Helaba kauft, Deutsche Bank wartet: Wer gestaltet Deutschlands Bankenmarkt?

Wer später über fehlende Gelegenheiten klagt, wird sich fragen lassen müssen, warum er nicht zugegriffen hat.
Deutsche Banken ignorieren Konsolidierungschancen auf ihrem Heimatmarkt, während Ausländer aktiv kaufen.
Mark

Warum ist es eigentlich wichtig, dass deutsche Banken deutsche Banken kaufen? Warum nicht einfach weitermachen wie bisher?

Mimi

Weil Größe in diesem Geschäft Kosteneffizienz bedeutet. Wenn du mehr Filialen, mehr Kunden, mehr Infrastruktur hast, kannst du die Kosten pro Transaktion senken. Das ist ein Überlebensfaktor geworden.

Luke

Aber das ist eine Annahme, nicht bewiesen. Unicredit macht das aggressiv, ja, aber ob das langfristig rentabel ist, sehen wir erst in Jahren.

Mimi

Fair. Aber die Marktlogik ist klar: Wer nicht wächst, wird kleiner — relativ gesehen.

Mark

Und die Deutsche Bank sagt einfach nein dazu?

Mimi

Sie sagt, sie wächst lieber organisch. Sie versucht, Commerzbank-Kunden abzuwerben, statt die ganze Bank zu kaufen.

Luke

Das ist auch eine rationale Strategie. Zukäufe sind teuer, kompliziert, oft scheitern sie. Warum sollte die Deutsche Bank das Risiko eingehen?

Mimi

Weil der Markt sich konsolidiert, ohne sie. Die Helaba kauft, Crédit Mutuel kauft, ABN Amro kauft. Deutschland wird von außen aufgekauft.

Mark

Und die Commerzbank hat sich selbst blockiert?

Mimi

Ja. Sie hat gesagt, keine Zukäufe, um sich gegen Unicredit zu wehren. Das ist eine Abwehrstrategie, keine Wachstumsstrategie.

Luke

Aber wir wissen nicht, ob das falsch ist. Vielleicht ist es klüger, schlank und fokussiert zu bleiben, als in dieser Marktlage teure Übernahmen zu machen.

Mark

Also: Strategie oder Mutlosigkeit?

Mimi

Beides. Es ist strategisch konsistent, aber es ist auch eine Wette, dass organisches Wachstum ausreicht. Und diese Wette könnte verloren gehen.

  • Ausländische Banken wie ABN Amro und Crédit Mutuel kaufen gezielt deutsche Institute auf und besetzen Marktlücken, die die großen deutschen Häuser offen lassen.
  • Die IKB steht seit 18 Jahren zum Verkauf – eine ungewöhnlich lange Haltedauer, die sowohl die Schwierigkeit des Marktes als auch den wachsenden Druck auf Finanzinvestoren offenbart.
  • Die Helaba prescht vor: Trotz einer Geschichte gescheiterter Deals signalisiert ihr Vorstand erneut Kauflust – bei der IKB und anderen Instituten, die Finanzinvestoren abstoßen wollen.
  • Deutsche Bank und Commerzbank meiden die Konsolidierungswelle – die eine aus strategischer Überzeugung, die andere als Abwehrreflex gegen die Unicredit-Offensive.
  • Wer jetzt nicht mitspielt, riskiert, später in einem konsolidierten europäischen Bankenmarkt mit weniger Gewicht und weniger Optionen dazustehen.

Der deutsche Bankenmarkt erlebt eine stille Neuordnung: Nicht die heimischen Schwergewichte Deutsche Bank und Commerzbank gestalten sie, sondern ausländische Institute und die öffentlich-rechtliche Helaba. In einer Zeit, in der europäische Größenvorteile und Kosteneffizienz die Logik des Bankwesens bestimmen, stellt sich die alte Frage neu – ob Zurückhaltung Weisheit ist oder der Verzicht auf eine Zukunft, die andere längst für sich beanspruchen.

Der deutsche Bankenmarkt ordnet sich neu – und die Impulse kommen von außen. Die niederländische ABN Amro übernahm Hauck Aufhäuser Lampe, die französische Crédit Mutuel kaufte die Oldenburgische Landesbank vom Finanzinvestor Apollo. Drei weitere Institute stehen zum Verkauf: die Aareal Bank, die ehemalige HSH Nordbank und die IKB – alle in Händen von Finanzinvestoren, alle auf der Suche nach einem strategischen Käufer.

Die Helaba taucht bei fast jedem dieser Deals als potenzielle Käuferin auf. Die öffentlich-rechtliche Landesbank hat eine wechselvolle Akquisitionsgeschichte – sie musste den Kauf der Aareal Bank einst abblasen, griff aber bei der Dexia und der DVB beherzt zu. Jetzt, mit dem Land Hessen im Rücken, signalisiert ihr Vorstand erneut Appetit auf Wachstum. Die IKB ist dabei ein besonders aufschlussreiches Beispiel: Lone Star hält das Institut seit 18 Jahren – für Private-Equity-Verhältnisse eine Ewigkeit. Dass nun mehrere Interessenten, darunter auch die Crédit Agricole, Interesse zeigen, spiegelt eine breitere europäische Konsolidierungswelle wider, die von Größenvorteilen und Kosteneffizienz getrieben wird.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing setzt dagegen auf organisches Wachstum. Kleine Zukäufe wie der britische Investmentdienstleister Numis 2023 bleiben die Ausnahme. Statt die IKB zu kaufen – obwohl die Deutsche Bank im Firmenkundengeschäft wachsen will –, versucht Sewing, von der Unicredit-Offensive gegen die Commerzbank zu profitieren, indem er deren Kunden abwirbt. Ein Widerspruch, der schwer zu erklären ist.

