In der Nacht zum Dienstag sollen Dutzende israelische Kampfflugzeuge fast bis an die iranische Grenze vorgedrungen sein, offiziell als Übung und Abschreckung deklariert, doch die Frage, ob dahinter das Kalkül steckt, eine Provokation zu erzeugen, die einen neuen Krieg rechtfertigt, legt sich wie ein Schatten über den Nahen Osten. Es ist eine Geschichte von Macht, die sich selbst beweisen will, während eine Wahl in Israel und ein Ringen um Atomwaffen die Zeit verdichten. Die Hintergründe bleiben unbewiesen, doch sie zeigen, wie dünn die Linie zwischen Warnung und Angriff geworden ist.
Israelische Kampfjets an iranischer Grenze: Übung oder Provokation?
Erst kurz vor der iranischen Grenze drehten die Maschinen ab
Was ist in der Nacht auf Dienstag passiert?
Mehrere Dutzend israelische Kampfjets und Tankflugzeuge flogen über Syrien und den Irak bis kurz vor die iranische Grenze und drehten dann ab. Die USA waren vorab informiert.
Übung oder Provokation?
Offiziell eine Übung mit Abschreckungswirkung. US-Quellen gegenüber Kanal 12 sagen aber, Israel habe auf Beschuss durch Irans Flugabwehr gehofft.
Das ist eine Zuschreibung, keine Tatsache. Es sind anonyme US-Quellen über den Eindruck, den sie von israelischen Absichten hatten. Überprüfbar ist es nicht.
Warum ist der Zeitpunkt relevant?
Am 27. Oktober wird in Israel gewählt, Netanjahu und Eisenkot liegen laut Erwartung gleichauf. Kritiker unterstellen Netanjahu, er suche vorher eine Eskalation.
Auch das ist ein Vorwurf von Kritikern. Belegt ist nur, dass er öffentlich den Sturz des Regimes fordert und laut Financial Times Anfang Oktober Planungen angeordnet haben soll – wiederum aus ungenannten Quellen.
Und die Lage am Golf?
Die Revolutionsgarden melden Angriffe auf Tanker, Saudi-Arabien meldet Tote bei Huthi-Angriffen, die USA ziehen Diplomaten ab.
Die Tankermeldungen stammen allein von den Garden. Und zur Ursache des Angriffs auf Dammam gibt es bislang keine Angabe.
The Pulse
- Mehrere Dutzend israelische Kampfjets und Tankflugzeuge sollen in der Nacht bis kurz vor die iranische Grenze geflogen sein, bevor sie abdrehten.
- US-Quellen zufolge hofften die Israelis auf einen Abschuss durch Irans Flugabwehr, der einen neuen Angriff hätte rechtfertigen können.
- Am Golf brennen Tanker nahe der Straße von Hormus, und Teheran droht, die Unterseekabel anzugreifen.
- Bei Huthi-Angriffen in Saudi-Arabien starben mindestens drei Menschen, und die USA ließen Personal ausfliegen.
- Vor der israelischen Wahl am 27. Oktober bleibt die Lage fragil, während Vermittler wie Pakistan nach einem Ausweg suchen.
In der Nacht zum Dienstag sollen Dutzende israelische Kampfflugzeuge fast bis an die iranische Grenze vorgedrungen sein, offiziell als Übung und Abschreckung deklariert, doch die Frage, ob dahinter das Kalkül steckt, eine Provokation zu erzeugen, die einen neuen Krieg rechtfertigt, legt sich wie ein Schatten über den Nahen Osten. Es ist eine Geschichte von Macht, die sich selbst beweisen will, während eine Wahl in Israel und ein Ringen um Atomwaffen die Zeit verdichten. Die Hintergründe bleiben unbewiesen, doch sie zeigen, wie dünn die Linie zwischen Warnung und Angriff geworden ist.
In der Nacht von Montag auf Dienstag sollen mehrere Dutzend israelische Kampfflugzeuge und Tankflugzeuge Richtung Iran gestartet sein. Sie überquerten Syrien und den Irak auf einer Route, die auch für einen echten Angriff gewählt worden wäre, und drehten erst kurz vor der iranischen Grenze ab. Offiziell war es eine Übung zur Abschreckung, die Washington vorab kannte.
Nach Berichten von Kanal 12 rechneten die Israelis aber mit einem Abschuss durch Irans Flugabwehr, der einen neuen Angriff hätte begründen können. Diese Darstellung ist nicht unabhängig überprüft. Hintergrund ist der gemeinsame Angriff Israels und der USA Ende Februar, bei dem zahlreiche iranische Generäle getötet wurden, das Regime aber blieb. Netanjahu und Trump sprechen wieder von einem Ende der Arbeit, und die Financial Times berichtet, Netanjahu habe das Militär zur Planung einer Großoffensive angewiesen.
Am Golf meldet die Revolutionsgarde Angriffe auf Tanker bei Hormus, ebenfalls ungeprüft. Die Drohung, Unterseekabel zu zerstören, zeigt, wie weit der Konflikt über das Militärische hinausreicht. In Saudi-Arabien starben bei einem Huthi-Drohnenangriff auf ein Ölfeld zwei Menschen, am Flughafen Dammam mindestens einer weiterer.
