Während ein Machtkampf um die FIFA-Präsidentschaft die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zieht, erinnert der Sportrechtler Antoine Duval daran, dass Institutionen nicht durch den Austausch von Personen geheilt werden, sondern durch die Erneuerung ihrer Grundstrukturen. Duval sieht in der Europäischen Union den einzigen Akteur mit genügend regulatorischer und wirtschaftlicher Kraft, um echten Wandel zu erzwingen. Seine Botschaft ist so alt wie die politische Philosophie selbst: Wer nur die Spieler wechselt, ohne die Spielregeln zu ändern, wird dasselbe Spiel erleben.
FIFA-Reform: Warum der Präsident weniger wichtig ist als die Strukturen
Die Struktur ist wichtiger als die Person
Warum sollte es uns interessieren, wie die FIFA strukturiert ist, wenn wir einfach einen anderen Präsidenten bekommen können?
Weil ein neuer Präsident unter den gleichen Bedingungen die gleichen Fehler machen kann. Die Struktur ist das System, das solche Fehler überhaupt erst ermöglicht.
Aber haben wir konkrete Beweise dafür, dass die Struktur das Problem ist und nicht Infantino persönlich?
Duval argumentiert, dass die Konzentration von Macht in der Hand des Präsidenten das Kernproblem ist. Das ist eine strukturelle Frage, nicht eine persönliche.
Und was kann die EU konkret tun?
Sie kann regulatorische Druck ausüben, Sanktionen androhen, Transparenzanforderungen stellen. Die EU hat wirtschaftliche Hebel, die andere nicht haben.
Aber wird die EU wirklich eingreifen? Das ist eine internationale Organisation, nicht europäisch.
Das ist genau der Punkt. Duval fordert die EU auf, diese Macht zu nutzen. Es ist nicht garantiert, dass sie es tut.
Und die UEFA? Was soll sie tun?
Duval schlägt vor, dass die UEFA konkrete Angebote machen könnte, um Infantino zum Rücktritt zu bewegen. Das könnte Anreize oder auch Konsequenzen bedeuten.
Das klingt nach Verhandlung hinter verschlossenen Türen. Ist das wirklich Reform?
Es ist ein Weg, um Bewegung zu schaffen. Echte strukturelle Reform braucht Zeit und Druck von außen.
Le Pouls
- Das Scheitern von Infantinos Plan, WM-Anteile an private Investoren zu verkaufen, hat einen offenen Machtkampf um die FIFA-Spitze entfacht.
- Duval warnt, dass der Fokus auf die Person des Präsidenten von der eigentlichen Krise ablenkt: einer Struktur, die Machtkonzentration begünstigt und Kontrolle aushöhlt.
- Die EU wird als einzige Institution benannt, die über die regulatorischen und wirtschaftlichen Hebel verfügt, um strukturelle Reformen tatsächlich durchzusetzen.
- Duval schlägt der UEFA konkrete Schritte vor, um Infantino zum Rücktritt zu bewegen – durch Anreize ebenso wie durch Konsequenzen.
- Ohne tiefgreifende Reformen bei Transparenz, Gewaltenteilung und Rechenschaftspflicht, so die Analyse, droht ein neuer Präsident dieselben Probleme zu reproduzieren.
Während ein Machtkampf um die FIFA-Präsidentschaft die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zieht, erinnert der Sportrechtler Antoine Duval daran, dass Institutionen nicht durch den Austausch von Personen geheilt werden, sondern durch die Erneuerung ihrer Grundstrukturen. Duval sieht in der Europäischen Union den einzigen Akteur mit genügend regulatorischer und wirtschaftlicher Kraft, um echten Wandel zu erzwingen. Seine Botschaft ist so alt wie die politische Philosophie selbst: Wer nur die Spieler wechselt, ohne die Spielregeln zu ändern, wird dasselbe Spiel erleben.
Antoine Duval verfolgt eine Frage, die im Lärm des FIFA-Machtkampfes kaum gehört wird: Nicht wer die Organisation führt, sondern wie sie gebaut ist. Nachdem Gianni Infantinos Vorhaben, WM-Anteile an private Investoren zu veräußern, gescheitert ist, dreht sich die Debatte fast ausschließlich um seine Nachfolge. Duval hält das für einen Irrtum.
Der Sportrechtler hat sich über Jahre mit den institutionellen Schwächen der FIFA beschäftigt und kommt zu einem klaren Befund: Die Probleme sind nicht das Werk einer einzelnen Person, sondern das Ergebnis von Strukturen, die Machtmissbrauch ermöglichen und Kontrolle systematisch unterlaufen. Ein Präsidentenwechsel unter diesen Bedingungen würde nichts Wesentliches verändern.
