DAX startet Woche mit gemischten Signalen – 25.000er Marke im Fokus

Vorsichtiger Optimismus ist die Art, wie die Leute die Lage sehen
Ein Handelschef beschreibt die gemischte Stimmung zwischen Hoffnung auf Zinsberuhigung und Sorgen um Wirtschaft und Inflation.
Mark

Warum ist die 25.000er-Marke beim DAX eigentlich so wichtig? Das ist doch nur eine Zahl.

Mimi

Psychologisch ist sie entscheidend. Je länger der Index um diese Schwelle pendelt, desto mehr Aufmerksamkeit bekommen Anleger dafür. Sie wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung – wenn viele Leute glauben, dass sie wichtig ist, wird sie es.

Luke

Aber das ist spekulativ. Wir wissen nicht, wie viele Anleger diese Marke tatsächlich als Entscheidungskriterium nutzen. Das ist eine Aussage eines Analysten, nicht eine gemessene Tatsache.

Mark

Okay, verstanden. Aber was ist mit den US-Arbeitsmarktdaten – warum haben die so viel Gewicht?

Mimi

Weil schwache Arbeitsmarktdaten die Fed davon abhalten, die Zinsen weiter zu erhöhen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung sank von 64 auf 22 Prozent – das ist ein enormer Sprung. Das beruhigt die Märkte.

Luke

Allerdings: Die Daten zeigen, dass die USA in zwei von neun Monaten Arbeitsplätze verloren haben. Das ist nicht gerade ein Zeichen von Stärke. Und die Inflation bleibt ein Problem. Das ist also ein gemischtes Signal, nicht eindeutig positiv.

Mark

Und die Ölpreise – warum belasten die den DAX so sehr?

Mimi

Hohe Energiepreise erhöhen die Produktionskosten für Unternehmen und drücken auf die Gewinne. Außerdem signalisieren sie wirtschaftliche Unsicherheit. Die Huthi-Anschläge und die Blockaden in der Straße von Hormus zeigen, dass die Versorgung gefährdet ist.

Luke

Aber die OPEC+ hält ihre Produktionslimits konstant – das ist ein bewusstes Angebot-Management, nicht nur Angebotsschock. Und 100 Millionen Barrel wurden aus den G7-Notreserven freigegeben. Das sollte theoretisch helfen, die Preise zu senken. Dass sie trotzdem bei über 101 Dollar bleiben, zeigt, dass die Angst vor Versorgungsunterbrechungen größer ist als die Marktmechaniken.

Mark

Also ist die Woche wirklich ein Schachspiel zwischen Zinssorgen und Energiesorgen?

Mimi

Genau. Die Zinssorgen sind etwas gelöst, aber die Energiesorgen bleiben. Das ist das Gleichgewicht, auf dem der DAX gerade balanciert.

Luke

Und wir sollten nicht vergessen: Das Handelsvolumen in Asien war gering, weil Shanghai geschlossen war. Das bedeutet, dass die Rallye auf weniger Liquidität stattfand. Das könnte fragiler sein, als es aussieht.

  • DAX pendelt um 25.000 Punkte, schloss Freitag bei 25.231 Punkten
  • Zinserhöhungs-Wahrscheinlichkeit sank von 64 auf 22 Prozent
  • Brent-Öl kostet 101,68 Dollar pro Barrel
  • Bayer investiert 2,2 Milliarden Dollar in neuen US-Produktionsstandort mit 600 Arbeitsplätzen
  • OPEC+ hält Produktionslimits im November unverändert

Der DAX pendelt um die psychologisch wichtige 25.000-Punkte-Marke, nachdem er am Freitag 1,2 Prozent gewann und sein Wochenminus auf 0,7 Prozent begrenzte. Schwache US-Arbeitsmarktdaten reduzierten die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen von 64 auf 22 Prozent, was asiatische Märkte antrieb und US-Börsen stützte.

Der DAX bewegt sich in schwierigem Fahrwasser, während die 25.000-Punkte-Marke im Fokus bleibt. Zinssorgen wurden durch schwache US-Arbeitsmarktdaten gebremst, doch hohe Ölpreise belasten weiterhin.

Der deutsche Leitindex startet die neue Woche in unsicheren Gewässern. Am Freitag hatte der DAX zwar um 1,2 Prozent zugelegt und damit sein Wochenminus auf 0,7 Prozent begrenzt, doch die Erholung wirkt fragil. Der Broker IG taxiert den Index zum Wochenstart nahezu unverändert auf dem Niveau vom Freitag, als er bei 25.231 Punkten schloss. Die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten rückt damit in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Je länger der DAX um dieses Niveau pendelt, desto bedeutsamer wird diese Schwelle für Anleger, erklärt Timo Emden, Chefmarktanalyst beim Online-Broker CapTrader. Für ihn bleiben die Entwicklungen an den Anleihemärkten auf beiden Seiten des Atlantiks das zentrale Risiko.

