Deutscher Lkw-Scanner in Gaza-Grenzübergang nicht in Betrieb

Patienten in Gaza können nicht transportiert werden; kritische Medikamente und Treibstoff für Stromgeneratoren fehlen der Bevölkerung.
Ein Hindernis aus dem Weg geräumt — doch niemand nutzt es
Das Auswärtige Amt hoffte, mit Scannern die Blockade von Dual-Use-Gütern zu durchbrechen, doch der deutsche Scanner steht ungenutzt am Grenzübergang.
Mark

Warum hat Deutschland überhaupt diese Scanner bereitgestellt, wenn Israel sie nicht nutzen wollte?

Mimi

Das ist die zentrale Frage. Deutschland dachte, es hätte ein echtes Problem gelöst — die israelischen Behörden hatten Angst, dass Dual-Use-Güter in die falschen Hände geraten. Mit Scannern könnte man das überprüfen. Also schickte Berlin die Geräte als Vertrauensbeweis.

Luke

Aber das setzt voraus, dass Israel die Scanner überhaupt nutzen wollte. Gibt es irgendwelche Hinweise darauf, dass das Verteidigungsministerium sie jemals in Betrieb nehmen wollte?

Mimi

Das ist das Problem — wir wissen es nicht. Das Ministerium antwortet nicht. Der Scanner steht dort, aber niemand benutzt ihn.

Mark

Was bedeutet das für die Menschen in Gaza?

Mimi

Es bedeutet, dass Krankenwagen ohne Öl stehen, dass Stromgeneratoren ausfallen, dass Krebspatienten nicht transportiert werden können. Hilfsorganisationen sagen, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen.

Luke

Aber fair ist auch: Wir wissen nicht, ob Israel den Scanner ablehnt oder ob es andere Gründe gibt — Wartung, Sicherheitsbedenken, Personalprobleme. Das Ministerium schweigt.

Mark

Und der zweite Scanner, der im Hafen Aschdod aufgebaut werden sollte?

Mimi

Auch dazu keine Antwort. Das Auswärtige Amt ist frustriert, weil es dachte, ein echtes Hindernis aus dem Weg geräumt zu haben.

Luke

Das zeigt, wie schwierig es ist, humanitäre Krisen durch technische Mittel zu lösen, wenn die politischen Bedingungen nicht stimmen.

  • Botschafter Lambsdorff präsentierte den Scanner im August 2026
  • Der Scanner steht seit September am Grenzübergang Erez, ist aber nicht in Betrieb
  • Israel blockiert Dual-Use-Güter wie Öl, Treibstoff und Baumaterial aus Sicherheitsbedenken
  • Cadus-Koordinator Schroer: Krankenwagen brauchen dringend Öl und Batterien
  • Das israelische Verteidigungsministerium äußert sich nicht zu den Gründen

Im August präsentierte Botschafter Lambsdorff einen deutschen Röntgen-Scanner, der mehr Hilfsgüter nach Gaza ermöglichen sollte. Der Scanner steht seit September am Grenzübergang Erez, ist aber nicht aktiv; Israel begrenzt Dual-Use-Güter wie Öl und Treibstoff aus Sicherheitsbedenken.

Deutschland lieh Israel Lkw-Scanner zur Beschleunigung von Hilfslieferungen nach Gaza, doch die Geräte sind nicht in Betrieb. Das Verteidigungsministerium äußert sich nicht zu den Gründen.

Im August stand Alexander Graf Lambsdorff, Deutschlands neuer Botschafter in Israel, vor einem sandfarben gestrichenen Lastwagen der Bundeswehr. Auf der Ladefläche thronte eine Konstruktion, die wie ein übergroßes Tor aussah — ein Röntgenscanner für Lastwagen. Die deutsche Botschaft in Tel Aviv kündigte das Gerät in einem Instagram-Post an: Es werde sicherstellen, dass mehr Hilfsgüter in den Gazastreifen gelangen, während Israels Sicherheit gewahrt bleibt. Die Bundeswehr teilte mit, der Scanner solle voraussichtlich im September in Betrieb gehen.

