charakterinnen kämpfen mit dieser Frage auf verschiedene Weise. Einige finden Antworten in der Abkehr von traditionellen Rollen, andere in der bewussten Entscheidung, bestimmte Aspekte dieser Rollen zu behalten, aber unter ihren eigenen Bedingungen. Der Roman urteilt nicht über diese Entscheidungen; er dokumentiert sie.
Was »Haltet euch fest« von vielen anderen Romanen über weibliche Empowerment unterscheidet, ist seine Weigerung, einfache Lösungen anzubieten. Die Frauen im »Angry Female Club« werden nicht am Ende des Romans »geheilt« oder vollständig befreit. Sie sind am Ende des Romans immer noch in Prozessen, immer noch lernend, immer noch kämpfend. Das ist realistisch und gleichzeitig radikal – es erlaubt dem Leser, die Vorstellung aufzugeben, dass Empowerment ein Ziel ist, das man erreicht, und stattdessen zu verstehen, dass es eine kontinuierliche Praxis ist.
Die Literaturkritik wird sich mit diesem Roman auseinandersetzen müssen, weil er zentrale Fragen stellt, die über die Literatur hinausgehen: Wie sprechen wir über weibliche Wut? Wie verstehen wir Solidarität? Was bedeutet es, sich selbst treu zu bleiben in einer Welt, die ständig versucht, dich zu formen? Fallwickl bietet keine einfachen Antworten, aber sie bietet etwas, das vielleicht wichtiger ist: einen Raum, in dem diese Fragen gestellt werden können, ohne dass Frauen sich schuldig fühlen müssen.
Citações Notáveis
Der Roman fragt implizit: Was passiert, wenn Frauen aufhören, ihre Wut als Makel zu sehen, und sie stattdessen als legitime Reaktion auf Ungerechtigkeit anerkennen?— Fallwickls Roman »Haltet euch fest«