Interstellare Flaschenpost: Britischer Unternehmer plant Sonde zu Alpha Centauri

Eine interstellare Flaschenpost – und niemand weiß, ob jemand sie je findet
Johnstons Sonde wird 77.000 Jahre brauchen, um Alpha Centauri zu erreichen, ohne wissenschaftliche Instrumente an Bord.
Mark

Warum schickt ein Privatunternehmer überhaupt eine Sonde zu einem Sternsystem, das so weit weg ist, dass sie Jahrzehntausende braucht?

Mimi

Weil er damit ein philosophisches Argument testen will – das Fermi-Paradoxon. Wenn es außerirdische Zivilisationen gibt, warum haben wir sie nicht kontaktiert bekommen? Johnston will zeigen, dass es nicht an der Unmöglichkeit liegt.

Luke

Aber das ist bereits widerlegt. Wir haben schon fünf Sonden im interstellaren Raum. Das beweist, dass es möglich ist.

Mimi

Genau. Deshalb ist das Projekt eher symbolisch als wissenschaftlich. Es geht um eine Botschaft, nicht um Daten.

Mark

Was wird die Sonde denn messen, wenn sie ankommt?

Luke

Nichts. Ein Kilogramm Nutzlast, keine Energiequelle, die 77.000 Jahre hält. Es können keine wissenschaftlichen Instrumente an Bord sein.

Mimi

Es ist mehr eine Flaschenpost als eine Forschungsmission. Ein Gruß an eine mögliche Zivilisation.

Mark

Und das kostet 15 Millionen Dollar?

Luke

Das ist tatsächlich billig für eine Raumfahrtmission. Aber die Frage ist: Was rechtfertigt das Geld, wenn es keine wissenschaftliche Rückgabe gibt?

Mimi

Vielleicht die symbolische Geste selbst. Zu zeigen, dass wir versucht haben, Kontakt aufzunehmen.

Mark

Wird das funktionieren?

Luke

Das hängt davon ab, was man unter Funktionieren versteht. Wissenschaftlich? Nein. Philosophisch? Vielleicht.

  • Alpha Centauri liegt 4,4 Lichtjahre entfernt
  • Fermi Explorer soll 15 Millionen Dollar kosten und 2043 starten
  • Die Sonde braucht 77.000 Jahre, um Alpha Centauri zu erreichen
  • Nutzlast: etwa ein Kilogramm, keine wissenschaftlichen Instrumente

Ein Privatunternehmer möchte eine Raumsonde zum nächsten Sternsystem schicken. Mit Wissenschaft hat das nichts zu tun. Alpha Centauri ist ein Doppelsternsystem aus zwei sonnenähnlichen Sternen und abgesehen von dem Zwergstern Proxima, der das Duo sehr weitlä…

Ein Privatunternehmer möchte eine Raumsonde zum nächsten Sternsystem schicken. Mit Wissenschaft hat das nichts zu tun.

Der britische Unternehmer Philip Johnston plant etwas, das auf den ersten Blick kühn wirkt und bei näherem Hinsehen eher rätselhaft ist: eine Raumsonde zum nächsten Sternsystem. Alpha Centauri liegt 4,4 Lichtjahre entfernt – ein Doppelsternsystem aus zwei sonnenähnlichen Sternen, umkreist von dem kleineren Proxima. Ob dort Planeten existieren, weiß niemand genau, aber es ist durchaus möglich. Mit der Technik, die heute verfügbar oder in absehbarer Zeit realistisch wird, würde eine Sonde dorthin Jahrzehntausende brauchen.

Johnston nennt sein Projekt "Fermi Explorer" und gibt sich dabei bescheiden in den Erwartungen. Die Mission soll nur 15 Millionen Dollar kosten, in drei Jahren starten und mit einem solar-elektrischen Xenon-Triebwerk arbeiten. Nach diesem Plan würde die Kapsel 2043 eine Geschwindigkeit erreichen, mit der sie 15 bis 20 Jahre später das Sonnensystem verlässt – in Richtung Alpha Centauri. Wenn sie dort nach weiteren 77.000 Jahren ankommt, wird von der Zivilisation, die diese Idee hervorbrachte, nichts mehr übrig sein. Die Menschheit wird bis dahin entweder praktischere Wege zu Alpha Centauri gefunden haben oder eine weniger erfreuliche Entwicklung genommen haben. Das Projekt wird sie in jedem Fall längst vergessen haben.

Das ist das erste Rätsel: Warum überhaupt? Die Antwort liegt im Namen und in einer historischen Frage. Der Physiker Enrico Fermi stellte 1950 beim Mittagessen mit Kollegen eine Frage, die seither nachwirkt: Wenn es außerirdische Zivilisationen gibt – und angesichts des Alters des Universums müsste es einige geben – dann hätten sie längst die Technologie entwickelt, um Sonden zu uns zu schicken. "Wo sind sie denn?", fragte Fermi. Das Fermi-Paradoxon, wie es später genannt wurde, beschreibt genau diesen Widerspruch zwischen der statistischen Wahrscheinlichkeit außerirdischen Lebens und der völligen Abwesenheit von Kontakt.

Johnston und seine Mitstreiter scheinen zu hoffen, dass ihre Kapsel auf Alpha Centauri jemanden veranlasst, sich dieselbe Frage zu stellen. Sie wollen also zeigen, dass solche interstellaren Missionen nicht unmöglich sind – dass es nicht an der Machbarkeit liegt, wenn wir keine Besucher bekommen. Das Problem ist nur: Das wissen wir bereits. Die Pioneer- und Voyager-Sonden sowie die New-Horizons-Mission zum Pluto fliegen schon jetzt auf Bahnen, die sie in den interstellaren Raum führen. Fünf menschliche Artefakte sind unterwegs. Keine wird in absehbarer Zeit ein anderes Sternsystem erreichen, aber sie zeigen bereits, dass es möglich ist.

Es gibt noch ein zweites Problem mit Johnstons Plan: Die Nutzlast beträgt etwa ein Kilogramm. Sie wird nicht aus wissenschaftlichen Instrumenten bestehen, denn es gibt keine Energiequelle, die diese über 77.000 Jahre einsatzbereit halten könnte. Die Mission wird also bis 2043 vielleicht ein paar Schlagzeilen generieren – und dann? Zum Vergleich: Christopher Nolans Film "Interstellar" von 2014, der ähnliche Fragen stellt und ähnliche Gefühle weckt, war bereits mehr als zehnmal so teuer in der Produktion. Die Inspiration, die von einem guten Science-Fiction-Film ausgeht, wird die Menschheit vermutlich stärker erreichen als eine Kapsel, die in 77.000 Jahren möglicherweise ankommt. Es ist eine interstellare Flaschenpost – und niemand weiß, ob jemand sie je finden wird.

Enrico Fermi fragte 1950: Wenn es außerirdische Zivilisationen gibt, warum haben wir sie nicht kontaktiert bekommen?
— Historische Anekdote, zitiert im Kontext des Fermi-Paradoxons
Kontakt FAQ