Nordkorea testete U-Boot-gestützte Marschflugkörper und Interkontinentalraketen; Südkorea antwortet mit eigener Hyperschalltechnologie-Entwicklung. Hyperschallraketen (Mach 5+) sind schwer abzufangen und können Kurs ändern – beide Länder priorisieren diese Technologie im regionalen Wettrüsten.
Koreanische Halbinsel: Wettrüsten mit Hyperschallraketen eskaliert
Jeder umsichtige Militärplaner sollte immer vom Schlimmsten ausgehen
Was macht Hyperschallraketen so bedrohlich, dass beide Länder sie zur Priorität erklären?
Die Geschwindigkeit – Mach 5 oder schneller – macht es Verteidigungssystemen extrem schwer, sie zu erkennen und abzufangen. Dazu kommt die Manövrierfähigkeit: Sie können während des Flugs ihren Kurs ändern, was traditionelle Abwehrsysteme überfordert.
Aber wir wissen nicht wirklich, ob Nordkoreas Raketen diese Fähigkeiten tatsächlich haben, oder?
Richtig. Es gibt keine unabhängige Bestätigung. Nordkorea behauptet es, aber Experten warnen davor, das Land zu unterschätzen – es hat in der Vergangenheit Fähigkeiten bewiesen, die zunächst für unmöglich gehalten wurden.
Wie hat Nordkorea diese Technologie überhaupt entwickelt?
Das ist unklar. Experten vermuten illegale Beschaffungswege – Spionage bei Unternehmen in den USA, Südkorea und Japan, möglicherweise mit Hilfe von Verbündeten wie Russland.
Also spekulieren wir über die Herkunft, während wir auch nicht sicher sind, ob die Waffen funktionieren?
Genau. Aber die Tatsache, dass Nordkorea Tests durchführt und Südkorea mit eigenen Hyperschallraketen antwortet, zeigt, dass beide Länder diese Bedrohung ernst nehmen.
Ändert das die militärische Balance auf der Halbinsel grundlegend?
Experten sagen nein. Nordkorea hat immer noch seine nukleare Abschreckung. Die neuen Systeme könnten sich gegenseitig ausgleichen.
Aber was passiert, wenn Nordkorea diese Raketen in größerem Umfang einsetzen kann?
Dann wird es Diskussionen über verbesserte Raketenabwehrsysteme geben – nicht nur in Südkorea, sondern auch in Japan. Das wirft komplexere sicherheitspolitische Fragen auf.
The Pulse
- Nordkorea testete am 14. Oktober U-Boot-gestützte Marschflugkörper und Interkontinentalraketen
- Südkoreas Hyperschall-Mittelstreckenrakete flog 350 Kilometer weit
- Hyperschallraketen erreichen Mach 5 oder schneller (etwa 6100 km/h)
- Seoul liegt nur 50 Kilometer von der Demilitarisierten Zone entfernt
Nordkorea testete U-Boot-gestützte Marschflugkörper und Interkontinentalraketen; Südkorea antwortet mit eigener Hyperschalltechnologie-Entwicklung. Hyperschallraketen (Mach 5+) sind schwer abzufangen und können Kurs ändern – beide Länder priorisieren diese Technologie im regionalen Wettrüsten.
Nord- und Südkorea testen fortschrittliche Hyperschallraketen in beispiellosem Tempo. Experten warnen vor erhöhtem Risiko, sehen aber keinen grundlegenden Wendepunkt im Kräfteverhältnis.
Auf der koreanischen Halbinsel beschleunigt sich ein Wettrüsten, das beide Seiten mit Waffen vorantreiben, die Militärstrategen als besonders schwer zu bekämpfen einstufen. Nordkorea testete am 14. Oktober zwei Arten von U-Boot-gestützten Marschflugkörpern vor seiner Pazifik-Ostküste. Einen Tag zuvor hatte Machthaber Kim Jong Un in einem neuen Museum der Rüstungsindustrie eine Interkontinentalrakete besichtigt, die Berichten zufolge das amerikanische Festland erreichen kann. Südkorea reagiert auf diese Entwicklungen mit eigenen Fortschritten: Präsident Lee Jae-myung verfolgte in der vergangenen Woche den Teststart der ersten im Land entwickelten Hyperschallrakete – eine direkte Antwort auf Nordkoreas Test einer Hyperschall-Mittelstreckenrakete Anfang Oktober, die 350 Kilometer weit flog. Die südliche Hauptstadt Seoul liegt nur etwa 50 Kilometer von der Demilitarisierten Zone entfernt, der innerkoreanischen Grenze.
