DAX fällt unter 25.000 Punkte – Energiepreise und Anleiherenditen belasten

Der Anleihemarkt hat sich zum Schreckgespenst entwickelt
Marktanalyst Timo Emden beschreibt, wie steigende Renditen neben Ölpreisen die Börsen unter Druck setzen.
Mark

Warum ist es so bedeutsam, dass der DAX unter 25.000 Punkte fällt? Das klingt wie eine reine Zahl.

Mimi

Weil 25.000 eine psychologische Grenze ist – Anleger beobachten solche runden Marken genau. Wenn ein Index sie unterschreitet, signalisiert das oft, dass die Marktstimmung kippt.

Luke

Aber die eigentliche Geschichte ist nicht die Zahl selbst, sondern was sie verursacht hat: steigende Ölpreise und Anleiherenditen. Das sind die echten Treiber.

Mark

Was bedeutet es, dass Anleiherenditen steigen? Ist das schlecht?

Mimi

Steigende Renditen bedeuten, dass Anleihen weniger attraktiv werden – und das zieht Geld aus Aktien ab. Gleichzeitig deuten höhere Renditen auf Inflationssorgen und erwartete Zinserhöhungen hin.

Luke

Genau. Und das ist das Problem: Wenn die Notenbank die Zinsen erhöht, wird Kreditaufnahme teurer, was Unternehmensgewinne belastet. Das drückt Aktienkurse.

Mark

Die Chipaktien stiegen morgens, fielen dann aber. Warum?

Mimi

Micron hatte großartige Zahlen geliefert – das weckte Hoffnung, dass die KI-Story noch nicht zu Ende erzählt ist. Aber im Laufe des Tages überlagerten die Marktbelastungen durch Öl und Renditen diese gute Nachricht.

Luke

Das zeigt, wie fragil die aktuelle Marktstimmung ist. Eine gute Nachricht hält nicht lange, wenn die Grundbedingungen – Energiepreise, Zinsen – sich verschlechtern.

Mark

Der Euro fällt gegen den Dollar. Warum?

Mimi

Der steigende Ölpreis und die Zinserhöhungserwartungen treiben den Dollar nach oben. Der Euro leidet darunter, obwohl die Eurozone-Industrie eigentlich besser läuft als erwartet.

Luke

Das ist interessant: Die Wirtschaftsdaten aus der Eurozone sind gut – die beste Einkaufsmanager-Stimmung seit vier Jahren – aber das reicht nicht aus, um den Euro zu stützen. Die globalen Faktoren überlagern die lokalen Nachrichten.

Mark

Was bedeutet Volkswagens Plan mit den längeren Arbeitszeiten für den Markt?

Mimi

Es zeigt, dass große Konzerne unter Druck stehen. VW kämpft mit hohen Personalkosten und internationaler Konkurrenz. Das ist ein Zeichen für breitere wirtschaftliche Spannungen.

Luke

Aber Vorsicht: Das ist noch Verhandlung, nicht beschlossene Sache. Die Gewerkschaften haben heftige Gegenwehr angekündigt. Wir wissen nicht, wie das ausgeht.

  • DAX schloss bei 24.939 Punkten, ein Minus von einem Prozent
  • Erstmals seit Juli unter der 25.000-Punkte-Marke
  • Zehnjährige US-Anleiherendite erreichte 5,34 Prozent – höchster Stand seit 2002
  • Euro fiel auf 1,1266 Dollar – tiefster Stand seit Mai 2025
  • 888 Börsengänge weltweit in den ersten neun Monaten 2026, aber 288 Milliarden Dollar eingesammelt – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr

Der Deutsche Aktienindex fiel um ein Prozent auf 24.939 Punkte, getrieben durch höhere Ölpreise und steigende Anleiherenditen. Positive Impulse von US-Chipwerten wie Micron konnten die Marktbelastung nicht aufwiegen; auch europäische Chipaktien gaben nach.

Der DAX schloss erstmals seit Juli unter 25.000 Punkten, belastet durch steigende Energiepreise und Anleiherenditen. Ein Minus von einem Prozent prägte den ersten Handelstag des Oktobers.

Der Deutsche Aktienindex ist am Donnerstag erstmals seit Juli unter die psychologisch bedeutsame Marke von 25.000 Punkten gefallen. Der DAX schloss bei 24.939 Punkten – ein Minus von einem Prozent – und markierte damit das Ende eines schwachen Börsenmonats, dessen Lasten sich in den Oktober hinein fortsetzen.

