Galeria-Miteigentümer Beetz kritisiert Management nach viertem Insolvenzantrag

Zahlreiche Filialen wurden bereits geschlossen; Mitarbeiter und Lieferanten sind durch wiederholte Insolvenzen betroffen.
Ein Warenhaus kann auch heute erfolgreich sein – aber nur, wenn es sich deutlich vom Wettbewerb abhebt
Beetz bleibt optimistisch über das Konzept Warenhaus, stellt aber hohe Anforderungen an operative Exzellenz.
Mark

Warum kritisiert Beetz das Management so scharf, wenn er selbst als Investor mitverantwortlich ist?

Mimi

Beetz unterscheidet zwischen seiner Rolle als Gesellschafter – er habe investiert und Zeit aufgewendet – und der operativen Geschäftsführung unter Hellenbock. Er sagt, die Strategie war richtig, aber die Umsetzung war zu langsam.

Luke

Das ist eine wichtige Unterscheidung, aber die Frage bleibt: Wenn Beetz und Baker im Januar 2024 deutlich weniger investierten als versprochen, wie viel Verantwortung tragen sie selbst für die Geschwindigkeit des Umbaus?

Mark

Was hätte das Management konkret anders machen sollen?

Mimi

Beetz nennt drei Dinge: besseres Warenmanagement, eine klare Sortimentsstrategie und stärkere Kundenorientierung. Das sind operative Fragen – welche Produkte verkaufen, wie werden sie präsentiert, wer kommt noch in die Läden.

Luke

Das sind die richtigen Fragen, aber Beetz sagt nicht, wie konkret das hätte aussehen sollen oder warum das Management diese Dinge nicht umgesetzt hat. War es Unfähigkeit oder fehlende Ressourcen?

Mark

Ist ein Warenhaus heute überhaupt noch ein tragfähiges Geschäftsmodell?

Mimi

Beetz sagt ja – aber nur unter zwei Bedingungen: Es muss sich deutlich vom Wettbewerb abheben und operativ exzellent geführt werden. Das ist eine hohe Messlatte.

Luke

Das ist eher eine Hoffnung als eine Antwort. Der Handelsexperte Kortum deutet an, dass das strukturelle Problem tiefer liegt – dass Eigentümer über Jahre nur Geld rausgezogen haben statt reinzustecken. Das ist ein anderes Problem als Management-Kompetenz.

  • Galeria beantragt zum vierten Mal in sechs Jahren Insolvenzschutz – ein Unternehmen, das sich im freien Fall zu befinden scheint, den niemand stoppen konnte.
  • Miteigentümer Beetz bricht öffentlich mit dem Management und nennt die Krise vermeidbar – ein seltenes Eingeständnis, das die Spannungen hinter den Kulissen offenbart.
  • Zu langsame Umstrukturierung, fehlendes Warenmanagement und mangelnde Kundenorientierung: Die Diagnose klingt klar, doch die Therapie kam nie konsequent genug.
  • Recherchen hatten bereits im Januar gezeigt, dass die Investoren weit weniger Kapital einbrachten als versprochen – der Kollaps war für viele Beobachter keine Überraschung.
  • Die 83 verbliebenen Filialen bleiben vorerst geöffnet, doch Mitarbeiter, Lieferanten und Gläubiger tragen erneut die Last eines Systems, das sie schon mehrfach enttäuscht hat.
  • Handelsexperten warnen: Das eigentliche Problem liegt nicht im Management allein, sondern in einer Eigentümerkultur, die kurzfristige Gewinne über langfristige Investitionen stellt.

Zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren hat Galeria Insolvenz angemeldet – ein Rhythmus des Scheiterns, der tiefer reicht als einzelne Führungsfehler. Miteigentümer Bernd Beetz, der 2024 gemeinsam mit Richard Baker als Retter antrat, richtet seinen Blick nun kritisch auf das Management und beklagt eine Transformation, die zu zögerlich blieb, um das Unternehmen zu wenden. In dieser Geschichte spiegelt sich eine alte Frage des Kapitalismus: ob Eigentümer wirklich aufbauen wollen oder nur ernten.

Bernd Beetz kam im Frühjahr 2024 mit großen Ambitionen zu Galeria. Gemeinsam mit dem amerikanischen Investor Richard Baker wollte er die gebeutelte Warenhauskette aus ihrer dritten Insolvenz herausführen und dauerhaft neu aufstellen. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden, der Firmensitz zog von Essen nach Düsseldorf – äußere Zeichen eines Neubeginns. Doch weniger als zwei Jahre später steht Galeria erneut vor dem Insolvenzrichter. Es ist das vierte Mal in sechs Jahren.

