Drei Rhein-Main-Universitäten gewinnen Exzellenzwettbewerb; Gießen und Marburg scheitern in der Bewerbung. Frankfurts Unipräsident Schleiff stabilisiert seine Position durch den Erfolg trotz knapper Wahl im Februar.
Exzellenzuniversitäten: Verdient, aber unter Beobachtung
Klasse entsteht manchmal durch Masse – wer hat, bekommt mehr.
Warum ist dieser Exzellenztitel für diese Universitäten so wichtig gewesen?
Weil er Geld bringt – 155 Millionen Euro – aber auch, weil er Reputation schafft. Für einen Präsidenten wie Schleiff war es überlebenswichtig. Er war gerade mit knapper Not wiedergewählt worden.
Aber wie sicher ist das Gerücht über die Bedingung, die Professoren gestellt haben sollen? Das wurde dementiert.
Richtig, es wurde dementiert. Aber dass so ein Gerücht überhaupt entstehen konnte, zeigt, wie sehr die Karrieren von Unipräsidenten an solchen Erfolgen hängen.
Und die 155 Millionen – reichen die aus, um die Probleme zu lösen, die diese Universitäten haben?
Nein. Frankfurt muss sparen, es gibt Pläne für Fusionen von Fachbereichen. Das Geld hilft, aber es ist kein Wundermittel.
Und es gibt keine Garantie, dass das Geld auch wirklich in Forschung und Lehre fließt?
Genau. Das ist die offene Frage. Es könnte auch in Bürokratie verschwinden.
Also: verdient gewonnen, aber mit Vorsicht zu genießen?
Ja. Der Erfolg ist real, die Forschungskompetenz ist da. Aber die Kontrolle wird wichtig.
Und Gießen und Marburg – die hatten ohnehin keine echte Chance?
Sie galten als Außenseiter. Das war vorher schon klar.
Le Pouls
- Frankfurt, Darmstadt und Mainz erhalten Exzellenztitel und 155 Millionen Euro Förderung
- Gießen und Marburg scheitern in der Bewerbung
- Frankfurts Präsident Schleiff wurde im Februar mit knappster Mehrheit wiedergewählt
- Frankfurt muss sparen und plant Fusionen von Fachbereichen
Drei Rhein-Main-Universitäten gewinnen Exzellenzwettbewerb; Gießen und Marburg scheitern in der Bewerbung. Frankfurts Unipräsident Schleiff stabilisiert seine Position durch den Erfolg trotz knapper Wahl im Februar.
Frankfurt, Darmstadt und Mainz erhalten Exzellenzstatus und 155 Millionen Euro Förderung. Die FAZ würdigt den Erfolg als verdient, mahnt aber zur Kontrolle der Mittelverwendung.
Es war ein Tag, an dem Timon Gremmels, Hessens Wissenschaftsminister, endlich gute Nachrichten überbringen durfte. Nach Monaten, in denen er Sparmaßnahmen und Budgetkürzungen im Hochschulbereich verkünden musste, konnte der SPD-Politiker nun verkünden, dass die Universitäten Frankfurt und Darmstadt sowie die Universität Mainz den begehrten Exzellenztitel erhalten würden. Das Scheitern der Bewerbung von Gießen und Marburg, die ohnehin nur als Außenseiter galten, ließ sich in Wiesbaden verschmerzen.
Für Enrico Schleiff, den Präsidenten der Frankfurter Universität, kam dieser Erfolg zu einem kritischen Moment. Der Biologieprofessor war im Februar mit der knappestmöglichen Mehrheit durch den Senat bestätigt worden. Vor dieser Wahl war ein Gerücht entstanden, wonach eine Gruppe von Professoren ihre Unterstützung für Schleiff an die Bedingung geknüpft habe, dass er zurücktreten müsse, sollte die Bewerbung scheitern. Das Gerücht wurde dementiert, doch seine bloße Existenz offenbarte, wie eng die Reputation von Unipräsidenten mittlerweile mit Exzellenzerfolgen verwoben ist. Der Wettbewerbssieg stabilisierte Schleiffs Position erheblich.
Der Erfolg kommt auch deshalb gelegen, weil auf die Frankfurter Universität schwierige Entscheidungen zukommen. Der Hochschulpakt mit dem Land zwingt zu Sparmaßnahmen, und es wird über Zusammenlegungen von Fachbereichen nachgedacht. Die Millionenförderung aus dem Exzellenztopf wird helfen, aber sie wird nicht alle Finanzsorgen beseitigen. Und sie wird Frankfurt nicht in die Liga von Harvard heben, Darmstadt nicht zu Stanford machen und Mainz nicht zu Princeton. Die deutschen Universitäten werden finanziell und in ihrer internationalen Reputation auch künftig nicht auf dem Niveau amerikanischer Eliteuniversitäten konkurrieren.
Doch im deutschen Wettbewerb haben die drei Hochschulen ihren Platz verdient. Zusammen bringen sie erhebliche Forschungskompetenz mit sich. In den vergangenen Jahrzehnten wurde kräftig in die Modernisierung der Campus investiert, was vielen Orten attraktive Studienbedingungen schuf und auch talentierte Nachwuchsforscher aus dem Ausland anzog. Größe und Masse können tatsächlich zu Exzellenz führen: Wer bereits gut ausgestattet ist, gewinnt in Wettbewerben wie der Exzellenzstrategie noch mehr Mittel, und im besten Fall locken diese Ressourcen die besten Köpfe an.
Doch die Skepsis gegenüber dieser Form der Forschungsförderung bleibt berechtigt. Die zugesagten 155 Millionen Euro werden genau beobachtet werden müssen. Die zentrale Frage lautet: Werden diese Mittel tatsächlich Forschung und Lehre voranbringen, oder verschwinden sie in den administrativen Strukturen und Machtspielen zwischen Frankfurt, Mainz und Wiesbaden? Der Erfolg ist verdient, aber die Kontrolle der Mittelverwendung wird entscheidend sein.
Citations marquantes
Man wird genau hinschauen müssen, um zu sehen, ob die zugesagten 155 Millionen Euro wirklich Forschung und Lehre voranbringen – oder am Ende im akademischen Bermudadreieck von Frankfurt, Mainz und Wiesbaden mehr oder minder spurlos verschwinden.— Frankfurter Allgemeine Zeitung