Jemens Regierung kündigt Großoffensive zur Rückeroberung von Huthi-Gebieten an

Die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab gibt der Gruppe wirtschaftliche Hebel.
Die Huthis nutzen ihre neue Position, um saudi-arabische Ölexporte zu bedrohen und globale Handelsrouten zu destabilisieren.
Mark

Warum kündigt die jemenitische Regierung diese Offensive gerade jetzt an, wenn die Huthis gerade die Rotmeerküste erobert haben?

Mimi

Die Regierung steht unter enormem Druck. Die Huthis kontrollieren jetzt eine strategische Meerenge und können saudi-arabische Ölexporte blockieren. Das ist nicht nur ein militärisches Problem — es ist ein wirtschaftliches und politisches. Die Ankündigung signalisiert, dass die Regierung handeln muss, sonst verliert sie weiter an Glaubwürdigkeit.

Luke

Aber die Frage ist: Kann sie das auch durchsetzen? Die Huthis haben gerade eine erfolgreiche Blitzoffensive geführt. Welche neuen Ressourcen oder Fähigkeiten hat die Regierung, um das Blatt zu wenden?

Mark

Die Huthis greifen auch Saudi-Arabien direkt an — Ölraffinerien, Pipelines. Ist das ein Zeichen, dass sie stärker werden?

Mimi

Es ist ein Zeichen, dass sie ihre Reichweite ausweiten. Sie nutzen Drohnen und ballistische Raketen, um Ziele weit entfernt zu treffen. Das ist eine Eskalation, die zeigt, dass sie nicht nur lokal kämpfen, sondern auch regional Druck ausüben wollen.

Luke

Allerdings: Der Konzern Aramco hat die Treffer nicht bestätigt. Wir sehen Videos von Rauchsäulen, aber das ist nicht dasselbe wie verifizierten Schaden. Die Huthis haben ein Interesse daran, ihre Anschläge zu übertreiben.

Mark

Was bedeutet die Kontrolle über Bab al-Mandab für den Rest der Welt?

Mimi

Das ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten global. Wenn die Huthis dort Schiffe blockieren oder verlangsamen, hat das Auswirkungen auf den Welthandel — besonders auf Öllieferungen nach Asien. Das ist nicht nur ein Jemen-Problem.

Luke

Aber wie effektiv können sie diese Blockade wirklich durchsetzen? Bab al-Mandab ist breit, und internationale Marinen sind in der Region präsent. Die Huthis können Anschläge verüben, aber eine vollständige Blockade ist technisch schwierig.

  • Präsident Raschad al-Alimi ordnete Militäreinsätze auf allen aktiven Frontlinien an
  • Huthis kontrollierten seit September die gesamte jemenitische Rotmeerküste und Bab al-Mandab
  • Huthi-Angriff auf zwei Aramco-Standorte in Riad und Churais am Samstag gemeldet
  • Jemen wird seit Jahren von Bürgerkrieg geprägt

Präsident Raschad al-Alimi ordnete Militäreinsätze auf allen aktiven Frontlinien an, um das Land aus dem Griff der Huthi-Miliz zu befreien. Die Huthis kontrollierten seit September die gesamte jemenitische Rotmeerküste und die strategische Meerenge Bab al-Mandab, um saudi-arabische Ölexporte zu blockieren.

Die international anerkannte jemenitische Regierung kündigt eine umfassende Militäroperation gegen die mit dem Iran verbündeten Huthis an. Ziel ist die Rückeroberung aller von der Miliz kontrollierten Gebiete.

Die international anerkannte jemenitische Regierung hat eine großangelegte Militäroffensive gegen die iranisch verbündete Huthi-Miliz angekündigt. Präsident Raschad al-Alimi ordnete an, dass Armee, Sicherheitskräfte und alle militärischen Verbände ihre Operationen auf sämtlichen aktiven Frontlinien des Landes beginnen sollen — mit dem erklärten Ziel, alle von der Miliz kontrollierten Gebiete zurückzuerobern. Die Ankündigung verbreitete der regierungsnahe Fernsehsender Yemen TV. Alimi warf den Huthis vor, auf Deeskalationsbemühungen mit verstärkter Mobilisierung und Eskalation zu reagieren und gleichzeitig ihre Angriffe auf Zivilisten, nationale Einrichtungen, Nachbarländer und internationale Schifffahrtsrouten auszuweiten.

Der Konflikt im Jemen, der seit Jahren von Bürgerkrieg geprägt ist, hat sich in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Im September führten die Huthis eine Blitzoffensive durch und brachten die gesamte jemenitische Rotmeerküste unter ihre Kontrolle. Damit sicherten sie sich auch die Herrschaft über die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab — einen Engpass, durch den ein erheblicher Teil des globalen Schiffsverkehrs fließt. Die Miliz nutzt diese Position, um saudi-arabische Öltanker an der Durchfahrt zu hindern und damit die Ölexporte des Königreichs nach Asien zu erschweren.

Am Samstag meldeten die Huthis neue Angriffe auf saudi-arabische Ziele. Ein Sprecher der Gruppe teilte über Telegram mit, dass zwei Standorte des Ölkonzerns Aramco — einer in Riad und einer in der Region Churais — mit Drohnen und ballistischen Raketen angegriffen worden seien. Der Konzern hat die Treffer bislang nicht unabhängig bestätigt, doch in sozialen Medien zirkulieren Videoaufnahmen einer Rauchsäule über einer Raffinerie in der Nähe von Riad. Der Huthi-Sprecher begründete die Anschläge mit vorherigen saudi-arabischen Luftangriffen auf die jemenitische Hauptstadt Sanaa sowie auf die Provinzen Saada, Taizz und Amran.

In der Nacht zum Sonntag führte das Militär der jemenitischen Regierung seinerseits Angriffe auf Sanaa durch. Die Eskalation zeigt das Muster eines sich zuspitzenden Konflikts: Die Huthis intensivieren ihre Anschläge auf saudi-arabische Ölanlagen und Infrastruktur, was die Regierung in Riad zunehmend unter Druck setzt. Gleichzeitig versucht die international anerkannte jemenitische Regierung, mit dieser Großoffensive ihre Kontrolle über das Land zurückzugewinnen.

Die Ankündigung der Offensive kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Huthi-Miliz militärisch stärker positioniert ist als zuvor. Die Kontrolle über die Rotmeerküste und die Meerenge Bab al-Mandab gibt der Gruppe nicht nur militärische Vorteile, sondern auch wirtschaftliche Hebel — die Fähigkeit, den Schiffsverkehr zu beeinflussen und damit globale Handelsrouten zu destabilisieren. Wie erfolgreich die angekündigte Gegenoffensive sein wird, bleibt offen. Der Jemen-Konflikt hat sich über Jahre hingezogen, und militärische Ankündigungen haben sich in der Vergangenheit oft als schwer umzusetzen erwiesen.

Das Land aus dem Griff der Huthi-Miliz befreien
— Präsident Raschad al-Alimi
Die Huthis reagierten auf Deeskalationsbemühungen mit weiterer Mobilisierung und Eskalation
— Präsident Raschad al-Alimi
Envie de l'histoire complète ? Lire l'original sur Der Spiegel ↗
Nous contacter FAQ