Grippewelle könnte früher kommen: Experten warnen vor unzureichendem Impfschutz

Wir nehmen in Kauf, dass 90 Prozent unserer gefährdeten Kinder nicht geschützt sind
Kinderarzt Reinhard Berner kritisiert die gefährlich niedrigen Impfquoten bei Kindern mit Grunderkrankungen.
Mark

Warum sollte mich eine möglicherweise frühere Grippewelle beunruhigen? Ist das nicht jedes Jahr ein Thema?

Mimi

Normalerweise ja, aber dieses Jahr gibt es konkrete Signale aus den USA und Australien, dass die Welle früher kommt. Das bedeutet, dass Menschen weniger Zeit haben, sich impfen zu lassen, bevor sie exponiert sind.

Luke

Aber wie zuverlässig sind diese Signale wirklich? Die Experten sagen selbst, dass sie keine sichere Vorhersage machen können.

Mimi

Das stimmt. Sie können nur beobachten, was auf der Südhalbkugel passiert, und abschätzen. Eine Garantie gibt es nicht.

Mark

Und was ist mit den Impfstoffen — funktionieren die noch gegen die neuen Mutationen?

Mimi

Nach Aussage der Virologin Protzer ja, die Impfstoffe werden jedes Jahr angepasst und bieten weiterhin guten Schutz.

Luke

Das ist wichtig zu wissen, aber es hilft nicht, wenn nur 30 bis 40 Prozent der gefährdeten Erwachsenen überhaupt geimpft sind. Das ist das eigentliche Problem.

Mark

Warum sind die Impfquoten so niedrig? Mangelt es an Zugang oder an Bereitschaft?

Mimi

Das wird in der Meldung nicht explizit gesagt. Es könnte beides sein — aber die Experten betonen, dass es ein echtes Versorgungsproblem ist.

Luke

Und bei Kindern mit Grunderkrankungen sind es nur zehn Prozent. Das ist dramatisch.

Mark

Wann sollte ich mich impfen lassen, wenn ich zur Risikogruppe gehöre?

Mimi

Jetzt. Das Immunsystem braucht zwei Wochen für vollständigen Schutz, und die Welle könnte früher kommen als erwartet.

  • Grippewelle in den USA mehr als einen Monat früher als üblich begonnen
  • Nur 30-40% der Erwachsenen mit Grunderkrankungen gegen Influenza geimpft
  • 10% der Kinder mit Grunderkrankungen geimpft
  • SARS-CoV-2-Anstieg im Abwasser messbar
  • Immunität gegen Atemwegsviren lässt nach 1-2 Jahren deutlich nach

Die Grippewelle könnte dieses Jahr mehr als einen Monat früher als üblich beginnen, wie Beobachtungen aus den USA zeigen. Nur 30-40% der Erwachsenen mit Grunderkrankungen und 10% der betroffenen Kinder sind gegen Influenza geimpft.

Experten warnen vor möglicherweise früher einsetzender Grippewelle in Deutschland. Besonders besorgniserregend ist die niedrige Impfquote bei Risikogruppen, während SARS-CoV-2 im Abwasser ansteigt.

Die Grippewelle könnte diesen Herbst früher zuschlagen als in den vergangenen Jahren. Das ist die zentrale Warnung von Fachleuten, die sich diese Woche zu Lage und Prognose äußerten. Beobachtungen aus den USA deuten darauf hin, dass die Influenzasaison dort bereits mehr als einen Monat früher als gewöhnlich begonnen hat. Gleichzeitig haben Wissenschaftler eine neue Mutation des derzeit dominanten Grippevirus-Subtyps H1N1 identifiziert. Doch wie sich diese Signale letztendlich auf Deutschland auswirken werden, bleibt offen — die Experten betonen, dass eine sichere Vorhersage nicht möglich ist.