Beetz machte in einem Interview mit der Bild-Zeitung das Management um Tilo Hellenbock für den erneuten Kollaps mitverantwortlich. Die Krise sei vermeidbar gewesen, sagte er – wenn die Transformation nur konsequenter und schneller umgesetzt worden wäre. Es habe an stringentem Warenmanagement, einer klaren Sortimentsstrategie und echter Kundenorientierung gefehlt. Beetz, der einst Coty und Christian Dior geführt hatte, betonte zugleich, dass er und Baker erheblich Zeit, Energie und eigenes Kapital investiert hätten.

Vollständig pessimistisch zeigte er sich dennoch nicht. Ein Warenhaus könne auch heute noch funktionieren – aber nur mit operativer Exzellenz und einer klaren Differenzierung vom Wettbewerb. Für die nächste Phase brauche es Führungspersönlichkeiten, die das Vertrauen von Gläubigern, Mitarbeitern, Lieferanten und potenziellen Investoren genießen.

Das Amtsgericht Düsseldorf hat den Insolvenzantrag angenommen; die verbliebenen 83 Filialen sollen vorerst offen bleiben. Doch die Bilanz ist düster: Viele Standorte wurden bereits aufgegeben, Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen. Handelsexperte Carsten Kortum sieht das Grundproblem in der Eigentümerstruktur: Zu viele Besitzer hätten über Jahre versucht, möglichst schnell möglichst viel herauszuholen, statt nachhaltig zu investieren. Ein Teufelskreis, aus dem Galeria bislang keinen Ausweg gefunden hat.

Bernd Beetz kam im Frühjahr 2024 als Investor zu Galeria mit großen Plänen. Zusammen mit dem amerikanischen Finanzier Richard Baker wollte er die angeschlagene Warenhausgruppe langfristig aufbauen, umgestalten und wachsen lassen. Weniger als zwei Jahre später musste das Unternehmen erneut Insolvenz anmelden – das vierte Mal in sechs Jahren. Diesmal richtete Beetz seinen Unmut direkt gegen die Geschäftsführung um Tilo Hellenbock. Die Krise hätte vermieden werden können, sagte er der Bild-Zeitung. Das Problem: Der Umbau laufe viel zu langsam.

Beetz und Baker hatten Galeria aus der dritten Insolvenz herausgekauft und das Unternehmen grundlegend umstrukturiert. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen. Der Sitz zog von Essen nach Düsseldorf. Doch schon seit Monaten deutete sich an, dass die Rettung nicht funktionierte. Im Januar hatten Recherchen gezeigt, dass die beiden Investoren deutlich weniger Geld in das Unternehmen pumpten als ursprünglich versprochen. Wechsel in der Geschäftsführung verunsicherten Mitarbeiter und Partner. Nun der erneute Kollaps.

In seiner Kritik am Management betonte Beetz, dass er und Baker viel Zeit, Energie und eigenes Kapital investiert hätten, um Galeria eine Zukunft zu geben. Entscheidend wäre gewesen, die notwendige Transformation konsequenter und schneller umzusetzen, sagte er. Konkret fehlte es dem Unternehmen an stringentem Warenmanagement, einer klaren Sortimentsstrategie und stärkerer Kundenorientierung. Beetz, der früher die Beauty-Gruppe Coty und die Luxusmarke Christian Dior geleitet hatte, weiß, wovon er spricht.

Trotz allem zeigte sich Beetz nicht völlig pessimistisch. Ein Warenhaus könne auch heute noch erfolgreich sein – aber nur, wenn es sich deutlich vom Wettbewerb abhebe und operativ exzellent geführt werde. Jetzt müssten personelle Entscheidungen danach getroffen werden, wer das größte Vertrauen von Gläubigern, Mitarbeitern, Lieferanten und möglichen neuen Investoren genieße. Es gehe nicht um einzelne Personen, sondern darum, die beste Führung für die nächste Phase zu sichern.

Das Amtsgericht Düsseldorf hat den Insolvenzantrag angenommen. Die 83 Filialen sollen vorerst weiterlaufen. Doch die Bilanz der vergangenen Jahre ist verheerend: Zahlreiche Läden wurden bereits geschlossen. Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen, um der Kette überhaupt eine Chance zu geben. Der Handelsexperte Carsten Kortum sieht das Kernproblem nicht nur im Management, sondern in der Eigentümerstruktur selbst. Viele Besitzer hätten über Jahre nur versucht, möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit aus dem Unternehmen zu ziehen. Je weniger investiert wird, desto größer wird der Rückstand – ein Teufelskreis, aus dem Galeria bislang nicht entkommen ist.

Die Insolvenz von Galeria hätte grundsätzlich vermieden werden können; der Umbau erfolgte zu langsam
— Bernd Beetz
Viele Eigentümer hatten über die Jahre nur im Sinn, möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit aus dem Unternehmen zu ziehen. Je weniger investiert wird, desto größer wird der Rückstand
— Handelsexperte Carsten Kortum
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