Ehemaliger BND-Chef Hanning wegen Spionageverdacht festgenommen

Ein ehemaliger BND-Chef verkauft Geheimnisse – das erschüttert das Vertrauen in den Staat selbst.
Die Festnahme Hannings wirft Fragen über die Sicherheit innerhalb der deutschen Geheimdienste auf.
Mark

Warum ist die Festnahme eines früheren BND-Chefs so bedeutsam? Das ist doch nur ein Verdacht.

Mimi

Weil Hanning nicht irgendein Beamter war. Er leitete den gesamten Auslandsgeheimdienst von 1998 bis 2005 und hatte danach noch Zugang zu hochsensiblen Informationen. Wenn sich der Vorwurf bestätigt, dass er fast 2000 Dokumente weitergegeben hat, wäre das ein Vertrauensbruch historischen Ausmaßes.

Luke

Aber wir sollten präzise sein: Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, die Dokumente an seinen früheren Büroleiter gegeben zu haben, nicht direkt an ausländische Dienste. Der Büroleiter soll sie dann weitergegeben haben.

Mark

Und wie lange ging das?

Mimi

Der Büroleiter hatte von März 2012 bis März 2026 Zugang zu Geheiminformationen – also über 14 Jahre. Die jüngsten gefundenen Dokumente stammen aus Juni 2022.

Luke

Das ist wichtig: Wir wissen, dass Dokumente gefunden wurden, aber nicht, wie viele tatsächlich an ausländische Dienste gelangten. Die Ermittler sprechen von einer Analyse für einen weiteren Geheimdienst, bei der unklar ist, ob sie ihn überhaupt erreichte.

Mark

Welcher ausländische Geheimdienst war beteiligt?

Mimi

Das ist noch ungeklärt. Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung soll es sich nicht um Russland handeln, aber mehr weiß man nicht.

Luke

Das ist ein großes Loch in der Geschichte. Ohne zu wissen, welche Macht dahintersteckt, können wir die Auswirkungen nicht wirklich einschätzen.

Mark

Was könnte dieser Fall für Deutschland bedeuten?

Mimi

Ausländische Geheimdienste könnten das Vertrauen in den BND verlieren und künftige Zusammenarbeit erschweren. Die Informationen betrafen auch Treffen im Kanzleramt zu Themen wie dem iranischen Atomprogramm und russischen Streitkräften.

Luke

Aber auch hier: Das ist eine mögliche Folge, keine bewiesene. Ob Partner wirklich ihre Zusammenarbeit einschränken, hängt von vielen Faktoren ab.

  • August Hanning leitete den BND von 1998 bis 2005
  • Fast 2000 BND-Dokumente sollen weitergegeben worden sein
  • Der Büroleiter Manfred D. hatte von März 2012 bis März 2026 Zugang zu Geheiminformationen
  • Die jüngsten gefundenen Dokumente stammen aus Juni 2022
  • Der Fall wurde durch Ermittlungen im Entführungsfall Block aufgedeckt

August Hanning leitete den BND von 1998 bis 2005 und gilt als einer der höchsten Geheimnisträger Deutschlands. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, fast 2000 BND-Dokumente an seinen früheren Büroleiter weitergegeben zu haben, der diese an ausländische Dienste spielte.

Der frühere Leiter des Bundesnachrichtendienstes August Hanning ist festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, hochsensible Geheiminformationen an ausländische Nachrichtendienste weitergegeben zu haben.

Die Festnahme eines früheren Chefs des Bundesnachrichtendienstes wegen Spionageverdacht ist für Deutschland ein beispielloses Ereignis. August Hanning, der den BND von 1998 bis 2005 leitete, wurde festgenommen, nachdem die Bundesanwaltschaft gegen ihn Ermittlungen wegen landesverräterischer Ausspähung, versuchten Landesverrats und geheimdienstlicher Agententätigkeit eingeleitet hatte. Der heute 80-Jährige gilt als einer der höchsten Geheimnisträger der Bundesrepublik. Nach seiner Zeit an der Spitze des Auslandsgeheimdiensts war er Staatssekretär im Bundesinnenministerium, bevor er in die Privatwirtschaft wechselte und als Sicherheitsberater tätig wurde.

