Im September 2026 ist die Inflationsrate im Euroraum auf 3,8 Prozent gestiegen – den höchsten Stand seit drei Jahren –, angetrieben von Energiepreisen, die im Schatten des Iran-Krieges um fast ein Fünftel zugelegt haben. Was auf den ersten Blick wie eine externe Erschütterung wirkt, trägt in sich das Potenzial einer tieferen Verwundung: Wenn Unternehmen steigende Kosten weitergeben und Arbeitnehmer höhere Löhne fordern, kann sich Inflation verselbstständigen, lange nachdem der ursprüngliche Schock verblasst ist. Die Europäische Zentralbank steht damit vor der alten Frage aller Währungshüter –
Euroraum-Inflation überraschend auf 3,8 Prozent gestiegen
Unternehmen geben höhere Energiekosten an ihre Kunden weiter
Warum überrascht diese Inflationszahl so sehr? 3,8 Prozent klingt nicht dramatisch.
Weil es deutlich über den Erwartungen lag – Analysten hatten 3,6 Prozent prognostiziert. Und es ist der höchste Wert seit drei Jahren. Das signalisiert eine Beschleunigung, nicht nur ein stabiler Zustand.
Aber die Kernrate ist mit 2,5 Prozent noch relativ niedrig. Wie viel von dieser 3,8 Prozent ist wirklich strukturelle Inflation, und wie viel ist nur der Ölpreisschock?
Das ist genau die Frage, die die EZB plagt. Die Kernrate zeigt, dass die breite Wirtschaft noch nicht vollständig durchdrungen ist. Aber Ökonomen wie Krämer sehen Anzeichen, dass Unternehmen die höheren Energiekosten weitergeben.
Was bedeutet das konkret für einen Verbraucher?
Wenn Unternehmen ihre Energiekosten auf Dienstleistungen und Produkte umlegen, steigen die Preise überall. Und wenn Arbeitnehmer dann höhere Löhne fordern, weil alles teurer wird, entsteht eine Spirale, die schwer zu stoppen ist.
Aber das ist noch nicht passiert, richtig? Das ist eine Warnung, keine Realität.
Genau. Deshalb sagt Schnabel, die EZB kann nicht warten, bis es passiert. Sie muss präventiv handeln.
Und das bedeutet Zinserhöhungen?
Ja. Die EZB hat bereits zweimal erhöht und dürfte bis Jahresende erneut erhöhen müssen.
Wobei unklar ist, ob höhere Zinsen die Energiepreise senken. Das ist ein globales Marktproblem, keine Geldpolitik-Frage.
Richtig. Aber höhere Zinsen können die Nachfrage bremsen und damit indirekt auf die Preise wirken. Es ist ein stumpfes Werkzeug für ein spitzes Problem.
O Pulso
- Die Inflationsrate im Euroraum übertraf im September mit 3,8 Prozent die Erwartungen der Analysten deutlich und markiert den höchsten Stand seit September 2023.
- Energiepreise explodierten um 18,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein direktes Echo des Iran-Krieges, der die globalen Ölmärkte in Aufruhr versetzt.
- Unternehmen geben die gestiegenen Energiekosten zunehmend an Verbraucher weiter, was Dienstleistungen, Lebensmittel und Industriegüter gleichermaßen verteuert.
- Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel kletterte auf 2,5 Prozent – ein Signal, dass sich die Inflation in der Breite der Wirtschaft festzusetzen beginnt.
- Die EZB, die den Leitzins bereits zweimal in diesem Jahr angehoben hat, steht unter wachsendem Druck, noch vor Jahresende erneut zu handeln, um eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern.
Im September 2026 ist die Inflationsrate im Euroraum auf 3,8 Prozent gestiegen – den höchsten Stand seit drei Jahren –, angetrieben von Energiepreisen, die im Schatten des Iran-Krieges um fast ein Fünftel zugelegt haben. Was auf den ersten Blick wie eine externe Erschütterung wirkt, trägt in sich das Potenzial einer tieferen Verwundung: Wenn Unternehmen steigende Kosten weitergeben und Arbeitnehmer höhere Löhne fordern, kann sich Inflation verselbstständigen, lange nachdem der ursprüngliche Schock verblasst ist. Die Europäische Zentralbank steht damit vor der alten Frage aller Währungshüter – wann Abwarten zur Fahrlässigkeit wird.
Die Inflationsrate im Euroraum ist im September unerwartet auf 3,8 Prozent gesprungen – der höchste Wert seit September 2023 und deutlich über den von Analysten erwarteten 3,6 Prozent. Gegenüber August, als die Rate noch bei 3,2 Prozent lag, ist der Anstieg damit schärfer ausgefallen als prognostiziert. Der Haupttreiber ist eindeutig: Energie verteuerte sich um 18,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nach 14,3 Prozent im August – ein Anstieg, der unmittelbar mit dem Iran-Krieg und dem dadurch ausgelösten Druck auf die globalen Ölmärkte zusammenhängt.
