Wenn eine Institution ihren Kopf wechselt, offenbart sich darin oft mehr über ihre innere Verfassung als über die Person, die geht oder kommt. Thomas Weikert, fünf Jahre lang Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, tritt ab — und die Art, wie sein Nachfolger gefunden wird, wirft Fragen über Transparenz und Machtverteilung im organisierten deutschen Sport auf. Michael Mronz, IOC-Mitglied und Kölner Unternehmer, soll im Dezember in Frankfurt gewählt werden, doch hinter den Kulissen formiert sich bereits Widerstand jener, die sich übergangen fühlen.
DOSB sucht neue Führung: Mronz als Präsidentenkandidat im Fokus
Eine konzertierte Aktion, die Widerstand hervorruft
Warum wirkt dieser Führungswechsel wie eine konzertierte Aktion statt wie ein offener Prozess?
Die Findungskommission hat ihre Empfehlung bereits formuliert, bevor die Basis überhaupt informiert wurde. Ein Tag nach Weikerts Rückzugsankündigung begannen die Verhandlungen über die Nachfolge. Und parallel zirkulieren bereits Namen für das künftige Kabinett.
Aber das ist noch nicht bewiesen, dass alles abgestimmt ist. Es könnte auch sein, dass die Kommission einfach schnell arbeitet. Die Frage, ob Mronz sein Team selbst wählt oder ob es bereits abgestimmt ist, bleibt offen.
Wer ist Michael Mronz eigentlich, und warum ausgerechnet er?
Ein 59-jähriger Kölner, der bereits IOC-Mitglied ist und im DOSB-Präsidium sitzt. Er hat sich bislang nicht öffentlich zu seiner möglichen neuen Rolle geäußert.
Das ist interessant — wir wissen nicht wirklich, warum die Kommission ihn empfiehlt. Die Begründung fehlt in der Berichterstattung.
Es gibt also Widerstand gegen diese Pläne?
Ja, die Wintersport-Gruppe plant Widerstand, weil sie ihre Interessen nicht ausreichend berücksichtigt sieht. Und Martin Engelhardt, der aktuelle Vizepräsident, soll selbst Interesse am Präsidentenamt haben.
Das ist wichtig: Wir wissen, dass ein Funktionär das bestätigt hat, aber wir kennen nicht die Namen der Wintersportler, die Widerstand leisten wollen. Und bei Engelhardt ist unklar, wie konkret sein Interesse ist.
Könnte dieser Widerstand den ganzen Plan zum Scheitern bringen?
Bis zum 30. Oktober läuft die Nominierungsfrist. Es gibt noch Zeit für Bewegung. Aber die Strategie der Findungskommission scheint darauf abzuzielen, alle relevanten Kräfte einzubinden, um Opposition zu vermeiden.
Das ist eine Hypothese, nicht gesichert. Wir wissen, dass Widerstand geplant ist, aber nicht, wie stark er sein wird oder ob er erfolgreich sein kann.
El Pulso
- Weikerts Rückzug kam nicht überraschend, aber die Geschwindigkeit, mit der seine Nachfolge organisiert wurde, lässt kaum Raum für offene Konkurrenz.
- Die Findungskommission unter Alfons Hölzl hat Mronz bereits als Kandidaten gesetzt — ein Schattenkabinett kursiert, bevor der Kandidat sich überhaupt öffentlich erklärt hat.
- Die Wintersport-Gruppe plant aktiven Widerstand, weil sie sich weder im künftigen Präsidium noch in der neuen Spitzensportagentur angemessen vertreten sieht.
- DOSB-Vizepräsident Martin Engelhardt soll selbst Ambitionen auf das Präsidentenamt hegen — ein interner Rivale, den die Kommission mit einem Vizeposten abspeisen wollte.
- Die Nominierungsfrist läuft bis zum 30. Oktober, und ob Mronz mit einem selbst gewählten oder einem vorverhandelten Team antritt, bleibt die entscheidende offene Frage.
Wenn eine Institution ihren Kopf wechselt, offenbart sich darin oft mehr über ihre innere Verfassung als über die Person, die geht oder kommt. Thomas Weikert, fünf Jahre lang Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, tritt ab — und die Art, wie sein Nachfolger gefunden wird, wirft Fragen über Transparenz und Machtverteilung im organisierten deutschen Sport auf. Michael Mronz, IOC-Mitglied und Kölner Unternehmer, soll im Dezember in Frankfurt gewählt werden, doch hinter den Kulissen formiert sich bereits Widerstand jener, die sich übergangen fühlen.
Der Deutsche Olympische Sportbund steht vor einem Führungswechsel, der sich weniger wie ein offener Wettbewerb anfühlt als wie eine sorgfältig inszenierte Abfolge vollendeter Tatsachen. Thomas Weikert erklärte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, bei der Mitgliederversammlung im Dezember in Frankfurt nicht erneut zu kandidieren — einen Tag später liefen bereits die Verhandlungen über seine Nachfolge.