Als entscheidenden Hebel benennt Duval die Europäische Union. Nur sie verfüge über regulatorische Instrumente und wirtschaftliche Macht, die groß genug sind, um echten Reformdruck zu erzeugen. Ohne diesen externen Anstoß, so seine Einschätzung, werden die etablierten Kräfte innerhalb der FIFA jeden Wandel blockieren oder ins Leere laufen lassen.
Parallel dazu hat Duval der UEFA konkrete Vorschläge unterbreitet: Der mächtigste kontinentale Verband könnte Infantino durch eine Kombination aus Anreizen und Konsequenzen zum Rücktritt bewegen. Doch selbst das wäre nur ein erster Schritt. Was Duval letztlich fordert, ist die Einschreibung von Transparenz, Gewaltenteilung und echter Rechenschaftspflicht in die Grundstruktur der FIFA – eine langwierige, unspektakuläre Arbeit, die aber als einzige nachhaltig wirken kann.
Der Jurist Antoine Duval verfolgt seit Jahren ein Ziel, das vielen Beobachtern des internationalen Fußballs entgangen ist: Er interessiert sich weniger dafür, wer die FIFA führt, als dafür, wie die FIFA strukturiert ist. Diese Unterscheidung mag subtil wirken, aber sie ist fundamental. Nachdem Gianni Infantinos ehrgeiziger Plan gescheitert ist, Anteile der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen, hat sich ein intensiver Machtkampf um die FIFA-Präsidentschaft entzündet. Doch Duval argumentiert, dass dieser Fokus auf die Person des Präsidenten die eigentliche Frage verfehlt.
Duval, dessen Expertise in Sportrecht und Governance liegt, hat sich über Jahre hinweg mit den institutionellen Problemen der FIFA auseinandergesetzt. Sein Standpunkt ist klar: Solange die grundlegenden Strukturen der Organisation nicht reformiert werden, wird ein Präsidentenwechsel allein nichts ändern. Die Probleme, die unter Infantino entstanden sind oder sich verschärft haben, sind nicht das Produkt einer einzelnen Person, sondern das Ergebnis von Systemen, die Machtkonzentration ermöglichen und Rechenschaftspflicht schwächen.
Was Duval besonders wichtig ist, ist die Rolle der Europäischen Union in diesem Prozess. Er sieht die EU als den entscheidenden Akteur, der Druck auf die FIFA ausüben kann und muss. Die EU verfügt über regulatorische Instrumente und wirtschaftliche Hebel, die anderen Akteuren nicht zur Verfügung stehen. Duval fordert die EU auf, diese Macht zu nutzen, um strukturelle Veränderungen zu erzwingen. Ohne externen Druck dieser Größenordnung, so seine Analyse, werden die etablierten Kräfte innerhalb der FIFA Reformen blockieren oder verwässern.
Gleichzeitig hat Duval konkrete Vorschläge für die UEFA entwickelt. Der europäische Fußballverband könnte, so Duval, ein Angebot machen, das Infantino zum Rücktritt bewegt. Dies wäre nicht einfach eine Frage der Überzeugung, sondern der Schaffung von Anreizen und möglicherweise auch von Konsequenzen. Die UEFA, als mächtigster kontinentaler Verband, hat die Mittel, um Druck auszuüben, wenn sie denn willens ist.
Das Kernargument Duvals lautet: Die Welt des Fußballs wird sich nicht durch einen Präsidentenwechsel transformieren, wenn die Strukturen, die Machtmissbrauch ermöglichen, intakt bleiben. Ein neuer Präsident könnte unter denselben Bedingungen ähnliche Probleme reproduzieren. Deshalb müssen die Reformen tiefer gehen. Sie müssen Transparenz, Gewaltenteilung, unabhängige Kontrolle und echte Rechenschaftspflicht in die DNA der FIFA einschreiben.
Duvals Perspektive stellt eine Herausforderung dar für diejenigen, die glauben, dass ein Führungswechsel ausreicht. Sie fordert stattdessen eine schwierigere, langfristigere Arbeit: die Umgestaltung von Institutionen. Dies ist weniger dramatisch als ein Machtkampf um die Präsidentschaft, aber potenziell wirkungsvoller. Es geht darum, die Spielregeln zu ändern, nicht nur die Spieler auszutauschen.
Citations marquantes
Duval argumentiert, dass die Konzentration von Macht in der Hand des Präsidenten das Kernproblem der FIFA ist— Antoine Duval, Jurist und Governance-Experte