KNDS-Chef Alary bestätigt Börsenpläne für 2026, sofern Marktbedingungen den Erwartungen entsprechen, nachdem der Juli-Termin verschoben wurde. Rüstungsaktien stehen trotz glänzender Geschäfte unter Druck durch Gewinnmitnahmen und Marktverunsicherung, etwa durch die F126-Projekteinstellung.
KNDS bekräftigt Börsenpläne trotz Juli-Absage
Ein Börsengang 2026 ist weiterhin möglich – sofern die Marktbedingungen stimmen
Warum hat KNDS den Börsengang im Juli überhaupt abgesagt, wenn die Nachfrage nach Rüstungsgütern so hoch ist?
Die Nachfrage nach den Produkten ist hoch – aber die Börse selbst war nervös geworden. Investoren nahmen Gewinne mit, und dann kam die Entscheidung zur F126-Projekteinstellung. Das verunsicherte den ganzen Markt.
Aber die Quelle sagt nicht explizit, dass die F126-Entscheidung der Hauptgrund für die Absage war. Das ist eine Interpretation. Alary sagt nur, dass die Marktbedingungen nicht den Erwartungen entsprachen.
Was bedeutet es, dass der deutsche Staat 40 Prozent übernehmen könnte?
Das wäre eine strategische Beteiligung des Staates an einem kritischen Rüstungsunternehmen. Bisher teilt sich Frankreich und die Familie Wegmann die Kontrolle je zur Hälfte.
Aber das ist ein Plan für den Fall eines Börsengangs. Ob es tatsächlich so kommt, hängt davon ab, ob der Börsengang überhaupt stattfindet und unter welchen Bedingungen.
Wie schlecht ist die Situation für deutsche Börsengänge wirklich?
Acht Unternehmen in neun Monaten – das ist deutlich weniger als in anderen Ländern. Aber global wurden mehr Gelder eingesammelt, weil es wenige sehr große Börsengänge gab.
Das ist wichtig: Die Zahl der Börsengänge ist gesunken, aber der Gesamtertrag ist gestiegen. Das bedeutet, dass nur große, etablierte Namen an die Börse gehen. Für KNDS könnte das ein Vorteil sein – es ist groß genug.
Glaubt Alary wirklich, dass es noch dieses Jahr klappt?
Er sagt, es ist möglich, wenn die Bedingungen stimmen. Das ist vorsichtig formuliert, aber nicht ablehnend.
Das ist eine klassische Managementaussage. Sie hält sich alle Optionen offen. "Möglich" bedeutet nicht "wahrscheinlich".
Le Pouls
- KNDS-Chef Jean-Paul Alary bestätigt Börsenpläne für 2026, sofern Marktbedingungen passen
- Rüstungsaktien unter Druck trotz hoher Nachfrage; Rheinmetall-Aktie seit Jahreshoch um mehr als 50 Prozent gefallen
- KNDS erwartet 30 Prozent Umsatzwachstum; deutscher Staat könnte bei Börsengang 40 Prozent übernehmen
- Deutschland: nur 8 Börsengänge in ersten 9 Monaten 2026; weltweit 888 Börsengänge mit 288 Milliarden Dollar Gesamtertrag
KNDS-Chef Alary bestätigt Börsenpläne für 2026, sofern Marktbedingungen den Erwartungen entsprechen, nachdem der Juli-Termin verschoben wurde. Rüstungsaktien stehen trotz glänzender Geschäfte unter Druck durch Gewinnmitnahmen und Marktverunsicherung, etwa durch die F126-Projekteinstellung.
Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS will trotz Absage des Juli-Börsengangs noch 2026 an die Börse gehen, sofern die Marktbedingungen stimmen. Chef Alary signalisiert Optimismus angesichts steigender Verteidigungsausgaben.
Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS hatte im Juli einen Börsengang geplant. Dann sagte er ab. Die Enttäuschung war groß. Jetzt, wenige Monate später, signalisiert Konzernchef Jean-Paul Alary Entschlossenheit: Das Unternehmen will noch in diesem Jahr an die Börse, wenn die Bedingungen stimmen. "Ein Börsengang 2026 ist weiterhin möglich – sofern die Marktbedingungen den Erwartungen der Aktionäre entsprechen", sagte Alary dem Handelsblatt. Bisher sei das nicht der Fall gewesen.
