Ex-BND-Präsident Hanning wegen Spionageverdachts festgenommen

Ein Schaden, der sich über Jahre hinweg auswirken könnte
Der Abfluss von Informationen könnte das Vertrauen befreundeter Nachrichtendienste in den BND erheblich beschädigen.
Mark

Wie ist man überhaupt auf diese Affäre gestoßen? Das klingt, als hätte man nicht gezielt nach Hanning gesucht.

Mimi

Genau. Die Ermittler sind durch einen völlig anderen Fall darauf gekommen — die Entführung der Kinder von Christina Block. Bei einer Durchsuchung von Hannings Haus im September 2025 fanden sie einen Datenträger mit geheimen Dokumenten. Das war der Anfang.

Luke

Aber wir sollten hier vorsichtig sein: Die Verbindung zwischen Hanning und dem Block-Fall ist unklar. Die Ermittler werfen ihm vor, an einem früheren Entführungsversuch beteiligt gewesen zu sein, aber Hanning bestreitet das. Das ist noch nicht geklärt.

Mark

Und dieser Manfred D., sein früherer Büroleiter — wie lange soll das gedauert haben?

Mimi

Nach den Recherchen von WDR, NDR und der Süddeutschen Zeitung soll D. Hanning bis mindestens 2022 gegen Geld geheime Unterlagen zugespielt haben. D. arbeitete bis zum Frühjahr 2026 beim BND, also hatte er Zugang zu aktuellen Informationen.

Luke

Das ist wichtig: D. war noch beim BND angestellt, während Hanning den Dienst bereits 2005 verlassen hatte. Das bedeutet, D. war die aktuelle Quelle, nicht Hanning selbst.

Mark

Was genau wurde weitergegeben? 2000 Dokumente — das ist eine riesige Menge.

Mimi

Darunter waren Briefings für die Nachrichtendienstlage im Kanzleramt, also Material, das die Spitzen der Sicherheitsbehörden untereinander austauschen. Sensible Informationen zu Iran und Russland. Und auch Erkenntnisse von befreundeten Nachrichtendiensten.

Luke

Aber hier müssen wir differenzieren: Wir wissen, dass es um diese Themen geht, aber die genaue Natur der Informationen ist nicht öffentlich gemacht worden. Das ist verständlich aus Sicherheitsgründen, aber es bedeutet auch, dass wir das Ausmaß des Schadens nicht wirklich beurteilen können.

Mark

Hanning soll diese Informationen an ausländische Dienste weitergegeben haben. Welche Länder sind da involviert?

Mimi

Das ist unklar. Die Ermittler sagen, dass Hanning in mindestens einem Fall eine Sicherheitsanalyse für einen ausländischen Nachrichtendienst erstellt hat, aber welcher Dienst das ist, wird nicht gesagt. Sie geben an, dass es nicht Russland ist.

Luke

Das ist ein großes Fragezeichen. Wir wissen also nicht, an wen die Informationen gingen. Das ist eine der zentralen offenen Fragen des Falls.

Mark

Wie schlecht ist das für den BND?

Mimi

Sehr schlecht. Wenn befreundete Dienste erfahren, dass ihre Informationen an Dritte weitergegeben wurden, könnte das das Vertrauen massiv beschädigen. Künftig könnten sie weniger bereit sein, sensible Informationen zu teilen. Und das ist bereits der zweite schwere Spionagefall beim BND in wenigen Jahren.

  • August Hanning, 80, ehemaliger BND-Präsident, am 6. Oktober 2026 in Nordwalde bei Münster verhaftet
  • Etwa 2000 geheime Dokumente sollen von Manfred D., Hannings früherer Büroleiter, weitergegeben worden sein
  • Dokumente enthielten Informationen zu Iran, Russland und Erkenntnissen ausländischer Partnerdienste
  • Hanning verließ den BND im November 2005, aber die jüngsten gefundenen Dokumente stammen aus Juni 2022

80-jähriger ehemaliger BND-Chef am frühen Morgen in Nordwalde bei Münster verhaftet; auch sein früherer Büroleiter in Bayern festgenommen. Rund 2000 geheime Dokumente sollen weitergegeben worden sein, darunter sensible Informationen zu Iran und Russland sowie Erkenntnisse ausländischer Partnerdienste.

Der ehemalige BND-Präsident August Hanning wurde festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, etwa 2000 geheime Dokumente beschafft und an ausländische Nachrichtendienste weitergegeben zu haben.

