Irland, Niederlande, Spanien, Island und Slowenien boykottierten 2026 wegen des Gaza-Kriegs; die Zuschauerzahl fiel von 166 auf 131 Millionen. Die EBU führte neue Regeln ein, um politische Spannungen zu begrenzen und das Abstimmungssystem zu reformieren.
Eurovision trotz Boykotten auf Expansionskurs – Irland verzichtet erneut
Je schwieriger die Welt wird, desto wichtiger werden diese Shows
Warum ist ein Rückgang von 35 Millionen Zuschauern für einen Wettbewerb dieser Größe so bedeutsam?
Weil er zeigt, dass die Boykotte nicht nur symbolisch waren. Menschen haben tatsächlich nicht zugeschaut. Das ist ein direkter Verlust von Reichweite und Glaubwürdigkeit.
Aber wir sollten vorsichtig sein: Sind die 35 Millionen wirklich nur auf die Boykotte zurückzuführen? Es gibt andere Faktoren – Streaming-Gewohnheiten, Konkurrenz durch andere Events. Die Quelle sagt nicht, wie viel des Rückgangs direkt politisch motiviert war.
Die EBU führt neue Regeln ein. Ist das eine echte Lösung oder nur Schadensbegrenzung?
Es ist beides. Die Regel, dass ein Land nicht ausrichten kann, wenn es in einen Konflikt verwickelt ist, ist eine echte Strukturveränderung. Aber die Abstimmungsreformen – online statt Telefon, drei statt ein Beitrag – das sind eher technische Anpassungen.
Und wir wissen nicht, ob diese Maßnahmen tatsächlich funktionieren werden. Das sind Pläne, keine bewährten Lösungen. Die Abstimmungsreform könnte neue Probleme schaffen, die wir noch nicht sehen.
Kanada gibt 150 Millionen Dollar aus, um teilzunehmen. Das ist eine enorme Investition für ein Musikevent.
Es ist nicht nur für das Event. Es ist Teil einer diplomatischen Strategie. Mark Carney will Kanadas Beziehungen zu Europa vertiefen. Der Eurovision ist das Vehikel dafür.
Aber die Quelle sagt nicht, wie diese 150 Millionen Dollar verwendet werden – sind das Produktionskosten, Marketing, oder etwas anderes? Und es ist unklar, ob diese Investition sich für Kanada auszahlen wird.
Irland boykottiert erneut 2027, obwohl die Regeln geändert wurden. Bedeutet das, dass die Reformen nicht funktionieren?
Nicht unbedingt. Irland könnte aus Prinzip boykottieren, unabhängig von den Regeln. Die Reformen adressieren das Problem nicht direkt – sie versuchen, zukünftige Konflikte zu vermeiden.
Genau. Wir wissen nicht, warum Irland erneut boykottiert. Die Quelle sagt nur, dass es bestätigt wurde, aber nicht, ob es an der fehlenden Regeländerung liegt oder an der fortdauernden Situation im Gaza. Das ist ein wichtiger Unterschied.
El Pulso
- Fünf Länder boykottierten 2026: Niederlande, Spanien, Island, Slowenien, Irland
- Zuschauerzahlen sanken von 166 Millionen (2025) auf 131 Millionen (2026)
- Bulgarien richtet 2027 in Burgas aus; Kanada tritt dem Wettbewerb bei
- Eurovision Song Contest Asia findet im November in Bangkok statt
Irland, Niederlande, Spanien, Island und Slowenien boykottierten 2026 wegen des Gaza-Kriegs; die Zuschauerzahl fiel von 166 auf 131 Millionen. Die EBU führte neue Regeln ein, um politische Spannungen zu begrenzen und das Abstimmungssystem zu reformieren.
Der Eurovision Song Contest 2026 wurde von politischen Boykotten wegen Israels Teilnahme überschattet, die Zuschauerzahlen sanken deutlich. Dennoch expandiert der Wettbewerb mit neuen Regionen und Ländern wie Kanada.
Der Eurovision Song Contest steht in einem Widerspruch, der die gegenwärtige Lage des Wettbewerbs perfekt abbildet: Während die Organisatoren von Expansion sprechen und neue Märkte erschließen, verlor die Ausgabe 2026 etwa 35 Millionen Zuschauer gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen fielen von 166 Millionen auf 131 Millionen – ein Rückgang, der direkt auf politische Boykotte zurückzuführen ist, die das Turnier in diesem Jahr überschatteten.
Fünf Länder verweigerten ihre Teilnahme: die Niederlande, Spanien, Island, Slowenien und Irland. Alle begründeten ihren Rückzug mit Israels Präsenz beim Wettbewerb während des andauernden Kriegs im Gazastreifen. Für die Organisatoren war dies ein erheblicher Schlag – nicht nur symbolisch, sondern auch finanziell. Der spanische Sender RTVE gehört zu den sogenannten "Big Five", jenen Ländern, die einen wesentlichen Teil der Finanzierung des Wettbewerbs tragen. Sein Ausfall bedeutete eine konkrete Einnahmeverlust.