Die Verschiebung kam nicht aus heiterem Himmel. Zwar hatte die weltweit steigende Nachfrage nach Rüstungsgütern – getrieben durch erhöhte Verteidigungsausgaben in Deutschland und der Europäischen Union – Aktien von Rüstungsunternehmen zunächst extrem attraktiv gemacht. Experten sprachen von einer "Sonderkonjunktur". Doch seit Monaten geraten die Papiere der Branche unter Druck. Investoren nehmen Gewinne mit, schauen genauer hin. Hinzu kam die Entscheidung von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, das Fregatten-Projekt F126 einzustellen – ein Schock für den Markt. Die gesamte Rüstungsbranche leidet. Rheinmetall, Deutschlands größter Rüstungskonzern, hat seine Aktie seit dem Höchststand von rund 2.000 Euro vor einem Jahr mehr als halbiert.
KNDS, Hersteller des Leopard-2-Kampfpanzers, beobachtet die Marktentwicklung genau. Das Unternehmen erwartet für das Gesamtjahr etwa 30 Prozent Umsatzwachstum und sucht nach Industriepartnern, um das Geschäft auszubauen. Die Nachfrage steigt. Derzeit sind der französische Staat und die deutsche Eigentümerfamilie Wegmann je zur Hälfte an KNDS beteiligt. Bei einem Börsengang wäre die Platzierung von 20 Prozent der Anteile geplant. 40 Prozent sollen bei der Familie Wegmann bleiben, die restlichen 40 Prozent könnte der deutsche Staat erwerben.
Das Timing ist schwierig. Deutschland zeigt sich bei Börsengängen derzeit zurückhaltend. In den ersten neun Monaten dieses Jahres gingen hierzulande nur acht Unternehmen an die Börse – während es in ganz Europa 99 waren, in den USA 96 und in China 242. Weltweit haben 888 Unternehmen den Sprung gewagt, vier Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allerdings wurde deutlich mehr Geld eingesammelt: rund 288 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie 2025.
Das liegt an wenigen Mega-Börsengängen. SpaceX, das Raumfahrt- und Satelliten-Kommunikationsunternehmen, sammelte im Juni 86 Milliarden Dollar ein – der größte Börsengang der Geschichte. Der südkoreanische Chip-Hersteller SK-Hynix brachte allein mit seinem Zweitlisting in den USA 26,5 Milliarden Dollar ein. Weitere große Namen stehen auf der Liste: Das KI-Unternehmen Anthropic plant ein milliardenschweres Going Public. OpenAI hingegen hat seinen für dieses Jahr geplanten Börsengang verschoben.
Martin Steinbach von der Beratungsgesellschaft EY bleibt für das Schlussquartal vorsichtig optimistisch. "Die IPO-Pipeline ist sowohl international als auch in Deutschland gut gefüllt." Doch das richtige Timing ist entscheidend, ebenso eine marktgerechte Bewertung. Steinbach warnt vor Unsicherheiten: eine mögliche Abkühlung der US-Konjunktur, die Ergebnisse der US-Midterms, weitere Zinserhöhungen durch Notenbanken, steigende Renditen an den Anleihemärkten. All das kann das IPO-Sentiment kurzfristig beeinflussen.
Auf dem deutschen Aktienmarkt drücken Unsicherheit über die Zinspolitik und die ungeklärte Lage im Iran-Krieg auf die Stimmung. Der DAX rutschte am Vormittag erstmals seit Juli unter 25.000 Punkte, erholte sich aber am Mittag wieder deutlich über diese psychologisch wichtige Marke. Für KNDS bleibt es eine Frage des Augenblicks: Wann sind die Bedingungen reif genug?
Citations marquantes
Ein Börsengang 2026 ist weiterhin möglich – sofern die Marktbedingungen den Erwartungen der Aktionäre entsprechen— KNDS-Chef Jean-Paul Alary gegenüber dem Handelsblatt
Die IPO-Pipeline ist sowohl international als auch in Deutschland gut gefüllt— Martin Steinbach, EY