EU-Handelskommissar vor China-Besuch unter Druck: Defizit von über einer Milliarde Euro täglich

Überall sehen wir starke, wettbewerbsfähige Produkte aus China zu sehr günstigen Preisen
Ein Industrievertreter beschreibt das Kernproblem: Chinesische Produkte sind qualitativ hochwertig und dabei extrem preiswert.
Mark

Warum ist dieses Handelsdefizit von über einer Milliarde Euro täglich so wichtig? Das klingt nach einer abstrakten Zahl.

Mimi

Weil dahinter echte Arbeitsplätze stecken. Deutschland hat etwa 400.000 Jobs durch chinesische Exporte verloren. Das sind Menschen, die ihre Arbeit nicht mehr haben.

Luke

Aber Moment — diese 400.000 Jobs: Sind das Jobs, die direkt durch chinesische Konkurrenz verloren gingen, oder ist das eine Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft? Wie sicher ist diese Zahl?

Mimi

Das ist eine Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft für den Zeitraum 2019 bis 2025. Es ist nicht so, dass jeder dieser Jobs direkt durch einen chinesischen Konkurrenten verloren ging, sondern dass das Institut diesen Effekt auf die Gesamtzahl zurückführt.

Mark

Und warum fordern Merz und Macron jetzt neue Instrumente statt die bestehenden zu nutzen?

Mimi

Weil die bestehenden Instrumente offenbar nicht ausreichen. Sie haben bereits Zölle auf Stahl und Elektroautos eingeführt, aber das Defizit wächst weiter. Sie wollen mehr Kontrolle über ihre Lieferketten und die Möglichkeit, Länder vom Markt auszuschließen.

Luke

Aber funktionieren Zölle überhaupt? Wenn die EU Zölle auf chinesische Autos erhöht, werden die Autos teurer für europäische Verbraucher. Das ist ein Preis, den jemand zahlt.

Mimi

Ja, das ist der Punkt. Es geht um eine Abwägung: Entweder man akzeptiert, dass chinesische Produkte europäische Märkte dominieren, oder man schützt europäische Industrien und Arbeitsplätze — mit Kosten für Verbraucher.

Mark

Was erwartet die EU von Sefcovic in Peking?

Mimi

Dass China freiwillig weniger exportiert — vor allem Hybridautos und bestimmte Chemikalien. Die EU hofft auf Verhandlungen statt auf Eskalation.

Luke

Aber warum sollte China das tun? China braucht diese Exporte für sein Wirtschaftswachstum. Was kann Sefcovic China anbieten, das attraktiv genug ist?

Mimi

Das ist die große Frage. Lange sagt, China sei verhandlungsbereit, weil es auf den europäischen Markt angewiesen ist. Aber ob das reicht, um echte Reduktionen zu erreichen, ist offen.

Mark

Und wenn die Verhandlungen scheitern?

Mimi

Dann wird es wahrscheinlich mehr Zölle und Schutzmaßnahmen geben. Der EU-Gipfel am 15. und 16. Oktober wird das Thema erneut aufgreifen.

  • Handelsdefizit EU-China: über eine Milliarde Euro täglich
  • Deutschland verlor etwa 400.000 Arbeitsplätze durch chinesische Exporte (2019-2025)
  • Fast 60 Prozent der Marktanteilsgewinne chinesischer Unternehmen gehen auf Subventionen zurück (OECD, 2005-2023)
  • Fast die Hälfte der EU-Importe von Seltenen Erden kommt aus China

Das Handelsdefizit zwischen EU und China wächst auf über eine Milliarde Euro täglich; Deutschland verlor durch chinesische Exporte etwa 400.000 Jobs seit 2019. Berlin und Paris fordern Diversifizierungs- und Ausschlussinstrumente, um Abhängigkeit von China zu reduzieren und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.

Vor dem Besuch des EU-Handelskommissars in Peking fordern Deutschland und Frankreich neue Schutzinstrumente gegen chinesische Exporte. Das EU-Handelsdefizit mit China beträgt täglich über eine Milliarde Euro.

Die Europäische Union steht vor einer Handelsrechnung, die täglich über eine Milliarde Euro in die falsche Richtung fließt. Kurz bevor EU-Handelskommissar Maros Sefcovic nach Peking reist, haben die Regierungen in Berlin und Paris der Brüsseler Kommission ein Schreiben geschickt, in dem sie neue Instrumente fordern, um die wachsende Abhängigkeit von chinesischen Importen zu bremsen. Die Erwartungen an diesen Besuch sind entsprechend hoch — vielleicht sogar höher als das Defizit selbst.