Doch die Reaktion der Europäischen Rundfunkunion (EBU) war nicht, sich zurückzuziehen, sondern zu reformieren. Im August führte die Organisation eine neue Regel ein: Künftig wird der Sieger-Sender automatisch von der Ausrichtung ausgeschlossen, wenn ein bewaffneter Konflikt oder eine geopolitische Krise die Sicherheit oder Stabilität seines Landes erheblich beeinträchtigt. Diese Regel hätte 2023 bereits greifen können – damals richtete Großbritannien den Wettbewerb stellvertretend für die Ukraine aus, die ihn im Vorjahr gewonnen hatte, aber nicht selbst ausrichten konnte. Jetzt ist sie festgeschrieben.
Zugleich kündigte die EBU Änderungen am Abstimmungssystem an. Bislang konnten Zuschauer bis zu zehn Stimmen für ihren Favoriten abgeben – per Telefon, SMS oder online. 2025 hatte dies zu Problemen geführt, als die israelische Regierung eine Kampagne startete, die Bürger zum mehrfachen Abstimmen für den israelischen Beitrag aufforderte. Künftig soll die Abstimmung ausschließlich online erfolgen, und statt eines Beitrags sollen drei ausgewählt werden. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, politisch motivierte Stimmabgaben einzudämmen.
Trotz dieser Turbulenzen – oder vielleicht gerade deshalb – verfolgt die EBU eine Expansionsstrategie. Im November findet der erste "Eurovision Song Contest Asia" in Bangkok statt, mit elf teilnehmenden Ländern und bereits geplanten Erweiterungen für die kommenden Jahre. Ein Ableger für Lateinamerika wird seit Jahren diskutiert, ist aber noch nicht realisiert. Martin Green, der Direktor des Eurovision Song Contest, sagte der Deutschen Welle: "Je schwieriger die Welt um uns herum wird, desto wichtiger werden diese Shows als Zeichen der Einheit und des Zusammenhalts."
Eine weitere Expansion ist Kanadas Beitritt zum Wettbewerb, bekannt gegeben im Juli. Das Land ist nicht das erste außereuropäische Mitglied – Israel nimmt seit 1973 teil, Australien seit 2015 – aber es ist ein symbolisch wichtiger Schritt. Die kanadische Regierung unter Premierminister Mark Carney hat 150 Millionen kanadische Dollar (etwa 93 Millionen Euro) für die Teilnahme bereitgestellt, als Teil einer Strategie zur Vertiefung der kulturellen und diplomatischen Beziehungen zu Europa. Jennifer Dettman, Kanadas Delegationsleiterin, sagte: "Dies ist das größte Musikevent der Welt. Es bietet unseren Künstlerinnen und Künstlern die Chance, sich auf einer globalen Bühne zu präsentieren."
Für 2027 wird Bulgarien Gastgeber sein. Die bulgarische Sängerin Dara gewann 2026 mit dem Song "Bangaranga" in Wien. Der Wettbewerb findet in Burgas am Schwarzen Meer statt – zum ersten Mal richtet Bulgarien ein Ereignis dieser Größenordnung aus. Milena Milotinova, Generaldirektorin des bulgarischen öffentlich-rechtlichen Senders BNT, sagte der DW, dass die Menschen in der Stadt mit spontanen Musik- und Tanzaktionen gefeiert hätten. "Es gibt keine freien Tage", sagte sie über die laufenden Vorbereitungen. "Wir hoffen, alles rechtzeitig fertigzustellen und eine spektakuläre Eurovision-Show von Weltklasse auf die Beine zu stellen."
Doch nicht alle Länder, die 2026 boykottierten, haben ihre Rückkehr bestätigt. Irland hat bereits angekündigt, auch 2027 nicht teilzunehmen. Die Niederlande werden zurückkehren – allerdings nicht freiwillig: Der Sender Avrotros wollte fernbleiben, doch die Dachorganisation NPO entschied, das Land 2027 wieder anzumelden. Spanien, Island und Slowenien haben sich noch nicht endgültig geäußert. Der Eurovision Song Contest expandiert also, während er gleichzeitig mit den Folgen seiner eigenen Politisierung ringt.
Citas Notables
Je schwieriger die Welt um uns herum wird, desto wichtiger werden diese Shows als Zeichen der Einheit und des Zusammenhalts.— Martin Green, Eurovision-Direktor
Dies ist das größte Musikevent der Welt. Es bietet unseren Künstlerinnen und Künstlern die Chance, sich auf einer globalen Bühne zu präsentieren.— Jennifer Dettman, Kanadas Delegationsleiterin für den Eurovision Song Contest