Hannover-Berlin-Strecke für 14 Monate gesperrt – Fernzüge brauchen 80 Minuten länger

Pendler und Reisende sind auf Ersatzverkehr angewiesen; Fahrgäste von und nach Wolfsburg haben bis Jahresende keinen Fernzughalt mehr.
Man kann niemandem erklären, warum Strecken so lange gesperrt werden
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger kritisiert die fehlende Verbesserung nach langen Sperrungen.
Mark

Warum dauert diese Sanierung so lange – 14 Monate für eine Strecke zwischen zwei großen Städten?

Mimi

Es geht nicht nur um Gleise. Über 50 Kilometer Betonfahrbahn müssen um Stendal erneuert werden, dazu hunderte Kilometer Weichen, Oberleitungen, und etwa zwei Dutzend Bahnhöfe. Das lässt sich nicht im laufenden Betrieb machen.

Luke

Aber die Riedbahn war in sechs Monaten fertig. Warum braucht Hannover-Berlin fast dreimal so lange?

Mimi

Das ist eine gute Frage. Die Bahn sagt, es ist die Menge der Betonfahrbahn. Aber ob das wirklich der einzige Grund ist, wird nicht ganz klar.

Mark

Was passiert mit den Reisenden in dieser Zeit?

Mimi

Fernzüge fahren über Braunschweig und Magdeburg – 80 Minuten länger. Pendler bekommen Ersatzbusse. Wolfsburg verliert seinen Fernzughalt bis Jahresende.

Luke

80 Minuten länger – das ist für Pendler ein echtes Problem. Aber die Bahn verspricht, dass alle mobil bleiben. Das ist eine Aussage, die sich erst bewähren muss.

Mark

Und was ist mit der digitalen Ausrüstung? Nutzt die Bahn diese lange Sperrung, um das Netz zu modernisieren?

Mimi

Nein, das ist der Knackpunkt. Nur 6 von 25 Stellwerken werden digitalisiert. Das ETCS-System wird nicht flächendeckend ausgebaut.

Luke

Das ist bemerkenswert. Man sperrt eine Hauptstrecke für 14 Monate und nutzt die Gelegenheit nicht vollständig für digitale Modernisierung. Das wurde bei früheren Sanierungen auch schon kritisiert.

Mark

Wer leidet am meisten darunter?

Mimi

Die Güterbahnen. Sie müssen noch längere Umwege fahren als der Fernverkehr. Das trifft den Gütertransport hart.

Luke

Und das ist ein strukturelles Problem des ganzen Sanierungsprogramms, nicht nur dieser einen Strecke.

  • Hannover-Berlin-Strecke seit 2. Oktober 2026 für 14 Monate gesperrt
  • Fernzüge benötigen etwa 80 Minuten längere Fahrtzeit über Braunschweig und Magdeburg
  • Wolfsburg verliert bis Jahresende seinen Fernzughalt
  • Über 50 Kilometer Betonfahrbahn werden erneuert, etwa zwei Dutzend Bahnhöfe modernisiert
  • Nur 6 von 25 Stellwerken werden mit digitalem ETCS-System ausgestattet

Fernzüge brauchen künftig rund 80 Minuten länger, Pendler weichen auf Ersatzbusse aus. Wolfsburg verliert bis Jahresende seinen Fernzughalt. Hunderte Kilometer Gleise, Weichen und Oberleitungen werden erneuert, etwa zwei Dutzend Bahnhöfe modernisiert. Die Lehrter Stammbahn als Ausweichstrecke wird erst Dezember 2027 elektrifiziert.

Die Bahnstrecke zwischen Hannover und Berlin ist seit dem frühen Morgen für umfassende Sanierungen gesperrt. Fernzüge werden für 14 Monate über Braunschweig und Magdeburg umgeleitet und benötigen etwa 80 Minuten länger.

Seit dem frühen Morgen des 2. Oktober fahren keine Züge mehr auf der Strecke zwischen Hannover und Berlin. Die Deutsche Bahn hat die Verbindung für eine umfassende Sanierung außer Betrieb genommen – für die nächsten 14 Monate wird hier kein regulärer Zugverkehr stattfinden. Es ist der Beginn einer der längsten Streckensperrungen im deutschen Schienennetz in jüngerer Zeit, mit Folgen, die sich über hunderte Kilometer auswirken.