Das Ausmaß des Problems ist konkret. Im vergangenen Jahr lag das durchschnittliche tägliche Handelsdefizit zwischen der EU und China bei über einer Milliarde Euro. China war gleichzeitig Deutschlands wichtigster Handelspartner, doch dieser Handel läuft stark einseitig: Europäische Unternehmen verkaufen deutlich weniger nach China, als chinesische Produkte in Europa ankommen. Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt, dass zwischen 2019 und 2025 etwa 400.000 Arbeitsplätze in Deutschland durch den Anstieg chinesischer Exporte weggefallen sind. Diese Zahl erklärt, warum Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Emmanuel Macron jetzt handeln wollen.

In ihrem Brief an die EU-Kommission fordern die beiden Regierungschefs zwei konkrete neue Instrumente. Das erste soll Unternehmen helfen, sich nicht vollständig auf einzelne Lieferanten zu verlassen — ein Diversifizierungsinstrument, das besonders bei kritischen Rohstoffen relevant ist. Fast die Hälfte der europäischen Importe von Seltenen Erden kommt aus China. Das zweite Instrument würde es der EU ermöglichen, große Handelspartner vom europäischen Binnenmarkt auszuschließen, sollten sie versuchen, faire Wettbewerbsbedingungen durch politische oder systematische Verzerrungen zu untergraben. China wird in dem Brief nicht explizit genannt, aber die Adresse ist unmissverständlich.

Was treibt diese chinesische Wettbewerbsfähigkeit an? Wolfgang Niedermark von der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie beobachtet das gleiche Muster überall: in der Automobilindustrie, im Maschinenbau, in der Chemie und der Elektroindustrie. Starke, hochwertige chinesische Produkte strömen zu sehr günstigen Preisen in europäische Märkte. Das liegt teilweise an der Leistungsfähigkeit der chinesischen Industrie, aber auch an Währungsungleichgewichten und massiven staatlichen Subventionen. Nach Angaben der OECD lassen sich zwischen 2005 und 2023 fast 60 Prozent der Marktanteilsgewinne chinesischer Unternehmen auf Subventionen zurückführen.

Die EU hat bereits in einigen Bereichen reagiert. Seit dem Sommer gelten neue Schutzmaßnahmen für den Stahlsektor: Die Menge an Stahl, die zollfrei importiert werden darf, wurde deutlich reduziert, und Zölle auf Importe oberhalb dieser Grenze wurden erhöht. In der Automobilindustrie fallen Ausgleichszölle auf stark subventionierte chinesische Elektroautos an, und diese könnten auf Hybridautos ausgeweitet werden. Bernd Lange, Vorsitzender des Ausschusses für internationalen Handel im EU-Parlament, sagt, die EU habe einen großen Werkzeugkasten — manchmal brauche es nur noch etwas Feinabstimmung.

Für Sefcovic wird dieser Besuch in Peking kein einfacher Auftrag. Er hat bereits versprochen, für jeden Arbeitsplatz, jeden Betrieb, jedes Unternehmen und jede Fabrik zu kämpfen. Die EU hofft, dass China Exporte freiwillig reduziert — etwa bei Hybridautos und bestimmten Chemikalien. Lange sieht darin eine Chance: Die Chinesen seien auf den Export nach Europa angewiesen und daher bis zu einem gewissen Punkt verhandlungsbereit. Mikko Huotari vom Mercator Institute for China Studies hält Sefcovic für einen gewitzten Verhandler, der aber auch die Möglichkeit braucht, sich ergebnislos aus Peking zurückzuziehen.

Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Am 15. und 16. Oktober wird die Handelsbeziehung zu China beim nächsten EU-Gipfel erneut Thema sein. Offiziell steht das Wort China noch nicht auf der Agenda — genau wie im Brief von Merz und Macron. Aber alle wissen, worum es geht.

Wir werden bis zum Äußersten für jeden Arbeitsplatz, für jeden Betrieb, für jedes Unternehmen, für jede Fabrik kämpfen
— EU-Handelskommissar Maros Sefcovic
China wird mehr und mehr ein systemischer Rivale
— Engin Eroglu, Vorsitzender der Delegation für die Beziehungen zur Volksrepublik China im EU-Parlament
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