DAX peilt 25.000-Punkte-Marke an – Inflationsdaten im Fokus

Energiepreise und Zinsschritte laufen nicht parallel
EZB-Chefin Lagarde signalisiert, dass die Notenbank nicht automatisch auf höhere Ölpreise mit Zinserhöhungen reagiert.
Mark

Warum ist diese 25.000er-Marke beim DAX eigentlich so wichtig? Es ist doch nur eine Zahl.

Mimi

Psychologisch ist sie ein Ankerpunkt. Wenn ein Index eine runde Marke hält oder überschreitet, signalisiert das Stabilität. Wenn er sie unterschreitet, wirkt das wie ein Kontrollverlust – auch wenn die wirtschaftlichen Fundamentaldaten sich nicht um 100 Punkte ändern.

Luke

Aber die Frage ist: Hält der DAX diese Marke, weil die Wirtschaft wirklich besser wird, oder nur, weil Zentralbanken geduldig sind? Die Fed-Aussage von Philip Jefferson hat die Märkte beruhigt, aber das ist eine Interpretation eines Statements, keine harte Zusage.

Mark

Und was ist mit den chinesischen Ölexporten? Das klingt nach einem echten Problem.

Mimi

Das ist tatsächlich ein Warnsignal. China stoppt Exporte, weil es selbst Versorgungsengpässe befürchtet. Das treibt die Ölpreise hoch, was wiederum die Inflation anheizt – genau das, das die Zentralbanken bekämpfen wollen.

Luke

Aber wir wissen nicht, wie lange dieser Stopp andauert. Reuters sagt "bis auf Weiteres", aber das könnte morgen vorbei sein oder Monate andauern. Die Märkte reagieren auf Unsicherheit, nicht auf Fakten.

Mark

Die Inflationszahlen aus der Eurozone – sind die wirklich so besorgniserregend?

Mimi

Der Anstieg von 3,2 auf 3,6 Prozent ist deutlich, und er wird hauptsächlich durch Energiepreise getrieben. Das ist das Problem: Die EZB kann die Ölpreise nicht mit Zinserhöhungen senken. Lagarde hat das auch gesagt – Energie und Zinsen laufen nicht parallel.

Luke

Das ist der Kern der Sache. Die EZB sitzt in einer Falle. Wenn sie die Zinsen zu schnell erhöht, bremst sie die Wirtschaft. Wenn sie es nicht tut, läuft die Inflation davon. Und die Inflationszahlen, die wir heute sehen, sind Prognosen, keine Gewissheiten.

Mark

Was passiert, wenn die US-Arbeitsmarktdaten heute schwächer ausfallen als erwartet?

Mimi

Dann könnte das die Zinserwartungen senken. Die Fed könnte weniger aggressiv werden, was die Märkte beruhigen würde. Aber es würde auch Fragen über die Wirtschaftskraft aufwerfen.

Luke

Genau. Ein schwacher Arbeitsmarkt ist gut für Anleihekurse, aber schlecht für Aktien. Das ist ein klassisches Dilemma. Und die Erwartung von 90.000 neuen Arbeitsplätzen ist deutlich niedriger als die 162.000 im August – das ist schon ein Rückgang, und wir wissen noch nicht, ob die Realität besser oder schlechter ausfällt.

  • DAX notiert am Freitag mit 0,3% Plus über 25.000 Punkten, nach 1,03% Rückgang am Vortag
  • Brent-Öl kostet 102,52 Dollar je Barrel nach chinesischem Exportverbot für Ölprodukte
  • Eurozone-Inflation erwartet auf 3,6% im September, nach 3,2% im August
  • Japanische Kerninflation stieg auf 2,7% im September; Nikkei fiel 0,9% auf 68.326 Punkte
  • US-Arbeitsmarktdaten heute erwartet: 90.000 neue Arbeitsplätze prognostiziert

Der DAX notiert mit leichtem Plus über der psychologisch wichtigen 25.000er-Marke, nachdem er am Vortag um 1,03% gefallen war. Chinesische Raffinerien stoppen Ölexporte, was Brent-Öl auf 102,52 Dollar treibt; Eurozone erwartet Inflationsstieg auf 3,6% im September.

Der DAX startet zum Wochenschluss knapp über 25.000 Punkten, während Inflationsdaten aus dem Euroraum und steigende Ölpreise durch chinesische Exportstopps die Märkte bewegen.

Der deutsche Leitindex tastet sich zum Wochenschluss wieder an die psychologisch bedeutsame Marke von 25.000 Punkten heran. Der Broker IG notiert den DAX am Freitagmorgen mit einem kleinen Plus von 0,3 Prozent, womit er die runde Marke knapp überschreitet – ein Erholungsversuch nach dem Rückschlag des Vortages, als der Index um 1,03 Prozent auf 24.939 Punkte gefallen war.