Die Findungskommission unter Alfons Hölzl, Präsident des Deutschen Turner-Bundes, hat ihre Empfehlung formuliert: Michael Mronz, 59 Jahre alt, Kölner Unternehmer und bereits IOC-Mitglied sowie Mitglied des DOSB-Präsidiums, soll das Amt übernehmen. An diesem Wochenende werden Landessportbünde und Spitzenverbände in Oberhaching bei München über die Ergebnisse informiert. Namen für ein Schattenkabinett kursieren bereits — obwohl Mronz sich bislang öffentlich nicht geäußert hat und erst in Oberhaching das Wort ergreifen will.
Doch der Prozess stößt auf Widerstand. Aus dem Wintersport ist zu hören, dass die Winter-Gruppe ihre Interessen weder im künftigen Präsidium noch in der geplanten Spitzensportagentur ausreichend berücksichtigt sieht. Zudem soll DOSB-Vizepräsident Martin Engelhardt, Präsident der Triathlon-Union, selbst Interesse am Präsidentenamt bekundet haben — die Kommission hatte für ihn lediglich den Vizeposten vorgesehen.
Die Strategie der Findungsexperten scheint darauf ausgerichtet, alle relevanten Kräfte einzubinden und so lähmende Opposition durch Inklusion zu neutralisieren. Ob das gelingt, ist offen. Die Nominierungsfrist endet am 30. Oktober. Finanziell ist das Amt kaum attraktiv: Die von Weikert durchgesetzte Vergütung von 2000 Euro brutto monatlich ab Januar 2027 gilt selbst ihm als völlig unzureichend — Mronz, so heißt es, wäre auf ein Gehalt ohnehin nicht angewiesen.
Der Deutsche Olympische Sportbund steht vor einem Führungswechsel, der sich weniger wie ein offener Prozess anfühlt und mehr wie eine sorgfältig choreografierte Abfolge von Ankündigungen. Thomas Weikert, fünf Jahre lang Präsident des DOSB, erklärte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass er bei der Mitgliederversammlung im Dezember in Frankfurt nicht erneut kandidieren wird. Einen Tag später begannen die Verhandlungen über seine Nachfolge.
Die Findungskommission, geleitet von Alfons Hölzl, dem Präsidenten des Deutschen Turner-Bundes, hat ihre Empfehlung bereits formuliert: Michael Mronz soll der nächste Präsident werden. Der 59-jährige Kölner ist bereits IOC-Mitglied und sitzt im DOSB-Präsidium. Am Freitag und Samstag dieser Woche werden die Landessportbünde und Spitzenverbände in Oberhaching bei München die Ergebnisse dieser Findungskommission präsentiert bekommen. Parallel zirkulieren bereits Namen für ein sogenanntes Schattenkabinett — die künftige Führungsmannschaft, die neben Mronz agieren soll. Mronz selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu seiner möglichen neuen Rolle geäußert und will sich erst in Oberhaching vorstellen.
Doch nicht alle im organisierten Sport sind mit diesem Ablauf einverstanden. Ein Funktionär aus dem Wintersport bestätigte der FAZ, dass die Winter-Gruppe Widerstand plant. Sie fühlt sich in ihren Interessen nicht ausreichend berücksichtigt — weder im künftigen Präsidium noch in der Spitzensportagentur, die nach Verabschiedung des neuen Sportfördergesetzes gegründet werden soll. Hinzu kommt: DOSB-Vizepräsident Martin Engelhardt, Präsident der Triathlon-Union, soll selbst Interesse am Präsidentenamt bekundet haben. Nach dem Plan der Findungsexperten sollte er Vizepräsident bleiben, nicht aufsteigen.
Die Frage, die sich stellt, ist grundsätzlich: Wird Mronz mit einem von ihm selbst gewählten Team in die Wahl gehen, oder ist die Mannschaft bereits abgestimmt? Die Findungskommission scheint darauf hinzuarbeiten, dass alle relevanten Kräfte im DOSB an der künftigen "Regierung" beteiligt sind — ein Versuch, lähmende Opposition durch Inklusion zu vermeiden. Ob das aufgeht, wird sich zeigen.
Bis zum 30. Oktober läuft die Nominierungsfrist, es bleibt also noch Bewegungsspielraum. Geld wird dabei keine Rolle spielen. Weikert hat zwar eine Vergütung von 2000 Euro brutto monatlich für das Präsidentenamt ab Januar 2027 durchgesetzt, bewertet diese aber selbst als "völlig ungenügend" angesichts des Aufwandes. Zum Vergleich: Chefs von nicht besonders wohlhabenden internationalen Fachverbänden verdienen teilweise 100.000 Euro pro Jahr netto. Mronz, so heißt es, wäre auf ein Gehalt nicht angewiesen.
Citas Notables
Thomas Weikert bewertete die geplante Vergütung von 2000 Euro brutto monatlich für das Präsidentenamt als völlig ungenügend angesichts des Aufwandes— Thomas Weikert, scheidender DOSB-Präsident