Eine wichtige Erleichterung kam am Freitag vom US-Arbeitsmarkt. Die Arbeitsmarktdaten fielen schwächer aus als erwartet, was die Sorge vor weiteren aggressiven Zinserhöhungen durch die Federal Reserve dämpfte. Jose Torres, leitender Volkswirt bei Interactive Brokers, fasst die Lage so zusammen: Die Arbeitsbedingungen seien insgesamt stabil, aber die Abwärtskorrektionen signalisierten, dass die US-Wirtschaft in zwei der neun Monate dieses Jahres Arbeitsplätze verloren habe. Robert Bernstone, Handelschef bei SummitTX Capital, spricht von vorsichtigem Optimismus – es gebe Sorgen um die Wirtschaft und die Inflation, doch das Risiko weiterer Jobverluste bedeute, dass die Fed nicht um weitere 100 Basispunkte erhöhen könne. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in diesem Monat sank daraufhin von 64 Prozent in der Vorwoche auf nur noch 22 Prozent.

Diese Nachricht beflügelte die US-Börsen zum Wochenende. Der Dow-Jones-Index schloss 0,5 Prozent höher bei 51.177 Punkten, der S&P 500 gewann 0,7 Prozent auf 7.723 Zähler, und der Nasdaq zog um 1,2 Prozent auf 27.191 Punkte an. Auch die asiatischen Märkte profitierten: In Tokio legte der Nikkei-Index am Montag um 2,5 Prozent auf 70.037 Punkte zu, der breiter gefasste Topix notierte 1,2 Prozent höher bei 4.138 Zählern. Das Handelsvolumen fiel jedoch gering aus, da die Börse Shanghai feiertagsbedingt geschlossen blieb.

Doch während die Zinssorgen nachgelassen haben, bleibt ein anderes Problem hartnäckig: die hohen Ölpreise. Die Rohölsorte Brent aus der Nordsee kostete zuletzt 101,68 Dollar je Barrel, das US-Öl WTI notierte bei 90,18 Dollar. Zwar drückten steigende Rohölexporte aus dem Nahen Osten und die Freigabe von 100 Millionen Barrel aus den Notreserven der G7-Staaten die Preise, doch dies glich die Sorgen über Anschläge der Huthi-Rebellen auf Anlagen von Saudi Aramco sowie zunehmende Attacken auf Öltanker in der Straße von Hormus aus. Nach Angaben eines Kapitäns wurde in der Meerenge erneut ein Tanker beschossen, wie die britische Schifffahrtsbehörde am Sonntag meldete.

Auch von den wichtigen Ölexportländern des Verbunds OPEC+ ist zunächst keine Entspannung zu erwarten. Saudi-Arabien, Russland und weitere fünf Staaten teilten nach einer Online-Sitzung mit, dass sie ihre Förderziele auch im November nicht anheben werden. Die Produktionslimits der Gruppe bleiben damit den zweiten Monat in Folge unverändert. Für Emden sind der Ölpreis und die Anleiherenditen derzeit die entscheidenden Faktoren für die Börsen – und beide bleiben angespannt.

Auf Unternehmensseite gibt es positive Signale. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer kündigte an, 2,2 Milliarden US-Dollar in einen neuen Produktionsstandort in New Albany im US-Bundesstaat Ohio zu investieren. Dort sollen rund 600 hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen, in denen die Herstellung von pharmazeutischen Wirkstoffen und Fertig-Arzneimitteln an einem Standort vereint wird. Bayer hat in den vergangenen fünf Jahren bereits mehr als sieben Milliarden Dollar in Pharma-Forschung, -Entwicklung und Produktion in den USA investiert. Diese Ankündigung zeigt, dass trotz der Unsicherheit an den Märkten große Konzerne weiterhin in Expansion investieren.

Die Woche wird zeigen, ob die DAX-Anleger die Zinssorgen-Erleichterung als Wendepunkt nutzen können oder ob die hohen Ölpreise und Anleiherenditen die Erholung bremsen. Die 25.000er-Marke bleibt der Kompass für die kommenden Tage.

Je länger der deutsche Leitindex um diese pendele, desto wichtiger werde sie für die Anleger.
— Timo Emden, Chefmarktanalyst CapTrader
Die Arbeitsmarktbedingungen sind insgesamt stabil, aber die Abwärtskorrektionen signalisieren, dass die US-Wirtschaft in zwei der neun Monate dieses Jahres Arbeitsplätze verloren hat.
— Jose Torres, leitender Volkswirt Interactive Brokers
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