Mitte September am Grenzübergang Erez sah die Realität anders aus. Der deutsche Lkw-Scanner stand in einem Innenhof, umgeben von meterhohen Betonmauern, auf denen gelb-rote Warnschilder für Röntgenstrahlung klebten. Die Ampel zur Einfahrt zeigte rot. Ein Büro-Container stand verlassen am Straßenrand. Niemand war zu sehen. Das Gerät, das Deutschland mit großem Aufwand bereitgestellt hatte, war nicht in Betrieb — und sollte es nach Recherchen des ARD-Studios Tel Aviv auch nicht werden.

Die Hoffnung der Bundesregierung war einfach: Mit den Scannern könnten israelische Behörden sogenannte Dual-Use-Güter schneller abfertigen — Material, das zivil und militärisch genutzt werden kann. Israel zählt dazu Zeltstangen, Planen, Motoröl und Treibstoff. Durch die genaue Durchleuchtung sollte sich feststellen lassen, welche Güter tatsächlich in den Gazastreifen gelangen, ohne dass die israelische Sicherheit gefährdet wird. Josef Hinterseher vom Auswärtigen Amt in Berlin klingt frustriert, wenn er davon spricht: Ein Hindernis sei aus dem Weg geschafft worden, nämlich die Blockade dieser Dual-Use-Güter. Mit den Scannern könne man ja ganz genau feststellen, welche Materialien durchgelassen werden könnten. "Unser Aufruf und Appell ist es, die Lieferung humanitärer Hilfe, die die Pflicht einer Besatzungsmacht ist, sicherzustellen", sagte Hinterseher.

Auf Nachfrage der ARD, warum der deutsche Scanner nicht in Betrieb ist, verwiesen die israelische Armee und die zuständige Behörde Cogat an das Verteidigungsministerium. Von dort kam nur eine knappe schriftliche Antwort: kein Kommentar. Auch zur Frage, ob ein zweiter Scanner wie geplant im Hafen Aschdod aufgebaut werden soll, äußerte sich das Ministerium nicht.

Die Blockade von Dual-Use-Gütern hat konkrete Folgen für die humanitäre Lage. Thorsten Schroer koordiniert den Gaza-Einsatz der deutschen Hilfsorganisation Cadus. Seine Organisation braucht dringend Öl und Batterien für Krankenwagen, um Patienten zu verlegen. "Die Israelis dort zu unterstützen, mehr Grenzübergänge zu öffnen, ist sicherlich zu begrüßen. Das kann aber nicht die einzige Antwort sein, sondern die ganze Situation gesamthaft betrachten und die Güter hereinbringen, die den Menschen wirklich helfen", betont Schroer. Laut dem UN-Nothilfebüro OCHA fehlen im Gazastreifen aktuell vor allem Medikamente für Krebstherapien, Insulin und Motoröl. Stromgeneratoren laufen dort praktisch ohne Pause — für sie sind kaum noch Ersatzteile zu bekommen.

Israel begründet die Beschränkung damit, dass die Hamas Öl, Treibstoff oder Baumaterial für sich nutzen könnte. Der deutsche Cargo-Scanner am Übergang Erez wird an dieser Situation vorerst nichts ändern können. Die Hoffnung, dass technische Lösungen die humanitäre Blockade durchbrechen könnten, bleibt vorerst unerfüllt — und das Verteidigungsministerium in Jerusalem schweigt zu den Gründen.

Die Lieferung humanitärer Hilfe, die die Pflicht einer Besatzungsmacht ist, sicherzustellen
— Josef Hinterseher, Auswärtiges Amt
Das kann aber nicht die einzige Antwort sein, sondern die ganze Situation gesamthaft betrachten und die Güter hereinbringen, die den Menschen wirklich helfen
— Thorsten Schroer, Cadus
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