Schüler kritisieren Stellenstreichungen bei Lehrkräften und Klassengrößen bis zu 35 Schülern als unzumutbare Lernbedingungen. Die Proteste begannen im Département Seine-Saint-Denis, wo sozial benachteiligte Schüler besonders unter Unterfinanzierung leiden.
Französische Schüler protestieren für bessere Lernbedingungen – 256.000 auf der Straße
Bildung, die die Nation rettet
Was hat diese Proteste eigentlich ausgelöst? War es nur die Klassengröße?
Nein, es war ein Zusammenbruch. Stellenstreichungen, Unterrichtsausfälle, Gebäude, die verfallen. Aber es begann in Seine-Saint-Denis, wo die Armut konzentriert ist.
Warte – das Innenministerium zählte 256.000. Aber wer zählte? Gibt es andere Zahlen?
Das ist die offizielle Zahl. Andere Organisationen könnten anders zählen, aber das ist, was wir haben.
Und die Gewalt – wie schlimm war das wirklich?
Esperanza sagte, es waren Feuerwerkskörper, aber es war ein sehr kleiner Teil. Die Medien haben es überrepräsentiert.
Überrepräsentiert nach wessen Einschätzung? Nach der der Schüler. Das ist wichtig zu sagen – das ist ihre Wahrnehmung, nicht unbedingt eine objektive Messung.
Richtig. Aber die Schüler fühlen sich ignoriert, und das ist real.
Was wollen sie konkret?
Mehr Lehrer, kleinere Klassen, mehr Geld für Schulen statt Sparmaßnahmen. Und dass man ihnen zuhört.
Und die Regierung? Hat sie reagiert?
Nicht wirklich. Toni Tremblay sagte, sie hätten drei Jahre protestiert und bekamen nur Verachtung und Polizei.
Das klingt nach einer Sackgasse.
Ja. Und deshalb wird es wahrscheinlich weitergehen.
O Pulso
- 256.000 Menschen demonstrierten landesweit, 56.000 in Paris
- Klassengrößen bis zu 35 Schülern in betroffenen Schulen
- Proteste begannen im September in Seine-Saint-Denis
- Lehrer fordern seit drei Jahren einen Notfallplan für das Département
Schüler kritisieren Stellenstreichungen bei Lehrkräften und Klassengrößen bis zu 35 Schülern als unzumutbare Lernbedingungen. Die Proteste begannen im Département Seine-Saint-Denis, wo sozial benachteiligte Schüler besonders unter Unterfinanzierung leiden.
In Frankreich haben 256.000 Menschen gegen mangelhafte Schulbedingungen demonstriert, darunter 56.000 in Paris. Schüler fordern mehr Lehrkräfte und Investitionen statt Sparmaßnahmen.
Am Dienstagmorgen strömten in Frankreich Hunderttausende auf die Straßen. Das Innenministerium zählte 256.000 Demonstranten, die sich an Kundgebungen beteiligten – allein 56.000 von ihnen drängten sich auf der Place de la République im Herzen von Paris. Sie kamen nicht wegen Politik im klassischen Sinne. Sie kamen wegen Klassenzimmern, in denen 35 Schüler auf Stühlen saßen, die für 25 gebaut waren. Sie kamen wegen Lehrerstellen, die gestrichen werden sollten. Sie kamen, weil sie das Gefühl hatten, dass niemand ihnen zuhörte.
Khalil geht zur Schule in Massy, südlich von Paris. Er stand an diesem Tag auf der Straße und sprach über die Mathematiklehrer, die seine Schule verlieren würde. Die Regierung begründete die Kürzungen mit demografischen Prognosen – weniger Schüler in Zukunft, also weniger Lehrer nötig. Aber Khalil sah es anders: Das war Sparen auf dem Rücken von Kindern. Die Klassengrößen würden weiter anschwellen. Das sei keine Lernumgebung mehr, sagte er, das sei Verwahrung. Neben ihm stand Esperanza, seine Mitschülerin. Sie sprach von Skandal – dass Geld in die Armee floss, während Schulen hungerten. Bildung, sagte sie, das sei das, was eine Nation rettete.
Die Proteste waren nicht neu. Sie hatten im September begonnen, in Seine-Saint-Denis, dem Département nördlich von Paris, wo die Armut konzentriert war, wo die Schulen am meisten litten, wo die Mittel am weitesten fehlten. Toni Tremblay, ein Mathematiklehrer dort und Gewerkschaftsvertreter der SNES-FSU, hatte seit drei Jahren protestiert. Drei Jahre lang hatten Lehrer, Abgeordnete und Eltern einen Notfallplan gefordert. Drei Jahre lang hatte die Regierung geantwortet, wie Tremblay es sah, mit Verachtung – und mit Polizei. Das sei keine Antwort, sagte er. Bildungspolitische Antworten seien nötig.
Auf der Place de la République war die Menge größer als bei den großen Rentenprotesten von 2023. Diesmal waren nicht nur Schüler und Lehrer gekommen. Eltern waren da, zum Schutz ihrer Kinder. Gewerkschaften hatten Ordnungsdienste geschickt. Linke Parteien auch. Bevor der Demonstrationszug sich in Bewegung setzte, sangen die Protestierenden die französische Nationalhymne – aber mit neuem Text: "Zu den Waffen, Schüler." Es war ein martialischer Ruf, aber die Stimmung auf dem Platz war entschlossen, nicht aggressiv. Bisher war alles friedlich.
Aber Gewalt war geschehen. Bei früheren Protesten waren Feuerwerkskörper geflogen. Es gab Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Medien berichteten über die Gewalt. Die Politik redete über die Gewalt. Und das, sagte Esperanza, verfälschte das Bild. Ja, es gab Gewalt von einigen Jugendlichen. Aber das war ein verschwindend kleiner Teil der Hunderttausenden, die einfach nur gehört werden wollten. In den Nachrichten ging es um brennende Barrikaden, nicht um übervolle Klassenzimmer. Die Schüler wurden verspottet, nicht ernst genommen. Deswegen protestierten sie überhaupt – weil ihnen niemand zuhörte.
Für viele auf der Straße war es um mehr gegangen als um Schulen. Ein Demonstrant hielt ein Plakat hoch, auf dem er fragte, ob die Schüler die neuen Gelbwesten seien – ein Vergleich zu den großen sozialen Protesten der Jahre zuvor. Die Schulkrise war ein Symbol für etwas Größeres: eine allgemeine soziale Anspannung, die sich aufbaute. Esperanza wollte kämpfen, bis alle Forderungen erfüllt waren – oder zumindest so nah wie möglich daran. Was danach kam, war offen. Die Regierung hatte noch nicht geantwortet.
Citações Notáveis
Das sind keine Bedingungen, um zu lernen.— Khalil, Schüler aus Massy
Wir protestieren seit drei Jahren. Alles, was wir als Antwort bekommen, ist die Verachtung der Regierung und dass sie uns die Polizei schickt.— Toni Tremblay, Mathematiklehrer und Gewerkschaftsvertreter SNES-FSU