Galeria erhielt 680 Millionen Euro Steuergeld und dreifaches Insolvenzgeld, während über 10.000 Beschäftigte ihre Jobs verloren. Das Warenhaus-Geschäftsmodell ist obsolet: Der Marktanteil sank von 15 Prozent (1970er) auf unter ein Prozent innerhalb von 25 Jahren.
Galeria-Insolvenz: Zeit für die endgültige Abwicklung
Sie sind die Totengräber des Warenhauses.
Warum ist das vierte Mal anders als die ersten drei? Was hat sich geändert?
Nichts hat sich geändert – das ist ja das Problem. Jedes Mal wurden Gläubiger und Mitarbeiter mit Versprechungen beruhigt. Jedes Mal war es ein Versprechen ohne Grundlage.
Aber wir sollten fair sein: Gab es nicht tatsächlich Versuche, einzelne Filialen zu modernisieren? Der Text erwähnt, dass einige Galeria-Läden gezeigt haben, wie es gehen könnte.
Ja, es gab Einzelerfolge. Aber sie waren isoliert. Die Gesellschafter weigerten sich, systemisch zu investieren. Einzelne gute Filialen können ein sinkendes Schiff nicht retten.
Die 680 Millionen Euro Steuergeld – wer hat diese Entscheidung getroffen? Wer trägt dafür Verantwortung?
Das ist eine gute Frage, aber der Text beantwortet sie nicht. Wir wissen, dass das Geld floss, aber nicht, wer es bewilligt hat oder unter welchen Bedingungen.
Das ist Teil des Problems. Die Entscheidungen wurden getroffen, ohne dass es echte Konsequenzen für die Verantwortlichen gab. Die Steuerzahler zahlten, die Mitarbeiter verloren ihre Jobs.
Gibt es überhaupt noch einen Markt für große Warenhäuser in Deutschland?
Nicht in der Form, wie Galeria sie betrieben hat. Es gibt erfolgreiche Einzelhandelsketten, aber sie funktionieren anders – mit besserer Beratung, digitaler Integration, lokaler Verankerung.
Aber wir sollten vorsichtig sein: Der Text sagt, dass es erfolgreiche Händler auf großer Fläche gibt, nennt aber keine konkreten Beispiele. Wir wissen nicht, wie groß diese Erfolge wirklich sind.
Was passiert jetzt mit den 83 verbleibenden Warenhäusern?
Das ist offen. Aber die logische Konsequenz ist, dass sie geschlossen werden. Weiteres Geld in Rettungsversuche zu stecken wäre Verschwendung.
Die Abwicklung wird für die Innenstädte schwierig. Diese großen Gebäude sind schwer zu reaktivieren. Das ist ein städtebauliches Problem, das über Galeria hinausgeht.
Il Polso
- Galeria meldet zum vierten Mal seit 2020 Insolvenz an
- 680 Millionen Euro Steuergeld flossen in den Konzern
- Marktanteil sank von 15 Prozent (1970er) auf unter ein Prozent
- Von 400 Warenhäusern (vor 25 Jahren) sind noch 83 übrig
- Über 10.000 Beschäftigte verloren ihre Jobs
Galeria erhielt 680 Millionen Euro Steuergeld und dreifaches Insolvenzgeld, während über 10.000 Beschäftigte ihre Jobs verloren. Das Warenhaus-Geschäftsmodell ist obsolet: Der Marktanteil sank von 15 Prozent (1970er) auf unter ein Prozent innerhalb von 25 Jahren.
Galeria hat zum vierten Mal seit 2020 Insolvenz angemeldet. Der Warenhauskonzern hat digitale Trends verpasst und sein überholtes Geschäftsmodell nie modernisiert.
Galeria meldet zum vierten Mal seit 2020 Insolvenz an. Die Nachricht überrascht niemanden mehr, die Wiederholung ist zur Routine geworden. Was überrascht, ist eher die Hartnäckigkeit, mit der Geschäftsführung und Eigentümer an einem Geschäftsmodell festhalten, das längst nicht mehr funktioniert.