Der Verdacht wiegt schwer: Hanning soll über Jahre hinweg fast 2000 teilweise hochsensible BND-Dokumente an seinen früheren Büroleiter Manfred D. weitergegeben haben – gegen Geld. Dieser D. hatte nach seiner Zeit als Hannings Mitarbeiter von März 2012 bis März 2026 eine ähnliche Funktion unter Hannings Nachfolgern inne und verfügte damit über Zugang zu zahlreichen Staatsgeheimnissen. Die Dokumente, die Hanning erhielt, nutzte er der Anklage zufolge für seine private Beratertätigkeit. Doch das ist nicht alles: Der schwerste Vorwurf lautet, dass Hanning über Jahre einen engen Austausch mit einem Mitarbeiter eines ausländischen Nachrichtendienstes gepflegt und diesem hochsensible Informationen zugespielt haben soll. Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung soll es sich dabei nicht um Russland handeln, doch die Identität des betreffenden Landes bleibt ungeklärt. Ermittler sprechen zudem von einer Analyse, die Hanning für einen Mitarbeiter eines weiteren fremden Geheimdienstes erstellt haben soll, wobei unklar ist, ob diese ihn erreichte.

Die Geheiminformationen betrafen auch routinemäßige Treffen der Chefs deutscher Sicherheitsbehörden im Kanzleramt. Dort wurden unter anderem das iranische Atomprogramm und Analysen zu russischen Streitkräften erörtert. Da bei diesen Treffen auch Erkenntnisse ausländischer Partnerdienste weitergegeben wurden, könnte der Fall das Vertrauen dieser Partner in den deutschen BND erheblich beschädigen und künftige nachrichtendienstliche Zusammenarbeit erschweren.

Hannings Name geriet zunächst in einem ganz anderen Zusammenhang in die Schlagzeilen. Im September 2025 durchsuchte das Hamburger Landeskriminalamt sein Haus und seine Büros im Zusammenhang mit dem Entführungsfall Block. Christina Block, Erbin einer Restaurantkette, wird verdächtigt, Ende 2023 die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben – wegen eines Sorgerechtsstreits. Ein Jahr zuvor soll es bereits einen gescheiterten Entführungsversuch gegeben haben, an dem Hanning möglicherweise beteiligt war, was dieser bestreitet. Bei der Durchsuchung fanden Ermittler einen elektronischen Datenträger mit streng geheimen BND-Dokumenten aus jüngerer Zeit. Das Landeskriminalamt leitete diese an die Bundesanwaltschaft weiter. Im Mai 2026 begannen verdeckte Ermittlungen gegen Hanning und D., nun folgte die Festnahme beider. Die jüngsten gefundenen Dokumente stammen aus dem Juni 2022.

Der BND hat in seiner Geschichte mehrere spektakuläre Spionagefälle erlebt. In den 1960er Jahren leitete Heinz Felfe das Referat Gegenspionage Sowjetunion und arbeitete gleichzeitig für den sowjetischen KGB. 2014 wurde ein BND-Mitarbeiter als CIA-Spion enttarnt. Ein Prozess gegen einen BND-Mann, der Russlands FSB Geheimnisse verriet, läuft noch immer. Doch noch nie stand ein ehemaliger Beamter von Hannings Rang unter Spionageverdacht.

Der aktuelle BND-Präsident Martin Jäger teilte mit, dass der Dienst frühzeitig umfangreiche interne Ermittlungen eingeleitet habe, die den Verdacht erhärteten. "Für den BND und mich gibt es bei der internen Sicherheit keine Kompromisse", erklärte er. Doch von politischer Seite kommt heftige Kritik. Günter Krings von der CDU sagte der Rheinischen Post, dass allein der Verdacht, ein ehemaliger BND-Chef könnte Geheimnisse verkauft haben, dem Vertrauen in deutsche Sicherheitsbehörden schade. Konstantin von Notz, Grünen-Politiker und Vizechef des Parlamentarischen Kontrollgremiums, nennt die Vorwürfe "schlimm und abgründig" und fordert, dass Lobby-Tätigkeiten ehemaliger Spitzenbeamter stärker überwacht werden. "Diese sind offenkundig auch ein Einfallstor für gegnerische Geheimdienste", warnt von Notz. Clara Bünger von der Linken geht noch weiter und erklärt: "Die Ermittlungen gegen den Ex-BND-Chef Hanning zeigen erneut: Die Geheimdienste sind selbst ein Sicherheitsrisiko."

Wichtig ist jedoch die Betonung, dass die Vorwürfe gegen Hanning und D. bislang nur Verdacht sind. Ein Gericht wird über ihre Berechtigung zu urteilen haben.

Ein guter Agent zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht auffällt
— August Hanning
Für den BND und mich gibt es bei der internen Sicherheit keine Kompromisse
— BND-Präsident Martin Jäger
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