Wenn das Meer wärmer wird, verlieren die Korallen jene Gemeinschaft mit ihren Algen, die sie über Jahrtausende am Leben hielt. Eine Analyse der Weltnaturschutzunion IUCN, vorgestellt am Rande der UN-Artenschutzkonferenz in Armenien, zeichnet ein düsteres Bild für die kommenden fünfzig Jahre: Für 96 Prozent der Riffe weltweit wird ein extrem erhöhtes Risiko des Absterbens bis 2075 gesehen. Die Prognose stützt sich auf einen Erwärmungspfad von 2,7 Grad, während das 1,5-Grad-Ziel der Staatengemeinschaft immer ferner rückt. Sie erinnert daran, wie eng das Schicksal dieser farbenprächtigen Lebensrä
Klimawandel bedroht fast alle Korallenriffe weltweit bis 2075
Für 96 Prozent der Riffe besteht ein extrem erhöhtes Risiko, bis 2075 abzusterben
96 Prozent bis 2075 – was genau sagt diese Zahl aus?
Sie beschreibt ein extrem erhöhtes Risiko, dass Riffe absterben. Die IUCN bewertete Riffe vor den Küsten von mehr als 80 Ländern und Gebieten.
Wichtig ist der Unterschied: Das ist eine Risikoeinstufung, keine Gewissheit, dass 96 Prozent verschwinden.
Welche Annahme steckt dahinter?
Das mittlere Szenario des UN-Klimarats mit 2,7 Grad Erwärmung bis 2100 gegenüber vorindustriellem Niveau.
Das Ergebnis hängt also an diesem Szenario. Bei anderem Verlauf der Emissionen könnte die Prognose anders ausfallen; dazu macht der Bericht hier keine Angaben.
Ist Hitze das einzige Problem?
Nein. Genannt werden auch Überfischung, Küstenbebauung, Verschmutzung, Tourismus und Stürme. Aber Hitzestress gilt als die beständigste Bedrohung.
Wie stark jeder Faktor einzeln wiegt, wird in der Meldung nicht beziffert.
Und was ist neu?
Es ist die erste weltweite Untersuchung dieser Art.
Le Pouls
- Für 96 Prozent der Korallenriffe weltweit droht bis 2075 ein extrem erhöhtes Absterberisiko, und die Zeitspanne dafür ist kürzer, als viele denken.
- Hitzestress lässt Korallen ihre Mikroalgen abstoßen, sie bleichen aus und sterben, und Hitzewellen im Meer kehren durch den Klimawandel immer häufiger wieder.
- Überfischung, Küstenbebauung, Verschmutzung, Tourismus und häufigere Stürme verschärfen die Lage zusätzlich und setzen die Riffe von mehreren Seiten unter Druck.
- Auch die artenreichsten Riffe, darunter Teile des Great Barrier Reef, das Korallendreieck und die Riffe im Roten Meer, stehen auf der Liste der Betroffenen.
- Das 1,5-Grad-Ziel gilt als kaum noch erreichbar, sodass die Prognose auf einem Szenario von 2,7 Grad Erwärmung beruht und die Riffe auf einen schweren Weg zusteuern.
Wenn das Meer wärmer wird, verlieren die Korallen jene Gemeinschaft mit ihren Algen, die sie über Jahrtausende am Leben hielt. Eine Analyse der Weltnaturschutzunion IUCN, vorgestellt am Rande der UN-Artenschutzkonferenz in Armenien, zeichnet ein düsteres Bild für die kommenden fünfzig Jahre: Für 96 Prozent der Riffe weltweit wird ein extrem erhöhtes Risiko des Absterbens bis 2075 gesehen. Die Prognose stützt sich auf einen Erwärmungspfad von 2,7 Grad, während das 1,5-Grad-Ziel der Staatengemeinschaft immer ferner rückt. Sie erinnert daran, wie eng das Schicksal dieser farbenprächtigen Lebensräume mit den Entscheidungen der Menschheit über ihr Klima verknüpft ist.