Doch die eigentliche Sorge reicht tiefer als die Energierechnung. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer beobachtet, dass Unternehmen die höheren Energiekosten zunehmend an ihre Kunden weitergeben. Dienstleistungen wurden um 3,2 Prozent teurer, Lebensmittel, Alkohol und Tabak stiegen um 1,4 Prozent. Auch in Deutschland, wo Rekordspritpreise die Inflation auf 3,3 Prozent trieben, zeigt sich dasselbe Muster. Die Kernrate – das für die EZB entscheidende Maß, das volatile Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert – stieg auf 2,5 Prozent.
Genau hier liegt das Kernproblem: Wenn hohe Energiepreise dauerhaft Löhne und Preise antreiben, kann sich Inflation in der Wirtschaft festsetzen, selbst wenn die Energiepreise später wieder sinken. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hat betont, dass die Zentralbank nicht warten kann, bis solche Zweitrundeneffekte eingetreten sind. Die EZB hat den Leitzins bereits im Juni und September auf 2,5 Prozent angehoben. Angesichts der September-Daten rechnen Finanzmärkte mit einer weiteren Erhöhung noch vor Jahresende – der Spielraum zum Abwarten wird kleiner.
Die Inflationsrate im Euroraum ist im September unerwartet stark gestiegen. Mit 3,8 Prozent hat sie den höchsten Stand seit September 2023 erreicht – ein Anstieg, der Analysten überrascht hat. Experten, die von Reuters befragt wurden, hatten nur mit 3,6 Prozent gerechnet. Der Sprung vom August, als die Rate noch bei 3,2 Prozent lag, fiel damit deutlicher aus als prognostiziert. Hinter dieser Entwicklung steht eine klare Ursache: die Energiepreise sind in die Höhe geschossen.
Energie ist der Haupttreiber dieser Inflationswelle. Im September verteuerte sich Energie um 18,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – im August waren es noch 14,3 Prozent gewesen. Diese Sprünge sind direkt mit dem Iran-Krieg verbunden, der die globalen Ölmärkte unter Druck setzt. Doch es geht nicht nur um die reinen Energiekosten für Verbraucher. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, beobachtet ein besorgniserregendes Muster: Unternehmen beginnen, diese höheren Energiekosten an ihre Kunden weiterzugeben. In den letzten drei Monaten sind die Verbraucherpreise ohne Energie und Nahrungsmittel auf das Jahr hochgerechnet bereits um schätzungsweise drei Prozent gestiegen.
Diese Weitergabe zeigt sich auch in anderen Kategorien. Dienstleistungen wurden um 3,2 Prozent teurer, ein Anstieg gegenüber 3,0 Prozent im August. Lebensmittel, Alkohol und Tabak stiegen um 1,4 Prozent, 0,3 Prozentpunkte mehr als im Vormonat. Deutschland, wo bereits Mitte der Woche Daten veröffentlicht wurden, zeigt ein ähnliches Bild: Rekordhohe Spritpreise trieben die Inflation dort auf 3,3 Prozent, den höchsten Stand seit Ende 2023.
Für die Europäische Zentralbank wird die Situation damit kritischer. Das Kernproblem ist nicht die Inflation selbst, sondern die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Spirale. Wenn Energiepreise dauerhaft hoch bleiben, könnten Arbeitnehmer höhere Lohnforderungen stellen, Unternehmen würden diese Lohnkosten weitergeben, und plötzlich hätte sich die Inflation in der Wirtschaft festgesetzt – unabhängig davon, ob die Energiepreise später wieder fallen. Isabel Schnabel, Direktorin der EZB, hat deshalb betont, dass man nicht abwarten kann, bis solche Effekte tatsächlich eintreten. Die Zentralbank muss jetzt beurteilen, wie Schocks wie dieser Ölpreisanstieg die zugrunde liegende Inflation beeinflussen, und ihre Geldpolitik entsprechend ausrichten.
Die sogenannte Kernrate – also die Inflationsrate ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise – ist im September auf 2,5 Prozent gestiegen, nach 2,4 Prozent im August. Diese Rate ist für die EZB das wichtigere Signal, denn sie zeigt, ob sich die Inflation in der breiten Wirtschaft verfestigt. Zwar liegt sie noch relativ moderat, doch Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Bethmann Hal, sieht in der aktuellen Entwicklung ein starkes Argument für weitere Zinserhöhungen. Die Gefahr von Zweitrundeneffekten – also dieser Lohn-Preis-Spirale – sei groß.
Die EZB hat bereits reagiert. Sie erhöhte den Leitzins im Juni und erneut im September auf aktuell 2,5 Prozent, um auf den Inflationsschub zu reagieren. Aus Sicht der Finanzmärkte dürfte die Zentralbank bis zum Jahresende mit einer weiteren Zinserhöhung rechnen müssen. Die Daten vom September geben ihr wenig Spielraum, abzuwarten.
Citações Notáveis
In den letzten drei Monaten sind die Verbraucherpreise ohne Energie und Nahrungsmittel auf Jahresrate hochgerechnet bereits um schätzungsweise drei Prozent gestiegen.— Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank
Die aktuelle Inflationsentwicklung ist Wasser auf die Mühlen der EZB, um die Leitzinsen weiter zu erhöhen. Die Gefahr von Zweitrundeneffekten ist groß.— Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Bethmann Hal