Die Sorge der Fachleute speist sich aus einem bewährten Muster: Atemwegsviren wandern mit den Jahreszeiten zwischen Nord- und Südhalbkugel hin und her. Wer beobachtet, wie sich Grippe, Covid und andere Erkrankungen in Australien und Japan entwickeln, kann abschätzen, was in Europa folgen könnte. Dieses Jahr zeigen die südlichen Länder ein früheres und intensiveres Geschehen. Allerdings warnt Virologin Ulrike Protzer von der Technischen Universität München vor Überconfidence: "Die Glaskugel haben wir halt noch nicht." Die aktuellen Grippeimpfstoffe sind an die neuen Mutationen angepasst und bieten nach ihrer Einschätzung weiterhin guten Schutz — auch wenn die dominanten Stämme in Australien und Japan sehr unterschiedlich waren.

Das eigentliche Problem liegt nicht bei den Impfstoffen, sondern bei ihrer Nutzung. Die Impfquoten in Deutschland sind besorgniserregend niedrig, besonders in den Gruppen, die den Schutz am dringendsten bräuchten. Nur etwa 30 bis 40 Prozent der Erwachsenen mit chronischen Grunderkrankungen sind gegen Influenza geimpft. Bei Kindern mit Grunderkrankungen ist die Quote noch deutlich schlimmer: Sie liegt bei etwa zehn Prozent. Reinhard Berner, Kinderarzt und Vorsitzender der Ständigen Impfkommission STIKO, drückt es deutlich aus: "Wir nehmen in Kauf, dass 90 Prozent unserer gefährdeten Kinder oder zwei Drittel der erwachsenen Menschen, die ein Risiko für eine schwere Infektion haben, nicht geschützt sind."

Neben der Influenza zirkulieren derzeit auch andere Atemwegsviren. Rhino- und Parainfluenzaviren sind für diese Jahreszeit typisch, gegen beide gibt es aber keinen zugelassenen Impfstoff für Menschen. Wer sich besonders schützen möchte — etwa wegen Vorerkrankungen oder Asthma — kann auf Masken oder Kontaktvermeidung ausweichen. Für gesunde Erwachsene sind diese Infektionen in der Regel harmlos. Das Coronavirus SARS-CoV-2 bleibt ebenfalls im Umlauf. Messungen des Abwassers, etwa in Bayern, zeigen bereits einen deutlichen Anstieg. Zwar entstehen immer wieder neue Varianten, doch werden diese nicht zwangsläufig gefährlicher. Die Krankheitslast durch Covid sinkt laut Fachleuten in fast allen Altersgruppen von Jahr zu Jahr seit Ende der Pandemie. Dennoch sollten Risikogruppen sich weiterhin impfen lassen — die Impfstoffe wirken nach wie vor gut.

Die STIKO hat klare Empfehlungen für den kommenden Herbst und Winter ausgegeben. Menschen über 75 Jahren sollten sich gegen SARS-CoV-2 und das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) impfen lassen. Dasselbe gilt für Menschen, die in Einrichtungen leben oder chronische Vorerkrankungen haben. Auch eine Auffrischung des Immunschutzes lohnt sich, da die Immunität gegen Atemwegsviren nach ein bis zwei Jahren deutlich nachlässt. Der Zeitpunkt ist entscheidend: Das Immunsystem braucht etwa zwei Wochen, um vollständigen Schutz aufzubauen. Wer sich jetzt impfen lässt, ist rechtzeitig geschützt, bevor die Welle möglicherweise anrollt.

Wann genau die Grippesaison in Deutschland beginnt und wie heftig sie ausfallen wird, lässt sich derzeit nicht zuverlässig vorhersagen. Falls sie ähnlich wie in den vergangenen Jahren verläuft, sind Höhepunkte der Influenza- und RSV-Wellen um Weihnachten sowie im Januar und Februar zu erwarten. Bis dahin bleibt Zeit für Impfungen — aber diese Zeit wird knapper.

Die Glaskugel haben wir halt noch nicht
— Virologin Ulrike Protzer, Technische Universität München
Wir nehmen in Kauf, dass 90 Prozent unserer gefährdeten Kinder oder zwei Drittel der erwachsenen Menschen, die ein Risiko für eine schwere Infektion haben, nicht geschützt sind
— Reinhard Berner, Kinderarzt und Vorsitzender der STIKO
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