Am frühen Morgen des 6. Oktober 2026 klopften Beamte des Bundeskriminalamts an die Tür eines Hauses in Nordwalde bei Münster. Der Mann, den sie abholen kamen, war kein gewöhnlicher Verdächtiger: August Hanning, 80 Jahre alt, ehemaliger Präsident des Bundesnachrichtendienstes, wurde festgenommen. Die Vorwürfe gegen ihn wiegen schwer — landesverräterische Ausspähung, versuchter Landesverrat und geheimdienstliche Agententätigkeit. Parallel dazu verhafteten Behörden in Bayern einen weiteren Mann: Manfred D., Hannings früherer Büroleiter, der nun in Untersuchungshaft sitzt.

Die Geschichte dieser mutmaßlichen Affäre beginnt nicht mit Hanning selbst, sondern mit einem anderen Fall — der Entführung von Kindern der Steak-House-Erbin Christina Block. Im September 2025 durchsuchte das Hamburger Landeskriminalamt Hannings Haus und Büros im Zusammenhang mit diesem Verfahren. Bei dieser Durchsuchung stießen Ermittler auf etwas Unerwartetes: einen elektronischen Datenträger, der streng geheime BND-Dokumente aus jüngerer Zeit enthielt. Hanning hatte den Nachrichtendienst bereits im November 2005 verlassen — doch die Dokumente auf dem Datenträger stammten aus dem Juni 2022. Die Funde wurden an die Bundesbehörden weitergeleitet, und im Mai 2026 leitete die Bundesanwaltschaft verdeckte Ermittlungen ein.

Das Ausmaß der mutmaßlichen Weitergabe ist beträchtlich. Manfred D. soll Hanning über Jahre hinweg gegen Geld geheime Unterlagen zugespielt haben — insgesamt etwa 2000 Dokumente. Die Materialien stammten aus hochsensiblen Quellen: Briefings für die sogenannte Nachrichtendienstlage im Kanzleramt, wo sich die Spitzen der deutschen Sicherheitsbehörden regelmäßig austauschen. Darunter befanden sich Informationen zum iranischen Atomprogramm und zur russischen Armee. Besonders brisant ist, dass auch Erkenntnisse ausländischer Partnerdienste in diesem Material waren — Informationen, die diese Länder dem BND in Vertrauen weitergegeben hatten.

Die Ermittler werfen Hanning vor, diese Informationen nicht nur gesammelt zu haben, sondern sie aktiv an ausländische Akteure weitergegeben zu haben. In mindestens einem Fall soll er auf Grundlage der gestohlenen Unterlagen eine Sicherheitsanalyse für einen ausländischen Nachrichtendienst erstellt haben. Welcher Dienst das war, ist nicht bekannt — die Ermittler geben an, dass es sich nicht um Russland handelt. In einem weiteren Fall soll Hanning Erkenntnisse aus internen BND-Dokumenten in der Kommunikation mit einem ausländischen Agenten verwendet haben. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe erließ Haftbefehl gegen ihn wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung.

Hannings Karriere war lange Zeit eine der einflussreichsten in der deutschen Sicherheitsarchitektur. Der Jurist übernahm 1998 die Leitung des BND und führte den Dienst bis Ende 2005. Danach wechselte er als Staatssekretär ins Bundesinnenministerium, wurde aber vier Jahre später in den einstweiligen Ruhestand versetzt. In den Jahren danach arbeitete er als Unternehmer und Sicherheitsberater — eine Position, die ihm möglicherweise Zugang zu Kontakten in der Geheimdienstszene verschaffte.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte dieser Fall historische Dimensionen annehmen. Noch nie richtete sich in der Bundesrepublik ein vergleichbarer Landesverratsverdacht gegen einen ehemaligen Spitzenbeamten dieses Ranges. Für den BND selbst ist dies bereits der zweite schwere Spionagefall innerhalb weniger Jahre. Ein ehemaliger BND-Referatsleiter muss sich derzeit vor dem Berliner Kammergericht verantworten, weil er 2022 gemeinsam mit einem weiteren Beschuldigten für Russland spioniert haben soll. Der Abfluss von Informationen an ausländische Dienste könnte das Vertrauen befreundeter Nachrichtendienste in den BND erheblich beschädigen und dazu führen, dass künftig weniger sensible Informationen geteilt werden — ein Schaden, der sich über Jahre hinweg auswirken könnte.

Noch nie richtete sich in der Bundesrepublik ein vergleichbarer Landesverratsverdacht gegen einen ehemaligen Spitzenbeamten dieses Ranges
— Ermittlungsbericht
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