Lettlands Pro-EU-Partei gewinnt Wahl deutlich – Kulbergs muss Koalition neu schmieden

Das beste Wahlergebnis einer Partei seit Lettlands Unabhängigkeit 1991
Kulbergs' Vereinigte Liste verdreifacht ihre Mandate und wird zur stärksten Kraft im Parlament.
Mark

Was bedeutet dieses Ergebnis für Lettlands Kurs gegenüber Russland und der Ukraine?

Mimi

Kulbergs hat ein klares Mandat für Kontinuität bekommen. Seine Partei wird den proeuropäischen und proukrainischen Kurs fortsetzen – das war im Wahlkampf zentral. Die Wähler haben das unterstützt, trotz der wirtschaftlichen Sorgen.

Luke

Aber wir sollten beachten: Populistische Parteien, die kritischer gegenüber der Ukraine-Hilfe sind, haben zusammen auch deutlich gewonnen. Das zeigt, dass es in der Bevölkerung Spannungen gibt.

Mark

Warum musste Kulbergs überhaupt eine neue Koalition bilden? Hätte er nicht mit seinen bisherigen Partnern weitermachen können?

Mimi

Der Bauern- und Grünenbund ist rausgeflogen – sie schafften die Fünf-Prozent-Hürde nicht. Das war einer seiner vier Koalitionspartner. Ohne sie hat er nicht genug Sitze.

Luke

Das ist wichtig: Kulbergs hatte 41 Sitze, seine bisherigen Partner zusammen nur 18. Das reicht nicht für 51 Sitze. Er braucht neue Partner.

Mark

Wer kommt als Partner in Frage?

Mimi

Die Progressiven sind die naheliegende Wahl – sie sind proeuropäisch, und zusammen hätten sie 50 Sitze. Das würde funktionieren.

Luke

Lettland Zuerst mit 17 Sitzen wäre mathematisch auch möglich, aber das ist populistisch und weniger verlässlich. Souveräne Macht schließt sich aus – die meisten Parteien wollen nicht mit ihnen koalieren.

Mark

Wie erklärst du dir, dass die populistischen Parteien so gut abschneiden?

Mimi

Sie haben bei der russischstämmigen Minderheit – etwa 35 Prozent der Bevölkerung – gut gepunktet. Die wirtschaftlichen Sorgen sind real, und diese Parteien versprechen einfache Lösungen.

Luke

Aber wir sollten vorsichtig sein: Wir wissen nicht genau, wie viel von diesem Erfolg auf die Minderheit zurückgeht und wie viel auf andere Wählergruppen. Die Daten dazu sind nicht im Material.

Mark

Kulbergs wird als "Macher" dargestellt. Ist das fair?

Mimi

Er hat sich so inszeniert – mit dem Slogan "Kulbergs ist die Lösung" und als Mann der klaren Worte. Die Wähler haben das angenommen. Sein Fokus auf Wirtschaft und Sicherheit hat gezogen.

Luke

Das ist die Wahrnehmung, ja. Aber wir sollten unterscheiden zwischen Kampagnenrhetorik und tatsächlichen Ergebnissen. Er war erst fünf Monate im Amt, bevor diese Wahl stattfand. Wie viel er wirklich erreicht hat, ist schwer zu sagen.

  • Vereinigte Liste erreicht 41 von 100 Parlamentssitzen
  • Beste Wahlergebnis einer Partei seit lettischer Unabhängigkeit 1991
  • Russischstämmige Minderheit macht etwa 35 Prozent der Bevölkerung aus
  • Bauern- und Grünenbund scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde
  • Kulbergs übernahm Regierungsverantwortung erst im Mai 2026

Kulbergs' Vereinigte Liste erreicht 41 von 100 Parlamentssitzen – das beste Ergebnis einer Partei seit Lettlands Unabhängigkeit 1991. Sicherheit vor Russland und wirtschaftliche Sorgen prägten den Wahlkampf; populistische Parteien gewinnen besonders bei der russischstämmigen Minderheit (35% der Bevölkerung).

Lettlands Wähler stärken die westlich orientierte Partei von Regierungschef Andris Kulbergs bei der Parlamentswahl deutlich. Kulbergs muss nun eine neue Koalition bilden, um seinen pro-ukrainischen Kurs fortzusetzen.