Die Bewegungen an den Märkten werden heute vor allem von zwei Faktoren geprägt: den erwarteten Inflationszahlen aus der Eurozone und den Folgen eines überraschenden chinesischen Exportstopps für Ölprodukte. Raffinerien in China haben ihre Lieferungen bis auf Weiteres ausgesetzt, wie Reuters berichtet. Diese Nachricht treibt die Rohölpreise in die Höhe. Brent-Öl aus der Nordsee kostet zuletzt 102,52 Dollar je Barrel, das amerikanische Pendant WTI notiert bei 92,85 Dollar. Der Grund für Chinas Schritt liegt darin, dass die Raffinerien Sorgen um die Verfügbarkeit von Produkten auf dem heimischen Markt haben – ein Signal, das auf den ohnehin durch den Iran-Krieg angespannten Energiemärkten für zusätzliche Unruhe sorgt. Giovanni Staunovo, Analyst bei der UBS, deutet an, dass das chinesische Verbot genau diese Besorgnis widerspiegelt.

Die hohen Öl- und Gaspreise werden sich heute auch in den Inflationszahlen der Eurozone zeigen. Experten rechnen damit, dass die Verbraucherpreise im September auf 3,6 Prozent gestiegen sind, nach 3,2 Prozent im August. Die Europäische Zentralbank hat bereits mit zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr reagiert. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass sie weitere Schritte unternimmt, um dem Preisauftrieb entgegenzuwirken. EZB-Chefin Christine Lagarde hat jedoch klargestellt, dass Energiepreise und Zinsschritte nicht im gleichen Rhythmus steigen werden – eine wichtige Differenzierung für die kommenden Entscheidungen.

In Japan zeigten sich bereits die Auswirkungen von Inflationsdruck und Gewinnmitnahmen. Die Kerninflation in Tokio ist im September auf 2,7 Prozent gestiegen und schürt Erwartungen auf weitere Zinserhöhungen der Bank of Japan Ende Oktober. Yoshiki Shinke vom Dai-ichi Life Research Institute erklärt, dass die Inflationszahlen stark ausfallen, weil Unternehmen die steigenden Kosten durch den schwachen Yen und den Iran-Krieg kontinuierlich an ihre Kunden weitergeben. Die japanische Notenbank hatte die Zinsen im vergangenen Monat auf den höchsten Stand seit 31 Jahren angehoben. Der Notenbankchef signalisiert, dass der Fokus nun darauf liegt, ein Überschießen der Inflation zu verhindern – eine Formulierung, die die Tür für weitere Zinsschritte öffnet. Der Nikkei-Index fiel um 0,9 Prozent auf 68.326 Punkte, der breiter gefasste Topix sank um 1,0 Prozent auf 4.089 Zähler. Die Börse Shanghai blieb feiertagsbedingt geschlossen.

Auch in den USA sorgten robuste Wirtschaftsdaten zunächst für Verunsicherung. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel auf 197.000 und lag damit nahe an der von Ökonomen erwarteten Marke von 200.000. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe deutete auf anhaltenden Preisdruck hin, was die Inflationssorgen verstärkte und Anleger vor weiteren aggressiven Zinserhöhungen durch die Federal Reserve warnte. Doch dann kam eine beruhigende Äußerung: Der stellvertretende Fed-Vorsitzende Philip Jefferson deutete an, dass die Zentralbank nach der Zinserhöhung im September geduldig sein könnte, bevor sie erneut anhebt. Diese Aussage wirkte sich unmittelbar auf den Anleihemarkt aus. Die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihe, die eng an die Zinserwartungen gekoppelt ist, fiel um etwa zehn Basispunkte.

Die US-Börsen schlossen daraufhin leicht im Plus. Der Dow-Jones-Index endete minimal höher bei 50.926 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 0,2 Prozent auf 7.666 Zähler. Der Technologiewerte-Index Nasdaq schloss nahezu unverändert mit 26.871 Punkten. Heute richten sich die Blicke erneut auf Konjunkturdaten aus den USA: Der monatliche Job-Report der Regierung wird erwartet, und Ökonomen rechnen mit einem Stellenplus von 90.000 Arbeitsplätzen, nachdem im August 162.000 Arbeitsplätze hinzugekommen waren. Die Federal Reserve beobachtet diese Daten genau, da sie für die Erreichung von Vollbeschäftigung und stabilen Preisen verantwortlich ist. Die Notenbank hat ihren Leitzins Mitte September auf die Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben und wird die kommenden Arbeitsmarktdaten als Orientierungspunkt für ihre nächsten Entscheidungen nutzen.

Das chinesische Exportverbot deutet auf Sorgen um die Verfügbarkeit von Produkten auf dem heimischen Markt hin
— Giovanni Staunovo, UBS-Analyst
Die Inflationszahlen sind stark und zeigen, dass die Unternehmen die steigenden Kosten durch den schwachen Yen und den Iran-Krieg stetig weitergeben
— Yoshiki Shinke, Dai-ichi Life Research Institute
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