Die Bewegung war das Ergebnis gegensätzlicher Kräfte. Am Morgen hatten starke Zahlen des US-Speicherchipherstellers Micron, die nach Börsenschluss des Vortags veröffentlicht worden waren, Anleger zu Käufen bei Halbleiteraktien bewogen. Im DAX legte der Chiphersteller Infineon zeitweise um dreieinhalb Prozent zu. Diese anfängliche Euphorie über die anhaltende Relevanz der Technologie- und KI-Narrative hielt jedoch nicht an. Im Verlauf des Tages überlagerten steigende Ölpreise und weiter anziehende Anleiherenditen die positiven Impulse. Infineon und andere europäische Chipwerte gaben ihre Gewinne ab. Auch Micron selbst rutschte in den USA im frühen Handel um fast vier Prozent ins Minus.

Timo Emden, Chefmarktanalyst von CapTrader, beschrieb die Situation prägnant: Der Anleihemarkt habe sich neben dem Ölpreis zum Schreckgespenst für die Märkte entwickelt. Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG sprach von einem wilden Ritt um die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten. Schwächelnde US-Börsen verschärften den Druck zusätzlich – der technologielastige Nasdaq 100 gab geringfügig nach, der Dow Jones verlor in den ersten Handelsstunden rund 0,4 Prozent.

Die steigenden Ölpreise schürten Inflationssorgen, was wiederum Spekulationen auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed verstärkte. Dies trieb den US-Dollar nach oben, während der Euro unter Druck geriet. Der Eurokurs fiel auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr und rutschte zeitweise bis auf 1,1266 Dollar – den niedrigsten Wert seit Mai 2025. Am Anleihemarkt verschärfte sich die Situation: Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe erreichte im elektronischen Handel 5,34 Prozent, den höchsten Stand seit 2002. Der Terminkontrakt für zehnjährige Staatsanleihen fiel um 0,06 Prozent auf 104,14 Punkte. Weltweit reagierten Anleihemärkte mit Kursverlusten auf den Ölpreisanstieg; in Großbritannien erreichte die 30-jährige Laufzeit mit sechs Prozent den höchsten Stand seit 1998.

Eine Stütze kam aus der Eurozone selbst: Konjunkturdaten fielen besser aus als erwartet. Die Stimmung der Einkaufsmanager in den Industrieunternehmen im September erreichte den besten Wert seit über vier Jahren. S&P-Chefvolkswirt Chris Williamson kommentierte, dass sich das Wachstum in der gesamten Eurozone-Industrie erfreulicherweise weiter verbessert habe. Diese positiven Signale reichten jedoch nicht aus, um die Marktbelastung durch Energiepreise und Renditeanstiege zu kompensieren.

An anderer Stelle der Wirtschaft deuteten sich Spannungen an. Volkswagen-Chef Oliver Blume brachte längere Arbeitszeiten für die rund 130.000 Beschäftigten des Konzerns ins Gespräch. In einem Interview mit The Pioneer nannte er mehrere Ansatzpunkte zur Senkung der Arbeitskosten: eine höhere Jahresarbeitszeit etwa durch weniger Urlaubstage oder eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich. Der Konzern kündigte gestern zehn Tarifverträge, darunter den Manteltarifvertrag, der Arbeitszeit und Urlaubstage regelt. Die Arbeitnehmerseite kündigte heftige Gegenwehr an. VW begründet die Maßnahmen mit internationaler Konkurrenz und zu hohen Personalkosten; der Aufsichtsrat hatte kürzlich einem Sparplan zugestimmt, der auch Zehntausende Stellenabbau vorsieht.

Auf globaler Ebene zeigt sich ein gemischtes Bild bei Börsengängen. Das Beratungsunternehmen EY meldete für die ersten neun Monate dieses Jahres 888 Börsengänge weltweit – vier Prozent weniger als im Vorjahr. Allerdings wurde deutlich mehr Kapital eingesammelt: rund 288 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Dies ist das Ergebnis spektakulärer Mega-Börsengänge: SpaceX wurde Mitte Juni in den USA an die Börse gebracht und sammelte mit 86 Milliarden Dollar den größten Börsengang der Geschichte ein. Der südkoreanische Chipkonzern SK-Hynix fuhr mit seinem Zweitlisting in den USA 26,5 Milliarden Dollar ein. In Deutschland verlief das Geschäft schleppend; mehrere Börsengänge wurden abgesagt, etwa der des deutsch-französischen Panzerherstellers KNDS. Dessen Chef Alary deutete jedoch an, dass dieser Börsengang nur ausgesetzt sei und möglicherweise noch in diesem Jahr erfolgen könnte.

Der Anleihemarkt hat sich spätestens jetzt neben dem Ölpreis zum Schreckgespenst für die Märkte entwickelt
— Timo Emden, Chefmarktanalyst von CapTrader
In der gesamten Eurozone-Industrie hat sich das Wachstum erfreulicherweise weiter verbessert
— Chris Williamson, S&P-Chefvolkswirt
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