Die Bilanz der vergangenen sechs Jahre ist verheerend. Gläubiger verzichteten auf Milliardensummen. Vermieter gaben Einnahmen auf, die ihnen vertraglich zustanden. Die Steuerzahler finanzieren das Desaster mit 680 Millionen Euro, die in den Warenhauskonzern flossen. Hinzu kommen drei Mal Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit – also weitere Mittel aus den Beitragskassen. Jedes Mal, wenn eine neue Insolvenz abgewendet wurde, versprachen die Unternehmenslenker eine Zukunft. Jedes Mal war es ein leeres Versprechen. Für die mehr als 10.000 Beschäftigten, die noch an diese Zusagen glaubten, ist das besonders bitter.
Die Schuld wurde lange auf einen Schuldigen geschoben. Benko, der österreichische Milliardär und damalige Eigentümer, wurde zum Feindbild erklärt – ein Unternehmer, der die Warenhäuser in besten Lagen mit überhöhten Mieten belastete und damit jede Profitabilität unmöglich machte. Doch diese Erklärung hält nicht stand. Die zentrale Frage lautet: Welches profitable Geschäft hätte es denn sein sollen? Das klassische Warenhaus, wie Galeria es betreibt, hat sich überlebt. Es gibt erfolgreiche Einzelhandelsketten auf großer Fläche – Elektronikhandelsketten, Modehäuser – deren Geschäftsführer verstanden haben, wie Kunden heute einkaufen wollen. Sie verbinden stationäre Präsenz mit digitalen Angeboten, sie bieten echte Beratungsqualität, sie sind lokal verankert und haben treue Kundenkreise. Einige Galeria-Filialen haben sogar gezeigt, dass dieses Modell funktionieren kann. Aber Einzelerfolge bedeuten nichts, wenn die Gesellschafter sich weigern zu investieren und wirklich etwas zu verändern. Sie sind die Totengräber des Warenhauses.
Die Geschichte des Niedergangs reicht Jahrzehnte zurück. Bis Anfang der neunziger Jahre prägten vier Namen die Warenhauslandschaft: Karstadt, Kaufhof, Hertie und Horten. Vor 25 Jahren betrieben diese vier Konzerne noch etwa 400 Warenhäuser. Mitte der siebziger Jahre flossen noch 15 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes in die Kassen dieser Häuser. Drei Jahre vor der jüngsten Insolvenz lag der Anteil von Karstadt und Kaufhof zusammen unter einem Prozent.
Die Chancen zur Modernisierung wurden systematisch vertan. 1996 präsentierte Karstadt sein "virtuelles Warenhaus" – ein frühes Zeichen, dass die Branche das Potenzial des Onlinehandels erkannt hatte. Drei Jahrzehnte später ist der Onlineanteil bei Galeria immer noch einstellig. Jahrzehntelang wurde nicht investiert. Das Unternehmen lebte von der Substanz, hangelte sich von Kredit zu Kredit. Nicht nur die Digitalisierung wurde verpasst, sondern praktisch alle Einkaufstrends der letzten 30 Jahre.
Die Zahlen zeigen das Ausmaß des Schrumpfens. Beim Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof 2018 gab es noch etwa 180 Warenhäuser. Die Insolvenzen führten nicht nur zum Jobverlust von Tausenden Beschäftigten, sondern auch zur Schließung von mehr als der Hälfte aller Filialen. Heute sind es noch 83 Warenhäuser. Bei der letzten Insolvenz musste Galeria mit Vermietern über nur 33 Standorte verhandeln.
Für jede Stadt, in deren Innenstadt so ein großes, leeres Gebäude steht, das sich kaum vermieten lässt, ist das eine Bürde. Für die Mitarbeiter ist es bitter. Für die Gläubiger ärgerlich. Aber bei der vierten Insolvenz in sechs Jahren sollte wirklich niemand mehr an eine Rettung glauben. Die einzige rationale Antwort ist die Abwicklung.
Citazioni salienti
Das Warenhaus hat sich überlebt – zumindest in der Form, wie es von Galeria betrieben wird.— Kommentar der FAZ
Wickelt das Warenhaus ab!— Fazit des Kommentars