Alle Fernzüge werden während dieser Zeit über Braunschweig und Magdeburg umgeleitet. Das bedeutet für Reisende zwischen Berlin und Hannover eine Fahrtzeit, die sich um etwa 80 Minuten verlängert. Betroffen sind auch sämtliche Verbindungen zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen, die normalerweise über Hannover führen. Im Regionalverkehr müssen Pendlerinnen und Pendler vielerorts auf Ersatzbusse ausweichen. Die Bahn verspricht, dass Reisende durch Umleitungen im Fernverkehr und umfangreichen Ersatzverkehr mobil bleiben – eine Zusage, deren Realität sich erst in den kommenden Monaten zeigen wird.

Besonders hart trifft es Fahrgäste von und nach Wolfsburg. Die Stadt verliert mindestens bis zum Ende dieses Jahres ihren Fernzughalt komplett. Auch Stendal entfällt als ICE-Haltestelle. Ob diese Einschränkungen auch 2027 bestehen bleiben, ist noch ungeklärt. Magdeburg profitiert dagegen von der Umleitung: Die Stadt erhält drei zusätzliche ICE-Verbindungen in Richtung Hannover und Nordrhein-Westfalen sowie von und nach Berlin.

Die Gründe für diese lange Sperrung sind erheblich. Hunderte Kilometer Weichen, Gleise und Oberleitungen werden erneuert. Etwa zwei Dutzend Bahnhöfe sollen modernisiert werden. Das Kernproblem liegt in der Erneuerung von mehr als 50 Kilometern fester Betonfahrbahn rund um Stendal – ein Arbeitsumfang, der sich nicht nebenbei erledigen lässt. Die Bahn begründet die Sperrung damit, dass das hochbelastete Schienennetz grundlegend erneuert werden soll, um den Zugverkehr langfristig pünktlicher, zuverlässiger und leistungsfähiger zu machen.

Eigentlich hätte es anders laufen sollen. Zum Fahrplanwechsel im Dezember dieses Jahres sollten die Fernzüge auf die parallel verlaufende Lehrter Stammbahn ausweichen können. Doch die Elektrifizierung dieser Ausweichstrecke dauert deutlich länger als geplant. Sie wird erst im Dezember 2027 abgeschlossen sein – was bedeutet, dass die Umleitungen über Braunschweig und Magdeburg noch länger andauern werden als ursprünglich vorgesehen.

Die Hannover-Berlin-Sanierung ist Teil eines größeren Programms. Die Deutsche Bahn hat sogenannte Generalsanierungen für mehr als 40 viel befahrene Korridore geplant, die bis weit in die 2030er-Jahre hinein laufen sollen. Das Ziel ist, einen wichtigen Teil des überalterten Streckennetzes in Deutschland systematisch zu erneuern. Um diese Arbeiten effizient durchzuführen, werden die Bahnstrecken vollständig gesperrt. Bei anderen großen Sanierungen wie der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim oder der Strecke Hamburg–Berlin waren die Bauarbeiten allerdings bereits nach etwa einem halben Jahr abgeschlossen.

Doch es gibt Kritik an der Art und Weise, wie die Bahn diese Gelegenheiten nutzt. Bei vergangenen Sanierungen wurde das Unternehmen wiederholt dafür kritisiert, dass es die langen Sperrungen nicht für die digitale Ausrüstung der Strecken nutzt. Konkret geht es um den Ausbau mit dem digitalen Zugleitsystem ETCS. Auch die Strecke zwischen Berlin und Hannover wird nicht vollständig digitalisiert. Lediglich 6 von 25 Stellwerken entlang der Strecke werden digitalisiert und für ETCS vorbereitet – ein Bruchteil dessen, was möglich wäre.

Die Güterbahnen trifft es besonders hart. Der Wettbewerberverband Die Güterbahnen kritisiert seit Jahren das Konzept der Generalsanierungen, weil Güterzüge infolge der Sperrungen oft noch längere Umwege fahren müssen als der Fernverkehr. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hat die Problematik erkannt: "Man kann niemandem erklären, warum Strecken so lange gesperrt werden und die Situation danach nicht besser ist." Diese Aussage fasst zusammen, was viele Nutzer des Bahnnetzes in den kommenden 14 Monaten erleben werden – massive Beeinträchtigungen für eine Modernisierung, deren Umfang und Effektivität noch lange Fragen offenlässt.

Reisende bleiben mobil – dank Umleitungen im Fernverkehr und umfangreichem Ersatzverkehr
— Deutsche Bahn
Man kann niemandem erklären, warum Strecken so lange gesperrt werden und die Situation danach nicht besser ist
— Bundesverkehrsminister Steffen Bilger
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