Über 560 Schulen waren von Unruhen betroffen, 400 Gymnasien geschlossen. Bei Ausschreitungen wurden mindestens 300 Sicherheitskräfte, 170 Jugendliche und 65 Schulangestellte verletzt. Schüler protestieren gegen jahrelange Unterfinanzierung und geplante Budgetkürzungen. Das Bildungsbudget soll 2027 nur um 1,7 Prozent steigen, unter der Inflationsrate.
Frankreichs Schülerproteste eskalieren – Minister verspricht Verbesserungen
Ihr werdet gehört, euch wird geglaubt und wir verstehen euch
Was treibt Schüler in Frankreich wirklich auf die Straße? Ist es nur das Geld?
Es geht um Unterfinanzierung, ja, aber auch um das tägliche Erleben von Mangel. 35 Schüler pro Klasse, nicht genug Stühle, Unterricht bis 20 Uhr. Das ist nicht abstrakt.
Aber wir sollten vorsichtig sein: Die Schülervertreter sagen, dass externe Personen für die Gewalt verantwortlich sind. Das ist eine Behauptung, keine bewiesene Tatsache.
Inwiefern unterscheiden sich die Schülervertreter von den Randalierer?
Sie distanzieren sich aktiv. Sie nennen die Gewalt "absolut widerlich" und rufen zur Verantwortung auf. Das ist nicht Heuchelei – das ist ein Versuch, die Bewegung zu schützen.
Richtig. Aber die Frage bleibt: Wer sind diese externen Personen? Sind es Anarchisten, Opportunisten, oder einfach frustrierte junge Menschen, die nicht zur Schülervertretung gehören?
Was hat der Minister konkret versprochen?
Weniger Unterrichtsausfälle in Abschlussklassen und bessere Stundenpläne. Aber die Schüler sagen, das sind keine konkreten Zusagen.
Das ist wichtig zu unterscheiden. Der Minister hat Absichten erklärt, aber keine Budgetgarantien gegeben. Die 1,7-Prozent-Steigerung für 2027 bleibt unter der Inflation.
Also wird es weitergehen?
Ja. Dienstag ist eine landesweite Demonstration geplant. Die Schüler sagen, sie werden protestieren, aber friedlich.
Das ist die Hoffnung. Aber ob die Bewegung kontrollierbar bleibt, wenn die Gewalt nicht aufhört – das ist offen.
Der Puls
- 560 Schulen von Unruhen betroffen, 400 Gymnasien geschlossen
- Mindestens 300 Sicherheitskräfte, 170 Jugendliche und 65 Schulangestellte verletzt
- Bildungsbudget 2027 soll nur um 1,7 Prozent steigen – unter der Inflationsrate
- Tausende Schüler festgenommen wegen Sachbeschädigung und tätlicher Angriffe
Über 560 Schulen waren von Unruhen betroffen, 400 Gymnasien geschlossen. Bei Ausschreitungen wurden mindestens 300 Sicherheitskräfte, 170 Jugendliche und 65 Schulangestellte verletzt. Schüler protestieren gegen jahrelange Unterfinanzierung und geplante Budgetkürzungen. Das Bildungsbudget soll 2027 nur um 1,7 Prozent steigen, unter der Inflationsrate.
Schülerproteste in Frankreich gegen Budgetkürzungen im Bildungssektor halten an. Bildungsminister verspricht Verbesserungen, doch Schülervertreter fordern konkretere Zusagen und planen weitere Demonstrationen.
Seit mehreren Tagen durchziehen Schülerproteste Frankreich. Was mit Forderungen nach besserer Schulfinanzierung begann, hat sich zu einer Bewegung entwickelt, die das Land spaltet – zwischen jungen Menschen, die um ihre Zukunft kämpfen, und einer Regierung, die zwischen Verständnis und Ordnung laviert.
Die Zahlen sind beeindruckend in ihrer Größe. An einem einzigen Tag waren etwa 560 Schulen von Unruhen betroffen. Vierhundert Gymnasien blieben geschlossen. In Paris brannten die Eingangsbereiche von zwei Schulgebäuden. Im Großraum der Hauptstadt kam es an 55 Schulen zu gewaltsamen Ausschreitungen. Lyon erlebte Böller und brennende Mülltonnen an zehn Schulen. Die Bilanz der Verletzten ist düster: mindestens 300 Sicherheitskräfte, 170 Jugendliche und 65 Schulangestellte wurden verletzt. Tausende junge Menschen wurden festgenommen, angeklagt wegen Sachbeschädigung und tätlicher Angriffe.
In Belfort im Osten Frankreichs wurde ein Polizist nach Behördenangaben brutal angegriffen. Innenminister Laurent Nuñez ordnete Ermittlungen wegen versuchter Tötung an. Diese Eskalation hat die Debatte verschärft. Justizminister Gérald Darmanin sprach von einer "aktiven und gewalttätigen Minderheit" und warnte, dass es sich nicht mehr nur um Protest handle, wenn Menschen Busse angreifen und Schulen anzünden. Er forderte, dass Eltern für Schäden aufkommen sollten, die ihre Kinder verursachen.
Doch die Schülervertreter distanzieren sich deutlich von dieser Gewalt. Nathanaël Combray von "Renouveau Lycéen" nannte die gewaltsamen Szenen "absolut widerlich" und rief die Gymnasiasten auf, sich verantwortungsvoll zu verhalten. Louis Letoublon von "Les Lycéens" behauptete, dass externe Personen, nicht Schüler selbst, für die Ausschreitungen verantwortlich seien. Die Botschaft war klar: Die legitimen Forderungen sollten nicht durch Randale delegitimiert werden.
Die Wurzel des Protests liegt in jahrelanger Unterfinanzierung. Eine 15-jährige Schülerin aus einem Pariser Vorort fasste es zusammen: "Wir sind 35 pro Klasse, wir haben nicht genug Stühle." Der Haushaltsentwurf für 2027 sieht nur eine Steigerung des Bildungsbudgets um 1,7 Prozent vor – unter der Inflationsrate. Schüler berichten von Unterricht bis 18 oder 20 Uhr, gefolgt von Hausaufgaben. Erkrankte Lehrer werden in Prüfungsfächern über Monate nicht vertreten, was besonders die Abschlussklassen trifft.
Bildungsminister Édouard Geffray traf sich mit Schülervertretern und versprach Verbesserungen. Er sagte: "Ihr werdet gehört, euch wird geglaubt und wir verstehen euch." Er kündigte an, dass weniger Unterricht in den Abschlussklassen ausfallen soll, und versprach bessere Stundenpläne. Doch die Schülervertreter bleiben skeptisch. Sie sagen, der Minister habe keine konkreten Zusagen gemacht. Für Dienstag haben sie zu einer großen, landesweiten Demonstration aufgerufen. Die Proteste werden weitergehen – aber, wie die Vertreter betonen, ohne Gewalt.
Bemerkenswerte Zitate
Es gibt Szenen der Gewalt, die absolut widerlich sind— Nathanaël Combray, Renouveau Lycéen
Wir sind 35 pro Klasse, wir haben nicht genug Stühle— 15-jährige Schülerin aus einem Pariser Vorort