Die Commerzbank hat sich die Hände selbst gebunden. Nach der verheerenden Dresdner-Bank-Übernahme 2009 hat sie Zukäufe als Reaktion auf die Unicredit-Bedrohung von vornherein ausgeschlossen – eine klare Haltung, die aber den eigenen Heimatmarkt ignoriert. Ob die Zurückhaltung beider Großbanken als Strategie oder als Mutlosigkeit in die Geschichte eingeht, wird der Markt entscheiden. Auslandsbanken und die Helaba haben bereits gezeigt, dass Zugreifen möglich ist – und dass die Gelegenheiten nicht ewig warten.

Der deutsche Bankenmarkt ist in Bewegung, und es sind nicht die großen Spieler, die den Takt vorgeben. In den vergangenen Monaten haben ausländische Banken und eine öffentlich-rechtliche Landesbank systematisch deutsche Institute aufgekauft oder stehen kurz davor. Die niederländische ABN Amro übernahm die traditionsreiche Hauck Aufhäuser Lampe. Die französische Crédit Mutuel, die hierzulande bereits mit der Targobank präsent ist, kaufte die Oldenburgische Landesbank vom Finanzinvestor Apollo. Jetzt stehen drei weitere Institute zum Verkauf: die Aareal Bank, die ehemalige HSH Nordbank und die IKB — alle drei derzeit in Händen von Finanzinvestoren.

Die Hessen-Thüringen Landesbank, kurz Helaba, taucht bei fast jedem dieser Deals als potentieller Käufer auf. Die öffentlich-rechtliche Bank hat eine wechselvolle Geschichte bei solchen Transaktionen. Ihre Eigentümer, darunter zahlreiche Sparkassen, haben sie in der Vergangenheit gebremst; sie musste den Kauf der Aareal Bank abblasen. Doch bei anderen Gelegenheiten griff sie beherzt zu — etwa bei der Dexia und der DVB. Jetzt, mit dem Land Hessen im Rücken, signalisiert der Helaba-Vorstand wieder Kauflust. Das ist bemerkenswert, weil es zeigt, dass es auf dem deutschen Markt durchaus Appetit auf Wachstum gibt — nur eben nicht bei den beiden größten Banken des Landes.

Die IKB ist ein besonders aussagekräftiges Beispiel. Das Institut steht seit 18 Jahren zum Verkauf — der amerikanische Finanzinvestor Lone Star ist seit damals Eigentümer. Für Private-Equity-Firmen ist eine solch lange Haltedauer ungewöhnlich; normalerweise stoßen sie ihre Beteiligungen nach spätestens fünf Jahren ab. Dass die IKB so lange im Schaufenster steht, sagt etwas über die Schwierigkeit aus, Banken in diesem Umfeld zu verkaufen. Gleichzeitig ist die IKB gerade jetzt für mehrere Käufer interessant — für die Helaba, für ausländische Banken wie die Crédit Agricole. Die Gründe liegen auf der Hand: eine europäische Bankenkonsolidierungswelle setzt ein, getrieben von der Suche nach Größe und Kosteneffizienz. Die italienische Unicredit unter ihrem Chef Andrea Orcel verkörpert diese Strategie wie kaum ein anderes Institut — sie verfolgt ihre Übernahmepläne für die Commerzbank und Zukäufe in Italien mit gleicher Konsequenz.

Doch die Deutsche Bank geht einen anderen Weg. Ihr Chef Christian Sewing setzt auf organisches Wachstum, auf Expansion aus eigener Kraft. Das mag damit zu tun haben, dass die Deutsche Bank bei einer möglichen Bankenfusion in den seltensten Fällen mehr als der Junior-Partner wäre. Kleine Zukäufe wie der britische Investmentdienstleister Numis im Jahr 2023 sind die Ausnahme. Stattdessen versucht Sewing, von der Unicredit-Offensive gegen die Commerzbank zu profitieren, indem er deren Kunden abwirbt. Die IKB aber lässt die Deutsche Bank vorbeiziehen, obwohl sie im Firmenkundengeschäft wachsen will — ein Widerspruch, der schwer zu erklären ist.

Die Commerzbank wiederum hat sich selbst die Hände gebunden. Vor der Finanzkrise war sie eine aktive Käuferin — von der Sparkasse Stralsund bis zur Oldenburgischen Landesbank interessierte sie sich für nahezu jede Gelegenheit. Dann kam 2009 und die Übernahme der Dresdner Bank, die sich als Fehler erwies. Seitdem hat die Commerzbank Zukäufe als Abwehrmittel gegen die aktuelle Unicredit-Offensive von Anfang an ausgeschlossen. Das ist eine klare Strategie, aber auch eine, die den Heimatmarkt ignoriert.

Man kann diese Zurückhaltung der beiden großen deutschen Banken als Mutlosigkeit bezeichnen oder als konsequente Strategie. Sicher ist: Sie haben Chancen auf ihrem eigenen Markt nicht ergriffen. Auslandsbanken und die Helaba haben gezeigt, dass es möglich ist. Wer später über fehlende Gelegenheiten klagt, wird sich fragen lassen müssen, warum er nicht zugegriffen hat, als es noch Zeit war.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing setzt auf Wachstum aus eigener Kraft
— Bericht über Deutsche-Bank-Strategie
Die Commerzbank hat Zukäufe als Giftpille zur Abwehr der Übernahme von Anfang an ausgeschlossen
— Analyse der Commerzbank-Strategie
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