Hyperschallraketen bewegen sich mit Mindestgeschwindigkeiten von Mach 5, etwa 6100 Kilometern pro Stunde. Diese extreme Geschwindigkeit macht es Verteidigungssystemen erheblich schwerer, sie zu erkennen, zu verfolgen und abzufangen. Ein zusätzlicher Vorteil gegenüber älteren Raketenmodellen liegt in ihrer Manövrierfähigkeit: Sie können während des Flugs ihren Kurs ändern, absinken oder Zickzackmanöver durchführen – alles Eigenschaften, die eine Abwehr deutlich erschweren. Beide Länder haben diese Technologie zur Priorität erklärt. Für Südkorea ist dies eine Reaktion auf Nordkoreas wachsende Fähigkeiten und dessen militärische sowie wirtschaftliche Beziehungen zu Russland. Für Nordkorea liegt der Fokus auf konventionellen Waffen, da der Einsatz von Atomwaffen als unrealistisch gilt – die USA würden das Land im Gegenzug vollständig zerstören können.
Doch wie weit sind diese Fähigkeiten tatsächlich entwickelt? Chris Green, Berater für die koreanische Halbinsel bei der International Crisis Group, warnt davor, Pjöngjang zu unterschätzen, auch wenn sich nicht mit Sicherheit bestätigen lässt, dass die behaupteten Fähigkeiten real sind. "Wir kennen ihre tatsächlichen Fähigkeiten nicht. Es ist möglich, dass vieles Propaganda ist. Allerdings gibt es eine lange Reihe von Fällen, in denen Nordkoreas Fähigkeiten zunächst unterschätzt wurden – nur um sich später als real herauszustellen", sagt Green. Chun In-bum, ehemaliger General der südkoreanischen Streitkräfte und heute Senior Fellow am National Institute for Deterrence Studies in Ohio, teilt diese Einschätzung: Jeder umsichtige Militärplaner sollte immer vom Schlimmsten ausgehen.
Wie Nordkorea diese fortschrittliche Technologie erworben hat, bleibt rätselhaft. Ex-General Chun vermutet illegale Beschaffungswege: "Sie schnüffeln bei Unternehmen in den USA, Südkorea und Japan, aber auch mit Hilfe ihrer Verbündeten." Unabhängig von der Herkunft ist die Tatsache besorgniserregend, dass Nordkoreas Hyperschallraketen offenbar funktionieren. Eine größere Offensivfähigkeit erhöht die Gefahrlage insgesamt. Wenn das Land zudem über schwerer abzufangende Trägersysteme verfügt, könnte dies die Versuchung erhöhen, diese einzusetzen – obwohl Chun betont, dass es bislang keine gute Lösung zur Neutralisierung dieser speziellen Bedrohung gibt.
Doch wie dramatisch ist die Verschiebung des Kräfteverhältnisses wirklich? Green sieht hier Grenzen: Die von beiden Seiten entwickelten einsatzfähigen Systeme könnten sich gegenseitig ausgleichen. "Ich glaube nicht, dass dies das Kräfteverhältnis grundsätzlich verändert", sagt Green. Nordkorea verfügt weiterhin über seine nukleare Abschreckung und verfolgt eine "Stachelschwein-Strategie", bei der es mit einer scharfen und unnachgiebigen Haltung andere auf Distanz halten will. Auch für Südkorea stellt dies keinen grundlegenden Wendepunkt dar.
Dennoch zeichnet sich ab, wohin die Entwicklung führt. "Wenn der Norden seine Offensivsysteme weiterentwickelt und in größerem Umfang einsetzen kann, wird eine Diskussion über verbesserte Raketenabwehrsysteme unvermeidlich – nicht nur in Südkorea, sondern auch in Japan", sagt Green. Diese Diskussionen werden komplexere sicherheitspolitische Fragen aufwerfen, die über die Halbinsel hinausreichen. Das Wettrüsten beschleunigt sich nicht nur in seiner Geschwindigkeit, sondern auch in seinen regionalen Auswirkungen.
Notable Quotes
Es ist möglich, dass vieles Propaganda ist. Allerdings gibt es eine lange Reihe von Fällen, in denen Nordkoreas Fähigkeiten zunächst unterschätzt wurden – nur um sich später als real herauszustellen.— Chris Green, Berater für die koreanische Halbinsel bei der International Crisis Group
Wenn der Norden seine Offensivsysteme weiterentwickelt und in größerem Umfang einsetzen kann, wird eine Diskussion über verbesserte Raketenabwehrsysteme unvermeidlich – nicht nur in Südkorea, sondern auch in Japan.— Chris Green