Die Letten haben sich entschieden. Am Samstag gingen sie zur Wahl, und das Ergebnis fiel deutlicher aus als erwartet: Die Vereinigte Liste von Regierungschef Andris Kulbergs wird zur stärksten Kraft im Parlament. Mit 41 von 100 Sitzen erreicht die Mitte-rechts-Partei das beste Wahlergebnis, das eine einzelne Partei in Lettland seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 erzielt hat. Der Wahlkampf war geprägt von zwei großen Themen – der Bedrohung durch Russland und die wachsenden wirtschaftlichen Sorgen der Bürger: steigende Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne, Probleme im Gesundheitssystem. Kulbergs, ein ehemaliger Unternehmer, der fast zwei Meter groß ist und sich als Macher und Mann der klaren Worte inszeniert, hatte mit dem Slogan "Kulbergs ist die Lösung" geworben. Die Wähler haben ihm vertraut.

Doch der Wahlerfolg ist nur die halbe Geschichte. Kulbergs übernahm die Regierungsverantwortung erst im Mai dieses Jahres, nachdem die vorherige Regierung unter Evika Silina zerbrochen war – ausgelöst durch einen Streit um Drohnenvorfälle im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg. Ukrainische Drohnen waren zweimal von Russland aus in den lettischen Luftraum eingedrungen. Silina entließ daraufhin Verteidigungsminister Andris Spruds, worauf die Progressiven ihre Unterstützung entzogen. Die Regierung verlor ihre parlamentarische Mehrheit, und Silina trat zurück. Kulbergs bildete anschließend eine Viererkoalition aus Konservativen und Kräften der Mitte, die den proeuropäischen und proukrainischen Kurs des Landes fortsetzte.

Nun muss Kulbergs erneut koalieren – und das wird kompliziert. Von seinen bisherigen Partnern schafften es nicht alle zurück ins Parlament. Die rechtskonservative Nationale Allianz kommt auf elf Sitze, die gemäßigte Neue Einheit auf sieben. Der Bauern- und Grünenbund scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde und fliegt aus dem Parlament. Das bedeutet: Kulbergs' 41 Sitze reichen nicht für eine Koalition mit seinen bisherigen Partnern. Er muss sich neue Partner suchen.

Die Optionen sind begrenzt und teilweise problematisch. Die sozialdemokratischen Progressiven, die proeuropäisch sind, kommen auf neun Sitze – zusammen mit Kulbergs' Partnern würde das 68 Sitze ergeben, genug für eine Mehrheit. Alternativ könnte Kulbergs mit der populistischen Partei Lettland Zuerst koalieren, die 17 Sitze erhält. Die Vereinigte Liste kündigte an, zunächst mit ihren bisherigen Partnern über eine Koalitionsbildung zu sprechen. Das deutet darauf hin, dass Kulbergs die Progressiven als Partner bevorzugt.

Die Wahlergebnisse zeigen aber auch eine beunruhigende Verschiebung. Populistische Kräfte sind im Aufwind. Neben Lettland Zuerst zieht auch die Partei Souveräne Macht mit 14 Abgeordneten ins Parlament ein. Diese Partei kritisiert die Militärhilfe für die Ukraine und höhere Verteidigungsausgaben und wird von Gegnern als pro-russisch bezeichnet. Die meisten größeren Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit ihr aus. Beide populistischen Parteien konnten besonders bei Wählern der russischstämmigen Minderheit punkten – etwa 35 Prozent der lettischen Bevölkerung von insgesamt rund 1,9 Millionen Menschen.

Politologen sprechen von einer "Sternstunde" für Kulbergs. Innerhalb seiner eigenen Partei wird der Wahlerfolg größtenteils auf den Ex-Unternehmer zurückgeführt. Die Vereinigte Liste, ein Bündnis grüner, konservativer und wirtschaftsnaher Gruppierungen, konnte ihre Mandate knapp verdreifachen – sie war erst vor vier Jahren ins Parlament eingezogen. Kulbergs selbst sprach von einem großen Vertrauensbeweis und deutete an, dass die Letten Veränderung wollen, mit Schwerpunkten auf Wirtschaft und Sicherheit. Er vertritt einen stark wirtschaftsorientierten Ansatz und will die Landesfinanzen in Ordnung bringen.

Was nun folgt, ist die Koalitionsbildung. Kulbergs hat mehrere Wege, eine Mehrheit zu sichern. Der wahrscheinlichere Weg führt über die Progressiven – das würde den proeuropäischen und proukrainischen Kurs des Landes fortsetzen. Doch die Verhandlungen werden zeigen, wie stabil eine solche Koalition sein kann und ob Kulbergs seinen wirtschaftspolitischen Kurs durchsetzen kann. Das baltische Land, das an Russland und Belarus grenzt, bleibt in einer fragilen geopolitischen Lage. Die Wahl hat Kulbergs gestärkt, aber die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Letten Veränderung wollen mit den Schwerpunkten auf Wirtschaft und Sicherheit.
— Andris Kulbergs
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