Am Rande der UN-Artenschutzkonferenz in Armenien hat die Weltnaturschutzunion IUCN eine Prognose vorgelegt, die ernüchternd klingt: Für 96 Prozent der Korallenriffe weltweit besteht bis zum Jahr 2075 ein extrem erhöhtes Risiko des Absterbens. Grundlage sind Riffe vor den Küsten von mehr als 80 Ländern und Gebieten, bewertet nach dem mittleren Szenario des UN-Klimarats, das eine Erwärmung um 2,7 Grad bis 2100 annimmt.
Der Hauptfeind der Korallen ist die Hitze. Steigt die Wassertemperatur, stoßen die Korallen die Mikroalgen ab, die in ihrem Gewebe leben und sie ernähren. Sie bleichen aus und sterben oft ab. Da Hitzewellen im Meer durch den Klimawandel häufiger werden, wiederholt sich dieser Vorgang immer öfter.
Hinzu kommen Überfischung, Küstenbebauung, Verschmutzung, Tourismus und Stürme, die sich ebenfalls häufen. Selbst die größten und artenreichsten Riffe sind betroffen, darunter Teile des Great Barrier Reef, das Korallendreieck, das mesoamerikanische Riffsystem und die Riffe im Roten Meer. Dabei sind Korallen Heimat für unzählige Arten und schützen zugleich die Küsten vor Erosion.
Die Analyse ist die erste weltweite Untersuchung dieser Art. Ihr Ausgang hängt auch davon ab, wie sich die Erwärmung in den kommenden Jahrzehnten entwickelt.
Am Rande der UN-Artenschutzkonferenz in Armenien hat die Weltnaturschutzunion IUCN eine Prognose vorgestellt, die den Zustand der Korallenriffe weltweit in ein nüchternes Zahlenverhältnis fasst: Für 96 Prozent der Riffe in den Weltmeeren besteht demnach ein "extrem erhöhtes Risiko", bis zum Jahr 2075 abzusterben. Der Zeitraum, um den es geht, beträgt rund 50 Jahre.
Grundlage der Bewertung sind der Zustand und die Entwicklung von Riffen vor den Küsten von mehr als 80 Ländern und Gebieten. Die Wissenschaftler rechneten mit dem "mittleren" Szenario des UN-Klimarats. Es geht davon aus, dass sich die Erde bis 2100 um 2,7 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau erwärmt. Das von der Weltgemeinschaft eigentlich angestrebte Ziel von 1,5 Grad gilt inzwischen als fast nicht mehr erreichbar.
Als größte Gefahr nennt die IUCN den Hitzestress. Er sei weltweit die beständigste Bedrohung, die den Rückgang der Korallenriffe vorantreibe. Dazu kommen weitere Belastungen: Überfischung, Küstenbebauung, Umweltverschmutzung und Tourismus. Auch Stürme, die durch den Klimawandel häufiger auftreten, werden als schädigender Faktor aufgeführt.
Warum Korallen so empfindlich sind, erklärt ihre Biologie. Sie reagieren stark auf Temperaturschwankungen. Wird das Wasser zu warm, stoßen sie die Mikroalgen ab, die in ihrem Gewebe leben und sie ernähren. Die Korallen bleichen aus und sterben oft ab. Weil Hitzewellen im Meer durch den Klimawandel immer häufiger werden, wiederholt sich dieser Vorgang öfter.
Betroffen sind der Analyse zufolge auch die größten und artenreichsten Riffe der Welt: Teile des Great Barrier Reef vor Australien, das Korallendreieck im westlichen Pazifik und in Südostasien, das mesoamerikanische Riffsystem sowie die Riffe im Roten Meer. Korallen bieten einer großen Artenvielfalt ein Zuhause und bilden zugleich natürliche Barrieren gegen Erosion.
Die IUCN ist ein Dachverband zahlreicher Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen im Bereich Natur- und Artenschutz. Ihre Analyse ist die erste weltweite Untersuchung dieser Art. Sie beruht auf einem Szenario von 2,7 Grad Erwärmung; wie stark die Riffe tatsächlich leiden, hängt damit auch davon ab, wie sich die Erwärmung in den kommenden Jahrzehnten entwickelt.
Citations marquantes
Hitzestress infolge des Klimawandels ist weltweit die beständigste Bedrohung, die den Rückgang der Korallenriffe vorantreibt.— Weltnaturschutzunion (IUCN)