Diplomatisch tut sich wenig. Irans Sicherheitsratschef Resaei will angereichertes Uran im Land behalten und verlangt vertrauensbildende Schritte der USA, während der pakistanische Armeechef vermittelt. Bis zur Wahl am 27. Oktober bleibt die Lage fragil.
In der Nacht von Montag auf Dienstag sollen mehrere Dutzend israelische Kampfflugzeuge und Tankflugzeuge in Richtung Iran geflogen sein. Das berichten der israelische Sender Kanal 12 und der amerikanische Sender Fox News. Demnach überquerten die Maschinen Syrien und den Irak, und zwar auf einer Route, die sie auch bei einem tatsächlichen Angriff nehmen würden. Erst kurz vor der iranischen Grenze drehten sie ab. Die USA seien vorab eingeweiht gewesen.
Offiziell soll es sich um eine Übung gehandelt haben, die zugleich der Abschreckung Irans diente. Kanal 12 berichtet unter Berufung auf Quellen in der amerikanischen Regierung jedoch noch etwas anderes: Den Israelis sei klar gewesen, dass Irans Flugabwehr die Flugzeuge entdecken würde. Die amerikanischen Gesprächspartner hätten den Eindruck gehabt, Israel hoffe auf Beschuss durch die Flugabwehr. Das hätte eine Rechtfertigung für einen neuen Angriff geliefert. Der Krieg könnte so wieder aufflammen. Diese Darstellung ist nicht unabhängig überprüft.
Der Hintergrund: Ende Februar haben Israel und die USA Iran gemeinsam angegriffen. Viele einflussreiche iranische Generäle und Spitzenpolitiker wurden dabei gezielt getötet, die Regierung stürzte aber nicht. In den vergangenen Tagen haben Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump ihre Drohungen verschärft und davon gesprochen, „den Job zu Ende zu bringen“. Netanjahu sagte, man müsse die Beseitigung des iranischen Regimes vollenden. Er habe erst am Sonntag mit Trump darüber gesprochen. Solange die Führung bestehe, versuche sie, Atomwaffen zu bauen.
Die „Financial Times“ berichtete am Mittwoch unter Berufung auf Eingeweihte, Netanjahu habe Anfang Oktober das Militär angewiesen, eine neue Großoffensive zu planen. Trump soll ihn erst kürzlich von einer neuen Offensive abgehalten haben. Kritiker in Israel werfen Netanjahu vor, vor der Parlamentswahl am 27. Oktober eine neue Eskalation zu suchen. Erwartet wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem früheren Generalstabschef Gadi Eisenkot.
Zugleich verschärft sich die Lage am Golf. Irans Revolutionsgarden melden Feuer an mehreren Öltankern bei der Straße von Hormus: Vier Tanker seien beim Umladen von Öl angegriffen worden, drei weitere Schiffe seien in der Nacht auf Minen gelaufen. Auch das ist nicht unabhängig überprüfbar. Ein General der Garden drohte im Staatssender Al-Alam, bei Angriffen auf zivile Infrastruktur die Unterseekabel im Persischen Golf anzugreifen, darunter sieben wichtige Kabel durch die Meerenge. Nach Darstellung der Quelle will Iran mit den Angriffen auf Schiffe Trump vor den Kongresswahlen mit steigenden Preisen unter Druck setzen.
In Saudi-Arabien gab es Tote. Am späten Mittwochabend wurde der Flughafen König Fahd in Dammam angegriffen. Die Luftfahrtbehörde nannte mindestens einen Toten und acht Verletzte, teils schwer; zu Art und Ursache des Angriffs machte sie keine Angaben. Zuvor starben zwei Menschen, ein Philippiner und ein Nepalese, durch Trümmer einer abgeschossenen Huthi-Drohne, die auf das Aramco-Ölfeld Schaiba zielte. Zwei weitere wurden verletzt. Die USA ordneten wegen der Huthi-Angriffe den Abzug nicht dringend benötigter Regierungsmitarbeiter und ihrer Familien aus Saudi-Arabien an, wie Sprecher Tommy Pigott mitteilte.
Diplomatisch bewegt sich wenig. Irans Sicherheitsratschef Mohsen Resaei erklärte, kein Teil des hoch angereicherten Urans werde das Land verlassen, und verhandelte erst nach vertrauensbildenden Schritten der USA. Er sprach beim Besuch des pakistanischen Armeechefs Asim Munir, der einen neuen Vermittlungsversuch unternimmt. Bis zur Wahl am 27. Oktober bleibt die Lage fragil.
Notable Quotes
Wir müssen die Beseitigung des iranischen Regimes vollenden.— Benjamin Netanjahu, israelischer Ministerpräsident
Kein winziger Teil angereicherten nuklearen Materials werde Iran verlassen.— Mohsen Resaei, Chef des iranischen Sicherheitsrats