Magdeburgs Uni-Rektor warnt vor wissenschaftlicher Isolierung durch AfD-Regierung

Die Weltoffenheit unseres Campus ist eine rote Linie
Der Rektor der Universität Magdeburg setzt klare Grenzen für mögliche Verhandlungen mit einer AfD-geführten Landesregierung.
Mark

Was genau könnte eine AfD-Regierung denn konkret an den Hochschulen ändern?

Mimi

Der Rektor nennt mehrere Hebel: Finanzierung, Genehmigung von Professuren, die Struktur von Studiengängen. Weil 85 Prozent des Budgets vom Land kommt, hat die Regierung großen Einfluss.

Luke

Aber das ist ja nicht neu – jede Landesregierung hat diese Hebel. Was würde die AfD anders machen?

Mimi

Das ist die Frage. Strackeljan warnt vor einer möglichen Rückkehr zu alten Abschlussformen wie Diplom statt Master. Das würde internationale Studierende abschrecken.

Mark

Warum wäre das so schlimm?

Mimi

Weil viele ausländische Studierende gezielt für englischsprachige Master nach Sachsen-Anhalt kommen. Ohne diese Programme verliert die Uni einen großen Teil ihrer internationalen Studierendenschaft.

Luke

Hat Strackeljan konkrete Hinweise, dass die AfD das plant? Oder ist das eine Befürchtung?

Mimi

Das Interview nennt keine konkreten Pläne der AfD. Strackeljan warnt vor möglichen Folgen, falls die AfD solche Schritte unternehmen würde.

Mark

Und wie reagiert die AfD auf diese Warnungen?

Luke

Das ist unklar. Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Fraktionen. Vielleicht muss er Zugeständnisse machen, die solche Pläne verhindern.

Mimi

Strackeljan sagt, er ist bereit zu reden. Aber die Weltoffenheit des Campus ist für ihn nicht verhandelbar.

Mark

Das klingt, als ob er hofft, dass es nicht so weit kommt.

Mimi

Genau. Er bereitet sich vor, aber er hofft, dass die Gespräche zeigen, dass es andere Wege gibt.

  • AfD erreichte bei der Landtagswahl knapp 44 Prozent der Stimmen
  • Universität Magdeburg hat über 5500 internationale Studierende, davon 2200 aus Indien
  • 85 Prozent des Uni-Budgets stammen aus Landesmitteln
  • Ulrich Siegmund will sich im Dezember zum Ministerpräsidenten wählen lassen

Eine AfD-Regierung könnte über Finanzierung, Professurengenehmigungen und Studiengangsstrukturen großen Einfluss auf Sachsen-Anhalts Hochschulen nehmen. Mit 85 Prozent Landesmittel im Budget und über 5500 internationalen Studierenden könnte eine Rückkehr zu alten Abschlüssen die Universität erheblich schädigen.

Der Rektor der Universität Magdeburg warnt vor erheblichen Auswirkungen einer möglichen AfD-geführten Landesregierung auf Hochschulen, insbesondere durch Kontrolle von Finanzierung, Professuren und Studienstrukturen.

Im Dezember wird Ulrich Siegmund versuchen, sich zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt wählen zu lassen – als erster Kandidat der AfD in diesem Amt. Die Partei errang bei der Landtagswahl knapp 44 Prozent der Stimmen und ist damit die mit Abstand stärkste Kraft. Siegmund benötigt für seine Wahl mindestens drei Stimmen aus anderen Fraktionen. Was das für die Hochschulen des Landes bedeuten könnte, beschäftigt nun auch die Rektoren – allen voran Jens Strackeljan von der Universität Magdeburg.

Strackeljan hat sich in einem Interview mit Zeitungen der Funke Mediengruppe deutlich geäußert: Eine von der AfD geführte Landesregierung könnte erheblichen Einfluss auf die Universitäten nehmen, und zwar an vielen Hebeln gleichzeitig. Die Kontrolle beginnt bei der Finanzierung. Etwa 85 Prozent des Budgets der Universität Magdeburg stammen aus Landesmitteln. Hinzu kommt die Genehmigungspflicht für neue Professuren – auch hier hat das Land das Sagen. Selbst bei der grundsätzlichen Ausrichtung von Studiengängen könnte eine Landesregierung Druck ausüben. Das Grundgesetz garantiert zwar die Freiheit der Wissenschaft, aber wie Strackeljan erklärt, kann eine Regierung dennoch sagen: "Du kannst dieses Thema erforschen, aber nicht mit unserem Geld." Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und andere Bundesländer würden ihre wissenschaftlichen Maßstäbe nicht senken – doch ohne Landesmittel wird es eng.

Besonders besorgt ist Strackeljan über mögliche Pläne, von den modernen Bachelor- und Masterstudiengängen zu älteren Abschlussformen wie Diplom oder Magister zurückzukehren. Das würde, wie er sagt, der Universität "schlicht den Stecker ziehen". Der Grund liegt in der internationalen Zusammensetzung der Studierendenschaft. Viele ausländische Studierende kommen gezielt für englischsprachige Masterstudiengänge nach Sachsen-Anhalt – nach ihrem Bachelor an einer Universität irgendwo auf der Welt. In ein Diplom- oder Magisterprogramm würden sie nicht einsteigen. "Die kommen entweder zum Master – oder sie kommen gar nicht."

Die Universität Magdeburg hat mehr als 5500 internationale Studierende. Allein 2200 von ihnen stammen aus Indien. Viele sind seit Jahren vor Ort, haben sich integriert, wollen bleiben. Die Universität hat Integrationsprogramme für sie aufgebaut. Diese Weltoffenheit des Campus ist für Strackeljan eine rote Linie – nicht verhandelbar.

Gleichzeitig signalisiert der Rektor Gesprächsbereitschaft. "Es kann sein, dass ich einen Dienstherrn oder eine Dienstherrin aus der AfD bekomme. Dann müssen wir miteinander sprechen." Aber die Grenzen sind gezogen. Strackeljan warnt vor einer möglichen wissenschaftlichen Isolierung Sachsen-Anhalts – einer Situation, in der die Universität zwar formal existiert, aber faktisch von der internationalen Forschungs- und Studienlandschaft abgekoppelt wird. Was in den kommenden Wochen und Monaten verhandelt wird, könnte darüber entscheiden, ob diese Isolation Realität wird oder nicht.

Eine Landesregierung kann sagen: Du kannst dieses Thema erforschen, aber nicht mit unserem Geld
— Jens Strackeljan, Rektor der Universität Magdeburg
Die Weltoffenheit unseres Campus ist eine rote Linie, an der lassen wir uns nicht verbiegen
— Jens Strackeljan
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